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Jugendbuch

"Queer Heroes": Das ideale Coming-out-Geschenk

Das großformatige, bunt illustrierte Jugendbuch "Queer Heroes" stellt 53 queere Held*innen aus fast allen Epochen und jedem Kontinent vor. Ein richtig gutes Buch für alle, die auf der Suche nach Vorbildern sind!


Auch der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900), der in London wegen homosexueller "Unzucht" zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt wurde, gehört zu den 53 queeren Held*innen aus dem Buch (Bild: Sarah Tanat-Jones / Prestel Verlag)

Wir alle brauchen Vorbilder. Menschen, an denen wir uns orientieren können, die uns zeigen, wie wir mit schwierigen Situationen umgehen. Die uns eine Richtschnur sind, ein Kompass, dem wir vertrauen können. Personen, mit denen wir uns identifizieren können, die so fühlen, denken, aussehen wie wir. Vor allem queere Jugendliche brauchen Vorbilder, weil sie vor ganz eigenen Herausforderungen stehen. Und gerade sie sind es, denen Vorbilder oft mangels Sichtbarkeit fehlen – in der Familie, im näheren Umfeld oder in den Medien.

"Sei der Mensch, den du gebraucht hättest, als du jung warst", lautet deshalb auch der beste Rat, den Autorin Arabelle Sicardi in ihrer Einleitung von "Queer Heroes: 53 LGBTQ*-Held*innen von Sappho bis Freddie Mercury und Ellen DeGeneres" zitiert. Deshalb, und um die Held*innen der queeren Community zu ehren, hat sie dieses Buch geschrieben. Es ist jetzt auf Deutsch erschienen.

Michelangelo und Da Vinci als queere Vorbilder?


"Queer Heroes" ist Mitte Mai im Prestel Verlag auf Deutsch erschienen

Und das ist ihr ziemlich gut gelungen: Unter den 53 vorgestellten Persönlichkeiten sind die "Klassiker" wie Oscar Wilde oder Virginia Woolf, aber auch unbekanntere Menschen wie etwa der niederländische schwule Antifaschist Willem Arondeus oder die pakistanische queere Physikerin Nergis Mavalvala.

Das Jugendbuch ist bunt und ansprechend detailliert von Sarah Tanat-Jones illustriert. Die Texte sind zwar kurz, aber enthalten alle wichtigen Infos zu den Held*innen, ohne zu einem Lexikonartikel zu werden. Wer durch "Queer Heroes" blättert, bekommt große Lust, sich näher mit den so vielfältigen, inspirierenden, Mut machenden Menschen von der Antike bis heute, von jedem Kontinent und jeden Alters, zu beschäftigen.

Vielleicht hätte die deutsche Übersetzung noch mehr deutschsprachige Vorbilder als Marlene Dietrich gebraucht – Magnus Hirschfeld, Karl Heinrich Ulrichs oder Conchita Wurst taugen sicher besser als Leonardo Da Vinci und Michelangelo, deren Homosexualität eher Spekulation als Fakt ist.

Ein super Impulsgeber

Und auch eine nicht-binäre Person wie Sam Smith oder Chella Man hätte dem Band gutgetan, genau wie ein intergeschlechtliches Vorbild wie Pidgeon Pagonis. Dass außerdem im ansonsten hilfreichen Glossar der Begriff "Intersexualität" ohne Alternative oder Problematisierung geführt wird, ist – genau wie die auffällig häufigen Tippfehler – ein kleiner Wermutstropfen.

Besonders schön ist die nicht nur kulturelle, sondern auch berufliche Vielfalt: Da sind Künstler*innen neben Sportler*innen und Menschen aus Politik und Wissenschaft vertreten. Denn so bunt wie der Regenbogen, so unterschiedlich sind auch die Menschen, die sich darunter versammeln. "Queer Heroes" ist ein super Impulsgeber gerade für diejenigen, die noch keine richtigen Vorbilder haben.

Infos zum Buch

Arabelle Sicardi: Queer Heroes: 53 LGBTQ-Held*innen von Sappho bis Freddie Mercury und Ellen DeGeneres. Mit farbigen Illustrationen von Sarah Tanat-Jones. 64 Seiten. Prestel Junior. München 2020. Hardcover mit Prägung auf dem Cover: 20,00 € (ISBN 978-3-7913-7437-6)


#1 DramaQueen24Profil
  • 01.06.2020, 05:40hBerlin
  • Für mich sind queere Helden solche, die offen ihr Lebensthema (Homosexualität/Bisexualität/Transgender) behandeln. Und nicht solche, bei denen es erst durch die Forschung herauskommt.
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#2 IckeAnonym
#3 Ralph
  • 01.06.2020, 10:43h
  • Ein Queer-Heroes-Buch, in dem Karl Heinrich Ulrichs unterschlagen wird, erfüllt seinen eigenen Anspruch nicht. Wenn statt dessen Michelangelo und Leonardo auftauchen, dann verharrt es doch eher auf dem Niveau früherer Bücher aus alter Zeit, in denen Kurzbiographien homosexueller Künstler, Literaten, Wissenschaftler, Politiker, Militärs aus der Geschichte gesammelt wurden, z.B. Curt Riess' "Auch Du, Cäsar". Darüber sollten wir heute hinweg sein. Dass der deutsche Sprachraum ausgerechnet durch Marlene Dietrich repräsentiert wird, lässt das Buch zum Witz geraten geraten. Ohne deren schauspielerische Leistungen schmälern zu wollen, stelle ich mir unter Queer Heroes doch nicht sog. Schwulenikonen vor, sondern Leute, die ohne Rücksicht auf die eigene Person für Aufklärung, Gleichberechtigung und Akzeptanz gekämpft haben.
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#4 Peck_SProfil
#5 DramaQueen24Profil
#6 Nicht angemeldetAnonym
#7 Ralph
  • 02.06.2020, 10:36h
  • Antwort auf #5 von DramaQueen24
  • Und was hat sie für uns getan und erreicht?

    Nimm mir's nicht übel, und ich will keineswegs beide Personen auf eine Stufe stellen, aber wenn es allein um die sexuelle Orientierung geht, dann können wir auch Ernst Röhm aufnehmen. (Der hat sogar einen Meilenstein gesetzt: Er war das erste offen homosexuell lebende Mitglied einer deutschen Regierung! - Aus bekannten anderen Gründen kommt er selbstverständlich nicht als Queer Hero in Betracht.)
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#8 EulenspiegelAnonym
  • 02.06.2020, 15:01h
  • So jemand wie Leonarde da Vinci gehört auch da rein - aber nicht nur.

    Insbesonders da er ein Künstler war und kein Heerführer, König ..., also so ein antiker Trump. Alexander der große war auch Schwul, - aber die halbe antike Welt in Trümmer zu legen halte ich nicht als ein Vorbild, eher im Gegenteil.

    Natürlich gab es bei geschichtlichen Personen kein Coming out - weil es noch kein Coming out gab, die Definition "Schwul" gab es gar nicht.

    Nur endlose Indizien wie Sodomieprozesse, aufgeschriebene Gerüchte, Tagebücher - etc.

    Natürlich sollte bei so einem Buch für junge Leute der Fokus auf der Gegenwart liegen, aber ein paar der älteren Einträge sollen zeigen: Uns gab es schon immer.

    PS: Die Mona Lise ist so geheimnisvoll, weil sie, ehmm, ein Geheimnis hat:

    news.artnet.com/exhibitions/mona-lisa-leonardos-lover-salai-
    479783


    Ich fand so etwas in meiner Coming-Out-Phase cool. Alte Gewissheiten die sich plötzlich umkehren.
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