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"Archaisch" und "unethisch"
Albanien: Psychologenvereinigung verbietet "Homo-Heilung"
Alle Psycholog*innen müssen künftig im Balkanstaat mit dem Entzug ihrer Lizenz rechnen, wenn sie versuchen sollten, Homo- oder Transsexuelle zu "heilen".

Albanien ist neben Malta und Deutschland erst das dritte Land in Europa, das sich der LGBTI-feindlichen Praxis von "Konversionstherapien" annimmt (Bild: Adam Jones / flickr)
- 19. Mai 2020, 09:08h 2 Min.
Die albanische Psychologenvereinigung "Urdhri i Psikologut të Shqipërisë" hat am Freitag laut Medienberichten sogenannte "Konversionstherapien" zur "Heilung" von jugendlichen und erwachsenen LGBTI untersagt. Der Erlass kommt einen Verbot entsprechender "Behandlungen" für alle Psycholog*innen gleich, da eine Lizenz der 2017 gegründeten Vereinigung notwendig ist, um im Land praktizieren zu dürfen. Ein Beschluss des Parlamentes ist nicht notwendig. Bislang hat die Vereinigung 600 Psycholog*innen lizenziert.
Laut Psychologenverbands-Chefin Valbona Treska werde mit dem Verbot anerkannt, dass sogenannte Konversionstherapien "archaisch" und "unethisch" seien. Sie würden außerdem grundsätzlich Grundrechte und -freiheiten von Menschen beschränken.
Verbot ist "sehr, sehr positiv"
LGBTI-Organisationen begrüßten den Schritt. Xheni Karaj von Aleanca LGBT bezeichnete ihn etwa als "sehr, sehr positiv". Altin Hazizaj von der LGBTI-Organisation Ambasada Pink (Rosa Botschaft) erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dieser Schritt sei speziell für junge queere Menschen im Land wichtig: "Auch wenn es nur wenige Berichte über die Nutzung solcher Therapien in Albanien gibt, haben wir uns darüber ernsthaft Sorgen gemacht."
Homosexualität ist in Albanien seit 1995 legal. Inzwischen gibt es – auch auf Druck der EU, der das Land gerne beitreten möchte – umfassende Antidiskriminierungsgesetze. Dennoch sind LGBTI-Aktivist*innen besorgt: Aleanca LGBT dokumentierte etwa vergangenes Jahr in dem weniger als drei Millionen Einwohner zählenden Staat rund 450 queerefeindliche Hassverbrechen. Auch ILGA Europe stellte fest, dass es im Land "eine wachsende Zahl von Hassrede in den Medien" gebe, die insbesondere gegen trans Menschen gerichtet sei. In der vor wenigen Tagen veröffentlichten neuesten "Rainbow Europe"-Liste, in der europäische Länder nach LGBTI-freundlicher Gesetzgebung bewertet werden, rutschte Albanien von Rang 23 auf Rang 28 ab (queer.de berichtete).
Innerhalb der Europäischen Union hat bislang nur Malta "Konversionstherapien" vollständig untersagt (queer.de berichtete). Am 7. Mai stimmte der Deutsche Bundestag für ein Teilverbot, das allerdings von LGBTI-Aktivist*innen und der demokratischen Opposition scharf kritisiert wurde (queer.de berichtete). (dk)















