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Karlsruhe

Klinik feuert homo- und transphoben Herzchirurgen

Zwei Wochen nach einem LGBTI-feindlichen Ausfall setzt die Helios-Klinik in Karlsruhe einen türkischstämmigen Facharzt vor die Tür.


Die hoch angesehene Karlsruher Herzklinik macht schnellen Prozess: Wer Homo- oder Transsexuelle abwertet, fliegt raus (Bild: Helios Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe)

Das ging ja schnell: Ein Oberarzt der Karlsruher Helios-Klinik wurde nach einem Hass-Ausbruch gegen Homo- und Transsexuelle gefeuert. Das berichten die "Badischen Neuesten Nachrichten" (BNN) unter Berufung auf Klinikgeschäftsführer David Assmann am Mittwoch. Der Arzt war seit über 20 Jahren als Herzchirurg an der Karlsruher Klinik tätig.

Anlass war ein – inzwischen gelöschter – Tweet des Chirurgen vom 27. April, in dem er in türkischer Sprache erklärte: "Als Arzt möchte ich feststellen, dass Homosexualität und Transsexualität Krankheiten sind" (queer.de berichtete). Das Krankenhaus reagierte prompt und beurlaubte den Arzt einen Tag später (queer.de berichtete). Dazu bekräftigte die Klinikleitung, dass "Diversität und Inklusion" sehr wichtig seien.

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Geschäftsführer "erschüttert" über Äußerungen

"Nach eingehender Prüfung und auch nach mehreren Gesprächen mit dem Arzt haben wir uns entschlossen, die Zusammenarbeit ab sofort zu beenden", so Assmann gegenüber BNN. Man bedaure den Vorfall und habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Der Manager ergänzte: "Die fraglichen Äußerungen des Mitarbeiters haben uns erschüttert. Sie stimmen in keiner Weise mit unseren Handlungsgrundsätzen, unseren Ansichten und mit dem 'Geist', der in unserem Unternehmen herrscht, überein."

Insbesondere sei der "klare medizinische Kontext" des Tweets "sehr irritierend" gewesen. Assmann versicherte, dass die Klinik allen Patient*innen "selbstverständlich offen und vorurteilsfrei" begegne. "Unterschiedlichkeit und Vielseitigkeit machen uns als Team aus und sind ein wichtiger Teil unseres Erfolges."

Klinik-Personal wirbt für Vielfalt

Kolleg*innen des LGBTI-feindlichen Arztes war der Eintrag so peinlich, dass sie bereits eine Woche nach dem Vorfall spontan die Fotoaktion "Wir stehen für Vielfalt" gestartet haben. Auf Facebook zeigen sie seit Anfang Mai Gesicht und versichern: "Bei uns kann sich jeder – ob Mitarbeiter oder Patient – unabhängig von seiner Hautfarbe, religiösen Ansicht oder sexuellen Orientierung wohl fühlen. Dafür stehen wir als Mitarbeiter der Klinik für Herzchirurgie."

Unseren Mitarbeitern ist es ein persönliches Anliegen, klare Kante für Diversität und Inklusion zu zeigen. Bei uns kann…

Gepostet von Helios Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe am Samstag, 2. Mai 2020
Facebook / Helios Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe

Laut dem BNN-bericht prüfe die Staatsanwaltschaft Karlsruhe derzeit, ob ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen den Chrirurgen eingeleitet werden solle. Außerdem könnte er vor dem Berufsgericht der Ärztekammer landen. (dk)



#1 Peck_SProfil
  • 13.05.2020, 16:57hFrankenthal
  • Sauber! Genauso muss das laufen. Großes Lob an die Klinik.
    Kopfkino: Man stelle sich vor, dass man sich bei so jemandem nichtsahnend unters Messer legt, der einen mit seinem Partner hat kommen sehen oder anderweitig von der Homo- oder Transsexualität erfahren hat.
    Und wer würde das jetzt freiwillig im Wissen um die Ansichten des Herrn Doktor machen?
    Ich auf jeden Fall nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Alexander_FAnonym
  • 13.05.2020, 17:46h
  • Seht ihr, liebe EKD-Leute? So müsste das laufen, wenn ihr es erst meinen würdet.
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#3 BarcaProfil
  • 13.05.2020, 18:06hPlön
  • Antwort auf #1 von Peck_S
  • Na ja, was soll Helios machen? Negativpresse haben sie aufgrund ihrer Arbeitsbedingungen schon genug gehabt, so ein Arzt ist dann der Super-GAU on top.
    Trotzdem, natürlich war das die einzig haltbare Reaktion und ist ein wichtiges Zeichen.
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#4 RichtigAnonym
  • 13.05.2020, 19:34h
  • Diese Entscheidung war richtig und unvermeidbar.

    Gerade im medizinischen Bereich muss man sicherstellen können, dass alle Patienten gleich gut und bestmöglich versorgt werden. Das betrifft Ärzte, das Pflegepersonal, das Laborpersonal, das Verwaltungspersonal, etc.

    Wenn jemand homophobe oder transphobe Einstellungen hat, kann man nicht mehr garantieren, dass derjenige auch LGBTI-Patienten bestmöglich versorgt.

    Selbst wenn er das zusichert und vielleicht sogar meint, er könne das, kann man nicht ausschließen, dass seine Überzeugungen ihn nicht doch (wenn auch vielleicht unbewusst) in seinem Handeln und in seinen Entscheidungen beeinflussen.

    Deswegen kann sich kein Krankenhaus und keine Praxis solche Mitarbeiter leisten. Dafür ist im medizinischen Bereich einfach die Verantwortung gegenüber den Patienten (aber z.B. auch LGBTI-Kollegen, die vielleicht in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt werden) zu hoch und die Gefahren zu groß. Denn es geht um Gesundheit und Leben von Menschen.
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#5 lindener1966Profil
  • 13.05.2020, 20:43hHannover
  • Neben meiner Überzeugung, dass die Entlassung der richtige Schritt war, würde es mich interessieren, ob man bei einem "deutschstämmigen" Evangelikalen oder Fundamentalkatholiken auch so verfahren hätte. Bei den entsprechenden Propagandapostillen
    (idea.de oder kath.net) wäre jedenfalls Alarmstufe rot.
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#6 Nk231Anonym
#7 zundermxeAnonym
  • 13.05.2020, 22:37h
  • Wow - auch wenn ich es für absolut richtig halte, bin ich tatsächlich erstaunt, dass hier so schnell und konsequent von Helios agiert wurde.
    Prima vom Management und eine tolle Aktion von den Mitarbeiter*innen!

    Wünsche niemandem etwas Schlechtes - auch den Schlechten nicht.
    Hoffe, dass dies nicht nur beim betreffenden Arzt ein Signal zum Nachdenken ist...
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#8 SolanaceaeAnonym
  • 14.05.2020, 11:45h
  • Antwort auf #3 von Barca
  • Leider sehen das viele Firmen anders. Es ist leider in unsererGesellschaft für die ganzen CIS Heteros ein "Kavaliersdelikt" über und herzuziehen.
    Obwohl jeder in meinem Unfeld weiß dass ich Trans* bin wird offen vom Gran Canaria urlaub geätzt "Da war so ein Schwules Fest. Und dauernd liefen irgendwelche Transen an uns vorbei. Was denken die sich alle? Ätzend" Mit Transen" waren übrigens Drag Queens gemeint.

    In solch einer Gesellschaft erwarte ich nicht selbstverständlich dass eine Klinik einen Herzchirurgen feuert. Einen Einlauf verpassen hätte vielen gereicht.

    Von Daher: Danke für eure 0 Toleranz Politik.
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#9 KenshiroProfil
  • 14.05.2020, 19:58hBerlin
  • Als jemand der einen medizinischen Beruf hat,kann ich euch sagen ihr wärt überrascht was für Leute sich in Krankenhäusern oder Rheaeinrichtungen rumtreiben. Nicht viele aber es gibt sie wo man sich fragt warum sie diesen Beruf mit solchen Einstellungen haben.
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