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Hass im Irak

Al-Sadr will "islamische Fahne" gegen Regenbogenflagge einsetzen

Die politische und religiöse Führung des Irak zeigt sich empört darüber, dass mehrere westliche Botschaften anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie Regenbogenfahnen in Bagdad gehisst haben.


Muktada al-Sadr bei einem Interview im französischen Fernsehen (Bild: Screenshot France 24)

Erst Ende März hatte Muktada al-Sadr, einer der führenden schiitischen Geistlichen und Chef der nach ihm benannten einflussreichen sadristischen Partei, die gleichgeschlechtliche Ehe für die Existenz des Corona-Virus verantwortlich gemacht (queer.de berichtete). Jetzt hat der 46-Jährige erneut gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten ausgeteilt, die er in einer neuen Tirade laut "Jerusalem Post" als "Psychos, die geistig krank sind", bezeichnete. Die Sadristen stellen die größte Fraktion im irakischen Parlament.

Al-Sadr zeigte sich empört, dass westliche Botschaften – konkret die Vertretungen Großbritanniens, Kanadas und der Europäischen Union – am Sonntag Regenbogenflaggen hissten. Anlass war der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Als Reaktion sollten irakische Botschaften in diesen Ländern "islamische Fahnen" hissen, forderte al-Sadr.

Die Diskussion um die Regenbogenfahnen im Irak ist inzwischen noch aufgeheizter. Nun hat sich auch der radikale…

Gepostet von Amed Sherwan am Montag, 18. Mai 2020
Facebook / Amed Sherwan | Menschenrechtler Amed Sherwan veröffentlichte eine Protestnote von al-Sadr an die EU. Sherwan hatte 2018 mit seinem CSD-Slogan "Allah is gay" für eine Empörungswelle unter islamischen Homo-Hassern gesorgt (queer.de berichtete)

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Außenministerium: Regenbogenfahne widerspricht religiösen Werten

Auch offizielle Stellen protestierten gegen den bunten Stoff an westlichen Botschaften: Das irakische Außenministerium erklärte etwa auf Twitter, "die Fahne der Homosexualität" widerspreche den "hohen Normen und Werten, die von allen göttlichen Religionen respektiert werden".


"Wir erlauben es nicht, die homosexuelle Fahne auf unserem Boden zu hissen", erklärte der stellvertretende Parlamentssprecher Bashir Hadad. Er verlangte eine Entschuldigung der EU-Auslandsvertretung und forderte, dass die Diplomaten versprechen sollten, die Flaggenhissung nicht zu wiederholen.

Ausweisung "moralisch verdorbener Botschafter" gefordert

Hadi al-Amiri, der Chef der zweitgrößten Fraktion im irakischen Parlament, zeigte sich ebenfalls empört über die Regenbogenfahnen. Der 65-Jährige forderte sogar, "moralisch verdorbene Botschafter" aus dem Westen wegen des Vorfalls auszuweisen. Sie hätten schließlich "den heiligen Monat Ramadan" mit ihrer Aktion beschädigt. Auch viele weitere Abgeordnete schlossen sich der Kritik an.

Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten sind im Irak vielen Repressionen ausgesetzt. Ein ausdrückliches Verbot von Homosexualität aus der Ära von Diktator Saddam Hussein wurde zwar 2003 abgeschafft, allerdings können Schwule und Lesben nach schwammig formulierten Sittlichkeitsgesetzen belangt werden. Außerdem gibt es seit Jahren Berichte darüber, dass islamistische Milizen oder "Scharia-Gerichte" Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung foltern oder töten.

Ende 2018 äußerte auch die deutsche Bundesregierung ihre Sorge über die Verfolgung Schwuler, Lesben, Bisexueller und trangeschlechtlicher Menschen im Irak. "Ein selbstbestimmtes Leben, eine feste öffentliche Partnerschaft, die Gründung einer Familie und ein Leben ohne Angst sind im Irak für schwule Männer faktisch nicht möglich", erklärte der damalige Außenstaatssekretär Walter J. Lindner (queer.de berichtete). (dk)



#1 DieterBremenProfil
  • 19.05.2020, 13:40hBremen
  • Der klingt ja wie Bremens homophober Horror-Pastor Latzel! Religöse Fundamentalisten! Gnade uns irgendwer, wenn diese fiesen Jungs sich zusammenschließen!
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#2 FilipProfil
  • 19.05.2020, 14:01hHamburg
  • "Wir erlauben es nicht, die homosexuelle Fahne auf unserem Boden zu hissen", erklärte der stellvertretende Parlamentssprecher Bashir Hadad.

    Diese Botschaftsgelände sind doch für den Irak ausländischer Boden. Oder sehe ich das falsch?

    "Er verlangte eine Entschuldigung der EU-Auslandsvertretung und forderte, dass die Diplomaten versprechen sollten, die Flaggenhissung nicht zu wiederholen."

    Versuchen kann er es ja. Aber wo ist sein Druckmittel? Oder habe ich da etwas verpasst in der jüngsten irakischen Geschichte?

    "Der 65-Jährige forderte sogar, "moralisch verdorbene Botschafter" aus dem Westen wegen des Vorfalls auszuweisen."

    Wird nicht passieren. Der Irak könnte die entsprechende Antwort wohl nicht verkraften.
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#3 Peck_SEhemaliges Profil
  • 19.05.2020, 14:09h
  • Der Irak: Da denke ich zuerst an Saddam Hussein, seines Zeichens Diktator, Soziopath und Saddist. Dann fällt mir ein, dass ein Großteil der Streitkräfte nach der Auflösung des Militäs durch die USA zum IS gegangen sind um Nachbarländer zu überfallen und Völkermord an den Jessiden und Christen zu begehen und danach fällt mir ein, dass sie nach all dem immer noch unfähig sind, demokratisch zu denken, weil die Schiiten und Sunniten zu sehr damit beschäftigt sind, sich weiterhin gegenseitig umzubringen und politisch zu unterdrücken.

    Also wenn dieser Al-Sadr dann von den hohen moralischen und religiösen Werten seines Landes spricht, komme ich leider vor lachen nicht dazu, mich zu empören. Sorry
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#4 YannickAnonym
  • 19.05.2020, 14:36h
  • "Wir erlauben es nicht, die homosexuelle Fahne auf unserem Boden zu hissen"

    So viel ich weiß, sind Botschaften exterritoriales Gebiet.
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#5 Pink FlamingoAnonym
#6 ColonelAnonym
  • 19.05.2020, 15:51h
  • Antwort auf #4 von Yannick
  • Das ist falsch und ein verbreiteter Irrtum. Auch das Botschaftsgelände ist immer noch irakisches Staatsgebiet und nicht extraterritorial; die einzige Einschränkung ist, dass irakisches Recht dort nach dem WÜD nicht durchgesetzt werden kann. Aber das ist (wie alles internationale Recht) vor allem Konvention - wenn sich die irakische Polizei entschließen sollte, die Botschaft zu stürmen und die Flagge abzunehmen, dann verstößt sie zwar gegen das WÜD (was in aller Regel tunlichst vermieden wird), aber verletzt in keinem Fall die physische Integrität fremden(!) Staatsgebietes.
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#7 Alexander_FAnonym
  • 19.05.2020, 16:07h
  • Antwort auf #1 von DieterBremen
  • Zum Glück wird es dazu nicht kommen, weil Olaf keine ökumenischen Gottesdienste mag, und den Islam auch nicht. Al-Sadr wiederum wird wohl vom Christentum nicht so viel halten. Zum Glück verhindert also der Wahn beider, dass sie sich zusammenfinden, wiewohl sie sich in ihrem geifernden Hass durchaus einig sind. Und das ist auch gut so.

    Zu diesem dünnhäutigen HB-Männchen mit gewindeltem Kopf fällt mir ansonsten auch nichts weiter ein. Wenn schon ein Regenbogenfähnchen ausreicht, um ihn so auf die Palme zu bringen, sollte am besten jemand mal vor seinen Augen am Ramadan und am hellichten Tage genüsslich einen Regenbogenkuchen essen. Dann wird er wahrscheinlich einen Herzinfarkt kriegen.
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#8 DramaQueen24Profil
  • 20.05.2020, 01:41hBerlin
  • @ Muktada al-Sadr,
    Bevor man redet, sollte man erst das Gehirn einschalten, und im Glashaus nicht mit Steinen werfen!
    Im Irak dürfen Geistliche der Schiiten minderjährige Mädchen an alte Knacker verheiraten (ab 9 Jahre), sogar eine "Ehe auf Zeit" (legale Prostitution zur Lasten von Mädchen und Frauen) ist erlaubt.
    Das zeigt doch die "moralischen Werte" der Schiiten (Sunniten sind übrigens um keinen Deut besser).
    Die Fahne bleibt, weil auf exterritorialem Gebiet der Irak nichts zu melden hat. Und, solltet Ihr die Botschafter der Länder ausweisen, könnte es durchaus sein, dass Eure Botschaften in diesen Ländern ebenfalls die Botschafter verlieren. Erpressung funktioniert nämlich BEIDSEITIG!
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#9 antosProfil
#10 Ralph
  • 20.05.2020, 10:19h
  • Der Herr Hassprediger kennt seine eigene Fahne nicht. Sie trägt die noch von dem Mörder und Kriegsverbrecher Saddam Hussein eingeführte Aufschrift: "Allahu Akbar" zwischen den Sternen des mittleren Streifens und weht über allen irakischen Botschaften weltweit. Damit ist sie ein extrem ausgrenzendes Symbol, denn sie steht nur für Muslime. Nichtmuslimische Minderheiten im eigenen Lande schließt sie aus, und im Auslande betreibt sie beständige religiöse Propaganda. Damit verstößt sie tagtäglich gegen die in den meisten zivilisierten Staaten geltende Regel, dass staatliche Stellen sich religiös neutral zu verhalten haben. Die Gastländer nehmen das hin. Nach den zwischen wohlerzogenen Menschen üblichen Gepflogenheiten möge das der Irak auch hinnehmen. (Anmerkung: Solche Popaganda treibt außer dem Irak nur Saudi-Arabien. Ein Vergleich mit Kreuzen und Halbmonden auf Flaggen ginge fehl, denn diese sind lediglich über Jahrhunderte übliche staatliche Symbole, während es sich bei "Allahu Akbar" um einen erst im Zuge eines religiös verbrämten Krieges eingefügten Kampfruf in Form eines Glaubensbekenntnisses handelt. Dem entspräche es, in christlich geprägten Ländern eine Flagge zu führen, die die Zeile: "Du sollst keine anderen Götter haben" enthielte. Wie würde sich der Irak verhalten, wenn ein europäisches Land eine Nationalflagge hisste, auf der stünde: "Ich glaube an Gott und an Jesus Christus, seinen Sohn" - welch letzteres der Islam vehement bestreitet?)
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