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Science-Fiction-Serie

Jem Garrard, warum haben Sie eine lesbische Figur kreiert?

Heute startet mit "Vagrant Queen" eine wunderbar diverse Science-Fiction-Serie auf dem Pay-TV-Sender SYFY. Im Interview erklärt die Showrunnerin, weshalb sie sich nicht immer an die Comicvorlage gehalten hat.


In "Vagrant Queen" schlagen sich die frühere Königin Elida (Adriyan Rae, re.) und ihre lesbische Weggefährtin Amae (Alex McGregor) durch die entlegensten Winkel der Galaxie, immer auf der Flucht vor der Regierung, die Elida und ihre Blutlinie auslöschen wollen (Bild: SYFY)

Ab dem 28. Mai läuft jeden Donnerstag um 20.15 Uhr die neue zehnteilige Science-Fiction-Serie "Vagrant Queen" auf dem Pay-TV-Sender SYFY. In einer fernen Galaxie in ebenso ferne Zukunft ist darin die frühere Königin Elida (Adrian Rae) gemeinsam mit ihrem alten Freund Isaac (Tim Rozon aus "Schitt's Creek") und ihrer lesbischen Weggefährtin Amae (Alex McGregor) gleichermaßen auf der Flucht vor den gegenwärtigen Herrschern wie auf der Suche nach ihrer vermeintlich noch lebenden Mutter.

Verantwortlich für diesen knallbunten, bewusst humorvollen Spaß, basierend auf den gleichnamigen Comics von Magdalene Visaggio, ist die lesbische Filmemacherin Jem Garrard, die zuletzt unter anderem an der polyromantischen Comedy-Serie "You Me Her" (zu sehen bei Netflix) mitwirkte. Wir konnten ihr am Telefon ein paar Fragen stellen.


Filmemacherin Jem Garrard am Set (Bild: SYFY)

Frau Garrard, gerade im Science-Fiction-Genre sind schwarze Protagonistinnen noch immer eher eine Seltenheit…

Das stimmt, und sowohl meiner Hauptdarstellein Adriyan Rae als auch mir war stets bewusst, dass "Vagrant Queen" durch Elida als Protagonistin nochmal eine ganz besondere Bedeutung hat. Denn es ist wirklich traurig und eigentlich schockierend, wie wenig andere Genre-Serien es gibt, in denen eine schwarze Frau im Zentrum steht. Für mich persönlich sind Diversität und Repräsentation seit Beginn meiner Karriere eine echte Herzensangelegenheit, deswegen habe ich bei "Vagrant Queen" wie bei all meinen anderen Projekten auch darauf geachtet, möglichst viele nicht.weiße oder auch queere Figuren in die Geschichte zu integrieren.

Mit Elidas Wegbegleiterin Amae haben Sie eine lesbische Figur kreiert, die es in der Comicvorlage nicht gibt. Warum?

Ich bin den Comics so treu wie möglich geblieben, doch sie konzentrieren sich sehr auf die Beziehung zwischen Elida und Isaac. Für die Serie erschien es mir dramaturgisch ergiebiger, noch eine dritte Person dazu zu holen, quasi als Vermittlerin zwischen den beiden. Elidas und Isaacs Art zu kommunizieren ist so miserabel, dass es gar nicht schlecht ist, noch jemanden dabei zu haben, der mit beiden vernünftig reden kann. Amae hat von allen dreien die größte emotionale Intelligenz, deswegen komplementiert sie dieses Team auf sehr reizvolle Weise.

Bei den Fans der Serie scheinen Amae und ihre Dynamik mit Elida besonders gut anzukommen. Verfolgen Sie das auf Twitter und Co.?

Ja, das tue ich. Und freue mich riesig darüber, wie beliebt gerade Amae als Figur zu sein scheint. Überhaupt haben wir in kurzer Zeit eine sehr treue, begeisterte Fangemeinde finden können, die sich selbst als "Vagrants" bezeichnet. Ich interagiere mit ihnen auf Twitter so oft und viel ich kann. Nicht zuletzt deswegen hoffe ich sehr, dass wir eine zweite Staffel drehen können!

Anfangs war ich ja etwas besorgt, dass die Ausstrahlung der Serie in den USA ausgerechnet mit Beginn des Lockdown begann. Denn man merkte gleich, dass die Leute da auf der Suche nach etwas zum Bingen waren, nicht nach Serien, bei denen man immer eine Woche auf eine neue Folge warten muss. Aber je mehr Zeit verging und je mehr die Leute von "Vagrant Queen" sahen, desto leidenschaftlicher wurden die Reaktionen.

Trotz der Begeisterung für eine lesbische Figur wie Amae sind wir sicherlich noch weit entfernt davon, queere Helden bei "Star Wars" oder anderen Blockbuster-Produktionen zu sehen, denken Sie nicht?

Leider ja, und für meinen Geschmack gehen die Veränderungen, die sich in der Film- und Fernsehbranche aktuell ja durchaus beobachten lassen, längst nicht schnell genug. Eigentlich müssten wir längst queere Superheld*innen bei Marvel haben, von "Star Wars" ganz zu schweigen. Aber immerhin: wir bewegen uns in diese Richtung, auch in traditionell männlich und heterosexuell geprägten Genres wie Science-Fiction. Die Verantwortlichen schnallen endlich, dass beim Publikum ein Interesse an Diversität besteht. Wäre nur eben schön, wenn diese Nachfrage nicht mehr nur mit Nebenfiguren, sondern echten Hauptrollen befriedigt würde.

Eine Besonderheit von "Vagrant Queen" ist auch, dass Sie ausschließlich weibliche Autorinnen und Regisseurinnen engagiert haben. Stößt man mit solchen Entscheidungen heutzutage noch auf Widerstand?

Ich denke, dass ich bei den meisten anderen Sendern dafür sehr hätte kämpfen müssen, womöglich auch vergeblich. Bei SYFY wurde ich in meinen Plänen allerdings von Anfang an unterstützt, was mich unglaublich begeistert hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es als Regisseurin ist, engagiert zu werden, nicht zuletzt wenn es um Action, SciFi oder Fantasy geht. Von Gleichberechtigung sind wir in diesem Bereich noch sehr weit entfernt, obwohl es viele talentierte Regisseurinnen gibt. Deswegen war es mir sehr wichtig, nicht nur ein Zeichen zu setzen, sondern vor allem meinen Kolleginnen echte Chancen zu eröffnen.

Offizieller deutscher Trailer zur Serie



#1 Legion404Anonym
  • 28.05.2020, 15:37h
  • "wir bewegen uns in diese Richtung, auch in traditionell männlich und heterosexuell geprägten Genres wie Science-Fiction."

    Diese Aussage halte ich nicht für korrekt. Das Sci Fi Genre würde ich hier sogar als Vorreiter sehen.
    Serien wie StarTrek TNG oder auch Voyager und Farscape sind hier gute Beispiele.

    Nichtsdestotrotz freue ich mehr auf the Vagrant Queen !
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