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"Die Zeit läuft uns weg"

Katholiken-Chef für Segnung von Lesben und Schwulen

Bewegung in der katholischen Kirche: Mit Georg Bätzing hat sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz für die Segnung homosexueller Paare ausgesprochen. Letztes Jahr war er noch dagegen.


Der Limburger Bischof Georg Bätzing ist seit dem 3. März 2020 Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (Bild: Bistum Limburg)

Deutschlands oberster Katholik unterstützt jetzt doch Segnungen von lesbischen und schwulen Paaren. "Nicht wenige leiden darunter, dass ihre Beziehung nicht die volle kirchliche Anerkennung erfährt, etwa weil sie wiederverheiratete Geschiedene sind oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Georg Bätzing in einem Interview mit der christlichen Zeitschrift "Publik-Forum" (Paywall-Artikel). "Sie warten auf Zeichen."

Es gebe zahlreiche Bistümer, die "auf diesem Weg unterwegs" seien, so der Bischof von Limburg laut der am Freitag erschienenen Ausgabe. Das Thema der Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare solle in den Synodalen Weg eingebracht werden, forderte Bätzing. "Die Zeit läuft uns weg."

Zum zweijährigen Reformprozess Synodaler Weg hatten sich die Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), die Vertretung der praktizierenden Gläubigen, Ende vergangenen Jahres aufgerafft. Die erste von insgesamt vier Synodalversammlungen fand im Januar in Frankfurt statt. Eines der vier Haupthemen ist die katholische Sexuallehre (queer.de berichtete).

Bätzing unterstützte mehrfach weltoffene Kräfte

Georg Bätzing ist seit dem 3. März als Nachfolger von Reinhard Marx Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er hatte immer wieder weltoffene Kräfte in der katholischen Kirche unterstützt. 2018 stellte er sich etwa hinter Ansgar Wucherpfennig (queer.de berichtete). Der Jesuitenpater war vom Vatikan von seinem Posten an der Spitze der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main geschasst worden, weil er eine stärkere kirchliche Anerkennung von Lesben und Schwulen gefordert hatte. Nach Protesten nahm der Vatikan fünf Wochen später die Entlassung zurück (queer.de berichtete).

Wegen seiner vergleichsweise offenen Haltung musste Bätzing auch die Häme von Homo-Hassern über sich ergehen lassen. Im Mai letzten Jahres tauchten etwa in seiner Heimatstadt Limburg homophobe Flyer auf, in denen Bätzing vorgeworfen wurde, sich vor der "Homo-Lobby" zu "bücken" (queer.de berichtete). Anlass war lediglich eine mit Unterstützung des Bischofs gegründete Arbeitsgruppe, die über Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare "ergebnisoffen" diskutieren sollte.

Umdenken beim Segen für Lesben und Schwule

Der Bischofs selbst wollte am Verbot von Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare trotz seines liberalen Rufes in der Vergangenheit nicht rütteln. Noch im August 2019 begründete er dies mit Treue zum Vatikan: "Wenn der Bischof Georg sagt, in Limburg gibt es Segensfeiern für Homosexuelle, dann gibt es morgen den Bischof Georg nicht mehr, weil der Heilige Vater sagt, dass der Bischof nicht mehr die Verbindung zur Kirche hat", meinte Bätzing damals gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er wolle eine Spaltung der Kirche verhindern (queer.de berichtete). (cw)



#1 Pink FlamingoAnonym
  • 29.05.2020, 08:11h
  • Einsicht ist der beste Weg zur Besserung. Und ja, Euch läuft die Zeit davon. Und nicht nur diese.
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#2 TimonAnonym
  • 29.05.2020, 08:14h
  • Die wollen uns mit einem "Segen" abspeisen... Segnen tun die auch Autos, Motorräder, Spielzeug, Waffen, etc. Dass die das bisher LGBTI verweigert haben, ist schon peinlich genug.

    Aber alles, was nicht volle Gleichstellung ist (inkl. Ehe) ist Diskriminierung. Das ist die Definition des Wortes.
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#3 goddamn liberalAnonym
  • 29.05.2020, 08:27h
  • Antwort auf #2 von Timon
  • Du hast völlig recht!

    Aber das ist trotzdem eine sehr kleinliche auf Deutschland beschränkte Perspektive.

    Denn das ist ein Schritt hin zu demokratischen Standards der Gleichbehandlung, der gerade in seiner Kirche für Kontoversen sorgen wird.

    In Polen wird man massenhaft rotieren!

    Aber auch Kuby, Ratzinger u. Co. werden schaudernd den Weltuntergang erschauen!

    Und natürlich auch den Leibhaftigen!

    Fazit: Ja, ja. Das ist natürlich keine Ehe. Aber: Man/frau muss immer die großen Linien der gesellschaftlichen Entwicklung im Auge behalten.
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#4 Fähnchen im WindeAnonym
  • 29.05.2020, 09:33h
  • "Letztes Jahr war er noch dagegen."

    Die drehen halt ihr Fähnchen immer im Wind, wie es für den eigenen Vorteil gerade am besten passt.

    Wo immer deutlicher wird, dass der LGBTI-Hass Mitglieder und damit Macht und Geld kostet, denkt man über kleine Fortschritte nach, will aber gleichzeitig so viel Diskriminierung wie möglich (Eheverbot) erhalten.

    Und wenn es irgendwann opportun wäre, würde man sein Fähnchen auch wieder in die Richtung drehen und selbst kleine Fortschritte wieder rückgängig machen.
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#5 GerritAnonym
  • 29.05.2020, 10:07h
  • Antwort auf #3 von goddamn liberal
  • Vor 20 Jahren hätte ich Dir zugestimmt.

    Aber wir schreiben das Jahr 2020. Fast 30 Staaten haben die Ehe bereits geöffnet. Es gibt in freiheitlich-demokratischen Staaten stabil große Mehrheiten in der Gesellschaft für volle Gleichstellung.

    Und die Kirche hat mehrere große Skandale hinter sich und das ist auch nur die Spitze des Eisbergs.

    Früher wäre das mal ein großer Schritt gewesen. Uns aber im Jahr 2020 mit etwas abspeisen zu wollen, was die schon seit Jahrzehnten für Waffen, Fahrzeuge & Co machen, ist einfach nur anachronistisch.

    Weiter diskriminieren zu wollen ist kein Fortschritt. Sondern das ist eine reine Marketing-Aktion, um sich dann auch noch als ach so liberal präsentieren zu können und den weiteren Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu bremsen.

    Und übrigens:
    die Kirche in Polen und im Rest der Welt wird das herzlich wenig interessieren. Es geht hier nur um die deutsche Kirche. Oder glaubst Du, dass der Vatikan das dann weltweit vorschreibt?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Carsten ACAnonym
  • 29.05.2020, 10:42h
  • Zu spät...
    Zu unvollständig...
    Zu durchschaubar...

    Ihre Almosen können die sich behalten. Zumal die das eh nur aus Taktik machen, damit nicht noch mehr Menschen austreten.

    Auf deren okkulte Rituale legen wir auch gar keinen Wert.
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#7 DamienAnonym
  • 29.05.2020, 11:14h
  • "Die Zeit läuft uns weg."

    ich übersetz mal:
    "die kirchensteuerzahlenden schäfchen laufen uns weg."
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#8 goddamn liberalAnonym
  • 29.05.2020, 11:39h
  • Antwort auf #5 von Gerrit
  • "die Kirche in Polen und im Rest der Welt wird das herzlich wenig interessieren."

    Ich will mich nicht in einer kath. Kirche segnen lassen.

    Hier geht es um Gesellschaftspolitik, um Europa und die Welt.

    Bischöfe sind in der kath. Kirche wichtige Leute. Gerade, wenn sie aus der reichsten Kirche der Welt, der deutschen, kommen.

    Dem polnischen Klerikalfaschismus, der seine Homophobie als ganz selbstverständlich und unumstritten verkauft, wird damit ein Argument genommen.

    Genauso wie es heute im Vergleich zu 100 Jahren für fromme Antisemiten schwieriger ist als früher so wird es auch für fromme Homophobe langsam enger.

    Und das ist gut so.
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#9 Peck_SProfil
#10 TimeIsMoneyAnonym
  • 29.05.2020, 12:42h
  • Zeit ist Geld.

    In Zeiten von knapper werdender Collecte (Corona sei "Dank") kommt es auf jedes zahlende Schäfchen an.

    Doch "dummerweise" erkennen diese, dass man nicht zwingend auf ein bestimmtes Gebäude angewiesen ist, um seinem Glauben zu folgen.

    Sogar der CEO hat ja erklärt, dass man nicht zwingend einen Makler braucht, um einen Deal zu kriegen.

    Das macht dem mittleren Management nun Angst, weil die es sind, die als erstes gehen. Und mit Anschlussverwendung sieht's halt ziemlich trübe aus. So viele alternative Arbeitgeber gibt es in der Branche nicht. Als geschasste Reinigungskraft (weil neuerdings mit ihrer Frau liiiert) ist es da sogar einfacher.
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