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Heimkino

Ein visueller Genuss: "Penny Dreadful: City of Angels"

Auch der L.A.-Ableger der legendären Gruselserie gibt sich ein bisschen queer. "Game of Thrones"-Star Natalie Dormer überzeugt u.a. als bisexuelle Freiheitskämpferin Rio. Jetzt auf Sky!


Auch das Übersinnliche ist präsent: Lorenza Izzo als Todesgöttin Santa Muerte (Bild: Warrick Page / Showtime)
  • Von Patrick Heidmann
    10. Juni 2020, 06:24h, noch kein Kommentar

Die Quoten waren nie überragend und die mediale Aufmerksamkeit beschränkte sich meist auf Eva Green. Doch die Fangemeinde von "Penny Dreadful" war leidenschaftlich genug, um die Gruselserie von 2014 an über drei Staffeln zu tragen. Und nun sogar zu einem verspäteten Ableger zu führen, abermals verantwortet von John Logan, von dem seit 8. Juni wöchentlich eine neue Folge auf Sky Atlantic HD zu sehen sowie Sky Ticket, Sky Go und über SkyQ abrufbar ist.

Vom viktorianischen England, das direkt den im 18. Jahrhundert populären Groschenromanen mit ihren Horror- und Fantasy-Geschichten entsprungen ist und von Dr. Frankenstein, Dorian Gray, Dracula und Co. bevölkert wird, könnte "Penny Dreadful: City of Angels" allerdings kaum weiter entfernt sein. Wir befinden uns im sich rasant verändernden Los Angeles der 1930er Jahre, wo ein neuer Highway gebaut und die mexikanisch-stämmige Bevölkerung noch weiter an den Rand gedrängt werden soll.

Tiago Vega (hübsch, aber hölzern: Daniel Zovatto) hat es als erster Latino der Stadt zum Polizei-Detective gebracht und landet gemeinsam mit seinem abgebrühten Partner (Nathan Lane, mal ganz un-exaltiert) prompt auf einem Mordfall, der mit okkulten Ritualen genauso zu tun haben könnte wie mit den sozialen Spannungen der Stadt, in die auch Tiagos Brüder verwickelt sind.

Natalie Dormer spielt gleich vier Rollen


Poster zur Serie: Jeden Montag gibt es seit dieser Woche auf Sky eine neue Folge von "Penny Dreadful: City of Angels"

Das Übernatürliche ist natürlich auch dieses Mal präsent, nicht nur dank Santa Muerte, der vor allem in Mittelamerika als Beschützerin der Verstorbenen verehrten Todesgöttin. Ihr schwesterliches Gegenstück ist in "Penny Dreadful: City of Angels" die von sehr viel düsteren Absichten getriebene Dämonin Magda, die unterschiedliche Gestalt annehmen kann, weswegen "Game of Thrones"-Star Natalie Dormer hier nicht nur eine, sondern gleich vier verschiedene Rollen spielt.

Von allem ein bisschen zu viel, das scheint auch sonst das Motto von Showrunner Logan zu sein, der sich von einigen sehr reizvollen Geschichten durch viel zu viele Themen und Handlungssträngen gehörig ablenken lässt. Denn es geht hier nicht nur um Rassismus, Los Angeles im Wandel und die Aufklärung eines Verbrechens, sondern beispielsweise auch um deutsche Nazi-Machenschaften in den USA (Auftritt: Thomas Kretschmann) oder evangelikalen Fanatismus. Und natürlich wird auch, wie sich das dieser Tage – von "Hunters" bis "Hollywood" – gehört mit historischen Fakten gespielt und alternative Geschichtsschreibung betrieben.

Bisexuelle Freiheitskämpferin, erpressbare Klemmschwester

Das Queere, das damals in der ersten "Penny Dreadful"-Serie dank Dorian Gray oder der trans Prostituierten Angelique (gespielt vom schwulen cis Mann Jonny Beauchamp) sehr präsent war, ist nun auch im Ableger nicht komplett verschwunden. Eine von Dormers Figuren ist die bisexuelle Freiheitskämpferin und Chicano-Gang-Anführerin Rio, die in einem queeren Club nicht nur Salsa tanzt. Eher verzichtbar dagegen: das abgenutzte Klischee des unsympathischen Antagonisten als erpressbarer Klemmschwester.


Natalie Dormer als Rio (Bild: Warrick Page / Showtime)

Als echtes Highlight erweist sich in "Penny Dreadful: City of Angels" allerdings eher die Optik: Was Ausstattung oder Kostüme angeht, kann sich die Serie visuell ohne Frage sehen lassen. Zu schade, dass sie – vor allem verglichen mit dem Original – nie wirklich spannend oder unheimlich wird.