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Gauweiler 2.0?

Die Linke.queer empört über Vorstoß zum Verbot von Sexarbeit

Abgeordnete von Union und SPD, darunter Ex-Gesundheitsminister Hermann Gröhe und der sozialdemokratische Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, werfen Callgirls und Callboys vor, "epidemiologische Super-Spreader" zu sein.


Sexarbeiter als Virenschleudern: Soll Prostitution erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich verboten werden? (Bild: COC Nederland)

  • 19. Mai 2020, 14:28h 39 3 Min.

Eine Gruppe von 16 Bundestagsabgeordneten von CDU/CSU und SPD will angesichts der Corona-Krise Prostitution kriminalisieren. Die Forderung nach einem Sexkaufverbot stellten sie in einem Brief an die deutschen Ministerpräsident*innen auf. Die LGBTI-Organisation der Linkspartei (Die Linke.queer) warf am Dienstag den Autor*innen um die Gewerkschafterin Leni Breymaier, den Epidemiologen Karl Lauterbach (beide SPD) und den ehemaligen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) unter anderem Doppelmoral vor.

"Es dürfte auf der Hand liegen, dass Prostitution die Wirkung eines epidemiologischen Super-Spreaders hätte – sexuelle Handlungen sind in der Regel nicht mit Social Distancing vereinbar", heißt es laut dpa in dem Papier der Unions- und SPD-Abgeordneten. Zudem würden bei der Nachverfolgung von Infektionsketten Kontakte mit Sexarbeiterinnnen und Sexarbeitern meist verschwiegen.

Vorstoß erinnert Die Linke.queer an Aids-Politik von Peter Gauweiler

Der Superspreader-Vorwurf gegen Hostessen und Callboys erinnere "an die repressiven Vorstöße von Gauweiler und Kumpanen in der Aids-Krise der 1980er Jahre", so die Bundessprecher*innen von Die Linke.queer, Daniel Bache, Katharina Jahn und Frank Laubenburg. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler hatte vor gut 30 Jahren als bayerischer Innenstaatssekretär unter anderem Schwule auf HIV zwangstesten und Aids-Kranke auch gegen ihren Willen internieren wollen.


Ist das der neue Peter Gauweiler? Der Sozialdemokrat Karl Lauterbach ist als Gesundheitsexperte derzeit in Talkshows omnipräsent und schlägt sehr repressive Maßnahmen gegen Corona vor (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Die Linke.queer forderte, nicht erneut repressiv auf die neue Bedrohung zu reagieren, sondern den Sexarbeitenden zu helfen, von denen derzeit viele um ihre Existenz kämpfen: "Die durch die Corona-Krise ausgelöste wirtschaftliche Not von Sexarbeiter*innen für Verbotsforderungen zu missbrauchen statt Hilfeprogramme aufzulegen, zeigt auch die moralische Verkommenheit der Abgeordneten um Leni Breymeier deutlich auf."

Für die queeren Linken sei es ein Widerspruch, dass die Koalitionäre während der Corona-Krise "kein Problem" damit hätten, Erntehelfer*innen zu "Ausbeuterlöhnen" nach Deutschland zu holen, aber gleichzeitig Sexarbeiter*innen "zu diffamieren und zu kriminalisieren". Wichtig sei jetzt "die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes für Beschäftigte in allen Branchen ebenso notwendig wie konkrete Hilfe für Sexarbeitende".

"Endlich differenzierte Regelungen" gefordert

Ferner erklärten Bache, Jahn und Laubenburg: "Die Angebote von Sexarbeiter*innen sind zudem vielfältig und umfassen auch solche, die 'Social Distancing' und die Einhaltung aller Regeln zum Infektionsschutz ermöglichen." Statt des wegen Corona noch immer anhaltenden Totalverbots von Prostitution müssten auch in der Sexarbeit "endlich differenzierten Regelungen" eingeführt werden. Den Kampf gegen Sexarbeitende bezeichneten die Linkspolitiker*innen als "reaktionär".

DIE LINKE.queer: Bundestagsabgeordnete hetzen gegen Sexarbeit: Solidarität statt Diffamierung notwendig Zur Forderung…

Gepostet von BAG DIE LINKE.queer am Dienstag, 19. Mai 2020
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Für Bache, Jahn und Laubenburg ist es auch keine Entwarnung, dass laut den Unions- und SPD-Abgeordneten nur Freier*innen und keine Sexarbeiter*innen bestrafen werden sollten. Diese Praxis habe sich "in der Realität bereits als große Lüge" herausgestellt, wie Beispiele in Schweden zeigten. So würden ausländische Sexarbeitende dort einfach abgeschoben. (pm/dk)


#1 Carsten ACAnonym
  • 19.05.2020, 14:59h
  • Es ist erwiesen, dass es ohne Prostitution viel mehr sexuelle Gewalt gäbe.

    Natürlich muss etwas gegen Zwangs-Prostitution getan werden, aber diesbezüglich tut die Regierung gar nichts.

    Stattdessen kommen die jetzt mit solchen Ideen, die legale Prostitution als Gefahr für die Gesundheit verkaufen soll.
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#2 YannickAnonym
  • 19.05.2020, 15:13h
  • Also, die SPD ist echt nur noch Anhängsel der Union.

    Dass dieser Lockdown nötig war, war nicht Schuld von Prostituierten, sondern lag an der seit Jahren von Union und SPD vermasselten Gesundheitspolitik:

    - es gab und gibt zu wenig Intensivbetten und Beatmungsplätze

    - es gab wochenlang zu wenig Schutzmasken und das Problem ist erst nach fast 3 Monaten behoben

    - dadurch, dass Laborkapazitäten immer weiter wegrationalisiert wurden und mittlerweile nicht mal mehr jedes Krankenhaus ein eigenes Labor hat, sondern die Proben mit Kurier zu anderen Krankenhäusern schicken muss, fehlen jetzt schlichtweg Testkapazitäten.

    Und wenn man sich z.B. mal die neuen Ausbrüche in Schlachthöfen ansieht, wo Unions- und SPD-geführte Ministerpräsidenten über 2 Wochen brauchen, um zu reagieren (und das obwohl schon vor Wochen genau davor gewarnt wurde), dann wird klar, dass Union und SPD einfach nur von ihren Fehlern ablenken wollen, indem sie die Schuld bei anderen suchen.

    Und da nimmt man dann die Menschen, die eh schon ganz weit unten im Ansehen stehen, weil man die am leichtesten zu Buhmännern machen kann.

    Ganz schlechter Stil und sehr durchschaubar. Aber von Union und SPD ist wohl nichts anderes mehr zu erwarten...
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#3 FliegenAnonym
  • 19.05.2020, 15:14h
  • Oh NEIN bitte nicht wieder zurückfallen wie damals zu Gauweilers Zeiten ! Ich habe sie leider miterlebt !!! Wir schreiben doch das Jahr 2020 denkt und lenkt mal fortschrittlicher ihr Politiker-innen !!! DANKE :-)
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