Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36227

Staatshomophobie

Zu homofreundlich: Polnische Staatsanwaltschaft geht gegen IKEA vor

IKEA hatte einen Mitarbeiter gefeuert, der in der internen Firmenkommunikation Homosexuellen mit dem Tod gedroht hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass damit die Religionsfreiheit des Homo-Hassers verletzt wurde.


Bizarr: IKEA muss sich in einem EU-Staat vor Gericht verantworten, weil das Unternehmen schwule Mitarbeiter und lesbische Mitarbeiterinnen schützen wollte (Bild: Sam Greenhalgh / flickr)

  • 29. Mai 2020, 08:29h 32 2 Min.

In Warschau hat die Staatsanwaltschaft laut der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch Anklage gegen eine Leiterin der Personalabteilung des IKEA-Einrichtungshauses in Krakau erhoben, weil diese einen homophoben Mitarbeiter gefeuert hatte. Der Fall hatte vergangenes Jahr für Aufregung gesorgt – die rechtspopulistische PiS-Regierung und die katholische Kirche warfen dem schwedischen Konzern vor, die Religionsfreiheit des Mitarbeiters verletzt zu haben.

Tomasz K. hatte ein offizielles Diversity-Schreiben von IKEA Polen kritisiert, nach dem sexuelle und geschlechtliche Minderheiten am Arbeitsplatz gleich behandelt werden müssen. Er verbreitete intern Stellen aus der Bibel, laut denen Homo­sexuelle eine "Blutschuld" auf sich geladen hätten und sterben müssten. Unter anderem zitierte er das Matthäus-Evangelium, wonach es bei einem bestimmten Schlag von Menschen besser sei, "dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist". Zudem erklärte er: "Homosexualität und andere Abweichungen zu akzeptieren und dafür zu werben ist skandalös." Nachdem er sich weigerte, die Aussagen in der internen Firmenkommunikation zu löschen, wurde er fristlos entlassen.

Staatsanwaltschaft: IKEA hat Vorurteile gegen Christen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die namentlich nicht genannte IKEA-Personalleiterin mit der Entlassung das Recht auf freie Religionsausübung des Mitarbeiters verletzt. Die Entlassung habe auf Vorurteilen gegenüber der Religion des Angestellten beruht. Der Angeklagten droht jetzt eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren. Sie wird jedoch vom Möbelkonzern unterstützt: "Als Arbeitgeber werden wir unserer Angestellten alle Hilfe und Unterstützung zukommen lassen", erklärte eine Sprecherin der niederländischen INGKA Group, des IKEA-Mutterkonzerns, gegenüber Reuters. Neben diesem Verfahren ist auch ein von K. angestrengtes Zivilverfahren gegen IKEA anhängig. Anwälte der homophoben Hassorganisation Ordo Iuris unterstützten K. bei seinem rechtlichen Kreuzzug gegen das Möbelhaus.

In Polen wurden seit dem Wahlsieg der homophoben Partei PiS im Oktober letzten Jahres Attacken auf sexuelle und geschlechtliche Minderheiten verstärkt. So riefen sich rund 100 Regionen, Landkreise und Gemeinden zu "LGBTI-freien Zonen" aus (queer.de berichtete). Zuletzt sorgte für Aufsehen, dass die Polizei in Kattowitz auf Druck von Ordo Iuris mehrere Studierende ohne Angabe von Gründen zu einem Verhör einbestellt und unter Druck gesetzt hatte. Ihr "Vergehen": Sie hatten sich über eine homophobe Professorin beschwert (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 Carsten ACAnonym
  • 29.05.2020, 10:40h
  • --------------------------------------
    IKEA hatte einen Mitarbeiter gefeuert, der in der internen Firmenkommunikation Homosexuellen mit dem Tod gedroht hatte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass damit die Religionsfreiheit des Homo-Hassers verletzt wurde.
    ------------------------------------

    Aha, Religionsfreiheit bedeutet also, dass man andere mit dem Tod bedrohen darf.

    Darf man das dann auch ausführen und andere ermorden, wenn sie sich nicht an die religiösen Vorstellungen anderer halten?

    Die Religioten werden echt immer bekloppter. Aber auch immer gefährlicher.

    Es wird höchste Zeit, dass die EU endlich einschreitet.
  • Direktlink »
#2 HilflosAnonym
  • 29.05.2020, 11:27h
  • Antwort auf #1 von Carsten AC
  • Dafür müsste die EU erst mal ein Instrumentarium haben, um eingreifen zu können.

    Das ist ja leider der Gründungsfehler der EU, dass man gedacht hat, alle Staaten würden automatisch zu Vorzeigestaaten, nur weil sie EU-Mitglied sind.

    Dass es auch Staaten gibt, die nur aus finanziellen Gründen Mitglied geworden sind und die ansonsten auf die EU, die anderen EU-Staaten und die EU-Gesetze scheißen, hat man nicht bedacht.

    De facto hält die EU solche Regime sogar noch an der Macht, weil sie sie mit EU-Milliarden pimpt, wodurch die sich als erfolgreich präsentieren können und wiedergewählt werden.

    Gerade vor der Ost-Erweiterung hätte die EU eine Ablösung des Einstimmigkeitsprinzips durch ein (wie auch immer konkret gestaltetes) Mehrheitsprinzip vornehmen müssen. Und verbindliche Menschenrechtsstandards einführen müssen, deren Nichtbeachtung einen Verlust aller EU-Zahlungen bedeutet hätte.
  • Direktlink »
#3 leckerpuddingAnonym
  • 29.05.2020, 11:32h
  • Okay, Religionsfreiheit bedeutet das man seine Religion ausleben darf ohne diskriminiert zu werden, es heißt nicht das es einem die Erlaubnis gibt andere zu beleidigen und Ihnen den Tod zu wünschen. Laut Bibel sind tattoos auch eine Sünde deshalb darf ich aber doch anderen nicht den Tod wünschen weil sie tättoowiert sind. Ich hoffe dass das Gericht richtig entscheidet und wenn nicht das sie sich an den euröpäischen Gerichtshof wenden damit die EU den Polen sagt wo es lang geht.
  • Direktlink »