Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36207

Nach Folter und Verurteilung

Sambia: Präsident begnadigt zwei mutmaßliche Schwule

Im Rahmen einer Amnestie sind zwei wegen Homosexualität verurteilte Männer freigelassen worden, die in Gefangenschaft gefoltert worden waren. Ihre Verurteilung hatte letztes Jahr für diplomatische Verstimmungen mit den USA gesorgt.


Präsident Edgar Lungu hält Schwule zwar für schlimmer als Tiere, begnadigte jedoch trotzdem zwei gefolterte und wegen Homosexualität abgeurteilte Männer (Bild: Screenshot Sky News)

Der sambische Präsident Edgar Lungu hat letzten Freitag anlässlich des "Afrikanischen Freiheitstages" unter anderem zwei Männer begnadigt, die 2018 wegen Homosexualität zu 15 Jahren Haft verurteilt worden waren. Das Urteil war vergangenen November von einem Berufungsgericht bestätigt worden (queer.de berichtete). Insgesamt wurden laut Regierungsangaben die Urteile gegen 3.000 Gefangene aufgehoben.

Die Verurteilung der 39 und 31 Jahre alten mutmaßlich schwulen Männer hatte für internationale Empörung gesorgt. Ihnen war vorgeworfen worden, 2017 in einem Hotel einvernehmlichen Sex gehabt zu haben. Die Behörden führten im Rahmen der Ermittlungen Analtests an ihnen vor – diese Praxis verstößt laut Menschenrechtsorganisationen gegen die UN-Anti-Folter-Konvention.

- Werbung -
Video - Genießen Sie eine sichere und angenehme Reise mit KLM

Diplomatische Krise mit USA

Der Fall hatte zu einer diplomatischen Krise zwischen Sambia und den Vereinigten Staaten geführt, nachdem US-Botschafter Daniel Foote die Aufrechterhaltung des Urteils scharf kritisiert hatte. Die einvernehmliche Beziehung von zwei Männern würde niemandem weh tun, "währenddessen können Regierungsbeamte Millionen von Dollar an öffentlichen Mittel stehlen, ohne angeklagt zu werden", so Foote damals. Daraufhin musste er seinen Hut nehmen und flog Anfang Januar in seine Heimat zurück (queer.de berichtete). Bislang hat Washington noch keinen neuen Botschafter bestimmt.

Präsident Lungu gilt selbst als äußerst homophob. "Wenn wir das erlauben, wären wir nicht mehr zivilisiert", sagte er nach dem Berufungsprozess gegenüber dem britischen Sender "Sky News". Ferner verglich der Präsident Homosexuelle mit Tieren: "Selbst Tiere tun so etwas nicht, warum sollten wir also dazu gezwungen werden?"

In Sambia, einem 17 Millionen Einwohner zählenden Binnenstaat im südlichen Afrika, kann weibliche und männliche Homosexualität mit bis zu lebenslanger Haft bestraft werden. Die Gesetze gegen sexuelle Minderheiten gehen auf die britische Kolonialherrschaft zurück, die erst 1964 endete. Auch die Bevölkerung ist äußerst homophob eingestellt. Laut einer Afrobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2015 hätten nur sieben Prozent der Sambier*innen nichts dagegen, einen Homosexuellen als Nachbarn zu haben – der Durchschnitt in Afrika liegt bei immerhin 21 Prozent (PDF). (dk)



#1 traurigAnonym
  • 27.05.2020, 10:54h
  • "Diplomatische Krise mit USA"

    Schon interessant und vor allem traurig, dass die USA sich selbst unter Trump bei solchen Menschenrechtsverletzungen einschalten, während sich aus unserer schwarz-roten Bundesregierung niemand eingeschaltet hat und nicht mal was dazu gesagt hat.

    Union und SPD sehen bei sowas immer gerne weg...

    Erst wenn die Öffentlichkeit in Deutschland zu lauf aufschreit (was hier nicht der Fall war), heucheln Union und SPD auch mal Engagement vor. Bis das Thema aus den Medien raus ist und dann können Union und SPD wieder in ihren Dornröschenschlaf fallen und sich auf die Schulter klopfern, wie toll sie doch sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Peck_SEhemaliges Profil
#3 Carsten ACAnonym