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Verdrängte Geschichte

Die queeren Opfer der Franco-Diktatur

120.000 Leichen liegen über ganz Spanien verteilt in anonymen Massengräbern, unter ihnen viele Schwule und Lesben. Der bewegende Film "Bones of Contention" sucht nach ihren Geschichten. Jetzt als VoD!


Bis heute kämpfen Hinterbliebene der Opfer dafür, die Überreste ihrer Angehörigen bergen und würdig bestatten zu dürfen (Bild: Edition Salzgeber)

Die Pinie gilt in der christlichen Symbolik als Lebensbaum. Die Zapfen symbolisieren die Auferstehung und Unsterblichkeit. Fast schon zynisch, dass es ausgerechnet Pinien sind, die das Franco-Regime auf anonyme Massengräber pflanzen ließ. Die Wurzeln sind invasiv und wachsen schnell, die Gräber werden so zerstört, Spuren verwischt.

Eine Karte zeigt Spanien, und langsam füllt sich das Land mit roten Punkten. Jeder Punkt ein anonymes Massengrab der Franco-Zeit, bald sind kaum mehr Flächen frei, die ganze Karte übersät. 120.000 Menschen liegen in solchen Massengräbern, das macht Spanien nach Malaysia zum Land mit den zweitmeisten verschwundenen Menschen der Welt.

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Von oberster Stelle verordnetes Schweigen


Poster zum Film: "Bones of Contention" gibt es vom 21. Mai bis 17. Juni 2020 exklusiv als VoD auf salzgeber.de

Unter ihnen waren viele Schwule, Lesben und trans Menschen – in Gefängnissen oder Konzentrationslagern weggesperrt und teilweise ermordet nach einer Änderung des "Gesetzes für Nichtstuer und Landstreicher" im Jahr 1954. Der berühmteste von ihnen: der schwule Dichter Federico García Lorca.

Die US-Regisseurin Andrea Weiss spürt in ihrem Dokumentarfilm "Bones of Contention", der noch bis 17. Juni exklusiv im Salzgeber Club zu sehen ist, seiner Geschichte wie der vieler anderer nach. García Lorca dient dabei als roter Faden, der immer wieder auftaucht, der aber nicht den meisten Raum des Films einnimmt. Allzu viel, etwa über seine Biografie oder seine Zeit in New York und Kuba, erfahren wir nicht. Seine Gedichte markieren Abschnitte, sodass ein guter Eindruck von García Lorcas Werk entsteht.

Bis heute ist unklar, wo der Dichter begraben liegt – und durch die Suche nach dem Grab wird deutlich, wie wenig Aufarbeitung in Spanien stattgefunden hat.


Der Dicher Federico García Lorca ist das bekannteste Opfer der Franco-Diktatur (Bild: Fundación Federico García Lorca)

Nach Francos Tod 1975 sollte das alles kein Thema sein. Es gab einen Wirtschaftsaufschwung, das Schweigen wurde von oberster Stelle verordnet. Die ausländischen Tourist*innen haben davon schon unter Franco ohnehin kaum etwas mitbekommen, durch die Allianz mit den USA wurde das faschistisch regierte Land schon seit den späten Fünfzigern legitimiert.

Gegen das Vergessen

Andrea Weiss spricht mit García Lorcas Nichte, die seine Stiftung leitet, mit Forscher*innen und Aktivist*innen, die teilweise selbst wegen ihrer Sexualität unter Franco eingesperrt wurden. Die Interviews, wenn auch vor allem im wenig visuell ansprechenden Talking-Heads-Stil, sind vielfältig, zeigen die verschiedenen Perspektiven auf die Zeit, und insbesondere die Geschichten der Betroffenen sind ungemein wertvoll. Sie kämpfen bis heute gegen das Vergessen, für Anerkennung und Menschenrechte. Dazu kommen beeindruckende historische Aufnahmen.

"Bones of Conention", auf der Berlinale 2017 uraufgeführt, gibt einen bislang einmaligen Einblick in die von Gewalt und Ablehnung geprägte queere Geschichte unter Franco. Die bewegende Doku findet zudem, zumindest in Ansätzen, eine Erklärung für den rasanten Wandel, den die spanische Politik und Gesellschaft in Sachen LGBTI-Rechte gemacht hat.

Ein Film, der nicht nur den spanischen, sondern jeden Weg der Erinnerung, des Gedenkens und Vergessens adressiert. Und der so dazu beiträgt, dass die Pinien vielleicht doch ein Symbol der Unsterblichkeit werden, auch auf den Massengräbern.

Vimeo / Salzgeber Club | Offizieller Trailer zu "Bones of Contention" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Infos zum Film

Bones of Contention. Dokumentarfilm. USA 2017. Regie: Andrea Weiss. Laufzeit: 75 Minuten. Sprache: spanisch-englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Edition Salzgeber. Vom 21. Mai bis 17. Juni 2020 exklusiv im Salzgeber Club als Video on Demand
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#1 ahmadAnonym
  • 21.05.2020, 12:36h
  • das sollte uns eine lehre sein und nie wieder faschismus
    und keine Chance den rechtspopulisten
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#2 56James35Anonym
  • 21.05.2020, 14:33h
  • Ein Dokumentarfilm, den nur wenige Spanier*innen kennen. Aber das heutige Spanien ist eines der tolerantesten, schwulenfreundlichsten Länder Europas und der Welt überhaupt. Sowohl die EU als auch das wirtschaftlich so mächtige Deutschland sollten sich an Spanien ein Beispiel nehmen. Spanien ist nicht nur ein angenehmes Land für Urlauber, sondern auch vor allem ein Land, dessen Einwohner MENSCHEN sind, keine Klonen. In Spanien habe ich wahre Freunde, in Deutschland nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 trans naysayerAnonym
  • 21.05.2020, 16:58h
  • When the pure forms sank in the cri-cri of daisies,

    I knew they had assassinated me.

    They combat the cafes,

    cemeteries and churches,

    they pried open the wine-casks and closets,

    destroyed three skeletons to take their gold teeth.

    Still, they didn't find me.

    (Fábula y Roeda de los tres Amigos)

    Als ich noch ganz jung war, habe ich Lorca nicht gelesen, sondern verschlungen.

    #5, @56James35:
    "Spanien ist (...) vor allem ein Land, dessen Einwohner MENSCHEN sind, keine Klonen."

    Ich habe in Europa nur Freund:innen in Spanien (und Portugal). Dafür habe ich gute Gründe.
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#4 WahlBrandenburgerAnonym
  • 21.05.2020, 17:16h
  • Antwort auf #2 von 56James35
  • Aber das heutige Spanien ist eines der tolerantesten, schwulenfreundlichsten Länder Europas und der Welt überhaupt...Spanien ist nicht nur ein angenehmes Land für Urlauber, sondern auch vor allem ein Land, dessen Einwohner MENSCHEN sind, keine Klonen.

    Komisch, dass ich da jahrelang gelebt habe und das nicht gemerkt habe. Spanien ist ein sehr patriarchalisch geprägtes Land, dass sich zudem, siehe Film, noch fast überhaupt nicht mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat. Auf dem Papier ist es liberal, aber über (Homo-/Bi-/...Sexualität wird im Alltag außer in Madrid und Barcelona und ein paar anderen größeren Städten überhaupt nicht gesprochen, das Thema wird totgeschwiegen und die Leute leben sehr versteckt.

    Wer so etwas wie du schreibt, der hat sein Wissen möglicherweise aus Schwulenmekkas wie Gran Canaria und Ibiza, aber der hat keine Ahnung davon, wie es Homosexuellen, Transsexuellen, Bisexuellen etc. im wahren Leben in Spanien ergeht, das ist wesentlich grausamer als in Deutschland, da leben wir quasi in einem Paradies.
    Möglicherweise wird auf der Straße niemand angemacht oder überfallen oder geschlagen, aber er/sie wird sozial gemieden und die Leute setzen sich mit fortschrittlichen Themen fast überhaupt nicht auseinander.
    Es bringt niemandem etwas, wenn er auch als Homosexueller Kinder adoptieren kann, aber im Regelfall nicht mal mit seinen Eltern über seine Sexualität sprechen kann, weil er ansonsten verstoßen, gemieden oder unbeachtet bleibt - und genau dieses Totschweigen ist in Spanien der Standard und nicht die Ausnahme!
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#5 WahlBrandenburgerAnonym
  • 21.05.2020, 17:49h
  • Antwort auf #1 von ahmad
  • Vielleicht solltest du mal einen Blick darauf werfen, wie in den Ländern in denen es jahrelang angeblich sozialistische Paradiese gab, mit Homosexuellen umgegangen wurde und wird. Venezuela ist das beste Beispiel aktuell, gerne auch mal einen Blick nach China werfen und den Umgang mit Homosexualität dort, einem ja angeblich immer noch sozialistischen/kommunistischen Land.
    Ansonsten einfach mal googeln, was Castro in den Sechzigern und Siebziger Jahren mit Homosexuellen auf Kuba gemacht hat. Wofür er sich im übrigen später entschuldigt hat, aber das ändert nichts an dem Leid der Opfer...

    Wer berechtigterweise gegen Faschismus ist, der sollte berechtigterweise auch gegen linken Totalitarismus sein, denn die unzähligen Toten gibt es auf beiden Seiten zur Genüge.
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#6 PeerAnonym
  • 21.05.2020, 17:58h
  • Ein sehr dunkles Kapitel spanischer Geschichte, das noch viel stärker und umfangreicher aufgearbeitet werden müsste.
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#7 dellbronx51069Anonym
#8 56James35Anonym
  • 21.05.2020, 19:39h
  • Antwort auf #4 von WahlBrandenburger
  • Ich bin Franzose und kann nur von den Erfahrungen sprechen, die ich in Spanien gesammelt habe. Nicht alle meine Freunde oder Freundinnen sind schwul oder lesbisch, unter meinen Freunden gibt es auch viele Heteros (Frauen + Männer) und ein Problem mit meinem Schwulsein haben sie nie gehabt, im Gegensatz zu meinem "Heimatland" Frankreich. Ich hatte Spanisch als dritte Fremdsprache. Das macht natürlich vieles leichter. Ich fliege ziemlich oft nach Spanien. Natürlich ist Madrid ein Paradies für Schwule, aber in einem kleinen Ort Andalusiens, wo ich zwei Monate verbracht habe mit meinem Freund (das war 2011) hatte ich überhaupt kein Problem. Als Universitätsstadt ist auch Salamanca eine schwulenfreundliche Stadt. Es ist klar, dass ich nicht ganz Spanien kenne. Vor 2 Monaten hat eine spanische Zeitung von einem Schwulenpaar berichtet, das in einer mittelgroßen Stadt im Süden Spaniens von jungen Homophoben
    übergriffen wurde. Die zwei jungen Männer wollen nie wieder nach Spanien. Aber passieren kann das auch in D, GB oder in F.
    Ich bitte dich um Nachsicht : Deutsch ist nicht meine Muttersprache.
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#9 56James35Anonym
#10 WahlBrandenburgerAnonym
  • 21.05.2020, 19:58h
  • Antwort auf #8 von 56James35
  • Mir geht es einzig und allein darum festzustellen, dass liberale Gesetze nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Land auch gesellschaftlich liberal ist.
    Genauso wie es sehr konservative Länder (zum Beispiel Irland, sehr katholisch) gibt, in denen dann aber wiederum z.B. die Ehe für alle im Rahmen eines Referendums von einer Mehrheit bestätigt wurde.
    Statistiken sind schön, aber die Realität ist oft eine andere...und vielen geht es nicht darum, ob es in anderen Ländern wirklich besser ist, sondern vielmehr darum, das eigene Land schlecht zu schreiben - ohne reale Vergleiche zu haben!
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