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Heimkino

Nenn mich beim Sex Greta Garbo!

Der brasilianische Spielfilm "Greta" verhandelt ohne großes Aufheben schwule Sexualität und Fetischträume im hohen Alter. Die sehr poetische Geschichte von kleinen Freuden und großem Frust ist jetzt auf DVD und digital erschienen.


Der altgewordene Krankenpfleger Pedro (Marco Nanini) nimmt den jungen Patienten Jean (Démick Lopes) bei sich auf (Bild: GMfilms)

Gemeinhin denken viele bei Brasilien an Sonne und Samba, den Zuckerhut von Rio und fesche Latinos, die selbstbewusst und sonnengebräunt die Copacabana entlangflanieren. Diese Postkartenvorstellung ist die eine Seite der Medaille, die unser Bild vom fünftgrößten Land der Erde prägt, das unter dem jetzigen Präsidenten Bolsonaro einen hässlich-homophoben Drift bekommen hat.

Eine andere Seite führt uns der Regisseur Armando Praça mit seinem Langfilmdebüt "Greta" vor. Denn hier wird der Zuschauer relativ direkt in die ungeschönte Realität des schwulen Krankenpflegers Pedro (Marco Nanini) geworfen, der trotz seiner 70 Jahre immer noch sexuellen Eskapaden frönt – und dieser Pedro hängt gleichsam dem Fetisch nach, dass seine Lover ihn beim Sex Greta Garbo nennen sollen. Und ebenso wie die Garbo gibt er mithin die Diva, wenn er einerseits den Gekränkten mimt und sich andererseits kultiviert und erhaben gibt, was angesichts seines Backgrounds und dem Milieu, in dem er sich bewegt, tragikomisch daherkommt.

Zweckmäßiger Sex und der Wunsch nach Nähe


GMfilms hat "Greta" mit deutschen Untertiteln auf DVD und digital veröffentlicht

Der altgewordene Krankenpfleger nimmt den jungen Patienten Jean (Démick Lopes) auf, der mit einer Verletzung auf seiner Station lag und vor brutalen Schlägern flüchten muss, da er in irgendwelche semikriminellen Sachen verwickelt ist. Zwischen den beiden völlig ungleichen Männern entspinnt sich eine merkwürdige Beziehung, die zunächst zwischen zweckmäßigen Sex, einer gewissen Sprachlosigkeit und eine gehörigen Portion Gleichgültigkeit changiert. Demgegenüber steht wiederum der Wunsch Pedros nach Nähe, die er trotz seiner Abgeklärtheit in seinem Leben vermisst.

Armando Praças Film zieht seine Stärke keineswegs aus der Geschichte, sondern vielmehr aus der Poesie der einzelnen Szenen, die viel über das Leben und die Gefühle der Protagonisten erzählen. Wenn etwa Pedro in einer einzigen Einstellung die Wunde von Jean versorgt und man spürt, dass er dies nicht nur mit der berufsbedingten Professionalität ausübt, sondern mit einer Zugewandtheit, die den Hauch eines Begehrens erahnen lässt.

Erinnerungen an Almodóvar

Pedros schrullige, überzogene wie tuntenhafte Gebaren sind oft den bunten wie grellen Farbgebungen einzelner Sequenzen geradezu eingeschrieben – und erinnern an Almodóvar, dessen Figuren mit einer ähnlichen Exzentrik seinen Filmkosmos beherrschen. Jene gefühlsbetonten, lauten wie opulenten Bilder stehen im Kontrast dazu, wenn die Figuren an anderer Stelle in einer spröden Realität dargestellt werden, die die Charaktere in all ihrer Weltverlorenheit, Isolation und Lebensenttäuschung zeigt.

Eine berührende wie nachdenkliche Sidestory ist jene von Daniela (Denise Weimberg), der besten Freundin von Pedro. Sie ist todkrank und reiht sich als alternde wie desillusionierte trans Frau in das schräge Panoptikum ein. Ihre Auftritte zeugen von großer schauspielerischer Kunst, da sie das Theatralische wie Überspannte der Figur meisterhaft verkörpert.

"Greta" ist ein langsamer Film, der fein gearbeitet und mit viel Sinnlichkeit die Nuancen des Lebens beleuchtet; ein Film, der sich dem Unvermögen zum Glücklichsein ebenso widmet wie den kleinen Freuden des Lebens. Das Untergründige, Doppelbödige und Zwielichtige schwingt dabei immer mit. Und ohne Scheu oder großen Aufhebens verhandelt er das Vorhandensein von Sexualität und Körperbewusstsein im hohen Alter.

Vimeo / GMfilms OnlineLounge | Deutscher Trailer zu "Greta" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Infos zum Film

Greta. Drama. Brasilien 2019. Regie: Armando Praça. Mitwirkende: Marco Nanini, Denise Weinberg, Demick Lopes, Gretta Sttar, Robério Diógenes, Ednéia Tutti, Felipe de Paula, Fabiano Rocha, Fabíola Liper, Layla Sah, Junior Martins, Pedro Domingues, Fauller, Bruno Gomes, Galba Nogueira, Rodger Rogério, Amanda Mirage. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: portugiesische Originalfassung. Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch (optional). FSK 16. Verleih: GMfilms. Video-Veröffentlichung: 5. Juni 2020
Galerie:
Greta
16 Bilder


#1 DramaQueen24Profil
  • 05.06.2020, 06:32hBerlin
  • Habe den Film im Rahmen des "Teddy Awards" letztes Jahr gesehen. Für mich war der Film kein Highlight, sondern ein Film ohne wirklich gute Charakterzeichnungen und fehlender Wendepunkte. Da gab es bessere Filme auf der Berlinale.
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