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Interview

Toni Kroos skeptisch zu Coming-outs bei Profi-Fußballern

"Ich weiß nicht, ob ich jemandem raten würde, sich als Aktiver zu outen", sagte der Nationalspieler dem Magazin "GQ".


Kroos 2018 in einem Interview

Der deutsche Fußballnationalspieler Toni Kroos zeigt sich weiterhin skeptisch über die Offenheit im Fußball beim Thema Homosexualität. "Mein gesunder Menschenverstand sagt mir natürlich, dass das im 21. Jahrhundert jeder frei ausleben sollte. Ich weiß aber nicht, ob ich jemandem raten würde, sich als Aktiver zu outen", sagte der 30-Jährige auf eine entsprechende Frage des Magazins "GQ".

"Auf dem Platz wird ja manchmal mit gewissen Wörtern um sich geworfen, und bei den Emotionen der Fans im Stadion könnte ich nicht dafür garantieren, dass derjenige nicht doch abgewertet und beschimpft wird", so Kroos weiter. "Das sollte nicht der Fall sein, und der Profi, der sich outet, hätte auch bestimmt viel Unterstützung von allen Seiten, ob das aber in einem Stadion voller gegnerischer Fans auch der Fall ist, bezweifle ich."

Jeder Spieler müsse persönlich entscheiden, ob ein Coming-out "eher Vor- oder Nachteil" sei. "Aber ein durchgehender Vorteil wäre es, glaube ich, auch heute noch nicht." Kroos gilt nach Titeln als erfolgreichster deutscher Fußballer aller Zeiten. Er wurde 2014 Weltmeister, spielt bei Real Madrid und hat insgesamt viermal die Champions League gewonnen.

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Die aktuelle Ausgabe von "Gentlemen's Quarterly" hat LGBTQ-Rechte zum Schwerpunkt und steht unter dem Motto "Pride Inside", die als Aktion #PrideInside fortgesetzt werden soll und unter anderem ein Gespräch mit Aktivisten bietet, die sich in besonders stark betroffenen Ländern für die Rechte queerer Menschen einsetzen.

Bislang hat sich in Deutschland noch kein Profi-Fußballer während seiner Karriere geoutet. Entsprechend wird über das Thema seit Jahren diskutiert. Erst vor wenigen Wochen hatte der ehemalige Spitzentrainer Ottmar Hitzfeld Spielern von einem Coming-out abgeraten (queer.de berichtete). (pm)



#1 FinnAnonym
  • 03.06.2020, 13:44h
  • ""Auf dem Platz wird ja manchmal mit gewissen Wörtern um sich geworfen, und bei den Emotionen der Fans im Stadion könnte ich nicht dafür garantieren, dass derjenige nicht doch abgewertet und beschimpft wird""

    Herr Kroos geht da aber von falschen Prämissen aus und zieht daraus noch dazu falsche Schlüsse:

    1. Er geht davon aus, dass man sich als Schwuler, der versteckt lebt und ständig Angst vor Enttarnung haben muss, besser fühlt, als wenn man von irgendwelchen Schwachmaten dafür gedisst wird.

    Es ist aber besser, für etwas, das man ist, gehasst zu werden, als für etwas geliebt zu werden, was man nicht ist.

    Außerdem rufen die gegnerischen Fans doch eh irgendwelche Beleidigungen. Das scheint ja in diesem "Sport" üblich zu sein.

    2. Die Frage ist ja auch, wie man selbst damit umgeht. Gerade Profi-Fußballer sind in einer sehr privilegierten Situation und haben mehr Kohle als alle, die da versuchen einen niederzubrüllen. Man kann ja auch mal in deren Richtung lächeln und ihnen dadurch zeigen, dass die Meinung solcher Deppen einen schlicht nicht interessiert und dass man sich über so einen Abschaum nur amüsiert.

    3. Schwarze Spieler erleben dasselbe. Aber sie können (und wollen) ihre Hautfarbe nicht verstecken. Das geht also alles.

    4. Wenn sich Spieler aller (oder fast aller) Vereine outen, dann wird es solche Sprechchöre nicht geben. Weil die ja dann nicht nur die gegnerische Mannschaft "treffen", sondern auch die eigene.

    5. Natürlich sind die Vereine und Verbände auch aufgefordert, generell mehr gegen Rassismus und Homophobie zu tun. Da muss es dann auch mal Stadionverbote u.ä. geben. Für jedes homophobe oder rassistische Banner ein Bonus-Tor für die gegnerische Mannschaft wäre sicher auch eine probates Mittel, sowas schnell zu beenden und endlich mal dafür zu sorgen, dass Fußball nicht mehr als Asi-Sport rüberkommt, wo offenbar Grundregeln des menschlichen Anstands und Benehmens von den "Fans" nicht erlernt wurden.
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#2 BefreiungAnonym
  • 03.06.2020, 13:54h
  • Lieber Herr Kroos,

    haben Sie vielleicht schon mal daran gedacht, dass nach einem Outing so eine Last von einem abfällt, dass einem irgendwelche homophoben Parolen nichts mehr ausmachen? Oder dass diese bei weitem nicht so schlimm sind, wie sich ständig selbst verleugnen zu müssen und immer mit der Gefahr der Enttarnung zu leben?

    Das kann man sich als Heterosexueller vielleicht nicht vorstellen. Aber glauben Sie mir: nach meinem Outing habe auch ich Hass erlebt. Aber das war erstens nichts im Vergleich zur Solidarität die ich erlebt habe und zweitens war das immer noch besser als die Schmierenkomödie, die ich davor mir selbst aufgezwungen habe.

    Und wenn das genug Leute machen, ist das irgendwann kein Thema mehr.
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#3 RH BerlinAnonym
  • 03.06.2020, 14:01h
  • Ich verstehe die Kausalkette nicht. Nur damit die Fans diskriminierende Schimpfwörter benutzen können soll sich einer nicht outen ? Ist es dann weniger diskriminierend ? Nun hoffe ich mal dass auch die Kraftausdrücke die andere Menschen diskriminieren könnten, mit Strafen belegt werden. Alles andere fände ich unsportlich und verabscheuungswürdig !
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#4 Peck_SProfil
  • 03.06.2020, 14:08hFrankenthal
  • Also übersetzt heißt das: Die Fanszene ist so homophob und unkontrollierbar, wie die Sprache der Spieler auf dem Platz, weshalb sich jeder schwule Profi besser bis zum Karriereende verleugnen sollte.

    Gehts eigtl noch? Wie wäre es, wenn man die eigene Sprache und die der Kollegen mal überarbeitet, wenn man schon öffentlich ausspricht, dass man homophobe Scheiße auf dem Platz ablässt und die Fans mal mit harten Sanktionen oder Maßnahmen unter Kontrolle bringt?

    Das ist das Problem: Täterschutz betreiben. Wir können uns ja durchs Nichtouten noch schützen, aber der schwarze Spieler kann schlecht seine Hautfarbe wechseln. Wird Hopp von den Bayernbossen fast abgeknutscht, auf dem Rasen ist das ein Zeichen von Solidarität und gegen Hass, kniet sich ein farbiger Spieler wie vor ein paar Tagen nieder, ermittelt der DFB wegen Verstoßes gegen die Statuten. Aber immer schön die Banner gegen Hass und Homophobie in die Kameras halten.

    Da muss man sich ja mühen, dass Mittagessen im Leib zu halten.
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#5 qwertzuiopüAnonym
  • 03.06.2020, 15:19h
  • Kann man sich echt nicht ausdenken. Das Interview ist auf der Website übertitelt mit Kroos' Aussage Ungerechtigkeit macht mich extrem sauer.

    Dass die Homophobie der Fans scheinbar von fast allen Beteiligten achselzuckend als Naturgesetz angesehen wird, ist so hart daneben.
    Aber vergessen wir nicht, dass auch schwarze Fußballer*innen immer gut damit gefahren sind, sich nicht als schwarz zu outen, die Fans hätten sicher nicht gut reagiert.
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#6 FranjAnonym
#7 NevermindAnonym
  • 03.06.2020, 15:41h
  • Fußball ist ein extrem hartes Geschäft. Der Druck ist immens und viele Spieler leiden darunter und entwickeln Burn out oder Depressionen. Robert Enke ist ein Beispiel. Gegnerische Fans sind gnadenlos. Man hat Oliver Kahn mit Bananen beworfen und die würden jede vermeintliche Schwäche eines Spielers ausnutzen. Gleichzeitig gibt es zehntausende, die davon träumen, den Platz eines Bundesligaspielers zu besetzen. Da kann man es sich nicht leisten, irgendeine Angriffsfläche zu bieten. Das Risiko ist viel zu groß. Überhaupt sind noch mehr als die Hälfte aller Schwulen hierzulande ungeoutet. Nicht mal Bill Kaulitz ist richtig geoutet, also da gibts doch noch genügend andere, die das erst machen können. Was ich aber nicht verstehe, ist, warum sich nicht mehr nach Ende ihrer Karriere outen. Da ist der Druck ja dann doch ziemlich weg und alles, was die Mitkommentatoren hier schon angeführt haben, trifft dann auch meiner Meinung nach zu. Vielleicht liegts daran, dass es doch gar nicht so viele Schwule im Fußball gibt. Ich selber kann jedenfalls gar nichts damit anfangen und das ist das eine Klischee, das bei mir voll zutrifft: Schwule und Fußball passen nicht zusammen.
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#8 MoonbaseAnonym
  • 03.06.2020, 16:22h
  • ...sagt mir das aber auch nicht auch, dass Fußball ein Sport für die (z.Teil auch weniger anspruchsvolle) Masse ist, deren Reaktion ich fürchte? Versteckt lese ich solch eine Aussage heraus : "... ob das aber in einem Stadion voller gegnerischer Fans auch der Fall ist, bezweifle ich..." Fußball ist für alle, es ist Brot und Spiele fürs Volk, aber es ist kein Platz für Anstand, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Es bedient doch zum Teil in seinen Reaktionen und Gefühlsregungen unterste Schubladen. Ich will nicht verneinen, dass er Spaß macht. Aber die Angst neben Image- & Prestigeverlust gar Geld zu verlieren dürfte für alle Beteiligten sicher auch keine unerhebliche Rolle spielen.
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#9 FinnAnonym
  • 03.06.2020, 21:07h
  • Herr Kroos meint es wahrscheinlich gar nicht böse. Aber er ahnt nicht, was er mit solchen Aussagen anrichtet...

    Stattdessen sollte er lieber unterstützen und zur Unterstützung aufrufen, statt immer wieder nur Bedenken zu schüren und Ängste zu befeuern.
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#10 FinnAnonym
  • 03.06.2020, 21:12h
  • Antwort auf #2 von Befreiung
  • Genau das ist der Punkt:
    selbst wenn es Hass gibt, macht einem das weniger aus, wenn man mit sich im Reinen ist.

    Und ganz ehrlich:
    Profi-Fußballer haben ein so gutes Leben. Im Gegensatz zum Mann von nebenan brauchen die sich keine Sorgen zu machen, beim nächsten Einkauf im Aldi von irgendwem angerempelt zu werden.

    Was irgendwelche Leute im Stadion schreien (und was die so oder so machen, sonst suchen die sich halt was anderes, was sie schreien) kann solchen Profis doch egal sein.

    Wenn ich deren Geld hätte, in deren Villenvierteln (oft sogar im Ausland) leben würde, etc. wäre mir herzlich egal, was irgendwelche gegnerischen Fans über mich denken oder mir von irgendwelchen Tribünen hinterherschreien.
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