Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36258

Dentalphobie

Wenn die Angst vorm Zahnarzt lähmt

Etwa zehn Prozent der Deutschen haben richtiggehend Angst vorm Zahnarzt. Entspannungsübungen oder eine Verhaltenstherapie können helfen. Als letztes Mittel bleibt die Vollnarkose.


Patienten mit einer Dentalphobie bereitet schon der Anblick des leeren Behandlungsstuhls Schweißausbrüche und Angstattacken (Bild: Jobbeat / pixabay)
  • 3. Juni 2020, 12:49h, noch kein Kommentar

Die meisten Menschen, die zum Zahnarzt müssen, bekommen ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Etwa zehn Prozent der Deutschen haben richtiggehend Angst vorm Zahnarzt. Doch wer gesunde Zähne haben möchte, muss gelegentlich diese Angst überwinden. Angst ist eigentlich ein Schutzmechanismus. Sie schützt Menschen seit eh und je davor in gefährliche Gebiete zu gehen oder giftige Tiere zu berühren. Doch Angst kann sich auch negativ auswirken und so etwas wie eine Lähmung verursachen, die auch in ungefährlichen Situationen zu Handlungsunfähigkeit führt. So ist es mit der Zahnarztangst. Im schlimmsten Fall entwickelt sich daraus eine ausgewachsene Zahnarztphobie.

Die Zahnarztphobie erkennen

Technologischer Fortschritt bestimmt das moderne Leben. Fast alles lässt sich immer und überall kontrollieren. Kontrollverlust ist für die wenigsten akzeptabel. Doch genau so eine Situation entsteht in einer Zahnarztpraxis für die Patienten. Angstpatienten empfinden Beklemmung, wenn sie sich in den Praxisräumen ihres Zahnarztes befinden. Sie fühlen sich ausgeliefert, bekommen verschwitzte Hände, kalter Schweiß bricht aus, sobald sich der vermeintlich wehrlose Patient auf den Zahnarztstuhl begibt. Der Patient leidet unter Dentalphobie. Das unangenehme Gefühl steigert sich noch, weil es möglich ist, dass die Zahnarztbehandlung Schmerzen verursacht. Das alles führt dazu, dass Zahnarzttermine immer wieder verschoben werden. Die Beschwerden bleiben, der Patient bekommt schlechte Zähne und die Angst wird immer größer.

Sanfte Behandlungsmethoden in einer modernen Zahnarztpraxis lassen die Zahnarztangst mit der Zeit verschwinden. Speziell für Angstpatienten gibt es die Möglichkeit, die Behandlung im Tiefschlaf zu verbringen. Tiefschlaf oder Vollnarkose über die gesamte Behandlung hinweg sorgen dafür, dass die Patienten ihre Angst wieder verlieren.

Wie entsteht die Angst vorm Zahnarzt?

Das menschliche Gebiss ist nicht nur Kauwerkzeug. Es ist auch gleichzeitig ein sensibles Sinnes- und Wahrnehmungsorgan. Das Schmerzempfinden ist sehr groß. Dass der Gang zum Zahnarzt Angst verursacht, hat jedoch einen anderen Grund. Bis in die 80er-Jahre mussten Kinder eine Zahnbehandlung ohne lokale Betäubung aushalten. Das hat bei vielen zu schlechten Erfahrungen geführt und ist eine Erklärung, warum ganze Generationen Angst vor dem Zahnarzt haben.

Was hilft gegen die Zahnarztphobie?


Zähne putzen ist die wichtigste Prophylaxe, um Schäden an den Zähnen gering zu halten (Bild: Bru-nO / pixabay)

Die krankhafte Angst vor dem Zahnarzt ist bei vielen Patienten zunächst im Kopf. Sie steigert sich noch weiter, wenn der Patient steif vor Angst, mit angespannten Muskeln und blockierten Gedanken auf dem Zahnarztstuhl liegt. Sobald der Mund zum letzten Mal ausgespült wird, verschwindet auch das Unwohlsein. Die Behandlung ist vorbei. Selbst wenn der Patient noch Schmerzen hat, ist gewiss, dass sich diese mit Medikamenten behandeln lassen. Deshalb ist es als Erstes wichtig, sich zu entspannen und nicht verkrampft auf dem Stuhl zu liegen. Das macht die Behandlung gleich viel erträglicher. Zumal heute kein Patient mehr eine schmerzhafte Behandlung ohne Lokalanästhesie bekommt. Der zweite wichtige Schritt besteht darin, dem behandelnden Zahnarzt schon im Vorfeld von der Angst zu berichten. Allein das kurze Gespräch ist eine Hilfe. Das Aussprechen der Angst hilft, die Anspannung zu lösen.

Ein verständnisvoller Zahnarzt

Normalerweise haben Zahnärzte heute Verständnis für dieses Problem. Nur noch sehr selten kommt es vor, dass ein Arzt oder seine Mitarbeiter sich über Angstpatienten lustig machen oder unsensible Antworten geben. Doch selbst wenn das passiert, kann der Patient direkt die Behandlung abbrechen. Niemand kann einen Patienten dazu zwingen sitzen zu bleiben, wenn er sich unwohl fühlt.

Es ist sehr wichtig, dass Patienten Vertrauen zu ihrem Zahnarzt haben und ihn sympathisch finden. Schon bei der Anmeldung lässt sich abklären, ob der Behandler Verständnis hat für Angstpatienten und ob es gegebenenfalls möglich ist, eine Behandlung unter Vollnarkose durchzuführen. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob die Narkose notwendig ist. Allein das Wissen, dass es möglich wäre, wirkt sehr beruhigend.

Entspannung hilft – Autogenes Training als Entspannungstherapie


Nicht jede Zahnbehandlung ist schmerzhaft (Bild: 272447 / pixabay)

Autogenes Training ist eine sehr einfache und wirkungsvolle Entspannungsmethode. Damit können Betroffene viel bewirken und die Angst vor der Spritze, vor Prüfungen oder auch dem Zahnarzt überwinden.

Bei dieser einfachen Technik sprechen die Teilnehmer gedanklich Sätze aus, um Körper und Geist zu beruhigen. Das Autogene Training sorgt für eine tiefe Entspannung des Körpers. Der Blutdruck reguliert sich, die Herzfrequenz beruhigt sich, der Körper entspannt sich und die Ängste verlieren sich. Diese Technik hat einen positiven Nebeneffekt. Durch das Wiederholen der beruhigenden Sätze lenkt sich die Konzentration von der zahnärztlichen Behandlung weg auf die Entspannung. Der Geist ist damit beschäftigt, die trainierten Sätze aufzusagen. Umgebungsgeräusche und auch die Schmerzen verlieren an Bedeutung. In vielen Fällen zahlen die Krankenkassen einen Kurs, den viele Volkshochschulen im Programm haben.

Für Betroffene mit schwerer Dentalphobie ist eine Verhaltenstherapie sinnvoll
Betroffene, die sehr stark unter ihrer Dentalphobie leiden, können mithilfe eines Psychotherapeuten große Erleichterung erleben. Zur Behandlung erlernen viele der Patienten die progressive Muskelrelaxation. Bei dieser Entspannungstechnik lernen die Teilnehmer ihre Muskeln gezielt zu entspannen und letztendlich entspannt sich auch der Geist. Die Patienten lernen dabei ihre Ängste kennen und wo sie herkommen. Dieses Wissen befähigt sie später, ihre Zahnarztangst hinter sich zu lassen. Die Technik funktioniert auch bei vielen anderen Phobien.

Austausch mit anderen Betroffenen

Einer Dentalphobie können die Betroffenen auch begegnen, indem sie mit anderen darüber sprechen. Niemand muss sich für seine Angst vor dem Zahnarzt schämen. Wer sich nicht traut, mit seinen Freunden oder seiner Familie darüber zu reden, kann sich alternativ auch an ein Forum im Internet wenden. Dort können sich Betroffene anonym über die Ängste, Probleme und deren Lösung austauschen.

Letztes Mittel – Vollnarkose

Bei vielen Zahnärzten ist heute eine Behandlung unter Vollnarkose möglich. Dies stellt allerdings bei jeder Behandlung eine sehr große Belastung für den Körper dar und es kann zu Komplikationen kommen. Auch kann der Patient nicht aktiv bei der Behandlung mitarbeiten und beispielsweise nicht prüfen, ob die Füllung passt oder der Zahnersatz richtig sitzt. Empfindungen während der Behandlung sind für den Zahnarzt wichtige Hinweise. Unter Narkose ist es nicht möglich, diese mitzuteilen. Langfristig reduziert sich dadurch die Zahnarztangst nicht.

Deshalb ist es wichtig, bewusst an der Angst zu arbeiten. Im Idealfall haben Angstpatient und Behandler ein gutes Vertrauensverhältnis. (ak)