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Maneo-Statistik

Mehr homo- und transphobe Übergriffe in Berlin gemeldet

Fast 50 Prozent mehr Fälle LGBTI-feindlicher Gewalt sind in der Bundeshauptstadt registriert worden.


Immer mehr LGBTI-feindliche Übergriffe aus Berlin werden publik (Bild: pixabay)

In Berlin sind im vergangenen Jahr deutlich mehr homo- und transfeindliche Angriffe erfasst worden. Die Zahl registrierter Fälle stieg um 177 auf 559 im Jahr 2019, wie das Antigewaltprojekt Maneo am Freitag zur Vorstellung seines Jahresberichts mitteilte. Damit erhöhte sich die Zahl um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Davon richteten sich den Angaben zufolge 395 Taten gegen Schwule und männliche Bisexuelle. Hier betrug der Anstieg 38 Prozent. 83 Delikte hätten sich gegen trans Personen gerichtet und 47 gegen Lesben oder weibliche Bisexuelle, erklärte Maneo weiter.

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Trotz Statistik möglicherweise in Realität nicht mehr Gewalt

Das Projekt erläuterte, dass die erhöhten Fallzahlen nicht bedeuten müssen, dass es mehr Übergriffe in der Hauptstadt gab. Denkbar sei auch, dass "mehr Fälle aus dem als sehr hoch einzuschätzenden Dunkelfeld ins Hellfeld" geführt worden seien. Auch die aktuellen Zahlen sind laut Bastian Finke nur ein Bruchteil der tatsächlichen Übergriffe. Er gehe nach wie vor "von einem Dunkelfeld von 80 bis 90 Prozent" aus, sagte Finke.

Bei den meisten Taten handelte es sich laut Maneo mit 176 Fällen um Beleidigungen. Zugleich wurden auch 153 homo- beziehungsweise transfeindliche Körperverletzungen gemeldet. 2018 waren es noch 90 Fälle gewesen. Der Bericht wurde anlässlich des Internationalen Tags gegen Homophobie und Transphobie am Sonntag veröffentlicht.

Trotz Corona – wir sind weiter für Euch da und erreichbar. Und vor allem – bleibt gesund und gebt aufeinander acht.

Gepostet von MANEO am Freitag, 27. März 2020
Facebook / MANEO

Bereits im letzten Jahr hatte Maneo einen Anstieg der gemeldeten LGBTI-feindlichen Angriffe erfasst – damals um 18 Prozent (queer.de berichtete).

Auch Polizei meldet Anstieg

Die Berliner Polizei führt eine eigene Statistik, die mit anderer Definition von Hasskriminalität auf weniger angezeigte Fälle kommt. Aktualisierten Zahlen zufolge registrierte sie 2019 insgesamt 344 Fälle von Hasskriminalität gegen die sexuelle und geschlechtliche Identität. Gegenüber 2017 verdoppelte sich damit die Zahl. Das Bündnis gegen Homophobie startete deshalb eine Kampagne, um Opfer LGBTI-feindlicher Gewalt dazu zu bewegen, Anzeige zu erstatten (queer.de berichtete).

Im Vorfeld des Internationalen Tages gegen Homophobie, Biphobie und Transphobie (17. Mai) hat das BÜNDNIS GEGEN…

Gepostet von Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg ( LSVD ) am Mittwoch, 13. Mai 2020
Facebook / Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg ( LSVD )

"Auch in Zeiten von Corona stellt Gewalt im öffentlichen Raum als auch im häuslichen und familiären Kontext ein großes Problem dar", erklärte dazu Jörg Steinert, der Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg: "Wir ermutigen zu Anzeigen bei der Internetwache der Polizei oder zum Anruf bei der 110 in akuten Fällen. Menschen die von Zwangsverheiratung betroffen sind, können sich unter zufluchtswohnung@lsvd.de direkt an uns wenden."

Deutschlandweit meldete die Bundesregierung vergangenen Herbst einen Anstieg der registrierten Fälle LGBTI-feindlicher Straftaten um 46 Prozent im Jahresvergleich (queer.de berichtete). (AFP/dk)



#1 GerritAnonym
  • 15.05.2020, 12:09h
  • In einem Staat, wo es jetzt ganz offiziell legal ist, erwachsene LGBTI einer Gehirnwäsche zu unterziehen, obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass das auch bei Erwachsenen keine freie Entscheidung ist und schwerste psychische Schäden verursacht, wundert mich gar nichts mehr...

    Sowas ist doch in diesem Land nur eine Randnotiz. Aber auch nur für die Politiker - nicht für die Opfer.

    Aber hey, wie sagte schon Angela Merkel:
    "Ein Land in dem wir gut und gerne leben."

    Nur oft genug wiederholen - vielleicht glaubt es dann jemand.
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#2 seb1983
  • 15.05.2020, 12:46h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Trotz aller Emotionalisierung in diesen postfaktischen Zeiten ist Deutschland eines der sichersten Länder der Welt.

    Gilt trotz der miserablen Werte in der "Rainbow Europe" Liste übrigens noch mehr für die Schweiz und Österreich.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Homonklin_NZAnonym
  • 15.05.2020, 13:27h
  • Antwort auf #1 von Gerrit
  • Oder Vergangenheitsform anwenden:

    "Ein Land, in dem wir mal gut und gerne gelebt haben."
    Für eine begrenzte Zeit.

    Man kann sich irgendwann entscheiden, ob man 40 Jahre daran mit streiten will, dass sich kaum etwas ändert, oder ob man das nicht besser wo anders macht, wo eine (auch politische) Mehrheit dran interessiert ist, dass sich das ändert.

    www.hrc.co.nz/our-work/sogiesc/

    Möchte keinen abwerben, aber die Präambel hätte man in D gern mal gelesen.
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#4 YannickAnonym
#5 Mehr BildungAnonym
  • 15.05.2020, 15:26h
  • Wir brauchen endlich mehr Aufklärung. An Schulen, in Sportvereinen, in Jugendeinrichtungen, in den Medien, etc.

    Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 seb1983
  • 15.05.2020, 17:44h
  • Antwort auf #4 von Yannick
  • Yep, auf Wolke 7 wird es vermutlich noch sicherer sein, aber das lässt sich halt schwer belegen :)
    So bleibt wie bei allem nur der Vergleich mit den anderen 200 Ländern die es gibt, und da schneidet Deutschland sehr gut ab, auch wenn es sich zugegeben oft nicht so anfühlt.

    Egal ob es um Einbrüche, Körperverletzung oder gar Mord geht, fast überall auf der Welt ist die Wahrscheinlichkeit dafür höher, ganz unabhängig von der sexuellen Orientierung.

    Statistisch ist das ohnehin alles schwierig zu greifen, und grade hier sind die erhobenen Fallzahlen niedrig, das Anzeigeverhalten unbekannt, und die Sichtbarkeit der Opfer evtl anders als früher.

    90% Dunkelziffer zeigt halt: Man weiß es gibt diese Verbrechen, Zahlen sind aber nur Vermutungen.
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#7 BezugsgrößeAnonym
#8 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 16.05.2020, 07:18h
  • Antwort auf #6 von seb1983
  • Was faselst Du eigentlich hier so zynisch von der tollen Sicherheit in Deutschland? Ein Schlag ins Gesicht all der 559 Menschen, die nach dieser Statistik allein in Berlin angegriffen, beleidigt etc. wurden.

    Einer Person, die überfallen wurde, hilft überhaupt nicht, dass es "ansonsten ja relativ sicher" sei. Und auch nicht, dass es anderswo "ja noch viel schlimmer" sei. Die Person WURDE ÜBERFALLEN.

    Auch ich wurde mit 17 Jahren homophob überfallen, und zwar auf einer Schulfahrt im Tiefschlaf von 4 Mitschülern. Was folgte, war eine Posttraumatische Belastungsstörung und bisher 38 Jahre lang Alpträume, jede verdammte Nacht.

    Geholfen hat mir übrigens damals niemand. Weder Lehrer noch Eltern noch sonst jemand. Und der Psychotherapeut, dem ich Jahre später davon berichtete, meinte nur, ich sei schließlich selbst dafür verantwortlich gewesen - da ich nun mal anders sei. (!!!!!)

    SO kann es für überfallene Menschen aussehen. Man wird mit dieser Scheiße komplett allein gelassen. Und weil das auch heute noch so ist, trauen sich auch viele gar nicht erst, das anzuzeigen.

    Ein unhaltbarer Zustand - genau wie Dein unempathisches, unsolidarisches, zynisches Dahergerede.
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#9 seb1983
  • 16.05.2020, 12:13h
  • Antwort auf #8 von RuferInDerWueste
  • Das ist nicht zynisch sondern so sind eben die Zahlen. Jede Straftat ist eine zu viel. Diesen Wert wird man aber niemals auf 0 drücken.

    2019 wurden in Deutschland 245 Menschen ermordet, es gab 9.523 Vergewaltigungen, dazu Einbrüche, Körperverletzung, Erpressung.
    Auch diese Menschen werden einein Dreck von offiziellen Zahlen halten. Ein Einzelschicksal ändert daran aber nichts dass es glücklicherweise sehr unwahrscheinlich ist hierzulande Opfer einer Straftat zu werden.

    Auch bekannt ist allerdings:
    Bei Beleidigung, häuslicher Gewalt, sexueller Gewalt bis hin zu Vergewaltigung wird oft nicht angezeigt. Inbesondere bei Männern als Opfer ist eine hohe Dunkelziffer zu vermuten. Das zieht sich so leider durch alle Industrieländer.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 16.05.2020, 12:22h
  • Antwort auf #9 von seb1983
  • "Ein Einzelschicksal ändert daran aber nichts dass es glücklicherweise sehr unwahrscheinlich ist hierzulande Opfer einer Straftat zu werden."

    So kann nur jemand reden, der selbst nie betroffen war und sich einen Dreck darum schert, wie es Betroffenen geht.

    Abgesehen davon: 559 allein in Berlin allein 2019 - da überhaupt von Einzelschicksalen zu reden, IST mehr als zynisch.
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