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Warnung vor Belastung

Ottmar Hitzfeld rät schwulen Fußballern vom Coming-out ab

Der frühere Bayern-Trainer warnt schwule Profis, dass die Zeit für ein Coming-out noch nicht reif sei. Unterdessen denken offenbar mehrere britische Profis darüber nach, sich zu outen.


Ottmar Hitzfeld ist einer der erfolgreichsten deutschen Trainer der Fußballgeschichte (Bild: Biso / wikipedia)

Der ehemalige Spitzentrainer Ottmar Hitzfeld hält das Coming-out eines schwulen Fußballprofis gegenwärtig für zu belastend. Im am Dienstag erscheinenden Buch "Mensch Trainer" von Isabella Müller-Reinhardt, aus dem "Sportbuzzer" exklusiv zitiert, vergleicht Hitzfeld sein Burnout aus dem Jahr 2004 mit der Lage homosexueller Fußballer.

Er habe damals keine Schwäche zeigen und jedwede Öffentlichkeit über seine Situation vermeiden wollen, unter anderem weil er negative Reaktionen im Stadion fürchtete, so Hitzfeld. Aus diesem Grund würde er schwulen Profis im Augenblick "immer" dazu raten, sich erst nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn zu outen. "Gegnerische Fans nutzen so etwas aus. Die Zeit ist einfach noch nicht reif für so viel Ehrlichkeit", erklärte der 71-Jährige.

Der gebürtige Lörracher gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Trainer. So gewann er zwei Mal, als Coach von Borussia Dortmund 1997 und mit Bayern München 2001, die Champions League. Er war damit einer von bislang nur fünf Trainern, denen es gelang, mit zwei verschiedenen Vereinen wichtigsten Pokal für europäische Spitzenteams zu gewinnen. Zwischen 2008 und 2014 war er außerdem Coach der schweizerischen Nationalmannschaft.

Bislang hat sich in der deutschen Bundesliga noch nie ein Profi während seiner Karriere als Spieler geoutet. Prominentester Schwuler im deutschen Fußball ist derzeit Thomas Hitzlsperger, der Vorstandsvorsitzende des Zweitligisten VfB Stuttgart. Er hatte sich erst nach dem Ende seiner Karriere 2014 geoutet (queer.de berichtete).

Einziges Coming-out in Profiliga endete in Tragödie

In einer europäischen Spitzenliga hatte es bislang nur ein einziges Coming-out gegeben – dieses zeigt auf, wie schwierig die Situation von schwulen Fußballern ist: Der englische Shootingstar Justin Fashanu wurde in den Achtzigerjahren von seinem Trainer Brian Clough vom Club Nottingham Forrest suspendiert, als dieser von den Besuchen seines Stars in Schwulenbars erfuhr. Außerdem beschimpfte Clough Fashanu vor seinen Mannschaftskollegen als "verdammte Schwuchtel".

Daraufhin wechselte der Spieler mehrfach den Verein und machte schließlich 1990 seine Homosexualität publik – seine Karriere war damit endgültig gelaufen, er spielte in Kanada und später bei Provinzclubs in England. 1998 nahm er sich das Leben, nachdem er beschuldigt worden war, sich in den USA an einem 17-jährigen Jugendlichen vergangenen zu haben – die Vorwürfe konnten nie bewiesen werden.

Derzeit gebe es auf der Insel aber Bewegung, so Fashanus Nichte Amal, die eine Stiftung im Namen ihres verstorbenen Onkels betreibt. Sie erklärte vor wenigen Tagen laut "The Sun", dass fünf britische Fußballstars derzeit über ein Coming-out nachdenken würden, davon zwei aus der höchsten englischen Liga. "Niemand will der erste sein", so Amal Fashanu. "In ihrem Kopf sind sie gefangen und schämen sich. Sie denken, die Gesellschaft wird sie nicht akzeptieren und deshalb leben sie ihr Leben im Geheimen." Sie glaube aber, dass in den nächsten fünf Jahren mindestens ein Profi den Schritt an die Öffentlichkeit wagen werde. In Großbritannien hatte es in den letzten Jahren mehrere Akzeptanzkampagnen der Verbände und Vereine gegeben. (dk)



#1 FussballfanAnonym
  • 12.05.2020, 15:14h
  • Es wäre natürlich sehr sinnvoll, wenn der DFB hier entsprechende Hilfsstrukturen bereitstellen könnte. Eine Möglichkeit wäre eine Coming Out Gruppe, betreut von bekannten Trainern, die die sich outen Wollenden im Coming-Out-Prozess unter die Arme greift. Oder ein Fond, falls nach dem Outing die Sponsoren kündigen, um den Spieler finanziell zu unterstützen.
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#2 FliegenAnonym
  • 12.05.2020, 15:22h
  • ...oh je die "alten" sollten einfachmal ruhig sein egal ob der alte Papst oder der Fußballtrainer!!!
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#3 RuferInDerWueste
  • 12.05.2020, 15:45h
  • Hört, hört. Homosexualität ist also eine "Schwäche", die man dann doch besser nicht zeigt?

    ***

    Ich bin übrigens auch "alt", und zwar 55. Und ich werde mitnichten die Klappe halten, ganz im Gegenteil. Und genau WEIL ich schon so alt bin, tue ich kund, dass ich wünsche, dass sich das noch zu meiner Lebzeit ändert. Wie lange sollen wir denn NOCH warten, bis es endlich "akzeptabel" sein wird, dass Fußballer, andere Sportler und überhaupt alle Männer schwul sein "dürfen" und das auch zeigen "dürfen"?

    Ich bin jetzt seit 30 Jahren in der Community aktiv. Wenn ich sehe, wie rückständig dieses Land immer noch geblieben ist, wird mir übel, und zwar so richtig. Als ich 1990 meine ersten Schritte in der Community unternahm, war ich noch voller Hoffnung, dass sich bezüglich unserer Akzeptanz bald etwas ändern könnte. Und dann musste ich erst mal 27 Jahre warten, bis die rechtliche Gleichstellung bei der Ehe kam.

    Nochmal 27 Jahre habe ich wahrscheinlich nicht. Es geht mir gesundheitlich nicht gut - vielleicht überlebe ich nicht mal Corona -, und mein Vater wurde nach vielen schwersten Krankheiten 80. Selbst wenn ich ihn einholen könnte, hätte ich jetzt noch 25 Jahre.

    Ich werde ungeduldig. SEHR ungeduldig.
    Und deshalb dürfen wir solche Aussagen auch nicht auf sich beruhen lassen, sondern müssen uns permanent und immer und immer wieder dagegen wehren.

    Es ist absurd, dass wir als "schwach" bezeichnet werden - müssen wir doch SO viel stärker sein als die meisten Hetero-Männer, um überhaupt erstmal gleichziehen zu können - und auch das nur, wenn wir Glück haben.

    Diese Gesellschaft verursacht mit solchen Aussagen und solchem Verhalten weiterhin massivsten Minority Stress. Jedes Mal sollen wir uns klein fühlen und bloß nicht aufmucken.

    GENUG DAMIT. ENDLICH GENUG!!!
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#4 ursus
  • 12.05.2020, 16:19h
  • Was mich vor allem stört, ist diese fatalistische Grundhaltung. Wer zur Diskussion nichts weiter beizutragen hat als ein saloppes "da machste nix dran", der soll doch einfach den Mund halten. Was wir brauchen, sind Menschen, die mal einen Meter weiterdenken und sich überlegen, wie man es (nicht nur) queeren Profi-Mannschafts-Sportler_innen erleichtern kann, ihr Leben frei zu leben.
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#5 sgfdgdgdgdgAnonym
  • 12.05.2020, 17:11h
  • Dass die Zeit für ein Coming Out im Profifußball (1. Liga) noch nicht reif sei, sagen viele Sportmanager schon seit mehr als 10 Jahren.

    Die Zeit ist aber reif, überreif sogar.

    Wenn kein Profifußballer den Mumm hat sich zu outen, werden die blöden Sportmanager auch im Jahr 2030 noch sagen "Die Zeit ist noch nicht reif für ein Coming Out".

    Hitzlsperger hat sich 2012 geoutet, vor 8 Jahren. Jetzt immer noch zu sagen die Zeit sei nicht reif, hört sich eher an als wolle da jemand Homophobie im Fußball aufrechterhalten.

    Ich glaube ja, dass viele der Sportmanager homophob sind und nur deswegen Spielern raten sich nicht zu outen.

    Es muss endlich Schluss sein mit dem Versteckspiel. Außerdem wäre es auch für die Psyche der schwulen Fußballprofis besser, wenn sie sich outen würden anstatt die ganze Zeit in irrationaler Angst und Unsicherheit zu leben und sich von homophoben Sportfunktionären verrückt machen zu lassen.
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#6 vielleichtAnonym
  • 12.05.2020, 17:29h
  • warum outen sich (nicht nur) die Profisportler nicht?

    Vielleicht ist ihnen ihre Sexualität nicht so wichtig, dass sie vielleicht irgendwelche Anfeindungen gegnerischer Fans in Kauf nehmen wollen.

    Sie machen "ihren Job" und das war's. Sexualität läuft bei denen "unter ferner liefen"

    www.wortbedeutung.info/unter_ferner_liefen/
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#7 NevermindAnonym
  • 12.05.2020, 17:33h
  • Ob man sich als aktiver schwuler Fußballprofi outen sollte oder nicht, darüber kann man sicher streiten, da gibt es viele Argumente dafür und dagegen. Ich persönlich würde da abraten.

    Was ich aber total nicht verstehe, ist, warum sich nicht mehr Profis nach Karriereende outen. Dann gibt es meiner Meinung kein Argument mehr dagegen und das würde auch riesig viel nützen, siehe Hitzlsperger.
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#8 Ralph
  • 12.05.2020, 17:42h
  • Was Schwule angeht, ist die Zeit nie reif. Die Zeit war nie reif für die Beendigung der NS-Verfolgung. Sie war nie reif für die Abschaffung des Restparagraphen. Sie war nie reif für die Anerkennung als Opfergruppe des Dritten Reiches. Nie für die Ehe. Sie ist nicht reif für die Aufhebung des Blutspendeverbots. Nicht für die Anfnahme der sexuellen Orientierung ins Gleichbehandlungsgebot. Und so weiter und so fort. Wir schreiben 2020, und noch immer finden sich Ewiggestrige, die uns erklären, wofür die Zeit nicht reif sei und weshalb wir am besten alle wieder in den Hinterzimmern verschwinden sollten.
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#9 Patrick SAnonym
  • 12.05.2020, 17:54h
  • Schwulsein ist eine Schwäche???

    Fussballgott lass Hirn regnen. Und wieso bleibt das unwidersprochen? Das zeigt wiedermal eindrucksvoll wie lächerlich Hitzelspergers Einlassungen sind, dass sich alles ja so wunderbar weiterentwickelt hat.
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#10 LorenProfil
  • 12.05.2020, 18:16hGreifswald
  • Antwort auf #4 von ursus
  • Da im Männerfußball der Profis jeder Spieler quasi eine Ich-AG in Konkurrenz zu anderen um mehr oder minder lukrative Verträge (inkl. Werbeverträge) ist, halte ich es für unwahrscheinlich, dass mehrere Spieler gemeinsam an die Öffentichkeit herantreten.

    Die Aktivitäten des DFB erscheinen bestenfalls halbherzig (angeblich ist Schwulsein immer noch kein Thema in der Trainerausbildung und die Landesverbände handhaben die Thematik nicht einheitlich, sondern meistens überhaupt nicht).

    "'Niemand will der erste sein', so Amal Fashanu."
    Das trifft offensichtlich nicht nur auf schwule Spieler in Großbritannien zu. Wer ab und an mal im Sportteil blättert, weiß, wie nicht weiße Spieler unter rassistischen Anfeindungen leiden, die von so genannten "Fans" der gegnerischen Mannschaften in den Stadien gebrüllt werden. Da kann ich schon nachvollziehen, wenn schwule Spieler sich nicht in die Karten schauen lassen wollen.
    Vielleicht macht es mal ein Spieler im letzten Jahr seiner Karriere um den Weg zu ebnen. Schön wärs schon.
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