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Polen

Duda: LGBT keine Menschen, sondern "Ideologie"

Bei einer Wahlkampfrede verschärfte der polnische Staatspräsident seine homo- und transfeindliche Rhetorik. "Die LGBT-Ideologie" sei zerstörerischer als Kommunismus.


Andrzej Duda am Samstag in Brzeg (Brieg). Der Hass im Wahlkampf macht Schlagzeilen

"Sie versuchen euch zu überzeugen, dass sie Menschen sind. Aber das ist einfach Ideologie" – so redete am Samstag der polnische Staatspräsident Andrzej Duda über Lesben, Schwule, Bisexuelle und trans Personen. "Falls jemand Zweifel hat, ob das eine Ideologie ist oder nicht: Schaut in die Geschichtsbücher und sieht, wie die LGBT-Bewegung in der Welt entstanden ist."

Duda machte sich damit die Worte eines Abgeordneten der Partei Polska Razem zueigen, der wegen der Äußerung, LGBT seien keine Menschen, sondern Ideologie, am Freitag (virtuell) aus einer Sendung von TVN24 geworfen wurde. Das Zitat ist zugleich eine Umkehrung einer Äußerung vieler queerer Menschen in sozialen Netzwerken: Als Reaktion auf Resolutionen lokaler Behörden gegen eine vermeintliche LGBT-Ideologie hatten diese in den letzten Monaten oft geantwortet: Wir sind Menschen, keine Ideologie.

"Der beste Beweis, dass es sich um eine Ideologie handelt, ist, dass es Menschen mit homosexuellen Präferenzen gibt, die sich mit dieser Bewegung und Ideologie nicht identifizieren", meinte der Präsident weiter. Für sie sei das einfach eine "private Angelegenheit". Er werde nicht zulassen, dass Kinder ideologisiert würden, so Duda bei dem Auftritt in Brzeg.

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Duda: LGBT-Ideologie zerstörerischer als Kommunismus

Der Präsident, der sich am 28. Juni der Wiederwahl stellt, redete sich dann erst Recht in Rage: "Die Generation meiner Eltern kämpfte vierzig Jahre lang darum, die kommunistische Ideologie aus den Schulen zu verbannen, damit sie den Kindern nicht aufgezwungen werden konnte, dass sie nicht einer Gehirnwäsche unterzogen und indoktriniert werden konnten".

Twitter / notesfrompoland

Diese Generation hätte nicht dafür gekämpft, "dass wir akzeptieren, dass eine neue Ideologie auftaucht, die noch destruktiver für die Menschheit ist, eine Ideologie, die unter den Klischees von Respekt und Toleranz tiefe Intoleranz und Beseitigung verbirgt, Ausschluss all derer, die ihr nicht erliegen wollen", so Duda weiter. Damals sei Kindern in Schulen der Kommunismus eingeimpft worden. "Das war Bolschewismus. Heute sollen Kinder in eine andere, völlig neue Ideologie gedrängt werden. Das ist ein Neo-Bolschewismus."

Dritter anti-queerer Wahlkampf in Folge

Der Präsidentschaftsbewerber der Linken, der offen schwule Politiker Robert Biedron, rief Duda nach der Rede öffentlich dazu auf, den "Hass hinter sich" zu zu lassen. Der Umgang mit LGBT-Menschen sei nun der "Lackmustest" für die polnische Demokratie. Der Parteivorsitzende der Europäischen Volkspartei, Donald Tusk, meinte auf Twitter: "Der Präsident Polens sollte sich um die Reputation des Landes kümmern. Andrzej Duda tut alles, um sie zu ruinieren. Seine Kampagne ist auf der ganzen Welt eine Schande."

Twitter / AgaBak | Nachdem Duda diese Woche eine homofeindliche "Familien-Charta" vorgestellt hatte, versammelten sich am Donnerstag einige junge LGBTI-Aktivisten vor dem Präsidentenpalast in Warschau, um dem Hass ein "positives Zeichen" entgegenzusetzen. Die "Regenbogen-Disco" wurde vom Staatssender TVP dennoch als Angriff auf Fronleichnam feiernde Christen dargestellt

Dem Kandidaten von Tusks Bürgerplattform, Rafal Trzaskowski, werden die größten Chancen gegen Duda eingeräumt. Der Warschauer Bürgermeister hatte Anfang 2019 eine "Regenbogen-Erklärung" unterzeichnet, mit der sich die Stadt Warschau unter anderem zu umfassender Sexualaufklärung an Schulen verpflichtet, die auch queere Themen aufgreift. Die Regierungspartei PiS reagierte darauf mit monatelanger homo- und transphober Stimmungsmache im Europa- und Parlamentswahlkampf; nach der Nach-Nominierung Trzaskowskis nach der Corona-bedingten Verschiebung der Präsidentschaftswahl setzen die Regierung und ihr nahestehende Medien nun erneut auf Homo- und Transphobie (queer.de berichtete).

So hatte auch Duda erst in dieser Woche eine "Familien-Charta" vorgestellt, in der er sich unter anderem verpflichtet, die Ehe als "Verbindung aus Mann und Frau" zu "schützen" und keine Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen. Auch verspricht er einen "Schutz von Kindern vor LGBT-Ideologie" und ein "Verbot der Propagierung von LGBT-Ideologie in öffentlichen Institutionen" (queer.de berichtete). (nb)

Wöchentliche Umfrage

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    Ergebnis der Umfrage vom 15.06.2020 bis 22.06.2020


#1 Homonklin_NZAnonym
  • 13.06.2020, 23:13h
  • Schauerlich, wenn die Faschisten erst ihre wahre, hässliche Mampfe zeigen. Es erinnert an die Zeit der Großeöterngeneration, als sie anfingen mit "Kauft nicht bei Juden" und diesem Kram.
    Aus der Ferne betrachtet schade, dass EU-Land so den Bach runter geht, und ausgerechnet in Polen, wo die genau wissen sollten, wie das ist, nicht als Menschen ebenwerter Art einsortiert zu werden.

    Stellt sich da hin und verkennt gar die andere Seite des daschistischen Medaille.

    Azog the defiler, im neuen Gewand. Willkommen in Mordor!

    Mir tun die Polen Leid, die noch nicht so verdreht wurden.
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#2 TobizAnonym
  • 13.06.2020, 23:17h
  • "Falls jemand Zweifel hat, ob das eine Ideologie ist oder nicht: Schaut in die Geschichtsbücher und sieht, wie die LGBT-Bewegung in der Welt entstanden ist."

    Also alles nach der alten Regel: "Ihr wollt meine Quellen? Die könnt ihr haben. Sucht sie doch! Irgendwo habe ich die größte Quellensammlung der Welt versteckt."

    So oder so muss es geklungen haben.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 13.06.2020, 23:30h
  • Antwort auf #1 von Homonklin_NZ
  • Korrektur:

    Großelterngeneration
    -faschistischen Medaille

    Die Brille liegt wohl im Labor. Möglicherweise.

    Jedenfalls kennt man Geschichten aus Geschichtsbüchern, etwa über Physiognomie zbd ein slawisches Kopfprofil und anderen Unsinn, der damals tatsächlich mal geglaubt wurde. Als ob der Herr Duda sich seinen Schädel vermessen lassen wollte, um herauszufinden, ob er ein Mensch ist. `Duckwech`Ich habe nix gesagt.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 14.06.2020, 02:54h
  • "LGBTI keine Menschen, sondern Ideologie"

    Dann möchte ich doch mal frei nach Tucholsky sagen: diesen Mann gibt es gar nicht; es gibt nur den Lärm, den er verursacht.
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#5 FliegenAnonym
#6 Julian SAnonym
  • 14.06.2020, 10:00h
  • >>> "Die LGBT-Ideologie" sei zerstörerischer als Kommunismus. <<<

    Dann sollen sie halt zurück in den Kommunismus, wenn das alles so toll war.

    Die wird niemand vermissen.

    Und dann können die sich nochmal angucken, ob das besser ist als Freiheit.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 14.06.2020, 10:15h
  • Antwort auf #6 von Julian S
  • Kommunismus hat es in Polen nie gegeben.

    Der Klerikalfaschismus feiert heute aber ungehindert Triumphe.

    Entsetzlich ist diese Geschichtsblindheit in einem Land, das selbst Millionen Faschismusopfer zu beklagen hat.

    Diese ungebändigte Freude am Menschenhass.
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#8 Ralph
  • 14.06.2020, 10:31h
  • Antwort auf #2 von Tobiz
  • Wenn ich mich mit Geschichte befasse, dann finde ich z.B., dass Polen schon 1937 den Plan verfolgte, die Juden nach Madagaskar zu deportieren und im dortigen Hochland anzusiedeln - ein Plan, der wenig später auch von den Nazis verfolgt, dann aber zu Gunsten des Massenmordes fallengelassen wurde. Rigorose Plitik gegen Minderheiten gehört also durchaus zur polnischen Tradition. - Nebenbei: Wikipedia hat einen ganz interessanten Artikel zum "Madagaskarplan", der offenbar ein Lieblingsprojekt vieler Antisemiten war.
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#9 MazekosProfil
  • 14.06.2020, 11:00hDresden
  • Ich kann mir das Leid von vielen Homo-, Bi-, und Transsexuellen Jugendlichen in Polen kaum vorstellen, die miterleben müssen wie ihre Heimatstädte zu "LGBT freien Zonen" erklärt werden, sich vom mächtigsten und offenbar ja nicht zu knapp meinungsbildenden Politiker des Landes entmenschlichen lassen müssen und deren Eltern vielleicht am Ende auch noch begeistert eben jenen wählen...

    Aber hey, sind ja nur Menschenleben. Naja, stimmt nicht, sind ja keine Menschen. Nur ne kleine Minderheit die sich für den eigenen, widerlich schmutzigen Wahlkampf missbrauchen lässt, weil sie es für nötig halten sich für "Menschenrechte" und "Gleichberechtigung" und so'n Scheiß einzusetzen...

    In Europa... im 21. Jahrhundert... traurig sowas...
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#10 zundermxeAnonym
  • 14.06.2020, 11:50h
  • Menschen
    zu ideologisieren,
    zu entmenschlichen indem ihre gleichberechtigte Existenz geleugnet wird,
    zu Schädlingen gegenüber allen zu definieren
    und ihre Daseinsberechtigung zumindest in Frage zu stellen, kennen wir von vorgestern bis heute auch aus unserem eigenen Land.
    Hier nennen wir das Faschismus.

    Auch die Geschichte darf nicht verbieten dies in Polen bei dem eben selben Namen zu nennen - Faschismus.
    Es hat rein gar nichts mit Relativierung oder Tabu-Bruch gemein wenn ein Mitgliedsland der EU in 2020 derart menschenverachtende Hetze betreibt.
    Dieses radikale Gedankengut Hand in Hand mit der katholischen Kirche wird Europa auf die ein oder andere Weise zerstören, wenn deutsche wie europäische Politiker*innen nicht endlich mit aller Schärfe nachhaltig reagieren.
    Hier geht es um deutlich mehr als rein queere Angelegenheiten.
    Ein Europa verschiedener Klassen von Menschen wird nicht dauerhaft von den Menschen akzeptiert, unterstützt und wird daher auch nicht überleben.
    Dieses Problem ist fundamental.
    Die Zeit wird es nicht von alleine lösen.
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