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Härtere Strafen gefordert

Amsterdam: Erneut homophobe Attacke auf schwules Paar

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen wurden zwei schwule Männer aus Homophobie in der niederländischen Hauptstadt attackiert. Ihr "Vergehen": Sie waren händchenhaltend durch die Straße gelaufen. LGBTI-Aktivisten fordern nun höhere Strafen für Homo-Hasser.


Fabio und Daniel sind zwei Mal in ebenso vielen Monaten wegen ihrer sexuellen Orientierung attackiert worden (Bild: Facebook / Fabio Viana)

Ein binationales schwules Paar ist im Osten Amsterdams offenbar erneut aus Hass auf Homosexuelle auf offener Straße attackiert worden. Bereits vor einem Monat hatte der Brasilianer Fabio Viana erklärt, dass er und sein niederländischer Freund Daniel von einer Gruppe junger Leute angegriffen worden waren, von denen mindestens einer Verbindungen zum islamistischen Spektrum hat (queer.de berichtete).

Vianas Anwalt Sébas Diekstra informierte die Öffentlichkeit am Montag auf Twitter über die neuerliche Attacke: "Der Angriff ereignete sich erneut, weil das Paar händchenhaltend durch die Straßen gelaufen ist. Nach einer Reihe von Kommentaren aus einer Gruppe heraus wurde einer der Männer attackiert", so Diekstra. Die Polizei sei schnell gekommen, die Gruppe sei geflohen, aber eine Person sei von den Beamten befragt worden.

Twitter / sebasdiekstra

Von hinten getreten

Die Polizei bestätigte nach Angaben der Zeitung "Het Parool" den Vorfall und erklärte, eine Person sei festgenommen werden. Der Mann ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Laut dem Bericht sei das Paar aus einer Gruppe von vier Leuten attackiert worden, nachdem sie im Supermarkt einkaufen waren. Die beiden seien homophob beschimpft worden, woraufhin Viana mit seinem Handy ein Bild der Delinquenten machen wollte. Er sei dann von hinten getreten worden. Gegenüber "De Telegraaf" bezeichnete Fabio den erneuten Zwischenfall als "Albtraum".

Die LGBTI-Organisation COC zeigte sich angesichts der Tat fassungslos. Es sei "verrückt", dass "nicht jeder in den Niederlanden des Jahres 2020 sichtbar auf der Straße laufen kann, ohne es mit Gewalt zu tun zu bekommen", erklärte Astrid Oosenbrug, die Vorsitzende der ältesten gegenwärtig noch bestehenden queeren Organisation der Welt. Sie forderte die Politik zum Handeln auf: "Es ist Zeit für weniger Gewalt und mehr verurteilte Gewalttäter", so Oosenbrug. Personen, die aus Hass andere attackierten, müssten härter bestraft werden, so die COC-Forderung. Außerdem müsse die Polizei mehr für LGBTI-Themen sensibilisiert, das queere Polizeinetzwerk "Roze in Blauw" (Rosa in Blau) ausgebaut und an Schulen mehr für LGBTI-Akzeptanz getan werden.

COC verwies darauf, dass es sich bei den Angriffen nicht um Einzelfälle handle. Letzten Monat seien etwa bei Zwischenfällen in den U-Bahnen von Rotterdam und Amsterdam zwei Transpersonen wegen ihrer Geschlechtsidentität attackiert worden.

Erste homophobe Attacke war Thema im Parlament

Bereits der letzte Vorfall hatte scharfe Reaktionen hervorgerufen. Politiker von der mitregierenden linksliberalen Partei Democraten 66 sowie den oppositionellen Sozialdemokraten und von GroenLinks stellten nach dem Vorfall in der Tweede Kamer parlamentarische Anfragen zur Thematik.

Bei der ersten Attacke hatte Fabio Viana den mutmaßlichen Haupttäter gefilmt, als dieser ihn und seinen Freund unter anderem als "Krebs-Homos" beleidigt hatte. Der junge Mann floh zunächst, stellte sich aber nach der Veröffentlichung des Videos der Polizei. Es handelte sich dabei um einen 15-jährigen Jungen. Kurz bevor er sich gestellt hatte, verteidigte er sich in einem Video mit dem islamistischen Video-Blogger Youness Ouaali, der in der Vergangenheit unter anderem zur Gewalt gegen israelische Touristen aufgerufen hatte. Der Junge sah sich als unschuldig an und warf dabei den beiden Schwulen vor, islamophob zu sein.


Fabio Viana filmte den Täter beim ersten Vorfall am Ostersonntag

Der 15-Jährige soll sich am 27. Mai wegen des Angriffs vor Gericht verantworten. Einem weiteren mutmaßlichen Angreifer jenes Tages soll ebenfalls der Prozess gemacht werden. (dk)



#1 thorium222Profil
  • 12.05.2020, 11:07hMr
  • Das passiert also in den liberalen Niederlanden, wenn man sich nicht an die Grundregel der schwulen Unsichtbarkeit hält.
    Respekt für das mutige Paar, das es trotzdem durchzieht!
    Grundrechte müssen eingefordert und genutzt werden, sonst sind sie auch schnell Mal wieder weg.
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#2 Nk231Anonym