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Homophobie beim Einkaufen

Duisburg: Schwules Ehepaar im Lidl-Supermarkt diskriminiert

Ein Wachmann erlaubte heterosexuellen Paaren die gemeinsame Nutzung eines Einkaufswagens, nicht jedoch Franz Maassen und seinem Mann. Für sie war es bereits der dritte Vorfall dieser Art bei Lidl.


Die Pressestelle von Lidl bedauerte die "Unannehmlichkeiten" in der Filiale in Duisburg-Hamborn (Bild: DennisM2 / flickr)

In Zeiten der Corona-Epidemie gilt in Supermärkten in NRW eine Einkaufswagenpflicht. Paaren eines Haushalts genügt dabei ein gemeinsamer Einkaufswagen. Am Nachmittag des 10. Juni wurde jedoch einem schwulen Ehepaar der Zugang zu einem Lidl-Supermarkt in Duisburg-Hamborn mit einem gemeinsamen Einkaufswagen verweigert. Erst nach Protest und Hinzuziehen des stellvertretenden Filialleiters konnten Franz Maassen und sein Mann einkaufen.

"Selbstverständlich haben wir darauf hingewiesen, dass wir ein Ehepaar sind und in einem Haushalt leben", berichtete Maassen gegenüber queer.de von dem Vorfall in der Filiale an der Duisburger Straße. "Der Wachmann wurde von uns als auch vom stellvertretenden Filialleiter dazu aufgefordert, sich zu entschuldigen, und hat es nicht getan." Weiteres Personal habe den Wachmann sogar "lautstark verbal unterstützt".

"Das gleiche ist uns in zwei weiteren Lidl-Filialen in Luxemburg passiert", berichtete der Mittfünfziger, dem in Duisburg ein Handwerksunternehmen gehört. "Wir möchten dringend davor warnen, in Lidl-Filialen einzukaufen. Unser Abend war natürlich zerstört."

Lidl bedauert "Unannehmlichkeiten"

Gegenüber der "WAZ" bedauerte die Lidl-Pressestelle den Vorfall. Das Unternehmen stehe für die Gleichbehandlung aller Menschen, unabhängig von Alter, Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Geschlecht oder sexueller Orientierung. "Deshalb tut es uns leid, dass unseren Kunden die von Ihnen beschriebenen Unannehmlichkeiten vor ihrem Einkauf entstanden sind."

Aufgrund der neuen Corona-Regeln müssten die Kundenbetreuer darauf achten, dass jeder Kunde einen Einkaufswagen als einfache Hilfe zur Abstandseinhaltung nutzt, so die Lidl-Pressestelle. Familien und Bewohner eines gemeinsamen Haushalts dürfen aber "selbstverständlich" einen Einkaufswagen benutzen. Den Vorfall werde man zum Anlass nehmen, "die Kundenbetreuer erneut zu diesem Thema zu sensibilisieren".

SPDqueer: Diskriminierung "nicht hinnehmbar"

Die Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung in der SPD Duisburg (SPDqueer) begrüßte die von Lidl angekündigten Schulungsmaßnahmen. "Der Vorfall in Hamborn macht eines deutlich: Rechtliche Gleichstellung ist das eine, gesellschaftliche Akzeptanz das andere", so der Vorsitzende Sascha Roncevic. "Denn auch 2020 gibt es leider eine alltägliche Diskriminierung von Lesben, Schwule, Bisexuellen sowie trans*, inter* und anderen queren Menschen (LSBTIQ*). Deren Akzeptanz und ein respektvoller Umgang lassen sich nicht gesetzlich verordnen. Hier bedarf es Aufklärung und Sensibilisierung."

Eine Diskriminierung, wie sie das schwule Ehepaar erleben musste, sei "nicht hinnehmbar", stellte der SPDqueer-Vorsitzende klar. "Auch wenn es vielleicht wie eine Lappalie wirken mag, so verbirgt sich gerade hinter diesen kleinen Nadelstichen im Alltag eine Haltung, die von Ablehnung, Ausgrenzung und Respektlosigkeit geprägt ist. Ich begrüße daher ausdrücklich die Standhaftigkeit des betroffenen Ehepaares, in dieser Angelegenheit nicht nachgegeben zu haben." (cw)

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#1 noshopingventureAnonym
  • 13.06.2020, 08:25h
  • Ich möchte mich hier dem Aufruf zum LIDL-Boykott anschließen. Es gibt aber Läden, wo es keine "Einkaufswagenpflicht" gibt - dort wird dan natürlich auch nicht diskriminiert!!!

    Vor Wochen rief ich hier in Essen beim "Corona-Telefon" (0201-238888) an. Es gibt weder eine Einkaufswagenpflicht durch städtische (Stadtverwaltung Essen), noch eine entsprechende Verordnung des Landes NRW.
    Diese unsinnige Einkaufswagenpflicht entspringt einer Sache, die früher in Preußen stark verbreitet war - dem "vorauseilendem Gehorsam".
    Als "Abstandshalter" taugt diese Regel auch nicht, weil man ja auch nebeneinander stehen kann. Da könnte man sich ja auch anstecken!!!
    Es gibt aber z.B. Filialen von ALDI oder NETTO, wo keine Einkaufswagenpflicht besteht. Die Leitungen der Discounter stellen das nämlich, wie mir eine Antwort auf eine Beschwerde bei LIDL eröffnete, das in das Ermessen der Filialleitungen.
    "Kundenbetreuer" habe ich bislang geschlossen nur bei LIDL gesehen. Diese Herrschaften werden wir bei der nächsten Preiserhöhung mit bezahlen müssen. Alleine schon aus diesem Grund sollte man LIDL nicht mehr aufsuchen!!! Bei ALDI habe ich einen solchen Türsteher nur in einer Filiale gesehen. Zwei andere verzichteten, wie oben erwähnt, auf die Einkaufswagenplicht. Das zeigt ganz klar, dass es keine einheitliche Regelung gibt. Bei REAL wird man sogar gezielt angelogen. Man verzichtet zwar auf Türsteher, aber behauptet durch großflächige Aushänge, eine Einhaltung der Einkaufswagenpflicht würde durch das Ordnungsamt kontrolliert.
    Jeder lügt, so gut er kann!!!
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#2 FredericAnonym
  • 13.06.2020, 09:10h
  • Antwort auf #1 von noshopingventure
  • Die Einkaufswagenpflicht ist wegen der maximal erlaubten Kundenzahl im Laden. Pro Kunde 1 Wagen.

    Wir sind im Lidl auch angesprochen worden beim nächsten Besuch bitte 2 Wagen zu benutzen, der Kassierer hat gesagt, dass es egal ist, ob man in einem Haushalt wohnt oder nicht, da es eben wegen der max. Kundenzahl sei. Das (Hetero) Paar nach uns an der Kasse ist auch darauf hingewiesen worden.
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#3 EngelchenSHProfil
#4 noshopingventureAnonym
  • 13.06.2020, 09:32h
  • Antwort auf #2 von Frederic
  • Damit wird bei REAL auch "argumentiert", aber wie geschrieben, es gibt keine einheitliche Regelung. Besonders pikant ist, dass trotz der angeblichen Gefährlichkeit des Virus (s. Corvit-19) in fast keinem Supermarkt die Griffstangen der Einkaufswagen, die man mitnehmen muss, desinfiziert werden. Merkwürdig nicht war???

    Bei REAL in Essen Altendorf sind auf dem Boden Aufkleber, die zu einem Mindestabstand von 2 Metern auffordern. Die Aushänge im gleichen Laden verlangen einen Mindestabstand von 1,50 Metern. Nicht einmal da sind die "Vorschriften" einheitlich.

    Aber Fazit bleibt - keine Einkäufe mehr bei LIDL...
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#5 WahrheitIstRelativAnonym
  • 13.06.2020, 09:34h
  • Ich hatte letztens meinen Mundschutz Zuhause vergessen. Da ich sehr Außerhalb wohne und ohne Auto bin, muss ich 8 km zum Einkaufen radeln. Berg und Tal, als Frau und zurück dann schwer bepackt mit Einkauf für drei Familienmitglieder ist schon anstrengend. Der fehlende Mundschutz war mir auch erst vor Ort aufgefallen. Da es immer heißt, Schal geht auch, habe ich meinen Rollkragen benutzt. War im ersten E-Center kein Problem. Dann bin ich in den Lidl und war gerade 10 Sekunden dort, als mich die erste Mitarbeiterin aufforderte den Laden zu verlassen, weil mein "Schal" nicht als Schal/Tuch gelte. Ich ging daraufhin mit zwei Sachen im Wagen Richtung Kasse, da forderte mich eine zweite Mitarbeiterin auf, zu gehen ( das ich nicht direkt, sondern durch die Kasse rausgehe, geht eh nicht anders, war wohl auch so in Ordnung, es ging ihr nur darum, sich nochmal mitzuteilen) . An der Kasse wies mich dann nochmal ein Mitarbeiter, der gerade meine beiden Sachen scannt auf dasselbe hin, während der Filialleiter( von den anderen beiden Mitarbeiterinnen gerufen) auf mich zu kam und sagte, dass er mir gerade dasselbe sagen wollte.
    Nach diesen vier Leuten innerhalb von zwei Minuten war ich dann auch genervt, dass ich das jetzt viermal (auch vor allen anderen Kunden) gesagt bekomme und so schnell gar nicht aus dem Laden könne und erklärte auch das mit dem Fahrradweg. Daraufhin wurde mir ruhig gesagt, ich solle freundlich bleiben, sonst könne ich die 8km nochmal zurück radeln!

    Ja, derjenige der schikaniert kann immer gut ruhig bleiben...

    Ich muss noch dazu sagen, dass ich die Zeit in der Stadt auch nutze um mir als Straßenmusikerin mein Einkaufsgeld zu verdienen, weshalb ich einen 10kg schweren Rucksack auf dem Rücken hatte, mit Instrument usw. Deshalb war ich eh schon geschafft, aber vor allem sieht man so natürlich auch ein bisschen "komisch" aus, meine Kleidung zudem auch nicht von reichen Leuten...

    Gesellschaftspsychologisch ist das aber interessant :
    Wenn Mensch es von oben schriftlich hat, dass er Recht tut, dann brauchts über individuell menschliches Verhalten nicht weiter nachgedacht zu werden. Im Falle dieses Paares kann man die derzeitige Situation dann vielleicht noch für eigene (homophobe) Zwecke nutzen!
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#6 LacriAnonym
  • 13.06.2020, 09:39h
  • Selbes haben wir in der LIDL Filiale in Koblenz unweit von HBF erfahren.
    Während heteros sich einen Einkaufswagen teilten, hätten wir getrennt rein gemusst und auch mit einem Wagen für jeden, auch als wir , lächerlich wie es klingt, unsere PAs zeigten wo einseitig heraus geht das wir ein Haushalt sind, durfte das schwule gesocks nicht eintreten, verwehrt durch den netten Secruity mitarbeiten UND Angestellten .

    Also LIDL gibt es für uns nicht mehr ... da geh euch lieber zu Netto
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#7 Pink FlamingoAnonym
#8 seb1983
  • 13.06.2020, 09:53h
  • Verstehe nicht was das direkt mit Lidl zu tun hat.
    Der Wachmann wird, wie üblich, von einem Sub-Sub-Sub sonstwas Unternehmen sein, so war es zumindest hier bei sämtlichen Supermärkten. Da war der Markt offenbar zeitweise ziemlich leer geräumt, denn die "Sicherheitsexperten" die da oft standen erweckten wenig Vertrauen in ihre Qualifikation.
    Der stellv. Filialleiter hat sich entschuldigt, Lidl hat sich entschuldigt.

    Übrigens konnte ich selbst mit meinem Untermieter zusammen problemlos einkaufen, es wurde mal nachgefragt, einmal haben wir mehr aus Spaß die Ausweise mit gleicher Meldeadresse vorgezeigt.
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#9 AnselmAnonym
  • 13.06.2020, 10:04h
  • Antwort auf #4 von noshopingventure
  • Das ist regional sehr unterschiedlich. Bei uns im Lidl (Westen NRW) gibt es auch Einkaufswagenpflicht (ALDI nicht). Aber es gibt Desinfektionsmittel und Tücher, damit man sich den Wagen desinfizieren kann. Eingangskontrollen, dass wirklich jeder einen eigenen Wagen hat (selbst 10j. Kinder, die mit einem Elternteil einkaufen), gibt es schon seit etlichen Wochen nicht mehr. Klar kann man sich auch mit Wagen nahe kommen, aber er vermeidet, dass wie bei meinem letzten Lidl-Einkauf jemand ohne den eigentlich verpflichtenden Einkaufswagen mir an der Kasse so nah kommt, dass ich quasi seinen Atem im Nacken spürte. Ihm wurden wohl die Arme lang und er wollte obwohl es eng war, die Sachen aufs Band legen. Bevor jemand es anmekrt: Als er fast an mich stieß, habe ich ihn auf Abstand hingewiesen.

    In RLP im Gegensatz zu NRW musste ich weder bei Lidl noch bei Aldi einen Einkaufswagen nehmen.
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#10 Ralph
  • 13.06.2020, 10:06h
  • Das scheint ein regional begrenztes Problem zu sein. Beim hiesigen Lidl muss man gar keinen Wagen benutzen. Ich selbst gehe mit einem eigenen Korb hinein, um keinen Wagen anfassen zu müssen. (Anfangs wurden die Wagen bei jedem Zurückschieben in den Stand von einem Lidl-Mitarbeiter mit Desinfektionsmittel behandelt. Das wurde nach zwei Wochen beendet.) - Außerdem: Wie geht das eigentlich? Wie will Lidl nachprüfen, ob zwei Personen miteinander verheiratet sind und in der selben Wohnung leben? Müssen in Duisburg alle Kunden bei Lidl ihre Heiratsurkunde und einen Auszug aus dem Melderegister vorweisen, ehe sie eingelassen werden?
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