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Act-Up-Mitgründer

Larry Kramer gestorben

Der US-amerikanische Autor, Dramatiker und einflussreiche LGBT- und Aids-Aktivist wurde 84 Jahre alt.


Larry Kramer 2007 in New York (Bild: David Shankbone    / wikipedia)

Eine der wichtigsten Stimmen der Community ist verstummt: Wie sein Ehemann David Webster gegenüber US-Medien mitteilte, ist der Schriftsteller Larry Kramer am Mittwoch in Manhattan an einer Lungenentzündung gestorben. Der 84-Jährige hatte zuletzt an einem Theaterstück zur Corona-Krise, "An Army of Lovers Must Not Die", geschrieben.

Eine frühere Gesundheitskrise machte ihn zuvor weltweit bekannt: Kramer war Mitgründer der "Gay Men's Health Crisis", die in den ersten Stunden der Aids-Krise in New York Hilfe bot, und später von "Act Up" (AIDS Coalition to Unleash Power) – die Gruppe sorgte mit kämpferischen Aktivismus angesichts der gleichgültigen Politik der Reagan-Regierung für Schlagzeilen und wurde zum Vorbild für ähnliche Gruppen auf der ganzen Welt.

Twitter / actupny

"Silence = Death", Schweigen bedeutet Tod, lautete einer der Act-Up-Slogans. Kramer kämpfte wie kaum ein anderer in wutentbrannten Essays, in Reden und in seinem Werk dafür, die Krise so ernst wie möglich zu nehmen, in der Szene, in der Gesellschaft und in der Politik. "In gewisser Weise ist der Holocaust, wie für viele jüdische Männer in Larrys Generation, ein entscheidender historischer Moment, und was in den frühen 1980er Jahren mit Aids geschah, fühlte sich für Larry wie ein Holocaust an und war es auch tatsächlich", meinte der Autor Tony Kushner ("Engel in Amerika").

Direktlink | Kramer 2014 im Video-Interview mit der "New York Times"

Die Wut und die Ohnmacht spürt man auch in "The Normal Heart", Kramers teils autobiographischem Werk über die frühe Aids-Krise in New York von 1981 bis 1984, das 2014 nach seinem Drehbuch mit Mark Ruffalo in der Hauptrolle für das Fernsehen verfilmt und mehrfach ausgezeichnet wurde, darunter mit dem Emmy als bester TV-Film und für das beste Drehbuch für einen TV-Film oder eine Mini-Serie. Das Theaterstück, das Off-Broadway 1985 Premiere gefeiert hatte, wurde 2011 nach Wiederaufnahme auf dem Broadway mit drei Tony Awards ausgezeichnet.

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"An Army of Lovers Must Not Die" sollte von schwulen Männern handeln, die es mit drei Plagen zu tun hatten: HIV, Covid und Alterskrankheiten, so Kramer vor wenigen Wochen. Er lebte mit HIV, hatte sich im letzten Jahr ein Bein gebrochen und hat eine Lebertransplantation hinter sich. Zu Beginn der Covid-Krise hatte er in Selbst-Isolation gelebt, entfernt von seinem in einer anderen Stadt arbeitenden Mann. Mit dem Architekten Webster lebte er seit 1991 zusammen, 2013 heiratete das Paar.

Twitter / LambdaLegal

Kramer legte seinen Finger in viele Wunden, mit seinem umstrittenen Roman "Faggots" (1978, auf deutsch als "Schwuchteln" im Bruno-Gmünder-Verlag erschienen) auch in die der Szene. Seine Karriere hatte er nach einem Studium an der Elite-Universität Yale als Drehbuch-Bearbeiter für Columbia Pictures begonnen, für sein eigenes Film-Drehbuch zu "Liebende Frauen" (Women in Love, 1969) nach dem gleichnamigen Roman von D. H. Lawrence wurde er für den Oscar nominiert. Zwischen 1966 und 1973 verfasste er drei weitere Drehbücher und in seinem ganzen Leben fünf Theaterstücke und zwei Sachbücher. Für das Stück "The Destiny of Me" (1992) wurde er für den Pulitzer-Preis nominiert und holte zwei Obie Awards.

Twitter / peterstaley | Act-Up-Mitstreiter Peter Staley verlinkt ein Portrait der New York Times

Als er selbst in seinen stürmischen Act-Up-Zeiten ist Kramer unter anderem in der Kino-Dokumentation "How to Survive a Plague" (2012) und im Film "Positiv" (1990) von Rosa von Praunheim zu sehen. (nb)



#1 AliasnameAnonym
  • 29.05.2020, 16:26h
  • Wow, eine traurige Nachricht, in der aber auch ein bisschen Hoffnung steckt: Vor ein paar Jahrzehnten hätte niemand gedacht, dass man mit HIV über 80 Jahre alt werden kann.
    Ich freue mich über jedes seiner Jahre und Werke, auch als jüngerer Schwuler ist mir bewusst, wie viel er und Act Up in der AIDS-Krise für unsere Rechte getan haben
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