Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36143

Streit um Bremer Hassprediger

St. Martini: Lesben und Schwule "verloren für Zeit und Ewigkeit"

Die Gemeinde von Olaf Latzel verurteilt das Disziplinarverfahren der Bremer Kirchenleitung gegen den LGBTI-feindlichen Pastor. Er verkünde die "biblische Wahrheit". Sanktionen werde sie "nicht akzeptieren".


Die Bremer St.-Martini-Kirche wurde im Mittelalter errichtet. Manche Haltungen aus dieser Zeit scheinen dort bis heute überlebt zu haben (Bild: Jürgen Howaldt / wikipedia)

Der innerkirchliche Streit um den evangelischen Bremer Pastor Olaf Latzel eskaliert: Nach einem Gottesdienst am Sonntag stellte sich der Vorstand der St.-Martini-Gemeinde ohne Wenn und Aber hinter den LGBTI-feindlichen Hassprediger. Die von Vorstandsmitglied Jürgen Fischer verlesene und anschließend auf der Website der Gemeinde veröffentlichte Erklärung ist eine Kampfansage an die Leitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) und eine indirekte Warnung an Lesben und Schwule, ihre Homosexualität auszuleben.

Latzel habe nur die "biblische Wahrheit" verkündet, argumentiert der Gemeindevorstand: "Die Ablehnung gelebter Homosexualität im Alten wie im Neuen Testament wird mit einer Eindeutigkeit vorgetragen, die eigentlich jede Diskussion darüber überflüssig erscheinen lässt", heißt es in dem fünfseitigen Papier. "Über tausende von Jahren wurde die biblische Beurteilung der Homosexualität nicht infrage gestellt, weder vom alttestamentlichen Gottesvolk, noch von der neutestamentlichen Gemeinde."

Latzel werde "eingeschüchtert und mundtot gemacht"

Das Zitieren dieser Bibeltexte habe "nichts mit Herabwürdigung von homosexuell empfindenden Menschen oder gar Hetze gegen sie zu tun", behauptete der St.-Martini-Vorstand. "Dies sollte einem Pastor einer christlichen Kirche wohl noch gestattet sein." Ein Homosexueller, der seine Sexualität auslebe, sei nach der Bibel ein "Sünder", für den es keine "billige Gnade" geben dürfe: "Er bleibt unter dem Gericht Gottes und damit verloren für Zeit und Ewigkeit."

Die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen Latzel sei ein "unverhohlener Angriff auf die in der Kirchenverfassung der BEK den Gemeinden garantierte unbeschränkte Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit", heißt es weiter in der Erklärung. Der Pastor, der "eine theologisch unliebsame Position vertritt, soll eingeschüchtert und mundtot gemacht werden". Das gesamte Verfahren sei rechtswidrig, weil der Kirchenausschuss nicht befugt sei, sich zu Fragen des Glaubens und der Lehre zu äußern. "Der Vorstand der St. Martini Kirchengemeinde wird daher Sanktionen gegen Pastor Latzel, die im Zuge dieses Disziplinarverfahrens möglicherweise ausgesprochen werden, nicht akzeptieren."


Pastor Olaf Latzel und seine Gemeinde gerieren sich als Opfer

Beten für die "Erweckung in unserem Land"

Die Gemeinde bedankte sich zudem für die "vielen unterstützenden Zuschriften", die sie aus ganz Deutschland erreicht hätten: "Tausende Menschen haben sich hinter Olaf Latzel und hinter St. Martini gestellt. Tausende Menschen falten für uns die Hände." Gleichzeitig beklagte sich der Vorstand: "Der Widerstand gegen bibeltreue Christen in unserem Land und in den anderen Landeskirchen wächst, der Gegenwind wird schärfer."

Die Erklärung endet mit dem Aufruf, für die "Erweckung in unserem Land" zu beten: "Beten Sie, dass Gott, der Herr, Missionare und Evangelisten in unser Land schickt, die uns das Evangelium, die 'Gute Nachricht', von Jesus Christus, unserem Herrn und Heiland, neu zurufen, damit Menschen zum Glauben kommen, Heilung und Errettung erfahren."

Angezeigt wegen Volksverhetzung

Olaf Latzel hatte Mitte Oktober 2019 homosexuelle und trans Menschen in einem Seminar aufs Übelste diffamiert (queer.de berichtete). In dem auf dem Youtube-Kanal des Pastors mittlerweile gelöschten Vortrag meinte der 52-Jährige unter anderem: "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day." Darüber hinaus beklagte Latzel, dass "diese Homo-Lobby, dieses Teuflische" immer stärker werde. "Gelebte Homosexualität" sei "vor Gott ein Gräuel" und "todeswürdig". Die Anerkennung von Transsexualität zerstöre ferner "unsere gesamte Zivilisation und Kultur".

Wegen der Tiraden wurde der Pastor der St.-Martini-Kirche u.a. wegen Volksverhetzung angezeigt (queer.de berichtete). Staatsanwaltschaft und Staatsschutz in Bremen prüfen derzeit, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat bestehe. Am Donnerstag beschloss der Kirchenausschuss der BEK einstimmig, ein Disziplinarverfahren gegen Latzel einzuleiten (queer.de berichtete). (cw)



#1 Svetlana LAnonym
  • 18.05.2020, 06:52h
  • Es ist schon sehr problematisch, wenn man sich aus einem alten Buch, das von den verschiedensten Menschen über einen Zeitraum von Jahrhunderten zusammengeschrieben wurde, nur die Stellen herauspickt, die man gerade gut gebrauchen kann. Der Gräuel sind dort viele aufgeführt und mich würde mal interessieren, wie viele dieser fundamentalistischen Hetzer z. B. Schalentiere essen. Auch ist mir noch nicht zu Ohren gekommen. dass ein Mitglied der Gemeinde St. Martini den eigenen Sohn erschlagen hätte, weil dieser nicht gehorchte. Vielleicht sollte man nicht nur Latzel verklagen sondern gleich den gesamten Gemeindevorstand. Dieser Hass scheint sich dort ja wie ein Geschwür auszubreiten.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 cleeAnonym
  • 18.05.2020, 09:07h
  • Es ist ja wirklich unglaublich was die da von sich geben.
    Solche Menschen sind der Grund für Krieg und Elend auf dieser Welt, weil sie andere einfach nicht in Frieden leben lassen können. Führen sich auf, dass sie den Heiligen Geist verkünden und hetzen am Ende nur rum.
    Ich kommentiere deren fundamentalistische Einstellungen (außer jetzt) doch auch nicht. Leben und leben lassen.
    Und dann auch noch die Konsequenzen verurteilen. Ja, wir leben in einem Rechtsstaat und nicht in einer Theokratie, wie viele andere Länder. Man sieht ja wozu sowas führt.
    Ich hoffe inständig, dass es eine Strafe gibt.
    Traurig macht es mich, dass sie scheinbar doch viele Unterstützer*innen haben. Aber #wirsindmehr
  • Antworten » | Direktlink »
#3 vallerAnonym
  • 18.05.2020, 09:33h
  • Weiß ich, was nach meinem Ableben sein wird?
    Jedenfalls möchte ich nicht dort landen, wo die
    Gemeinde St.Martini meint anzukommen
  • Antworten » | Direktlink »
#4 FliegenAnonym
#5 stephan
  • 18.05.2020, 09:50h
  • Unglaublich ist, wie viele abgedrehte Menschen es selbst in unserem Land gibt. Sie saugen sich Ihre 'Wahrheiten' aus einem alten Buch und sind nicht einmal im Stande dieses zentrale Buch Ihrer Religion 'theologisch korrekt' zu lesen! Wissen diese Leute wirklich nicht, dass in gleichen Abschnitten des AT, in denen Homosexualität 'verurteilt' wird, auch jede Menge Dinge als todeswürdig bezeichnet werden? Die Feldarbeit am Sabbat, das Bestellen einen Felde mit zweierlei Getreidesorten, das Tragen von zwei verschiedenen Stoffarten etc. alles todeswürdig laut Bibel ... man müsste nur manchmal einen Satz weiterlesen!
    Auch die Probleme, die Paulus im NT mit dem Sex von zwei Männern hat, kann man nicht anführen, gegen das, was wir heute unter Homosexualität verstehen. ... Wenn sie schon die Bibel lesen und anführen, so beweisen diese Leute mit ihren Einlassungen nur, dass sie keinen Sachverstand davon haben, wie mit solchen Texten umzugehen ist. ...
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Religiotinnen-WatchAnonym
#7 Ralph
  • 18.05.2020, 11:03h
  • Ich stimme der Gemeinde zu, dass Latzel richtig zitiert und die biblische Einstellung zutreffend wiedergibt. Ich stimme ihr nicht zu, dass das keine Hetze sei.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 hierklickenAnonym
#9 Peck_SProfil
  • 18.05.2020, 11:20hFrankenthal
  • Ich wundere mich immer über die "Rosinenpickerei" der Bibelfundis. Ich meine in Leviticus (...wir sind dem Herrn ein Greuel) steht auch, dass man seine Tochter mit Rückkaufrecht an eine andere Sippe verschachern darf und Ehebrecher in die Dorfmitte getrieben werden sollen, um von den Einwohnern gesteinigt zu werden.

    Da stellt sich doch die Frage, weshalb man nur auf den "schwulen Stellen" beharrt und keine Todesstrafe für Fremdvögler und die Wiedereinführung der Sklaverei fordert?
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ralph
  • 18.05.2020, 11:27h
  • Antwort auf #9 von Peck_S
  • Ganz einfach: weil man von all dem andern Mist selbst betroffen sein könnte. In Deinen Beispielen: Die eigene Tochter in die Sklaverei verkaufen widerstrebt dem guten Christen heit schon etwas, und der gute Christ (je besser, desto mehr) nimmt es ja mit dem Ehebruch auch nicht so genau. Deswegen gab es in der deutschen Bevölkerung ja auch Widerstand gegen die NS-Euthanasie. In zahllosen gut deutschen Familien gab es Behinderte. Im Gegensatz dazu waren Juden, Sinti, Schwule in aller Regel gar nicht oder bloß als Leute "draußen" bekannt.
  • Antworten » | Direktlink »