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"Archaisch" und "unethisch"

Albanien: Psychologenvereinigung verbietet "Homo-Heilung"

Alle Psycholog*innen müssen künftig im Balkanstaat mit dem Entzug ihrer Lizenz rechnen, wenn sie versuchen sollten, Homo- oder Transsexuelle zu "heilen".


Albanien ist neben Malta und Deutschland erst das dritte Land in Europa, das sich der LGBTI-feindlichen Praxis von "Konversionstherapien" annimmt (Bild: Adam Jones / flickr)

Die albanische Psychologenvereinigung "Urdhri i Psikologut të Shqipërisë" hat am Freitag laut Medienberichten sogenannte "Konversionstherapien" zur "Heilung" von jugendlichen und erwachsenen LGBTI untersagt. Der Erlass kommt einen Verbot entsprechender "Behandlungen" für alle Psycholog*innen gleich, da eine Lizenz der 2017 gegründeten Vereinigung notwendig ist, um im Land praktizieren zu dürfen. Ein Beschluss des Parlamentes ist nicht notwendig. Bislang hat die Vereinigung 600 Psycholog*innen lizenziert.

Laut Psychologenverbands-Chefin Valbona Treska werde mit dem Verbot anerkannt, dass sogenannte Konversionstherapien "archaisch" und "unethisch" seien. Sie würden außerdem grundsätzlich Grundrechte und -freiheiten von Menschen beschränken.

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Verbot ist "sehr, sehr positiv"

LGBTI-Organisationen begrüßten den Schritt. Xheni Karaj von Aleanca LGBT bezeichnete ihn etwa als "sehr, sehr positiv". Altin Hazizaj von der LGBTI-Organisation Ambasada Pink (Rosa Botschaft) erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dieser Schritt sei speziell für junge queere Menschen im Land wichtig: "Auch wenn es nur wenige Berichte über die Nutzung solcher Therapien in Albanien gibt, haben wir uns darüber ernsthaft Sorgen gemacht."

Homosexualität ist in Albanien seit 1995 legal. Inzwischen gibt es – auch auf Druck der EU, der das Land gerne beitreten möchte – umfassende Antidiskriminierungsgesetze. Dennoch sind LGBTI-Aktivist*innen besorgt: Aleanca LGBT dokumentierte etwa vergangenes Jahr in dem weniger als drei Millionen Einwohner zählenden Staat rund 450 queerefeindliche Hassverbrechen. Auch ILGA Europe stellte fest, dass es im Land "eine wachsende Zahl von Hassrede in den Medien" gebe, die insbesondere gegen trans Menschen gerichtet sei. In der vor wenigen Tagen veröffentlichten neuesten "Rainbow Europe"-Liste, in der europäische Länder nach LGBTI-freundlicher Gesetzgebung bewertet werden, rutschte Albanien von Rang 23 auf Rang 28 ab (queer.de berichtete).

Innerhalb der Europäischen Union hat bislang nur Malta "Konversionstherapien" vollständig untersagt (queer.de berichtete). Am 7. Mai stimmte der Deutsche Bundestag für ein Teilverbot, das allerdings von LGBTI-Aktivist*innen und der demokratischen Opposition scharf kritisiert wurde (queer.de berichtete). (dk)



Eingetragene Partnerschaften in Albanien?

In Albanien wird auf Initiative des Europarates über die Einführung von eingetragenen Partnerschaften und die Verbesserung der Situation von Transgendern debattiert.
#1 ShqiptarAnonym
  • 19.05.2020, 13:19h
  • Wow, Albanien ist gesellschaftlich fortschrittlicher als Deutschland unter seinem stramm katholischen Gesundheitsminister!
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#2 TimonAnonym
  • 19.05.2020, 13:25h
  • Seht her Union und SPD.

    So macht man das.

    Was anderswo möglich ist, ist in Deutschland immer ein riesiges Problem.
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#3 YannickAnonym
  • 19.05.2020, 14:30h
  • In Albanien sind damit auch Erwachsene vor dieser Gehirnwäsche geschützt.

    Damit ist jetzt auch Albanien weiter als Deutschland...
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#4 ursus
  • 19.05.2020, 14:31h
  • Antwort auf #2 von Timon
  • Ich verstehe das so, dass die Psycholog_innenvereinigung ein Verbot für ihre Mitglieder ausgesprochen hat. Ein generelles Verbot für alle (also z. B. religiöse Scharlatane, die nicht offiziell als Psycholog_innen arbeiten) durch den Staat ist das auch in Albanien nicht.

    Ob es in Deutschland entsprechende interne Richtlinien psychologischer Verbände gibt, habe ich auf die Schnelle nicht herausgefunden. Weiß zufällig jemand mehr?
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#5 Carsten ACAnonym
  • 19.05.2020, 15:01h
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    Laut Psychologenverbands-Chefin Valbona Treska werde mit dem Verbot anerkannt, dass sogenannte Konversionstherapien "archaisch" und "unethisch" seien. Sie würden außerdem grundsätzlich Grundrechte und -freiheiten von Menschen beschränken.
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    Habt ihr das gehört, Union und SPD ?

    Da steht nicht etwa, dass nur minderjährige Opfer Grundrechte und Grundfreiheiten hätten und dass diese Gehirnwäsche bei anderen Opfern nicht unethisch wäre.
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#6 JadugharProfil
  • 19.05.2020, 15:09hHamburg
  • Antwort auf #4 von ursus
  • So weit ich weiß, ist die Wissenschaft schon sehr lange weiter als die Politik. Ärzte- und Psychologenverbände sehen Homosexualität nicht mehr als Krankheit an, und somit gibt es hier nichts zu therapieren. Höchstens die Folgeschäden, die allgemeine Homophobie bei den Homosexuellen hervorrufen, werden therapiert. Genau von diesen Verbänden kommt auch die Aufforderung zum Verbot von Homo-Heilungen, weil auch hier bekannt ist, welche Schäden sie hervorrufen.

    Die christlichen Parteien jedoch sehen sich als Hüter jahrtausendalter Traditionen, die den Menschen auf diktatorische Weise viele Rechte entzog. Nur aus diesen Grund wehren sie sich gegen gesellschaftliche Fortschritte.
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#7 GerritAnonym
  • 19.05.2020, 16:22h
  • Antwort auf #4 von ursus
  • So wie ich es verstanden habe, ist es so, dass alle Therapeuten, die therapeutisch tätig sein dürfen, eh in dieser Berufsvereinigung sein müssen.

    Und alle anderen, die dort eh nicht Mitglied sind, dürfen sowieso keine psychologischen Therapien anbieten. Das wäre dann eh schon illegal.

    Das verhindert natürlich nicht, dass solche Leute dennoch in der Illegalität arbeiten. Aber das kann auch kein Gesetz verhindern. Aber das kann man dann sanktionieren.

    Und vor allem ist es ein wichtiges Zeichen!!
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#8 GerritAnonym
  • 19.05.2020, 16:25h
  • Übrigens:
    alle diejenigen, die sich kürzlich beim neuen Rainbow-Ranking der ILGA für Europa gewundert hatten, dass so viele ehemals rückständige Staaten jetzt plötzlich vor Deutschland liegen:

    das liegt daran, dass Deutschland halt seit Jahren unter der mittlerweile dritten Groko still steht, während andere Staaten sich weiter entwickeln.

    Und dann kommt halt irgendwann der Punkt, wo die anderen Staaten das träge, muffige Deutschland, wo ewiggestrige Bedenkenträger das Sagen haben, überholen.
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#9 Julian SAnonym
  • 19.05.2020, 17:31h
  • Das ist wieder mal so ein Beispiel, wo man sich schämt Deutscher zu sein und in einem Land zu leben, das so rückständig ist, dass es nicht mal seine Bürger vor brandgefährlichen Machenschaften schützen will.

    Wobei es ja nicht "die Deutschen" sind. Denn die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist ja längst viel weiter. Ebenso wie die Wissenschaft, die Kultur und weite Teile der Wirtschaft.

    Es ist nur wieder mal die Politik, die um Jahre hinterherhinkt. Und das im Land des rosa Winkels, das eigentlich viel schneller aus Geschichte lernen sollte.
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#10 ursus
  • 19.05.2020, 17:32h
  • Antwort auf #7 von Gerrit
  • "Das verhindert natürlich nicht, dass solche Leute dennoch in der Illegalität arbeiten."

    Ich kenne die Rechtslage in Albanien nicht. In Deutschland ist die Bezeichnung "Psychologe" erst seit wenigen Jahren einigermaßen geschützt, "Psychotherapie" kann man meines Wissens bis heute auch ohne Ausbildung oder Mitgliedschaft in irgendeinem Berufsverband anbieten (man korrigiere mich, wenn das nicht stimmt). Als "Heiler_in", "Lebensberater_in", "Mental-Coach" oder was weiß ich darf jede Person, die Lust drauf hat, alle möglichen "Behandlungen" anbieten.

    Ein Verbot innerhalb eines Psycholog_innen-Verbandes ist natürlich gut und auch ein wichtiges Signal. Es ist aber kein allgemeines Verbot. Scharlatanerie außerhalb dieses Verbandes bleibt legal.
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