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Rainbow Europe 2020

Deutschland verliert bei LGBTI-Rechten weiter an Boden

Zum zweiten Mal in Folge ist Deutschland bei der "Rainbow Europe"-Liste zurückgefallen – auf Rang 16 unter 49 Ländern. Immerhin: Die Bundesrepublik liegt jetzt wieder knapp vor dem Nachbarn Österreich.


Deutschland hat es zwar in den grünen Bereich geschafft, ist aber weiter von der Spitzengruppe entfernt als noch in den letzten Jahren (Bild: ILGA Europe)

Die LGBTI-Organisation ILGA Europa hat am Donnerstag ihren jährlichen "Rainbow Europe"-Bericht vorgestellt, in dem sie bereits zum elften Mal eine Analyse der rechtlichen Lage von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten in den europäischen Nationalstaaten durchführte. Wie schon in den letzten Jahren führt Malta mit großem Vorsprung die Liste an – das aus drei bewohnten Inseln von der Gesamtgröße Münchens bestehende EU-Land hat unter anderem als bislang einziger Staat "Homo-Heilung" verboten. Auf den weiteren Podestplätzen folgen – wie schon im letzten Jahr – Belgien und Luxemburg.

Ganz unten in der Liste hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert: LGBTI-feindlichstes Land in Europa ist demnach Aserbaidschan, gefolgt von der Türkei, Armenien und Russland. Das aus rechtlicher Sicht für LGBTI schlimmste EU-Land ist Polen, gefolgt von Lettland, Rumänien und Bulgarien.

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Deutschland bewegt sich in Richtung Mittelfeld

Deutschland rutschte, trotz einer leichten Verbesserung in der Punktzahl, von Rang 15 auf Rang 16 ab. 2018 hatte die Bundesrepublik sogar noch auf Rang zwölf gelegen. Dieses Jahr konnte Deutschland zwar Österreich und Griechenland überholen, gleichzeitig zogen aber Montenegro, Island und Irland vorbei. Allerdings berücksichtigt die Liste noch nicht das vergangene Woche vom Bundestag beschlossene Teilverbot der "Homo-Heilung" (queer.de berichtete). Grund ist, dass dieses Gesetz bislang weder durch den Bundesrat gegangen noch vom Bundespräsidenten unterzeichnet worden ist.

In einer ersten Reaktion zeigte sich die Antidiskriminierungsstelle des Bundes über das Ranking der Bundesrepublik nicht glücklich. Ein Platz im vorderen Mittelfeld könne nicht zufriedenstellen, so die Behörde auf Twitter.

Twitter / ADS_Bund

ILGA Europe nutzt bei der Errechnung der "Rainbow Europe"-Tabelle dutzende Kriterien, mit der die rechtliche Lage von queeren Menschen ausgewertet werden – so spielt etwa eine Rolle, ob ein Land umfassende Antidiskriminierungsrichtlinien anbietet, die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben umgesetzt hat oder Transsexuelle anerkannt werden. In der Liste schneiden eigentlich recht weltoffene Kleinstaaten wie Liechtenstein, San Marino oder Monaco sehr schlecht ab, weil sie kaum Gesetze über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten haben – alle drei Länder erkennen etwa Transmenschen nicht an und erhalten deshalb in diesem Bereich eine Nuller-Wertung.

ILGA Europe warnt vor Folgen der Corona-Krise

Laut ILGA Europe stagniere oder verschlechtere sich die Lage von LGBTI-Rechten in rund der Hälfte der europäischen Länder. Die meisten Veränderungen würden sich gegenwärtig im Bereich der Trans-Rechte ereignen. Größte Gefahren seien im Augenblick Versuche der Behörden, die Zivilgesellschaft zu beschädigen oder Versammlungen zu verbieten. Ein Beispiel für eine rasche Verschlechterung ist Ungarn, das von Rang 19 auf Rang 27 abgestürzt ist.

"Dies ist eine kritische Zeit für LGBTI-Gleichstellung in Europa", erklärte ILGA-Europe-Chefin Evelyne Paradis mit Blick auf die Corona-Krise. Sie verwies darauf, dass vulnerable Gruppen wie queere Menschen nach einer Krise oft das Nachsehen hätten. "Wir haben also jeden Grund, uns Sorgen zu machen, dass sich politische Selbstzufriedenheit, eine Zunahme der Repressionen und sozio-ökonomische Not in den nächsten Jahren zu einem perfekten Sturm für viele LGBTI in Europa zusammenbrauen kann."

Die gesamte Rangliste (in Klammern vorne: Vorjahresposition. In Klammern hinten: gerundete Punktzahlen mit Veränderungen zum Vorjahr, die Maximalpunktzahl ist 100)

1. (1.) Malta (89 / -1)
2. (2.) Belgien (73 / unv.)
3. (3.) Luxemburg (73 / +3)
4. (5.) Dänemark (68 / unv.)
5. (6.) Norwegen (68 / unv.)
6. (11.) Spanien (67 / +7)
7. (7.) Portugal (67 / +1)
8. (4.) Finnland (66 / -3)
9. (8.) Großbritannien (66 / +1)
10. (10.) Schweden (63 / +1)
11. (22.) Montenegro (62 / +26)
12. (12.) Niederlande (62 / +12)
13. (9.) Frankreich (56 / -7)
14. (18.) Island (54 / +7)
15. (17.) Irland (52 / +5)
16. (15.) Deutschland (51 / +3)
17. (13.) Österreich (50 / +1)
18. (14.) Griechenland (48 / -1)
19. (16.) Kroatien (46 / -1)
20. (20.) Slowenien (42 / +2)
21. (21.) Estland (38 / unv.)
22. (25.) Bosnien-Herzegowina (37 / +7)
23. (27.) Schweiz (36 / +7)
24. (28.) Kosovo (35 / +7)
25. (29.) Andorra (35 / +7)
26. (30.) Serbien (33 / +5)
27. (19.) Ungarn (33 / -8)
28. (23.) Albanien (31 / unv.)
29. (33.) Zypern (31 / +8)
30. (24.) Georgien (30 / unv.)
31. (26.) Slowakei (30 / unv.)
32. (31.) Tschechien (26 / unv.)
33. (40.) Nordmazedonien (25 / +9)
34. (32.) Litauen (23 / unv.)
35. (34.) Italien (22 / unv.)
36. (35.) Ukraine (22 / unv.)
37. (37.) Bulgarien (20 / unv.)
38. (41.) Moldawien (19 / +5)
39. (36.) Rumänien (19 / -2)
40. (42.) Liechtenstein (18 / +4)
41. (39.) Lettland (17 / unv.)
42. (38.) Polen (16 / -2)
43. (44.) San Marino (13 / unv.)
44. (43.) Weißrussland (13 / unv.)
45. (45.) Monaco (11 / unv.)
46. (46.) Russland (10 / unv.)
47. (47.) Armenien (7 / +1)
48. (48.) Türkei (4 / -1)
49. (49.) Aserbaidschan (2 / -1)


#1 AnonymAnonym
  • 14.05.2020, 13:46h
  • Genau genommen - es scheitert in Deutschland schon allein an der Anerkennung von Rechtslagen - tendiert es meiner Meinung nach eher in Richtung rot.
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#2 FliegenAnonym
  • 14.05.2020, 14:07h
  • ...WIR HABEN VERLOREN UND WERDEN IMMER WEITER VERLIEREN UND WERDEN VON DEN ANDEREN LÄNDERN AUSGELACHT:-( !!!
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#3 JasperAnonym
  • 14.05.2020, 14:50h
  • Tja, mit dieser schwarz-roten Bundesregierung wundert mich das nicht.

    Die Union fährt eh ihre homophobe Linie um die Stammtische zu befriedigen. Und die SPD macht ja schon seit langem alles mit, was die Union ihr vorsetzt und sichert der Union brav die Mehrheiten für alles...
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#4 Ralph
  • 14.05.2020, 15:04h
  • Die hohe Einstufung Montenegros verdutzt und dass Bosnien vor der Schweiz liegt, nicht minder. Da scheint doch manches Kriterium bzw. die Gesamtschau je Land erklärungsbedürftig zu sein. Was Deutschland angeht, hat sich die Rechtslage durch das neue Konversionstherapieerlaubnisgesetz deutlich verschlechtert. Auch dass in Deutschland nicht ernsthaft über Verbesserungen für Trans- und Intermenschen verhandelt, sondern statt dessen nur über Toiletten geredet wird, kann uns nicht wirklich voranbringen.
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#5 Nk231Anonym
  • 14.05.2020, 15:20h
  • Danke für die Liste.

    Muss man sich nicht wundern, aber eigentlich ist der 16. Platz für Deutschland nicht so ganz stimmig. Was man so mitbekommt, wäre der Platz eher in der Mitte stimmig.
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#6 Carsten ACAnonym
  • 14.05.2020, 16:45h
  • Die SPD feiert sich ja immer gerne dafür, was sie alles erreicht habe.

    Aber hier sehen wir mal ganz neutral gemessen, was an diesem Eigenlob dran ist:

    In Wahrheit sinkt Deutschland immer weiter ab bei LGBTI-Rechten.

    Das ist halt der Unterschied zwischen Marketing-Blabla und Realität.
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#7 GerritAnonym
  • 14.05.2020, 17:19h
  • Antwort auf #5 von Nk231
  • Wenn ich sehe, dass die Groko (gemeinsam mit der FDP) ein Gesetz durchboxt, dass nur einen Teil der Gehirnwäsche-Therapien an LGBTI verbietet (und damit im Umkehrschluss die anderen Fälle legalisiert und den Druck auf Jugendliche noch wachsen lässt), dann hätte Deutschland sogar eine Rot-Färbung verdient.

    Von Zwans-OPs an Intersexuellen, Abschiebungen geflüchterer LGBTI, einem Anti-Diskriminierungsgesetz, das Kirchen explizit Diskriminierung erlaubt, und solchen Dingen mal ganz zu schweigen.
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#8 seb1983
  • 14.05.2020, 17:38h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Jedes mal wenn solche Listen rauskommen muss ich mit dem Kopf schütteln. Da werden vorzugsweise rechtliche Kriterien angesetzt die irgendwo auf Papier stehen und mit der Lebenswirklichkeit wenig zu tun haben.

    Montenegro auf einem Level mit Schweden und Niederlanden, noch vor Deutschland und Island?
    Die Schweiz weit abgeschlagen, auf einem Level mit Georgien und knapp geschlagen von Estland?
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#9 Peck_SProfil
  • 14.05.2020, 18:01hFrankenthal
  • Diese Karte müffelt zum Himmel. Ohne Erklärung wie diese absurden Werte zustande kommen, kann ich es nicht ernst nehmen.

    Montenegro gleichauf mit den Niederlanden halte ich für völlig absurd, ebenso ist mir Deutschlands Wert für viel zu hoch.

    Italien niedriger als Kosovo, Serbien und fast gleichauf mit Rumänien, Orbans Ungarn und nur 7 Punkte vom LGBTfreiem Polen entfernt???
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#10 Nk231Anonym
  • 14.05.2020, 18:05h
  • Antwort auf #7 von Gerrit
  • Das stimmt, die grüne Farbe ging mir auch durch den Kopf und es tauchte rot in meinen Gedanken auf. Hatte mich aber nicht getraut, das hinzuschreiben.
    Nun hast du das für mich getan.
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