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Sachbuch

Queere Verirrungen

Mit "Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik", herausgegeben von Till Randolf Amelung, ist ein weiterer Band der sogenannten "Kreischreihe" des Querverlags erschienen. Die Autor*innen thematisieren u.a. Parallelen von religiösem Kult und queerem Aktivismus.


Wohin geht die queerpolitische Reise? Elf Autor*innen setzen sich in "Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik" mit den Folgen von "Identitätspolitik" und "Intersektionalität" auseinander (Bild: mccutcheon / pexels)

Das von Till Randolf Amelung herausgegebene neue Buch "Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik" ist ein weiterer Band, der sich zum einen in die sogenannte "Kreischreihe" des Querverlags einreiht und zum anderen – wie schon seine Vorgänger, etwa der berühmt-berüchtigte Sammelband "Beißreflexe" – mit den Versäumnissen und Ungereimtheiten queerer Theorie und Praxis aufräumt. Der Band fasst rund 350 Seiten mit insgesamt zwölf Beiträgen.

Amelung hat, wie viele seiner hinzugezogenen Autor*innen, bereits in zwei der Sammelbände der "Kreischreihe" mitgewirkt und so auch in diesem Werk zwei Beiträge selbst verfasst. So leitet er den Band mit einer Übersicht der aktuellen Lage queerer Identitätspolitik ein. Dort wird pointiert darauf eingegangen, welche Themen dieser Tage einen "Skandalisierungseffekt" haben und dass es sich vor allem um das Echauffieren selbst zu drehen scheint, weniger darum, tatsächliche Veränderungen zu bewirken.

Amelung beschreibt im Anschluss daran, dass die Crux einer Identitätspolitik allzu oft ein Identitätsfetisch ist, der sich eben auch im politischen Aktivismus allzu deutlich abzeichnet. Den Protagonisten ginge es offensichtlich nicht mehr um die Emanzipation benachteiligter Gruppen, sondern um das Einordnen "unter kleinkollektive Identitätsmarken". Des Weiteren wird exemplarisch an Foucault ein fundamentales Problem des Poststrukturalismus ausgemacht. Foucault hat in seiner Theorie die "Dichotomie 'zwischen dem Wahren und dem Falschen'" aufgelöst und damit den Grundpfeiler für (kultur-)relativistische Verfehlungen verschiedenster akademischer Disziplinen gelegt.

Solch ein relativistisches Auslegen von Wirklichkeit wie sie in poststrukturalistischen Theorien zu finden sind, birgt auf der politischen Ebene im besten Fall die Gefahr einer repressiven Toleranz (Marcuse).

Anti-emanzipative Wende im queeren Aktivismus

Vojin Saša Vukadinović stellt in seinem Beitrag "Das rassistische Bedürfnis", welcher den Abschluss des Sammelbands bildet, eine anti-emanzipative Wende im queeren Aktivismus heraus, welche sich nicht zufällig auf einen Zeitpunkt kurz nach dem 11. September 2001 zurückdatieren lässt. Im Zuge dessen, so wird in diesem Beitrag herausgearbeitet, wurden einschlägige Texte produziert, welche das ganze Ausmaß der in den gender- und postkolonialtheoretischen Paradigmen Butlers und Saids angelegten Mängel offenbaren. Der schwammige Gewaltbegriff und die abstruse Prioritätensetzung, also welche Themen vor anderen Vorrang haben und einer vermeintlich kritischen Auseinandersetzung unterzogen werden, oder aber zu welchen sich ausgeschwiegen wird, sind dabei alarmierend. So wird das Einnehmen eines Standpunktes, der sich vom eigenen unterscheidet, als eine Form von Gewalt begriffen. Dinge wie Mord und Totschlag oder Verstümmelung dagegen werden zu "Formen des Widerstands" oder zu "Kulturgütern" verklärt. Dieser Austausch von Bedeutungen ist systematisch.

In dem Beitrag von Ingo Elbe "..it's not systematic" wird auf genau diese Problemlage der systematischen Fehlinterpretation eindringlich hingewiesen. Darin führt Elbe aus, welche Bedeutung dies für ein desolates Antisemitismusverständnis hat.

"Gutes" gegen "schlechtes" Begehren

Aaron Lahl verdeutlicht in seinem Beitrag "Analyzing Queer" am Beispiel von Antke Engel, inwiefern eine "queere Psychoanalyse" die Begriffe der klassischen Psychoanalyse komplett entkernt und ihr emanzipatorisches Potential in ihr Gegenteil verkehrt. Es sollen "neue Weisen zu begehren" entstehen. "Gutes" wird gegen "schlechtes" Begehren antagonistisch gegenübergestellt. Gut begehrt nur der, der queer begehrt. Der Wille und die Lust der Individuen spielen dabei keine Rolle mehr.

Begriffe wie "Subjekt", "Objekt", "aktiv", "passiv" sind in dieser Theorie nur noch Ausdruck hierarchischer Machtstrukturen, die es zu überwinden gelte. Es wird eine "fluide Libido" konstruiert, welche unabhängig vom Leib und Identität, vollkommen entgrenzt, begehrt. Lahl stellt nüchtern fest, dass solch eine herbeifantasierte Lebensform vielleicht queer, aber sicherlich kein Mensch sei.

Auch Patsy l'Amour laLove muss in ihrem Beitrag "Kann Begehren diskriminierend sein?" zu dem Schluss kommen, dass es keine "moralische Form" des Begehrens gibt, wie sie in queeraktivistischen Kreisen postuliert wird. Es gibt also keine "richtige Sexualität im Falschen", wie Sonja Witte in ihrem Beitrag "Am 'allergischen Punkt des Sexus'" abschließend konstatiert.

Schon das Unterscheiden wird als Gewalt verurteilt

Doch wer es wagt, die Prämissen des queertheoretischen Paradigmas derart in Frage zu stellen und sich dieser Zurichtung zu widersetzen, bricht ein Tabu. Er wird so selbst zum "Teil des Problems" erklärt. In der queeren Theorie wird es zu einer Tatsache erhoben, dass allein die Bewegung einer Differenz — das simple Unterscheiden — Gewalt ist.

Dementsprechend ist der recht banale Hinweis auf signifikante Unterschiede wie z.B. zwischen Penis und Vulva, Homosexualität und Heterosexualität, trans und cis, schon ein gewaltvoller Akt des Ausschlusses, den es zu revidieren gelte. Davon ab ist auch nicht jeder Ausschluss bzw. jede Abgrenzung sinnlos (Stichwort: Terroristen oder Pädosexuelle). Statt die entwertende Bewertung unterschiedlicher Merkmalsausprägungen oder Formen des Begehrens anzuprangern, die die Hauptrolle bei diskriminierenden Erfahrungen spielen, prangern sie das bloße Feststellen eines Unterschieds an.

Die Frage danach, warum differenziert wird, erscheint bedeutungslos. Würde man sich jedoch diese Frage stellen, käme man schnell zu dem Schluss, dass es an manchen Stellen Sinn ergibt und an anderen eben keinen. Im queeren Aktivismus wird einem die Möglichkeit, diese (fatalistische) Setzung zu prüfen, verwehrt.

Ketzer" werden verbannt und/oder bestraft


"Irrwege" ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich

Liest man den Beitrag über Religionskritik von Petra Klug ("Vom Wesen des Christentums zum Unwesen des Islamismus"), so drängen sich unverblümt die Parallelen von religiösem Kult und queerem Aktivismus auf. Rationale Kritik ist unerwünscht, man ist sich seiner moralischen Überlegenheit gewiss, Tabubrüche werden aufs Schärfste geächtet und die "Ketzer" verbannt und/oder bestraft. Das inflationäre Umsichwerfen bedeutungsschwerer Begriffe, wie "Faschist" und "Nazi" sind dabei die Regel. Es wird mit Neologismen bzw. neu entworfenen Akronymen wie "SWERF" und "TERF", welche synonym zu "Nazi" und "Faschist" verwendet werden, versucht, alle "Ungläubigen" zu diskreditieren.

Die Willkür, mit der derlei Begriffe auf alle möglichen Personen, welche man für politisch oder persönlich "unrein" hält, angewandt werden, sorgt für einen Bedeutungsverlust. Den Unterschied zwischen adäquater Kritik, Schmähungen, Witzeleien und tatsächlicher Menschenfeindlichkeit können viele Queeraktivisten dadurch gar nicht mehr erkennen.

Amelungs Abrechnung mit Twitter

Obwohl der einleitende Beitrag Amelungs in einem recht unversöhnlichen Ton gehalten ist, findet sich in seinem anderem Beitrag, "Queerfeministischer Aktivismus auf Twitter", ein deutlich milderes Urteil. So stellt er zwar ungeschönt die Infantilität dieser so gerichteten "Twitterblase" fest, sieht das Grundproblem allerdings nicht vordergründig in den Inhalten, sondern in der Form von Social Media.

Die Möglichkeit unmittelbar reagieren zu können, die Sucht nach Aufmerksamkeit und Bestätigung würden automatisch zu Entgleisungen führen. Dies seien nun mal die "Schattenseiten des gepflegten digitalen Exhibitionismus." Vor Social Media wäre es in den Debatten gesitteter zugegangen, da Auseinandersetzungen mit Konflikten vis-a-vis, in Selbsthilfegruppen oder in geschlossenen Foren stattgefunden hätten. Dabei vergisst Amelung, dass diese Möglichkeiten ja immer noch bestehen und trotzdem zu keinem wesentlich besseren Ergebnis führen.

Mein Eindruck ist, dass man die Tendenzen von Social Media zwar durchaus kritisch bewerten muss, weil sie bestimmte Verhaltensweisen bzw. Persönlichkeitsstrukturen fördern (Stichwort: Narzissmus), sie sind allerdings kaum die Ursache, auf die dieses Verhalten zurückgeführt werden könnte.

Der Hang, die Form über den Inhalt zu stellen

Der in den poststrukturalistischen Theorien zuvor schon festgestellte Hang, die Form über den Inhalt zu stellen, ja gar keinen Anspruch mehr an einen Inhalt zu haben, drückt sich auch in dem durch ebenjene Theorien geprägten Aktivismus aus.

Es kann nur eindringlich darauf hingewiesen werden, dass es, um dem Anspruch eines kritischen Denkens gerecht zu werden, unausweichlich ist, sich die Fähigkeit anzueignen hinter jeglichen Jargon zu blicken und den Inhalt freizulegen, welcher teilweise unter lauter Signalwörtern vergraben ist.

Der Queerfeminismus ist längst im Mainstream angekommen

Vukadinović stellt in seinem abschließenden Beitrag treffend fest, dass, wenn Magazine wie "Emma" oder Frauenrechtsorganisationen wie Terre des Femmes von queeren Aktivist*innen abschätzig als "Mainstreamfeminismus" betitelt werden, ein vollkommen verzerrtes Selbstbild offenbaren, welches sich als "subversiv" und "rebellisch" versteht.

Durch die detaillierte Abarbeitung an den aus diesem Milieu produzierten Texten und ihrer Bedeutung für die Wissenschaft, den Wissenschaftsbetrieb und die linke Praxis, kann jedoch eindeutig ein Paradigmenwechsel bestätigt werden, der zu Gunsten des Poststrukturalismus und somit der queer theory und den post colonial studies ausfällt.

Zwar haben Alteingesessene des oppositionellen Lagers immer noch Einfluss und dienen noch als Bollwerk gegen die gegenaufklärerischen Tendenzen, sie stehen jedoch unter ständigem Beschuss, weil sie von Koryphäen der Genderforschung und ihrer Jünger*innen pausenlos angefeindet werden. Die Diffamierungsversuche finden konstant statt. Kein Anlass scheint dafür ungeeignet (wie die jüngsten Attacken auf TdF nach der Veröffentlichung von "Männerwelten" eindrücklich zeigen).

Den Ton gibt längst der queertheoretische Duktus an. So ist beispielsweise der Slogan eines beliebten Szeneblattes: "Missy Magazine — Feminismus In Geil. Magazin für Pop, Politik und Feminismus". Das Anbiedern an die Popkultur ist sowohl Ausdruck eines Werbetricks, der möglichst viele Leute anziehen soll, als auch Ausdruck dessen, was Vukadinović dezidiert nachweist: dass der Queerfeminismus selbst längst im Mainstream angekommen ist und eben nichts mit Subversion zu tun hat.

Versöhnung mit der queer theory?

Abschließend kann ich das Buch all jenen empfehlen, die sich kritisch mit queerer Theorie und Praxis auseinandersetzen möchten. Es gibt kaum polemische Spitzen, dafür — im Großen und Ganzen — ziemlich fundierte Analysen.

Dabei unterscheiden sich die Standpunkte der Autor*nnen: einige haben, so wie ich, mit der queer theory und dem daraus resultierten Aktivismus abgeschlossen. Andere halten an einer Versöhnung fest. Ich denke, die Entscheidung sollte jede*r für sich treffen.

Infos zum Buch

Till Randolf Amelung (Hg.): Irrwege. Analysen aktueller queerer Politik. Mit Beiträgen von Till Randolf Amelung, Paula Busch, Ingo Elbe, Petra Klug, Eszter Kováts, Aaron Lahl, Patsy l'Amour laLove, Sabri Deniz Martin, Vojin Saša Vukadinović, André Windhorst und Sonja Witte. 368 Seiten. Querverlag. Berlin 2020. Taschenbuch: 18 € (ISBN 978-3-89656-288-3). E-Book: 9,99


#1 Still_IthProfil
  • 31.05.2020, 14:07hHessen
  • "Ketzer" werden also verbannt? Seltsam, ich hatte irgendwie den Eindruck, dass ein Herr Feddersein für sein "Queergida"-Eindreschen auf Minderheiten innerhalb der LGBT*IQA hier eher Beifall bekommen hätte, und reichlich Mitleid dafür, dass Leute sich so beleidigt von seinem Kommentar fühlten, wie sie beleidigt werden sollten. Außerdem kommt es mir so vor, aber da kann ich mich irren und bitte um entsprechende Hinweise, dass er nach wie vor vollkommen unbehelligt für die taz schreibt und auch von Seiten der taz nie eine öffentliche Zurechtweisung hätte hinnehmen müssen.

    Dass Jörg Steinert nach der Hinzuziehung der AfD zum Abschießen einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, die u.a. auf das Diffamieren von Lesben kritisch einging, verbannt worden wäre, wäre mir auch neu - bei Aufrufen der Seite des LSVD Berlin Brandenburg ist mir beinahe so, als sei er weiterhin als Geschäftsführer aufgeführt.

    Auch Patsys teilweise rassistischen Untertöne scheinen mitnichten dazu geführt haben, dass man ihn und sein Zeug hier nicht mehr bewerben würde - eher im Gegenteil schimmert doch regelmäßig Anerkennung dafür durch, dass er es wagt, sich mit so übermächtigen Gegnern anzulegen wie ... queeren BIPoC, deren Überlegenheit sich allein schon darin ausdrückt, wie schwer es ist, in Vorständen, Aidshilfen und sonstigen queeren Organisationen in Deutschland um sie herumzukommen. Geldtöpfe, Rederechte - praktisch alles in der Hand von Leuten mit afrodeutschem Hintergrund. Allerdings, die Bewunderung kann ich verstehen - es gehört halt wirklich was dazu, Leute zu kritisieren, die derart überlegen sind. Und es dann noch mit denen aufnehmen zu wollen, die sich auf deren Seite schlagen. Chaupeau! Den Mut muss man als Weiße*r erstmal aufbringen.

    Also, ich mein, ich kann mich ja irren. Aber das ist halt wie mit den Karrieren sexuell übergriffiger Cis-Männer, die so furchtbar wertvoll sind, und bei denen immer groß geschrien wird, dass die ja instant zerstört seien, sobald eine Person, die unter ihnen leidet oder gelitten hat, Kritik übt. Weswegen das einfach mal auf der Stelle zu verschwinden hat, mit der Kritik, vor allem, wenn diese Kritik irgendjemand hören könnte, der*die selbst nicht konkret betroffen ist. Weil, das ist nämlich schlimm, wenn irgendwer darüber nachdenkt und davon was mitbekommt, der*die gar nicht selbst Ziel geworden ist. Da ist dann schonmal Solidarität gefragt, mit den Kritisierten. Schließlich sind ihre Leben, ihre Karrieren doch praktisch am Ende.
    Außer, dass: Nicht, lol.

    Ein Kandidat fällt mir ja tatsächlich ein, den man irgendwie als "verbannt" betrachten könnte, und der es tatsächlich soweit getrieben hat, irgendwie nicht mehr so richtig erwünscht zu sein. Also, so richtig nicht, auch hier nicht. Aber auch ein David Berger war doch eigentlich noch ganz okay, solange er bloß Trans*-Personen abgewertet hat, ne? Oh, entschuldigt bitte: Unterscheidungen getroffen hat zwischen "echte[n] Mannsbilder[n]" und "irgendwelche[n] Zwischenwesen".

    Zitat übrigens dazu:
    "Ich sehe nur ein Problem damit, wenn man so tut, als ob der Kampf gegen Homophobie und Ausgrenzung gleich ist mit dem Kampf, den die Gender-Leute führen. Ich als schwuler Mann sage, ich bin froh, dass es echte Mannsbilder gibt, weil ich eben geil auf Männer bin und nicht auf irgendwelche Zwischenwesen."
    Die Quelle bzw. das referenzierte Interview, in dem er demonstriert hat, wie das mit dem Unterscheiden so richtig geht, kann ich als historischen Rückblick übrigens bloß empfehlen:
    taz.de/!241381/

    Geführt hat es übrigens ein schon damals recht verständnisvoller Herr Feddersen. Es deucht mir, abgesehen von ein paar Namen hat sich seither nicht viel verändert. Aber das sag ich jetzt wahrscheinlich als betroffener Mensch auch bloß, weil ich unzulässigerweise harmlosen Unterscheidungen irgendwelche Wertungen zuschreibe. Und es ist absolut logisch: Übergriffig bin an der Stelle selbstverständlich ausschließlich ich. Denn die Wertungen darf man natürlich schon vornehmen - man ja - aber halt nicht ich, denn das ist nicht okay. Zumindest könnte ich, wenn ich das schon tue, die Klappe drüber halten, ehe sich irgendwer veranlasst sieht, meine Position bei der Bewertung mit zu berücksichtigen. Und das wär eine sowas von unfaire Diskursverschiebung, wo ich doch hier die Person bin, die sowieso schon alles zu bestimmen hat.

    Ich "richtig" queere Übermacht, nach der sich überall alles richtet. Außer, dass: Nicht. lol.
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#2 ReischkreiheAnonym
  • 31.05.2020, 14:19h
  • Warum rezensieren die Mitschreibenden der verschiedenen Bände der Reihe eigentlich so oft gegenseitig die jeweils nächsten Bände aus der Reihe?
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#3 Still_IthProfil
  • 31.05.2020, 14:30hHessen
  • "Den Unterschied zwischen adäquater Kritik, Schmähungen, Witzeleien und tatsächlicher Menschenfeindlichkeit können viele Queeraktivisten dadurch gar nicht mehr erkennen."

    Diesen Satz, nicht als Zitat gekennzeichnet, nicht im Konjunktiv gesetzt o.ä., muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen.

    Ja, schon schlimm, diese Leute, die über AKKs Witze nicht lachen können.

    Die arme, verbannte Frau Annegret Kramp-Karrenbauer.
    Fast so verbannt und bestraft wie ein Horst Seehofer.

    Diese Queergida (ups, wer war jetzt noch die Partei mit den Nazivergleichen) ist halt übermächtig. Da machste als unbescholtener queerer Nicht-Aktivist*in halt nix dagegen. Da wirste einfach überrollt und bist dann weg vom Fenster.
    Außer, dass: Nicht. Lol.
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#4 Still_IthProfil
  • 31.05.2020, 15:51hHessen
  • Zu Terre des Femmes übrigens noch: "Männerwelten" hat Terre des Femmes für hilfesuchende Frauen beworben. Das wiederum wurde kritisiert, allerdings. Die Kritik hatte dabei nichts mit irgendwelchem "Mainstream"-Charakter zu tun, sondern mit den offenen Forderungen dieser Organisation nach dem Nordischen Modell, aka der Krimininalisierung von Sexarbeit, nachzulesen auf ihrer Seite in einem eigenen Unterpunkt zu Prostitution:

    www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/frauenhandel/nordis
    ches-modell


    Die Emma andererseits wird u.a. für ihre seit vielen Jahren offene Transfeindlichkeit kritisiert.

    Und wer schon "Form über Inhalt"-Ansichten bemängelt, könnte dazuschreiben, wofür TERF und SWERF in der Praxis stehen: Das eine idR für Angriffe auf Transfrauen, Ausschlüsse von Transfrauen aus feministischen Räumen und das Arbeiten mit extremst verkürzenden Biologismen, die im Endeffekt auf komplettes Leugnen der Existenz und Validität von trans* hinauslaufen; das andere wiederum steht für den Ausschluss von Sexarbeitenden.

    Ich muss dazu sagen, dass ich den Gebrauch des TERF-Begriffs selbst teilweise alles andere als optimal empfinde. Nur, wenn hier schon die angegriffenen TERFs als arme Opfer dargestellt werden, denen ständig praktisch die Nazi-Keule übergezogen wird, könnte man schon dazu erwähnen, wer die Kritisierten sind: U.a. diese Personen, die mit transfrauen-feindlichen Transparenten auf einigen CSDs Aufmerksamkeit erlangen konnten, und die regelmäßig fordern, Transfrauen die Nutzung von Frauentoiletten zu untersagen.
    Und naja, gegen Sexarbeitende zu treten und Kriminalisierung zu fordern, find ich jetzt halt schon schlicht mies.

    Ja, das mag unzulässigerweise moralisierend sein, sich auf die Seite einer gesellschaftlichen Gruppe zu stellen, deren Mitglieder großenteils seeehr weit unten stehen, in der sozialen und finanziellen Hackordnung unseres Systems. Es mag auch unzulässigerweise moralisierend sein, darauf zu verweisen, dass CDU/CSU und SPD, die momentan das Sexkaufverbot aka Prostitutionsverbot dauerhaft durchsetzen wollen, statt es bloß temporär für die Corona-Krise zu belassen, irgendwie gar nicht sooo sehr nach armen, bestraften, bedauernswerten Opfern aussehen, die viel mehr Solidarität verdient haben, als ihre, äh... "Gegner*innen"? "Opfer"? Wie auch immer man das nennen soll, wenn eine gesellschaftliche Gruppe das Wohlergehen einer anderen gesellschaftlichen Gruppe derart ohne Beteiligung von Betroffenen in der Hand hält.

    Aber jut, wenn die Überzeugung, dass es schlecht und scheiße ist, Menschen Sicherheit und Existenzgrundlage wegnehmen zu wollen (TdF, SWERFs) oder Menschen das Existenz- und Teilhaberecht an Communitys abzusprechen (TERFs), mich zum Moralisten macht, dann bin ich halt übertrieben moralisch. Ich sehe es ja eher so, dass das was mit Gerechtigkeitssinn und Wertschätzung für die Würde des Menschen zu tun hat. Aber letztlich isses wohl so - auch der Wunsch nach dem Recht des Menschen auf Würde lässt sich im Grunde als religiöse Regung einstufen.

    Lieber als moralisch gelten denn ein Arschloch zu sein.
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#5 queer lives matterAnonym
  • 31.05.2020, 16:38h
  • Also, dass dieser Band nicht richtig kritisch eingeordnet wird, ist schon ziemlich traurig.

    Da werden ja vielmehr die Irrwege der Autorinnen kenntlich als die der hier Kritisierten.
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#6 NachfrageAnonym
#7 RaketenstuhlAnonym
  • 31.05.2020, 17:31h
  • An bisher allen Kommentaren (1 bis 5 zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen) hier erkennt man, wie wichtig und notwendig genau dieses Buch ist.
    Kritik ist unerwünscht, Wissenschaft nur dann akzeptierbar, wenn das Ergebnis passt, im Zweifel werden Die Autoren als verirrt bezeichnet, was nicht weit von verwirrt, und vor allem aber nicht weit von irre ist.
    So tragisch AKKs Gendertoilettenwitze sind, Der Hass von innen den man hier herausliest, er ist ebenso unerträglich wie der Hass von außen, wobei ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, welcher der gefährlichere ist...
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#8 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 31.05.2020, 18:09h
  • Antwort auf #7 von Raketenstuhl
  • "Der Hass von innen den man hier herausliest, er ist ebenso unerträglich wie der Hass von außen"

    Ich muss dem leider aus mehrfacher eigener Erfahrung heraus zu 100% zustimmen. Es haben sich unüberwindbare Gräben zwischen verschiedenen "Lagern" aufgetan.

    Menschen, die nach außen hin gefälligst von allen vollständigste und vorbehaltlose Akzeptanz verlangen, und mögen sie sich noch so biestig verhalten, sind im Inneren selbst am schnellsten dabei, Andere ver- und abzuurteilen. Ein fairer, wertschätzender Dialog zwischen Personen verschiedener "Lager" ist so kaum noch oder gar nicht mehr möglich.

    Man muss z.B. auch genau wissen "Aha: Wenn ich jetzt Kontakt zu dieser und jener Person habe, ist automatisch diese und jene andere Personengruppe mit mir verfeindet." Dazu ist es nicht mal nötig, sich selbst irgendwie zu äußern - es reicht schon, dass man einer Person aus dem "falschen" Lager mal begegnet ist und sie nicht gleich öffentlich total verteufelt. Von mir wurde sogar schon einmal verlangt, einer bestimmten Person quasi "abzuschwören", als wäre diese Person ein_e Teufel_in - nur damit man mich als Gesprächspartner_in akzeptieren würde. Da ich mit der Person, der ich hätte "abschwören" sollen, selbst schon mehrfach guten und ausführlichen Kontakt hatte und nie auch nur irgendeine einzige Äußerung vernommen habe, die auf irgendeine Art von "Teuflischsein" hätte hinweisen können, habe ich das selbstverständlich abgelehnt. Ich lasse mich nämlich nicht erpressen.

    Wie aus einer solchen Situation heraus überhaupt noch irgendeine Art von Community funktionieren soll, ist mir total schleierhaft.

    Aber sie funktioniert ja auch weitgehend nicht (mehr).
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#9 goddamn liberalAnonym
  • 31.05.2020, 18:50h
  • Heutzutage kommt manches als queer daher, was reaktionär, menschen- und damit auch queer-feindlich ist.

    Ein Beispiel dafür ist die US-amerikanische 'Queer-Theoretikerin' Jasbir Puar, die sich von saudischen Prinzen (also einem homophoben Mord-Regime) ihre Veranstaltungen finanzieren lässt, auf denen sie unsere Emanzipation als Homo-Nationalismus verunglimpft und nebenbei die alte antisemitische Blutlüge wiederaufleben lässt.

    Die unzureichenden LGTBI-Rechte in Israel (kein Eherecht, Aufhebung der Strafbarkeit erst 1988) werden von ihr als LTBI-freundliche raffinierte Strategie des Pink-Washing eingestuft.

    www.youtube.com/watch?v=6a0Dkn3SnWM

    Es ist gut, dass dieses kontrafaktische Herumschwadronieren (sie wirft z. B. Sikhs und Muslime in einen Topf) mal als das benannt wird, was es ist:

    Pseudo-akademische Zivlisationsverweigerung

    Kennen wir auch hierzulande:

    de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Leers
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#10 KaiJAnonym