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Wahlkampf
Pornostar outet Trump-treuen Senator
Bestellt sich ein LGBTI-feindlicher Republikaner gerne Stricher in sein Büro? Ein Pornostar und Callboy deutet das an und will den Senator mit dem Outing aus dem Parlament fegen.

Sean Harding (li.) steht gewöhnlich für Label wie Extra Big Dicks, PrideStudios oder Raging Stallion vor der Kamera. Lindsey Graham (re.) ist seit 2003 Mitglied im US-Senat (Bild: PrideStudios / United States Congress)
- 8. Juni 2020, 12:53h 4 Min.
Pornodarsteller Sean Harding ("Hot DILFs in Action") hat am Freitag indirekt den LGBTI-feindlichen republikanischen US-Senator Lindsey Graham geoutet, einen der einflussreichsten Parlamentarier in Washington. Demnach soll der 64-jährige Chef des mächtigen Rechtausschusses gerne männliche Sexarbeiter zu sich rufen. Das Outing sorgte am Wochenende für großen Wirbel in den sozialen Medien und wurde teilweise von LGBTI-Aktivisten begrüßt. Massenmedien ignorierten die Geschichte jedoch fast vollständig.
Wörtlich schrieb Harding, der selbst als Escort arbeitet: "Es gibt einen homophoben republikanischen Senator, der nicht besser als Trump ist und immer wieder Gesetze beschließt, die die LGBT-Community und andere Minderheiten beschädigen. Jeder Sexarbeiter, den ich kenne, wurde von diesem Mann angeheuert. Ich frage mich, ob wir – wenn wir genug zusammenkriegen – ihn aus dem Parlament jagen können." Wenige Minuten später rief er in einem weiteren Tweet Kollegen auf, ihm zu folgen: "Ich kann das nicht alleine tun. Wenn ihr willens seid, mit mir gegen LG vorzugehen, lasst es mich bitte wissen."

Der einzige US-Senator mit den Initialien L.G. ist Lindsey Graham aus South Carolina. Er gilt als einer der LGBTI-feindlichsten Republikaner im Parlament – so hat er unter anderem für ein Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen in der US-Verfassung gestimmt, lehnt Antidiskriminierungsschutz für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten kategorisch ab und setzt sich dafür ein, dass homosexuellen Paare die Adoption erschwert wird. Graham gilt derzeit als einer der engagiertesten Anhänger von Präsident Donald Trump, der den Staatschef gegen jedweden Vorwurf mit Inbrunst verteidigt ("Ich habe nie gehört, dass Trump auch nur ein rassistisches Wort gesagt hat – nicht mal annähernd").
Harding erklärte gegenüber dem schwulen Porno-Blog "Str8UpGayPorn", dass er sich Sorgen um Verleumdungsklagen mache. Daher wolle er möglichst viele Kollegen auf seiner Seite haben, "um einen von Trumps Handlangern zu Fall zu bringen".
Graham ist bereits seit 2003 US-Senator. Er war Nachfolger des Hardliners Strom Thurmond, der Grahams Kandidatur kurz vor seinem Tod im Alter von 100 Jahren enthusiastisch unterstützte. Thurmond war besonders für seine Unterstützung der Rassentrennung bekannt – 1957 sorgte er für Schlagzeilen, als er ein Bürgerrechtsgesetz durch Dauerreden im Plenum verhindern wollte ("Filibustering"). Das Gesetz wurde zwar trotzdem verabschiedet, seine 24 Stunden und 18 Minuten lange Rede ist aber bis heute Rekord.
Immer wieder Homo-Gerüchte um Lindsey Graham
Über die sexuelle Orientierung des Junggesellen Graham gibt es seit Jahren Spekulationen. TV-Komiker ahmen gerne seinen exaltierten Südstaatenakzent und seine affektierten Gesten nach – und deuten oft an, dass der Senator homosexuell sein könnte. Wenig hilfreich ist auch, dass Graham mit Lindsey einen Vornamen hat, der gewöhnlich als weiblich angesehen wird. Immer wieder fordern auch Stars den Senator zum Coming-out auf, vergangenes Jahr etwa Musicallegende Patti LaPune oder ein Jahr zuvor Komikerin Chelsea Handler.
/ PattiLuPoneLindsey Graham you are a disgrace. On a personal note, why dont you just bite the bullet and come out. You might just come to your senses.
Patti LuPone (@PattiLuPone) July 18, 2019
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/ chelseahandlerIf youre wondering why Republicans took a sick day today, its probably because its #NationalComingOutDay. Looking at you @LindseyGrahamSC
Chelsea Handler (@chelseahandler) October 11, 2018
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LGBTI-Aktivst*innen zeigten sich gespalten darüber, ob die Spekulationen über Graham etwas Positives sind. Viele sehen diese als homophob an, da der Politiker wie alle anderen Menschen auch ein Recht auf Privatsphäre habe und – sollte er homosexuell sein – selbst entscheiden dürfe, ob er über seine sexuelle Orientierung offen spricht. Andere verweisen auf die homo- und transphoben Gesetze und Initiativen, die Graham unterstützt. In einem solchen Fall gehe ein Outing gegen den Willen des Betroffenen in Ordnung, weil er offensichtlich mit seiner Homophobie die eigene sexuelle Orientierung überspielen wolle und sich und anderen schade.
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Dan Savage unterstützt Graham-Outing
Im aktuellen Fall erhielt Harding Unterstützung vom bekannten LGBTI-Aktivisten Dan Savage, der unter anderem das "It Gets Better"-Projekt ins Leben gerufen hatte. Der 55-Jährige schrieb auf Twitter: "Outings sind eine brutale Taktik, die nur bei Wüstlingen angewendet werden sollte. Lady G hat sich dafür mehr als qualifiziert." Lady G ist ein beliebter Spitzname von Graham-Gegnern – diese Bezeichnung trendete am Wochenende bei Twitter.
/ fakedansavageOuting is a brutal tactic that should be reserved for brutes. Lady G more than qualifies.
Dan Savage (@fakedansavage) June 5, 2020
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Graham könnte eine Outingwelle durchaus Schaden zufügen. Immerhin ist Prostitution im gesamten Land (mit der Ausnahme von Nevada) untersagt – er hätte sich also formal strafbar gemacht. Andererseits hat seine Partei gleichgültig auf Vorwürfe von sexuellem Missbrauch gegen Präsident Donald Trump oder Vergewaltigung gegen Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh reagiert. Allerdings waren diese Vorwürfe von Frauen erhoben worden – der Aspekt Homosexualität macht aber laut Umfragen vielen republikanischen Wähler*innen größere Sorgen. Im November muss sich Graham wieder der Senatswahl stellen. Bei der letzten Wahl 2014 schlug Graham seinen demokratischen Herausforderer deutlich mit 55 zu 39 Prozent.
Viele Demokraten hoffen, dass sie einen ähnlichen Coup wie 2017 in Alabama erreichen könnten: Damals schlug der Demokrat Doug Jones in dem extrem konservativen Bundesstaat den homophoben Republikaner Roy Moore nach einem Sexskandal (queer.de berichtete). In South Carolina konnte zuletzt 1998 ein Demokrat eine Senatswahl gewinnen. Der Bundesstaat stellte bis zur Supreme-Court-Entscheidung "Lawrence v. Texas" im Jahr 2003 Homosexualität unter Strafe.
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Die republikanische Fraktion im Senat umfasst derzeit 53 Mitglieder, die demokratische Fraktion stellt 47 Mitglieder. Alle zwei Jahre muss sich ein Drittel der Senatoren der Wiederwahl stellen. Die Demokraten rechnen sich dieses Jahr gute Chancen aus, im November die Mehrheit zurückzuerobern. Zuletzt gewann die heutige Oppositionspartei im Jahr 2010 die Mehrheit der Sitze. (dk)













