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Jugendroman

Der verliebte Rob, der "nie eine öffentliche Toilette benutzte"

"Was so in mir steckt" von Barry Jonsberg ist ein humorvoller Jugendroman, in dem Trans-Identität nicht Hauptthema ist und dennoch klar und empowernd thematisiert wird.


Ausschnitt aus dem Cover der US-Ausgabe des Jugendromans von Barry Jonsberg mit dem englischen Originaltitel "A song only I can hear"

Die deutsche Übersetzung des Romans ist bei cbj Jugendbuch erschienen

Rob ist zum allerersten Mal verliebt. Er versucht, seine Schüchternheit zu überwinden und die Aufmerksamkeit seiner Mitschülerin Destry zu erlangen. Dabei helfen sein Großvater, sein bester Freund und anonyme SMS, die ihn vor Herausforderungen stellen.

Mit viel Humor beschreibt Barry Jonsberg, einer der renommiertesten australischen Kinder- und Jugendbuchautoren, in seinem Jugendroman "Was so in mir steckt", wie Rob, um Destry zu beeindrucken, Torwart wird. Ein riskantes Unterfangen, da seine Schulmannschaft stets haushoch verliert. Zunächst lässt Rob alle Bälle durchgehen, doch sein bester Freund Andrew weiß, wie ein Verliebter zu motivieren ist.

Von da an gibt Rob alles. Leider kommt Destry am Ende nicht zum Turnier – und Rob muss sich etwas Neues ausdenken, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen…

"Ein Problem mit der Schuluniform"


Barry Jonsberg ist einer der renommiertesten australischen Kinder- und Jugendbuchautoren (Bild: Jen Dainer / Industrial Arc Photography)

Dass Rob trans ist, wird erst spät im Buch, das für Jugendlich ab 13 Jahren empfohlen wird, explizit zum Thema gemacht, nämlich als Rob sich in der Schule bei einer Preisverleihung outet.

Davor gibt es lediglich zwei Andeutungen: zum einen, dass es am ersten Schultag "ein Problem mit der Schuluniform" gab, "aber Mum und Dad haben das geklärt". (S. 41) und zum anderen, dass Rob "nie eine öffentliche Toilette benutzte. Gar nie." (S. 182) Ebenso wenig wie Umkleidekabinen.

Die Charaktere wirken trotz oder gerade wegen ihrer Eigenheiten sehr authentisch. Fast schon slapstickmäßig herbeigewünscht erscheinen dagegen Passagen, in denen eine Lehrerin wiederholt aus dem Nichts auftaucht, um Rob vor seinem Mitschüler Daniel zu beschützen. Eine schöne Erklärung hierfür findet sich im letzten Kapitel, in dem Rob zur Überraschung der Lesenden seine Therapeutin trifft, mit der er die erzählte Geschichte sehr empowernd rekapituliert.

Infos zum Buch

Barry Jonsberg: Was so in mir steckt. Jugendroman. Aus dem Englischen von Ursula Höfker. Originaltitel: A song only I can hear. 352 Seiten. cbj Jugendbuch. München 2019. Hardcover mit Schutzumschlag: 18 € (ISBN 978-3-570-16553-9). E-Book: 13,99 €


#1 YannickAnonym
  • 19.05.2020, 14:35h
  • Solche Bücher sind extrem wichtig und verdienen viele Leser.

    Ich hoffe, dass das Buch sich gut verkauft und dass auch viele öffentliche Büchereien das Buch anschaffen (da kann man ja als Kunde auch Anschaffungsvorschläge machen!!).

    Ich verstehe nur nicht ganz, wieso man nicht den schönen, metaphorischen Originaltitel übersetzt hat: "Ein Lied, das nur ich höre", sondern so ein nichtssagendes, beliebiges "Was so in mir steckt". So als ginge es um ein Fußballtalent oder was auch immer.

    Außerdem wäre es dann auch leichter zu erkennen, dass das die deutsche Übersetzung dieses Buches ist, wenn man nur einen der beiden Titel kennt und dann später von dem anderen liest. Aber vor allem wäre das auch ein schönerer Titel.
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#2 Carsten ACAnonym
  • 19.05.2020, 15:04h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • Ich verstehe generell nicht, warum manche Übersetzer sich mit komplett anderen Titeln immer selbst verwirklichen wollen. Und diese Titel sind dann meistens schlechter als das Original. Denn der Autor des Originals hat sich ja was bei dem Titel gedacht und kennt den Text (inkl. der gestrichenen Teile) wie niemand sonst.
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#3 Still_Ith
  • 19.05.2020, 20:59h
  • "dass Rob "nie eine öffentliche Toilette benutzte. Gar nie." (S. 182) Ebenso wenig wie Umkleidekabinen."

    Als Hint sicherlich nett gemeint, aber leider komplett unrealistisch.

    Eine reale Trans*-Person würde nach Möglichkeit versuchen, auf die Behindertentoilette auszuweichen, die sind meistens nicht gegendert. Sich in den Busch zu setzen, funktioniert auf öffentlichen Schulen nunmal nicht. Und überhaupt nicht pinkeln, glaubt's mir als jemand, der's von jeher versucht, inklusive ab 7 Uhr früh nichts mehr trinken bis zur Heimkehr am späten Nachmittag, ist ebenfalls einfach nicht machbar.
    Sich tendentiell zu Zeiten hinzuschleichen, zu denen so wenig los ist, dass eins möglichst nicht gesehen wird, oder sich ein Örtchen suchen, das eher abgelegen ist, ist schon wieder eine andere Sache.

    Was die Umkleidekabinen betrifft, beim Freizeit-/Hobby-Sport vielleicht gerade noch möglich, wenn eins bereits angezogen hingeht und im verschwitzten Zeug sofort nach Hause verschwindet. In der Schule wird man aber nunmal schlicht und ergreifend gezwungen. Insbesondere bei ner Schulform, in der es Uniformzwang gibt, lässt sich das gar nicht vermeiden.

    Sind einfach so Ecken, an denen sich Gedanken aufdrängen wie "könnt ihr Normalos nicht einfach mal Sensivitiy Reader beschäftigen (und bezahlen), die dieses Leben leben und dank realer Erfahrungen solche Feinheiten wissen". Weil man daran merkt, dass das offenkundig einfach nicht passiert ist.

    Abgesehen davon klingt's tatsächlich erstmal nett. Wenn man die verhalten angedeutete Erzählform mag. Ich bin ja eher für die Variante "out, proud, beaten, but alive", und hab eher wenig übrig für ein Outing als Höhepunkt, nach dem dann nichts mehr kommt - weil's an dem Punkt für mich eigentlich erst losgeht mit der Realität. Aber das wär dann wohl ein Buch geworden, das auch Cis-Eltern abgelehnt hätten, die sich für unterstützend halten. Kann man also vom Prinzip her mögen oder nicht.
    Und unrealistisch isses ja auch nicht. Gerade Leute, die früh die Chance auf Angleichung bekommen, aka bei denen wenig verräterische Vergangenheit entsteht, sind am Ende eher weniger Aktivist*innen, sondern eher stealth und unsichtbar.

    PS: Was die Titelübersetzung betrifft, würd ich mich der Kritik anschließen, und wahrscheinlich isses mein Fehler - meine Assoziation war eine zu Sexspielzeug, und selbst falls das bloß mir so geht, die Möglichkeit, Zweideutigkeit diesbezüglich hineinzulesen, ist eigentlich schon wieder so ein Stück Sexualisierung, das nicht sein müsste.
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