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Podcast

"Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen"

Im neuen QUEERKRAM-Podcast spricht Johannes Kram mit dem schwulen Berliner Schauspieler und Regisseur Pierre Sanoussi-Bliss über Rassismus, seine nachhaltige Begegnung mit Angela Merkel und die Ursachen der fehlenden Vielfalt im deutschen Film.

Podigee-Direktlink | Die achte Folge (61 Min.)

Das Dilemma bringt Pierre Sanoussi-Bliss auf den Punkt: "Das ist ein rassistisches Gespräch", knallt er seinem Gesprächspartner Johannes Kram an den Kopf. Weil der für seinem achten Podcast erstmals einen schwarzen Gast eingeladen hat, um mit ihm – nicht nur, aber auch – über Rassismus zu reden.

Der Vorwurf ist berechtigt, das weiß auch Kram. Andererseits kann man Rassismus nur bekämpfen, wenn man die Strukturen erkennt und benennt. Und wenn man Menschen, die Opfer von Rassismus sind, eine Stimme gibt. So endete der Podcast auch nicht vorzeitig im Eklat, sondern entwickelte sich zu einem erhellenden, sehr spannenden und konstruktiven Gespräch.

"In der Straßenbahn bleibt der Platz neben mir immer bis zuletzt frei"


Pierre Sanouissi-Bliss. Jahrgang 1962, ist der Sohn eines guineischen Diplomaten und einer damals in der DDR lebenden Lehrerin (Bild: Detlef Eden)

Sanoussi-Bliss, der vor allem durch die Rolle des Orfeo in Doris Dörries Kinofilm "Keiner liebt mich" und als Kommissar Axel Richter in der ZDF-Serie "Der Alte" bekannt ist, zeigt offen seine Resignation. Für ihn ist die Bundesrepublik im Jahr 2020 noch genauso rassistisch wie er sie als Ostdeutscher nach der Wiedervereinigung erlebt hat: "In der Straßenbahn bleibt der Platz neben mir immer bis zuletzt frei."

Seine "Überlebensstrategie" sei, sich nicht mehr groß darüber aufzuregen, erzählt er. Er sei einfach müde. Auch auf Solidaritätsaktionen wie schwarze Facebook-Profilbilder nach dem Mord an George Floyd kann er verzichten: "Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen."

Als schwarzer Schauspieler, der vor der Coronakrise viel im Theater zu sehen war, seien ihm seit über fünf Jahren keine TV-Rollen mehr angeboten worden, berichtet er im Podcast und kritisiert die fehlende Vielfalt im deutschen Film und Fernsehen, wo ein "Traumschiff"-Kapitän automatisch weiß sein müsse. Damit sich etwas ändert, sollten Fördermittel und Filmpreise an die Einhaltung von Diversitätsvorgaben geknüpft werden, schlägt er vor. Und verrät für diesen Fall auch seine persönliche Traumrolle.

Der Kanzlerin blieb Sanoussi-Bliss im Gedächtnis

Dass Pierre Sanoussi-Bliss doch etwas bewirken kann, zeigte sich im März, als Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz überraschend über schwarze Schauspieler sprach, die immer nur Kriminelle spielen dürften, aber niemals einen Bürgermeister. Genau darüber hatte sich Pierre Sanoussi-Bliss 14 Jahre zuvor beim ersten Integrationsgipfel in ihrer Anwesenheit beklagt.

Im Podcast spricht der 57-Jährige auch erstmals über seine zweite Begegnung mit der Kanzlerin, ein Jahr später beim Folgegipfel 2007, an die sie sich vielleicht ebenfalls erinnern könnte. Er habe die Veranstaltung wütend verlassen wollen, erzählt er, sei aber von Merkel zum Bleiben aufgefordert worden…

Podigee-Direktlink | Die achte Folge (61 Min.)

Zum Auftakt von QUEERKRAM hatte Johannes Kram Ende Februar Theaterregisseur Falk Richter und Schauspieler Jonas Dassler zu Gast. In der zweiten Folge sprach er mit trans Bundeswehrsoldatin Anastasia Biefang, anschließend mit dem schwulen Comic-Papst Ralf König., den lesbischen Journalistinnen Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler dem "Lindenstraße"-Schauspieler Georg Uecker, der Ex-Chefredakteurin der Deutschen Welle Ines Pohl sowie zuletzt mit dem Schlagersänger Patrick Lindner.

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#1 DabielAnonym
  • 09.06.2020, 14:27h
  • Ich kämpfe grundsätzlich für gleiche Chancen und Menschenrechte.

    Sätze wie das mein Leben auch zählt, müssen weiße mir nicht sagen finde ich extrem unsympathisch!
    Sie sind ein Schlag ins Gesicht, für alle Menschen die sich für andere einsetzen!
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#2 Pink FlamingoAnonym
  • 09.06.2020, 15:19h
  • Antwort auf #1 von Dabiel
  • Aber den Hintergedanken bei solch einer Aussage hast Du offensichtlich schon verstanden, oder? Ich schon. Zudem finde ich, hat besonders er alles recht dazu, so etwas in den Raum zu stellen.
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#3 Opa JörgAnonym
  • 09.06.2020, 15:56h
  • Hat jetzt irgendjemand verstanden, was er eigentlich will? Dass niemand seine Hautfarbe sieht? Wahrscheinlich ist es jetzt seiner Meinung nach auch schon wieder rassistisch, wenn man ihn für eine frustrierte Krawallschachtel hält. Wohin führt denn so ein Genörgel, wenn er auf Johannes Nachfrage nicht im Ansatz bereit ist zu erklären, was ihn eigentlich stört. Ich habe den Podcast als Zeitverschwendung empfunden, als langweilige Wutbürgerei.
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#4 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 09.06.2020, 15:58h
  • Auch auf mich macht das den Eindruck, als dürfe man sich jetzt nicht mal mehr solidarisieren.

    Leider gibt es in den letzten Jahren ja den Trend, dass angeblich nur noch DIREKT Betroffene das Recht haben, von etwas zu reden. Menschen, die indirekt oder vergleichbar betroffen sind, wird unterstellt, sie gehörten nicht dazu und sollten sich gefälligst raushalten.

    Ich bin da noch Anhänger_in der alten Schule der Solidarität, in der es gerade darum ging/geht, sich mit ANDEREN zu solidarisieren und nicht nur mit Menschen der "eigenen" Gruppe.

    Ich kann den Einwand einerseits dennoch verstehen - stößt es mir doch auch sauer auf, wenn eine Heteroperson im Fernsehen über uns sagt "das sind ja schließlich auch Menschen". Und sowas höre ich jedes Jahr wieder anlässlich irgendeiner CSD-Berichterstattung.

    Aber wenn ich "Black Lives Matter" schreibe, sage oder auch schreie, meine ich damit NICHT, dass Schwarze "ja AUCH Menschen" seien. Und ich stelle mich als Weiße_r schon gar nicht "über" sie. Sondern ich schließe mich damit deren eigener Bewegung an.

    Nähere Infos zu BLM:

    blacklivesmatter.com/

    Wir brauchen eine generelle Solidarisierung Marginalisierter, und nicht eine weitere Abgrenzung. Wir dürfen und nicht von der bewährten Herrschaftsstrategie "Divide Et Impera" noch mehr entzweien lassen.
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#5 audeasAnonym
  • 09.06.2020, 16:03h
  • Antwort auf #1 von Dabiel
  • Schwarze Menschen und PoC sind Ihnen nicht verpflichtet, den strukturellen Rassismus, von dem Sie als Priviligierter zulasten derer profiertieren, Ihnen so bekömmlich wie möglich zu machen und Sie dabei mit Samthandschuhen anzufassen.

    Dass Sie sofort mit Empörung reagieren und in die Defensive gehen, offenbart bereits, worum es Ihnen dabei wirklich geht (Hinweis: Es sind nicht die Rechte von Rassismus Betroffenen). Googeln Sie doch mal "White fragility" / " Weiße Fragilität".
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#6 blahblahblahAnonym
#7 Ralph
  • 09.06.2020, 16:23h
  • Eine Minderheit wird niemals voll akzeptiert, wenn sich dafür nicht auch Angehörige der Mehrheit einsetzen. Wenn Pierre Sanoussi-Bliss das brüsk zurückweist, hat er nicht verstanden, wie Solidarität funktioniert, ja er versteht nicht einmal, dass sich der Satz, dass schwarze Leben zählen, gar nicht an Schwarze, sondern an weiße Rassisten richtet. Im Übrigen kann ich auch seine Feststellung, dass der Platz nehmen einem Schwarzen in öffentlichen Verkehrsmitteln immer bis zuletzt frei bleibe, nicht bestätigen. Ich sehe sehr wohl Weiße sich neben Schwarze setzen, obwohl andere Plätze frei wären. Mag sein, dass es da regionale Unterschiede gibt. Meine Erfahrung sammle ich insoweit in München. - Übrigens nehme ich bei mir eine Verhaltensänderung wahr. In jüngster Zeit reden Schwarze in Fernsehdiskussionen gehäuft davon, dass sie von Weißen angeglotzt werden und wie kränkend sie das empfinden. Ich merke, dass ich mir angewöhne, auf der Straße an Schwarzen vorbeizusehen, als wären sie nicht da, und nur noch Weißen ins Gesicht zu schauen. So kann's doch auch nicht richtig sein. Es scheint an der Zeit zu sein, den Satz zu sagen: Weiße sind nicht automatisch alle Rassisten.
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#8 Miguel53deProfil
  • 09.06.2020, 17:24hOttawa
  • Ist schon irgendwie merkwürdig, wenn weiße Diskutanten einem Schwarzen erklären, was er zu empfinden, denken und sogar zu erfahren hat.

    Man kann das nicht einfach hinnehmen und sagen, ok. Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

    Mir fällt gerade ein, dass bei Meischberger über Rassismus diskutiert wird. Und Dassler erst am Schluss aufgeht, dass gar kein Vertreter der davon Betroffenen eingeladen war. Also wird noch schnell eine schwarze Expertin zugeschaltet, die einen Beitrag leisten darf.

    Immerhin 8 volle Minuten! Von einer Sendezeit von 72...

    Oder wie es der Leiter einer Diskussion über die Rechte von Frauen auf den Punkt bringt: Bevor wir Herren jetzt in die Diskussion einsteigen, bringt Fräulein Müller uns sich noch eine Runde Kaffee.

    Kommt mal runter vom hohen Pferd Leute. Reden ist bekanntlich Silber. Und manchmal ist Schweigen wirklich Gold.

    Es ist noch ein langer Weg. Oder, wie es Einer hier ausdrückt, Minderheiten werden immer unterdrückt. Tja. Manchmal auch von anderen Minderheiten.
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#9 Still_Ith
  • 09.06.2020, 18:00h
  • So viele Kommentare hier, aus denen das Privileg bloß so schreit.

    Was "Müdigkeit" ist, begreift ihr einfach nicht. Und wer mehr als die Überschrift gelesen hätte, sollte eigentlich bemerken können, dass es dabei nicht um Kritik an Solidarität geht, sondern um Kritik an der Heuchelei; an Solidarität als Hype, die eigentlich einfach keine ist, andernfalls gäbe es sie immer und hätte sie schon immer gegeben.

    Viele Kommentare hier machen einfach nur das: Müde.

    Und belegen, wieso es Betroffene sind, die das Wort haben sollten.

    Der Aspekt daran, der über die Ignoranz hinausgeht, ist dann schon drastischer: Wie dringend es nötig ist, Betroffene anzuhören, offenbart sich in jedem Kommentar, der reflexartig dagegen ankämpft, auf einmal Dinge hören/lesen/ertragen zu müssen, die Mit-Privilegierte ihm*ihr dankenswerterweise ersparen.
    Wenn Betroffene schon das Wort bekommen, haben sie gefälligst zu erzählen, was ihre White Saviours hören wollen. Andernfalls isses dann ggf. halt das letzte Mal, dass man sie eingeladen hat.

    Dass darin gleichzeitig bereits die Forderung steckt, gefälligst unter sich bleiben, ausschließen, verstummen lassen zu dürfen, wird dabei wohl eher selten reflektiert. Trotzdem dürften die wenigsten der so Schreibenden damit einverstanden sein, wenn man darauf hinweist, dass dieses ihr Verhalten rassistisch ist, unterdrückend und ausgrenzend, und das Gegenteil von solidarisch.

    Und lustigerweise macht gerade diese Heuchelei zumindest im Alltag meiner Trans*-Diskriminierung einen ganz wesentlichen Faktor vom eingangs Besprochenen aus. Dieser Müdigkeit. In der du irgendwann einfach keine Lust mehr hast, dich überhaupt mit Leuten abzugeben, die in deinen Schuhen nie laufen mussten.

    Ich bilde mir jedenfalls ein, Parallelen zu sehen. Ich kann wohl nicht anders als PoC zu mögen. Wenigstens wissen viele von ihnen, was Privilegien sind. Und zwar in der Realität statt bloß in theoretischen Diskussionen.
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#10 RuferInDerWuesteEhemaliges Profil
  • 09.06.2020, 18:01h
  • Antwort auf #8 von Miguel53de
  • Sich mit einer anderen marginalisierten Gruppe zu solidarisieren, heißt noch lange nicht, einzelnen Mitgliedern dabei vorschreiben zu wollen, was sie zu fühlen haben.

    In Zeiten des galoppierenden Rassismus werde ich nicht jetzt plötzlich meinen Mund halten, weil jemand mir meine Solidarität verbieten will.

    Wie ich schon betonte, ist der gemeinsame Kampf wichtig. Wenn wir uns auch noch gegenseitig bekriegen, haben die Unterdrücker schon gewonnen.

    Das gilt übrigens auch für Schwule und Lesben, Schwule und Trans*, etc. etc.
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