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England

Rassismusdebatte: Statue des homophoben Pfadfinder-Gründers soll entfernt werden

Im Zuge der weltweiten Anti-Rassismus-Proteste bringen die Behörden nun die Statue von Robert Baden-Powell in Sicherheit. Der rassistische und homophobe Gründer der Pfadfinderbewegung soll heimlich schwul gewesen sein.


Robert Baden-Powell, hier in einem Gemälde von Hubert von Herkomer, war nicht nur der Erfinder der weltweiten Pfadfinderbewegung, sondern fiel durch rassistische und homophoben Äußerungen auf

Eine Statue des Gründers der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell (1857-1941), soll aus Sorge vor Beschädigung vorübergehend entfernt werden. Das teilte der Bezirksrat der Gemeinden Bournemouth, Christchurch und Poole am Donnerstag mit. Das Denkmal am Hafen von Poole in der südenglischen Grafschaft Dorset stehe auf einer Liste möglicher Ziele von Rassismusgegner*innen, hieß es zur Begründung.

Baden-Powell wird vorgeworfen, rassistische und homophobe Ansichten vertreten sowie freundschaftliche Beziehungen zu Vertretern der Hitlerjugend unterhalten zu haben – laut vor zehn Jahren freigegebenen Akten des britischen Geheimdienstes MI5 soll er deshalb sogar von Adolf Hitler eingeladen worden sein. Zudem werden Baden-Powell Kriegsverbrechen in Simbabwe während seiner Zeit im britischen Militär angelastet: Er soll an der unrechtmäßigen Hinrichtung von Kriegsgefangenen bei der Niederschlagung eines Aufstands der heimischen Bevölkerung beteiligt gewesen.

Direktlink | In Großbritannien ist ein Kulturkampf um die Statue ausgebrochen

Seine Idee für die Pfadfinderbewegung hatte er im Krieg erhalten: Baden-Powell war Ende des 19. Jahrhunderts als Offizier für das britische Empire gegen die Buren im südlichen Afrika im Einsatz. Dort kam er auf die Idee, Kinder als Späher, Botschafter und Fährtenleser einzusetzen. Zurück in England entwickelte er daraus die Pfadfinderbewegung, die jungen Menschen bei Aktivitäten im Freien die Gelegenheit geben soll, selbst Verantwortung zu übernehmen. In Poole veranstaltete er 1907 das erste Pfadfinder-Lager. Die Bewegung hat inzwischen weltweit viele Millionen Anhänger, die in unterschiedlichen Verbänden organisiert sind.

Kommunalpolitikerin Corrie Drew von der Labour-Partei erklärte im BBC-Frühstücksfernsehen, Baden-Powell sei "sehr offen über seine Ansichten gegen Homosexualität, ein sehr offener Unterstützer von Hitler und Faschismus sowie ein Rassist" gewesen und habe seine Meinungen offen verkündet. Man könne diese "schockierenden Ansichten" nicht entschuldigen, weil sie so lange her seien. "Es gab damals viele Menschen, die diese Werte nicht geteilt haben", so Drew. Weiter sagte sie, dass man sich an die positiven Errungenschaften Baden-Powells erinnern könnte, ohne seiner persönlich zu gedenken.

Twitter / BBCBreakfast

Heute spekulieren Forschende allerdings darüber, ob Baden-Powell selbst homosexuell gewesen war und mit seiner Homophobie seine eigene sexuelle Orientierung überspielte. Biograf Tim Jeal erklärte nach Angaben der BBC: "Er war schwul und hat es unterdrückt." Männer waren für ihn wunderschön, aber er war kein Romantiker und kein praktizierender Homosexueller." In nach seinem Tod aufgetauchten Briefen und Telegrammen gibt es aber auch Andeutungen, dass er mehr als nur platonisch mit Männern befreundet gewesen war. Seinem Freund Major Kenneth McLaren schrieb er etwa 1901, dass er sich mit ihm "incognito" treffen wolle – manche Forschende glauben, der Brief beweise, dass die beiden ein heimliches Paar waren.

Im Zuge der Proteste gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd hatten Demonstranten am vergangenen Wochenende in Bristol die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston (1636-1721) vom Sockel gerissen und ins Hafenbecken geworfen. Die Skulptur wurde inzwischen geborgen und soll nun in einem Museum aufgestellt werden, wie der Bezirksrat von Bristol City mitteilte. Auch in Oxford und anderen Städten wurden Forderungen laut, Denkmäler umstrittener Persönlichkeiten aus der Kolonialzeit zu entfernen. (dpa/cw)



#1 DieterBremenProfil
#2 Ralph
  • 12.06.2020, 10:41h
  • Ich habe dieser Tage im Fernsehen erfahren, dass in Belgien noch immer mehrere Statuen des Völkermörders Leopold von Sachsen-Coburg, einst König Belgiens und Privateigentümer eines gigantischen Grundstücks in Afrika, das die heutige "Demokratische" Republik Kongo umfasst, stehen. Er repräsentiert die grausamste und barbarischste Form des Kolonialismus. Er trieb es so schlimm, dass zu seiner Beerdigung 1908 kein einziger europäischer König erschien, ein beispielloser Vorgang. Sogar unter seinesgleichen wollte niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben. Eine Schande für das belgische Volk, diesen Jahrhundertverbrecher weiter zu ehren.
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#3 saltgay_nlProfil
  • 12.06.2020, 10:43hZutphen
  • Es ist immer problematisch Menschen zu Ikonen zu erheben. Oliver Baden-Powell war natürlich seiner Zeit verpflichtet. Die wirkliche Rolle als Gründer der weltweiten Pfadfinderbewegung, die erst später durch seine Schwester mit den Pfadfinderinnen komplettiert wurde, mag sicherlich überschätzt werden. Seine schriftlichen Äußerungen zum Zusammenleben aller Völker dieser Welt und sein Wunsch in Afrika bestattet zu werden, zeugt eher nicht von Rassismus, da viele Rituale in der Bewegung ihren Ursprung in den Gebräuchen der afrikanischen Bevölkerung besitzen. Auch das Dschungelbuch von Rudyard Kipling, welches als Basis für die Kinderarbeit in der Wölflingsstufe dient, deutet nicht auf rassistisches Gedankengut hin. Doch es ist typisch für das Pfadfinderwesen, dass es sich in jedem Land nach anderen Traditionen entwickelt hat. Es gibt nur eine überschaubare Anzahl von Regeln und Ritualen, die für Alle verpflichtend sind.

    Allerdings ist der Begriff "Pfadfinder" nicht geschützt. Jeder kann also eine Jugendgruppe gründen, die sich Pfadfinder nennen darf. Die international anerkannten Bünde werden im Büro der WOSM bzw. der WAGGS registriert. In Deutschland sind es nur vier. Die anderen Kraut-und-Rüben scouts sind nicht anerkannt.

    Aber ein Beispiel für die Vielfalt seien die polnischen Pfadfinder, die unbeachtet der sozialistischen VR Polen ihre Arbeit fortsetzten nach dem Krieg bis heute.

    Dass die Nazis mit ihrer "Jugendarbeit" das Pfadfindertum kopierten, hängt mit der deutschen Geschichte zusammen. Die ersten deutschen Pfadfinder standen unter militärischer Obhut und waren bürgerlich bis ins Mark, typische nationalistische Reaktionäre, die erst im 1. Weltkrieg in den Materialschlachten zur Besinnung kamen.

    Für die Nazis war diese Struktur der selbstständigen Kleingruppe ideal, sie pervertierten die Idee munter und sind bis heute leider nicht die Einzigen gewesen. Dies aber Oliver Baden-Powell in die Schuhe zu schieben, das ist nun wirklich historisch nicht haltbar.
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#4 Ralph
  • 12.06.2020, 11:00h
  • Antwort auf #3 von saltgay_nl
  • Dass der Mann in Afrika bestattet sein wollte, spricht nicht gegen die Annahme, er sei Rassist gewesen. Vielmehr kann es auch dafür sprechen, die Herrschaft des weißen Mannes über den schwarzen Kontinent zu dokumentieren. Auch der große Kolonialist und Afrika-Ausbeuter Cecil Rhodes ließ sich in Afrika beisetzen - in dem Land, dem er sogar seinen Namen gegeben hatte. Die Beerdigung im eroberten Land ist die äußerste Manifestation, dass man gekommen sei, um zu bleiben.
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#5 audeasAnonym
  • 12.06.2020, 11:02h
  • Sehr guter erster Schritt. Als nächstes auf alle rassistischen Denkmäler ausweiten und dann kommen die Straßennamen dran!
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#6 KcinAnonym
  • 12.06.2020, 11:10h
  • Hm, warum stehen überall auf der Welt noch Statuen von Diktatoren, Faschisten, Freunden des Faschismus, Sklavenhändlern und Generälen gegen die Freiheit?
    Die Bismarck-Statue in Hamburg finde ich auch ziemlich scheiße. Ein Typ, der aktiv Sozialisten, Katholiken und andere Gruppen marginalisiert hat und ein unverholhlener Kriegstreiber war, der auf Zivilisten hat schießen lassen...
    Warum nicht Rosa Luxemburg oder Mitglieder der Friedensbewegung?Solange Amis die Südstaaten verherrlichen, die Briten ihre Kolonialvergangenheit, die Deutschen nur Hitler hassen, Bismarck, die Kaiser, Friedrich II etc. aber noch abfeiern, finden wir keinen Frieden mit unserer gewaltvollen Vergangenheit.
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#7 Carsten ACAnonym
  • 12.06.2020, 11:23h
  • Ich finde, dass generell alle Statuen, Denkmäler, Straßenbezeichnungen, etc. von Rassisten, Homohassern, etc. entfernt werden sollten.

    Wieso soll man solche Personen auch noch ehren?

    Hier in Aachen ist z.B. beim Tod von Papst Johannes Paul II. eine Straße nach ihm benannt worden. Dabei hat der zu Lebzeiten ständig gegen Schwule und Lesben gehetzt und ist mit seiner Position zu Kondomen auch mitschuldig für die weitere Ausbreitung von AIDS in unterentwickelten, aber streng gläubigen Dritte-Welt-Staaten Afrikas und Asiens.

    Wieso soll man den auch noch ehren.

    Ich hatte schon damals alle Aachener Fraktionen darauf angeschrieben, aber entweder gab es keine Antwort oder nur Blabla über seine "Verdienste", etc.

    Lächerliche Ausreden...

    Solche Leute sollten nicht auch noch geehrt werden - weder mit Straßennamen, Denkmälern, Gedenktafeln oder wie auch immer...
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#8 TimbercomProfil
  • 12.06.2020, 12:18hHamburg
  • Das kann nur ein erster Schritt sein. Auch die rassistischen Standpunkte von Karl Marx und Che Guevara müssen endlich Folgen haben.
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#9 Pink FlamingoAnonym
  • 12.06.2020, 14:38h
  • Antwort auf #5 von audeas
  • Sehr gute Idee mit all den vielen ungebührlichen Straßennamen. Allein in Berlin gibt es so manche davon. Die Mohrenstraße in Bln. Mitte z.B. sollte schon lange unter lauten Protest geändert werden. Nichts geschah seitdem.
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#10 AaronBlnAnonym
  • 12.06.2020, 16:21h
  • Antwort auf #7 von Carsten AC
  • Dann aber unbedingt auch Karl Marx nicht vergessen incl. Straßennamen. Antisemit und damit Rassist. Er nannte den Gründer der ersten deutschen Arbeiterpartei "Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein", der Vorläufer der SPD, Ferdinand Lassalle, "kraushaariger Nigger-Jude, Baron Itzig, Jüdel Braun, Ephraim Gescheit. (Quelle: Jüd. Allgemeine) In Chemnitz die werden sich schwer tuen, den "monumentalen "Nischl" wegzukriegen.
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