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USA

Regisseur: Schwuler Sex auf Amazon Prime zensiert

Das ist ungewöhnlich: Regisseur Francis Lee bittet Amazon-Nutzer in den USA, seinen Film "God's Own Country" nicht auszuleihen. Die Schuld trägt aber nicht der Streaming-Konzern aus Seattle.


Schafzüchter Johnny (unten, Josh O'Connor) und der rumänische Gastarbeiter Gheorghe (Alec Secareanu) kommen sich in der britischen Provinz näher (Bild: Edition Salzgeber)

Francis Lee, der Regisseur des hoch gelobten britischen Dramas "God's Own Country" aus dem Jahr 2017, hat an amerikanische Fans appelliert, kein Geld für seinen Film bei Amazon Prime Video auszugeben. Auf Twitter schrieb er am Mittwoch: "Liebe Freunde in den USA, 'God's Own Country' scheint bei Amazon Prime zensiert worden zu sein. Bis wir das untersucht haben, bitte leiht den Film bei Amazon Prime nicht aus und kauft ihn nicht. Das ist nicht mein Film. Ich werde mich wieder melden", so der 51-Jährige.

Später erklärte Lee, dass "God's Own Country" nicht von Amazon, sondern von der US-Verleihfirma Samuel Goldwyn Films "ohne Rücksprache zerhackt" worden sei. Grund für die Entfernung der Sex-Szenen war offenbar, dass der Verleih mit dieser entschärften Version hoffte, auf mehr Plattformen veröffentlicht zu werden und so ein größeres Publikum zu erreichen.

Twitter / strawhousefilms

Auch der Amazon-Konzern reagierte auf den Zensurvorwurf. "Amazon Prime hat den Film nicht zensiert", erklärte ein Sprecher gegenüber NME. Vielmehr sei die "bearbeitete Version so vom Verleiher hochgeladen worden".

In sozialen Netzwerken beschwerten sich Nutzer, dass sie wegen der teilweise wohl etwas kruden Schnitte die Lust am Film verloren hätten. Ein Nutzer schrieb etwa, er habe nach einer geschnittenen Szene in einem Viehanhänger den Stream ausgeschaltet, "weil es gestört hat, dass so etwas gemacht wird. Ich weiß ja nicht, was sonst noch zensiert wurde".

Twitter / DylanMSims

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Der Film gilt als eine Art englische Version von "Brokeback Mountain". Er handelt vom 24-jährigen Johnny, der mit seiner Familie in einer abgelegenen Schaf-Farm im Norden Englands lebt und dann eine Beziehung zum gleichaltrigen Saisonarbeiter Gheorghe aus Rumänien entwickelt.

Übrigens: Die deutsche Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hat den Film ab 12 Jahren freigegeben. Das bedeutet, dass Sechsjährige den Film in Begleitung ihrer Eltern im Kino anschauen dürfen oder Zwölfjährige ohne Eltern. In der Freigabebegründung machte sich die FSK dabei eher Sorgen um die "bedrückende Atmosphäre und einzelne Darstellungen von Gewalt" als um "vereinzelte Sexszenen", die "sehr dezent dargestellt" werden würden. Die britischen Zensor*innen haben den Film ab 15 Jahren freigegeben, in den USA wurde "God's Own Country" der freiwilligen Selbstkontrolle (MPAA) nicht vorgelegt. (dk)



#1 YannickAnonym
  • 22.05.2020, 13:20h
  • Egal ob Amazon, Facebook, Google, Apple, Microsoft, etc. Diese ganzen US-Konzerne sind stockkonservativ und prüde.

    Die geben sich alle gerne homofreundlich, weil das gut fürs Marketing ist, aber letztlich zensieren die, was das Zeug hält und für LGBTI-Inhalte gelten grundsätzlich andere Regeln als für Hetero-Inhalte.
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#2 Pink FlamingoAnonym
  • 22.05.2020, 13:52h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • Kann ich nur bestätigen. Apple macht mir auf meinem iPad gerne Schwierigkeiten, wenn ich z.B. queer.de aufrufe. In der Favoritenleiste kommt dann zuerst ein großes Q und kurz danach wird es korrigiert durch ein N. Mittlerweile erscheint nur noch ein N.
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#3 Julian SAnonym
  • 22.05.2020, 13:56h
  • Zensur von Filmen, Literatur, Musik, Comics, Cartoons, Gemälden, Skulpturen, Theaterstücken, etc. geht gar nicht.

    Wenn denen der Inhalt nicht passt, sollen sie es gar nicht erst zeigen. Aber die wollen natürlich möglichst viel zeigen können, zerschnippeln das aber dann.

    Kann man sich dagegen nicht mit dem Urheberrecht wehren? Das ist ja eine Veränderung des ursprünglichen Werks.
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#4 Julian SAnonym
  • 22.05.2020, 14:05h
  • Antwort auf #2 von Pink Flamingo
  • Ja, auf meinem iPad und iPhone kommt bei den Wortvorschlägen generell nicht "schwul", "Schwule", "lesbisch", etc.

    Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass Apple auch beim AppStore, bei AppleMusic, etc. radikal zensiert. Dafür sieht man bei Serien auf AppleTV auffällig viele Apple-Produkte prominent im Bild platziert.

    Aber die anderen US-Konzerne sind auch keinen Deut besser. Auch Google, Facebook, etc. zensieren regelmäßig LGBTI-Inhalte auf ihren Seiten (also bei Google z.B. auch bei der Tochter YouTube). Und das bei Inhalten, die weder pornographisch, noch sonstwie rechtlich bedenlich sind. Queer.de hat ja schon öfters darüber berichtet.
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#5 Lesen_hilftAnonym
  • 22.05.2020, 15:06h
  • Antwort auf #1 von Yannick
  • Im Artikel steht gerade, dass Amazon den Film nicht(!) zensiert hat. Die haben das sogar aktiv kommuniziert dass sie nichts damit zu tun haben!!!

    Wozu also diese Aussagen, die nichts zur Sache beitragen, sondern nur subjektive Eindrücke des Verfassers wiedergeben?!

    Die Weigerung, Fakten auch einmal anzuerkennen wenn sie nicht der eigenen Meinung entsprechen, ist erschreckend und beunruhigend, zumal hier nur das verhalten reproduziert wird, das auch an den politischen Rändern links und rechts zu erkennen ist, nämlich das Leben in der totalen Echolammer. Wehret den Anfängen!
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#6 Vater
  • 22.05.2020, 16:42h
  • Mir ist das sogar schon zweimal auf den Medizinforen von med1.de aufgefallen.

    Im Unterforum "Homo/Hetero/Bi" habe ich einen Artikel auf Queer.de verlinken wollen...

    ...und Essig!

    Solche Links seien dort unerwünscht. "Bitte nur jugendfreie Seiten verlinken!!!"

    Ich habe mit Mods und dem Admin ewig rumdiskutiert. Leider vergeblich. Angeblich enthält Queer.de pornografische Inhalte.
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#7 richtigAnonym
  • 22.05.2020, 16:58h
  • Antwort auf #5 von Lesen_hilft
  • Richtig!
    Got's Own Country läuft z. B. bei Netzflix in Deutschland unzensiert. Und (LGBTIQ*-)Filme bei amazon in Deutschland sind auch nicht zensiert. Shortbus kann man auf amazon genauso wie Nymphomanic abrufen. Da ist nix rausgeschnitten,
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#8 PetterAnonym
  • 22.05.2020, 17:22h
  • Antwort auf #4 von Julian S
  • Ja, und auch Google ist nicht besser.

    Die stellen sich auch gerne für ein positives Image als LGBTI-freundlich hin. Aber vor allem dort, wo man damit keine Heteros verschreckt.

    Bestes Beispiel war letzter Sonntag:

    Google macht für jeden "Scheiß" auf ihrer Suchseite ein Doodle, wo das Google-Logo entsprechend abgeändert wird und zu weiterführenden Infos verlinkt. Das gibt es zu Geburts- und Todestagen berühmter Persönlichkeiten, zu Feiertagen, zu Sportereignissen, zur Würdigung von Entdeckungen und Erfindungen, etc. Z.B. zum St.-Patricks-Day, zum Tag des Bieres, etc.

    Aber zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie gibt es nach wie vor kein Doodle.

    Nur wenn man explizit nach LGBTI-Themen sucht, bekommt man plötzlich Regenbogenfahnen u.ä. zu sehen. Also mit anderen Worten: den LGBTI will man Regenbogen-Symbolik zeigen, um sie als treue Kunden zu haben, aber Heteros, die nicht explizit danach suchen, sollen bloß nicht damit belästigt werden.

    Auf zahlreiche Nachfragen, warum die das machen und auf Bitten, das endlich zu ändern und LGBTI wenigstens am IDAHOT nicht unsichtbar zu machen, reagiert Google nicht mal.

    Google ist echt so verlogen und bigott.

    Wollen sich als LGBTI-freundlich präsentieren, aber nur dort, wo man Heteros damit nicht stört...
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#9 Klaus65
  • 22.05.2020, 18:15h
  • Hier sieht man doch wieder das es wie im richtigen Leben ist. Wenn es für's Marketing passt dann sind sie doch so LGBTI freundlich. Aber sonst...ich hab ja nichts dagegen, aber nicht drüber reden oder berichten....
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#10 LinusAnonym
  • 22.05.2020, 18:44h
  • Antwort auf #5 von Lesen_hilft
  • Egal, wer jetzt zensiert hat.

    Fakt ist:
    es wurde homophob zensiert. Und das geht nicht. Das kann man nicht durchgehen lassen.

    Wehret den Anfängen, sonst wird demnächst überall aus kommerziellen Gründen zensiert.

    Und da sollten auch Streaming-Plattformen, Kinos, etc. vertraglich darauf bestehen, die unzensierte Version zu bekommen. Denn als Kunde will ich das sehen, wie der Film von Regisseur und Team gemeint war und nicht das, was irgendwelche BWL'er daraus zusammengeschnitten haben.
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