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Regenbogen-Botschaft

Türkei: Boykott-Aufrufe gegen Decathlon nach Gruß zum Pride-Monat

Der Konzern betonte in sozialen Netzwerken sein Eintreten für Vielfalt – auf eine Empörungswelle reagierte er "geschockt", aber weiter "stolz".


Die angefeindete Botschaft vor einem Videoausschnitt aus einer türkischen Filiale

Mit einem positiven Statement zum Gay-Pride-Monat und zu Toleranz gegenüber Homo- und Transsexuellen hat die türkische Sektion des französischen Sportartikelherstellers Decathlon in der Türkei eine Welle von Boykott-Aufrufen ausgelöst. Unter dem Hashtag #DecathlonBoykot gaben am Freitag zahlreiche türkische Twitter-Nutzer ihrer Verärgerung über Decathlon Ausdruck. Der Konzern zeigte sich von den wütenden Reaktionen "geschockt" und bekräftigte seine Solidarität mit der queeren Community.

Decathlon hatte im Online-Netzwerk LinkedIn geschrieben, dass es in dem Unternehmen "Platz für alle Farben" gebe. Der Beitrag zeigte einen Regenbogen, das Symbol der queeren Bewegung, als Emoji und im Firmenlogo und war mit den Hashtags #Loveislove und #Pride versehen. "Unabhängig von sexueller Identität und Orientierung unterstützen wir Vielfalt und Inklusion in einem gleichberechtigten Arbeitsumfeld für alle", so der Eintrag weiter.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter gab es daraufhin wütende Reaktionen. Ein Nutzer schrieb: "Wir werden Decathlon nicht erlauben, in der Türkei Werbung für LGBT zu machen. Ich werde Decathlon boykottieren." Ein anderer warf dem Konzern "Heuchelei" vor, weil er vergangenes Jahr in Frankreich ein Kopftuch für Sportlerinnen nach Protesten zurückgezogen habe. "Wieso seid ihr gegenüber muslimischen Sportlern nicht so rücksichtsvoll?", schrieb ein weiterer Twitter-Nutzer.

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Konzern bleibt bei Botschaft

Decathlon wies die Boykott-Aufrufe zurück. "Die Reaktionen haben uns geschockt und traurig gemacht", twitterte der Sportartikelhersteller. Das Unternehmen sei gegen jede Diskriminierung, unabhängig von Religion, Sprache, sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. "Bei uns kann jeder er selbst sein, darauf sind wir stolz", so die auch bei Instagram verbreitete Mitteilung. Der Konzern verwies auf die Deklaration der Menschenrechte und plädierte: "Wir laden jeden ein, sensibler und inklusiver zu sein."

Twitter / DecathlonTurkey

Homosexualität wurde in der Türkei bereits 1858 legalisiert. Bis vor einigen Jahren hatte das Land eine große und stetig wachsende Pride-Bewegung, zum CSD in Istanbul kamen zeitweilig hunderttausende Menschen. Seit 2015 wurden CSD-Demonstrationen allerdings immer wieder verboten, Teilnehmer stießen auf Polizeigewalt und Festnahmen (queer.de berichtete). Während Regierung und Religionsvertreter immer häufiger gegen LGBTI hetzen (queer.de berichtete), steigt auch in den sozialen Netzwerken die anti-queere Stimmungsmache. So gab es erst vor wenigen Wochen Boykott-Aufrufe gegen Netflix, weil in einer vom Streaming-Dienst produzierten türkischen Teenager-Serie gerüchteweise eine schwule Rolle vorkommen sollte (queer.de berichtete). (nb/afp)



#1 gastAnonym
  • 07.06.2020, 11:11h
  • "Bis vor einigen Jahren hatte das Land eine große und stetig wachsende Pride-Bewegung, zum CSD in Istanbul kamen zeitweilig hunderttausende Menschen."

    Diese Aussage relativiert was wirklich mit gleichgeschlechtlichen Menschen in der Türkei geschah und geschieht. Sie werden bei Bekanntwerden von ihren Familien oft verstoßen, ja sogar ermordet. Traurige Beispiele gibt es genug.
    LGBTs waren von Istanbul bis ins anatolische Hinterland immer gefährdet.
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#2 ursus
  • 07.06.2020, 14:32h
  • Antwort auf #1 von gast
  • "Diese Aussage relativiert was wirklich mit gleichgeschlechtlichen Menschen in der Türkei geschah und geschieht."

    Eine einigermaßen verwirrende Aussage. Inwiefern relativiert die Erwähnung des Kampfes gegen Diskriminierung denn deren Ausmaß?

    Würdest du behaupten, dass auch die bloße Berichterstattung über deutsche CSDs die realen Diskriminierungen in Deutschland "relativiert"?
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#3 DramaQueen24Profil
  • 08.06.2020, 01:40hBerlin
  • Wenn es in einem Land mies läuft (wirtschaftlich, aber auch sonst) für einen diktatorischen Regierungschef, müssen Sündenböcke zur Ablenkung her. Nichts anderes ist das, was hier geschieht.
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