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Brandenburg

Selbsthilfeprojekt zählt viele Angriffe auf queere Geflüchtete

Ein Coming-out in einer Flüchtlingsunterkunft ist gefährlich. Betroffene werden beleidigt und körperlich angegriffen, wie Mitarbeiter von einem Potsdamer Beratungsprojekt berichten.


Drei Männer hinter dem Zaun einer Unterkunft für geflüchtete Menschen (Bild: geralt / pixabay)

Im Bundesland Brandenburg sind Angriffe auf schwule, lesbische, bisexuelle und trans Geflüchtete weiter hoch. Im vergangenen Jahr ordnete die Kommunale Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Brandenburg in Potsdam von insgesamt 66 registrierten Fällen mehr als 40 dem Bereich Migration zu. "Die meisten Übergriffe passieren nach wie vor in den Flüchtlingsunterkünften", sagte Projektleiter Carsten Bock. Auch in den Vorjahren waren die meisten Hilfesuchenden Geflüchtete. Am Sonntag ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi- Inter- und Transphobie (IDAHOBIT).

Insgesamt ist die Zahl homo- und transphober Angriffe nach den Worten von Bock leicht zurückgegangen: im Jahr 2018 zählte die Arbeitsgemeinschaft noch 78 Fälle. Die Polizei in Brandenburg registrierte acht Fälle, bei denen Menschen aus homophobem Motiv angegriffen worden sind – darunter zwei Beleidigungen und eine gefährliche Körperverletzung. Die Zahlen unterscheiden sich, da es nicht bei allen Beratungen zu einer Anzeige kommt. 2018 und 2017 registrierte die Polizei jeweils sechs Fälle.

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Nach Vorfällen in andere Einrichtungen verlegt

Für die Geflüchteten versuche man häufig, gemeinsam mit den Mitarbeitern der Einrichtungen eine Lösung zu finden, sagte Bock. Das sei wichtig, da die Menschen erst einmal weiter in den Einrichtungen bleiben müssten. Manchmal sei das aber nicht möglich, berichtete der 52-Jährige. Manche der Geflüchteten, die Hilfe bei dem Beratungsprojekt suchen, würden so stark bedroht, dass sie in andere Einrichtungen gebracht werden müssten. "Manchmal müssen sie sogar in einen anderen Landkreis", sagte Bock.

Rund drei bis vier LGBTI-Geflüchtete pro Woche suchten Hilfe bei dem Beratungsprojekt, berichtete Jirka Witschak, Projektleiter der Landeskoordinierungsstelle Queeres Brandenburg, das unter demselben Dach wie die Potsdamer Arbeitsgemeinschaft sitzt. "Flüchtlingsberatung ist absolut unser Schwerpunkt", sagte der 49-Jährige. Besonders schwierig sei es derzeit, da die Bewohner aufgrund der coronabedingten Einschränkungen die Einrichtung nicht wie gewohnt verlassen könnten. Das mache vielen zusätzlich zu schaffen. (cw/dpa)



#1 Carsten ACAnonym
  • 15.05.2020, 09:24h
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    Manche der Geflüchteten, die Hilfe bei dem Beratungsprojekt suchen, würden so stark bedroht, dass sie in andere Einrichtungen gebracht werden müssten. "Manchmal müssen sie sogar in einen anderen Landkreis", sagte Bock.
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    Auch wenn das schon seit Jahren so praktiziert wird, so bleibt es dennoch falsch.

    Es ist ein völlig falsches und fatales Signal, wenn die Opfer homo- und transphober Drohungen oder gar Gewalt in andere Einrichtungen verlegt werden.

    So zeigt man den Opfern, dass sie sich auch hier weiterhin verstecken müssen.

    Und den Tätern zeigt man, dass sie im Recht sind. Und noch mehr: man zeigt ihnen, dass ihre Taten nicht nur ohne Sanktionen für sie bleiben, sondern sogar noch belohnt werden, indem die "unerwünschten Elemente" verschwinden.

    Stattdessen sollte man lieber die Täter in andere Einrichtungen verlegen. Und ihnen klar machen, dass dieses Verhalten hier nicht geduldet wird.

    Und wenn sie dann immer noch meinen, hier drohen oder gewalttätig werden zu müssen, müssen sie das Land verlassen. Wer nicht bereit ist, sich an die Regeln zu halten und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu akzeptieren, kann hier nicht bleiben. Zum Wohl der Opfer, aber auch zum Wohl der Mehrzahl der friedlichen Migranten, die sich an alle Regeln halten, aber dann mit solchen Leuten in einen Topf gesteckt werden.
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#2 SarkastikerAnonym
  • 15.05.2020, 10:24h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • "Stattdessen sollte man lieber die Täter in andere Einrichtungen verlegen"

    Einrichtungen für Täter haben meist ziemlich viel Eisen an den Fenstern.
    Diese Einrichtungen wären hier teilweise auch angebracht und nicht das Ausschaffen der Opfer.
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#3 GerritAnonym
  • 15.05.2020, 12:15h
  • Antwort auf #2 von Sarkastiker
  • Ja, andere Gewalttäter kommen in den Knast.

    Aber wenn LGBTI-Flüchtlinge von anderen Flüchtlingen verprügelt werden, sagt man den Tätern "Du, du, du, das war aber nicht nett." Aber sonst hat es keine Konsequenzen, weil sie es ja "ach so schwer haben im Leben" (aber offenbar nicht so schwer, anderen die Seele aus dem Leib zu prügeln).

    Dass die LGBTI-Opfer es mindestens genauso schwer haben (und oft in ihrer Heimat noch schwerer) und jetzt hier nochmal neu traumatisiert werden, interessiert nicht.

    Und was passiert stattdessen:
    die Opfer müssen wieder neu aus der vertrauten Umgebung flüchten, bereits gewonnene Freunde verlassen und lernen, dass sie sich hier genauso zu verstecken haben wie in ihrer Heimat.
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#4 TimonAnonym
  • 15.05.2020, 12:45h
  • Allerdings.

    Wenn manche Leute sogar schon, wenn sie gerade frisch in einem neuen Land sind, dass ihnen Schutz bietet und wo sie noch gar nicht wissen, wie es weitergeht, schon gewalttätig werden und niemand ihnen Grenzen aufzeigt, will ich gar nicht wissen, wie die später sind, wenn sie wissen, dass sie für immer hier bleiben können.

    Mir ist jeder Mensch willkommen, der hier leben möchte. Erst recht diejenigen, die vor Krieg, Gewalt oder Hunger fliehen. Aber dann kann man auch als Gegenleistung verlangen, dass die sich an alle Regeln und Gesetze halten.

    Das ist das einzige und ja wohl nicht zu viel verlangt. Denn es kann niemand erwarten, dass wir unsere Freiheit aufgeben, nur damit auch einige Radikale ihren Willen bekommen.

    Wer das nicht will, kann dann eben nicht hier leben. Gerade auch, damit es nicht für integrationswillige Migranten versaut wird.
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#5 YannickAnonym
  • 15.05.2020, 14:02h
  • Man kann ja vielleicht sogar noch verstehen, dass Leute, die ihr ganzes Leben indoktriniert wurden, dass etwas pervers sei, das erst mal weiter glauben, auch wenn sie anderswo leben wollen.

    Aber dann muss man denen eben zeigen, dass das nicht geht. Dann muss man denen ganz klar Konsequenzen aufzeigen.

    Das macht man aber nicht, indem man die Opfer entfernt, sondern die Täter. Und ihnen auch ganz klar sagt: "Homo- und Transphobie werden hier nicht toleriert. Wenn Du das noch mal machst, war es das."

    Das wäre ja auch eine Frage der Fairness, dass man ihnen von Anfang an in aller Deutlichkeit klar macht, was hier geht und was nicht. Dann können sie sich frühzeitig überlegen, ob sie dazu bereit sind oder nicht.

    Denn eines muss auch klar sein:
    Wer meint, LGBTI vernichten zu müssen, kann hier nicht leben. So jemand sucht nicht wirklich Schutz, sondern will nur Hass verbreiten.
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#6 ZitatAnonym
  • 15.05.2020, 15:29h
  • Wie sagte mal der (muslimische !!) Bürgermeister von Rotterdam:

    "Uns ist jeder willkommen. Aber wer unsere Regeln missachtet, dem helfe ich persönlich beim Kofferpacken."

    Wahre Worte. Denn ansonsten zerstören diese faulen Äpfel den Schutz für die wirklich Schutzbedürftigen. Und dem wird ja wohl auch niemand Rassismus vorwerfen können.
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#7 zundermxeAnonym
  • 16.05.2020, 08:32h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Dein und die folgenden Kommentare gehen wohl von der Annahme aus, dass idR die Phobien gegenüber Queers unter allen, die in solchen Lagern untergebracht sind, nur bei wenigen aller Insassen*innen vorhanden sind?!
    Sonst wäre die Idee, die Täter*innen zu verlegen oder gar wieder des Landes zu verweisen, weder praktisch noch politisch umsetzbar.

    Oder wie möchte wer das praktisch bewerkstelligen, dass Menschen, die andere Menschen quasi maximal als Menschen zweiter Klasse betrachten, dieses Verhalten ablegen?
    Umerziehungslager?
    Hierbei spiegeln Wertung und Ansicht von Queers nur einen Themenbereich wieder. Religion, Herkunft oder Geschlecht sind ähnliche Spannungsfelder.

    An dieser Stelle kommen wir auch in das ideologische Dilemma, dass Flüchtlinge doch stets gut seien und ihnen zu helfen ist.
    Die reale Praxis zeigt mal wieder, dass Allgemeinplätze nichts anderes als Verallgemeinerungen sind, die den individuellen Menschen nicht gerecht werden können.

    Und schwups sind wir bei Themen wie Outing (ist generell allen Lagerinsassen*innen zu raten, sich unverzüglich zu outen?), Anerkennungsverfahren (wie wollen Queers, die im Lager nicht out leben, glaubhaft machen, dass sie Queers sind?), prekären Beschäftigungsverhältnissen (wer glaubt wirklich, dass bspw die Security der Lager stets motiviert ist zu helfen oder gar andere Ansichten hat als die Täter*innen), etc...

    Habe hier bewusst den Begriff Lager verwendet weil uns klar sein sollte, dass sogenannte Flüchtlingsunterkünfte oft praktisch nichts anderes sind.
    In diesen Lagern herrschen dann auch nicht selten Zustände, die wenig mit unserer Wohlfühl-wir-helfen-hier-allen-Denke zu tun haben.
    Doch wer will das so genau schon wissen?!
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