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Reality-TV

Der große queere Blumenkampf

Man kann die neue Netflix-Show "The Big Flower Fight", in der zehn Teams Pflanzenskulpturen errichten, albern finden. Sie ist aber – wie andere Reality-Formate – eine Vorreiterin in Sachen LGBTI-Repräsentation.


Auch das schwule Paar Andrew und Ryan tritt beim "Großen Blumenkampf" an (Bild: Netflix)

Reality-Fernsehen gibt's in verschiedensten Spielarten. Manchmal dient es leidlich prominenten Menschen dazu, sich in Szene zu setzen, sei es im Dschungel oder in ihrem – natürlich nicht unbedingt authentischen – Alltag (vgl. "Keeping Up With the Kardashians). Mitunter geht's darum, die Liebe oder so etwas ähnliches zu finden, vom "Bachelor" bis "Prince Charming". Und dann wieder dient es als Plattform für ganz gewöhnliche Leute, um mit ihren besonderen Talenten oder Berufen gegeneinander zu konkurrieren.

Anfangs wurde vor allem gesungen und getanzt und mit anderen Bühnenfähigkeiten geglänzt. Dann wurde gekocht und gebacken, was das Zeug hält. Inzwischen treten auf der ganzen Welt auch Kandidat*innen an, um Mode zu entwerfen, zu schneidern, Inneneinrichtungen zu gestalten, zu malen oder zu töpfern, bis am Ende eine*r übrig ist und gewonnen hat. Und jetzt geht's auch noch ran an die Blumentöpfe.

Die Teilnehmer*innen errichten riesige Pflanzenskulpturen

In "The Big Flower Fight" (Der große Blumenkampf), seit kurzem bei Netflix zu sehen, treten acht Folgen lang zehn Zweierteams darin an, riesige Pflanzenskulpturen zu entwerfen und zu errichten, die meisten von ihnen Gärtner*innen und Florist*innen, aber auch einige Designer*innen und Künstler*innen.


Juror Kristen Griffith-Vanderyacht inmitten von zwei Figuren (Bild: Netflix)

Der grobe Ablauf folgt dabei weitestgehend jenem Prinzip, das spätestens seit der weltweit kultisch verehrten Show "The Great British Bake Off" (weit sehenswerter als der deutsche Ableger "Das große Backen) immer wieder nachgeahmt wird: Die an Wortspielen reiche Moderation übernehmen launige Komiker*innen (in diesem Fall: Nastasia Demetriou und Vic Reeves), eine fachkundige Jury (der fabelhaft flamboyante Florist Kristen Griffith-Vanderyacht und Gäste) urteilt über die beeindrucken Schöpfungen, und am Ende jeder Episode bekommt ein Duo wie selbstgebastelt aussehende Abzeichen und eines muss nach Hause.

Die Konkurrenz wird ins Herz geschlossen

Natürlich kann man es albern finden, erwachsenen Menschen dabei zuzusehen, wie sie mit Topfpflanzen, Moos oder Schnittblumen riesige Tiere oder tragbare Abendroben zu entwerfen. Zumal sich – anders als womöglich bei einer Koch-Show – der abzuguckende Mehrgewinn für den Hausgebrauch sehr in Grenzen hält. Doch wer auch nur das geringste Interesse für Botanik und Floristik, Landschaftsgärtnerei oder schlicht ästhetisches Design mitbringt (und über die gehörige Materialverschwendung hinwegsehen kann), kann an "The Big Flower Fight" reichlich Spaß haben.

Nicht zuletzt, weil "The Great British Bake Off" auch in anderer Hinsicht Pate stand. Hier wird sich weder zynisch über die Kandidat*innen lustig gemacht noch sich an ihrem Scheitern berauscht, auch werden künstlich keine Konflikte erzeugt, sondern es geht durch und durch liebevoll, erbaulich und herzerwärmend zu. Zwar rangelt man sich im Eifer des Gefechts mal um die schönsten Hortensien, aber wenn's hart auf hart kommt, hilft man der ins Herz geschlossenen Konkurrenz eher als dass die Ellenbogen ausgefahren werden. Auch weil es am Ende als Preis nichts zu gewinnen gibt als die Ehre – und eine öffentliche Präsentation der eigenen Arbeit.

Queere Kandidat*innen ganz selbstverständlich präsent


Trans Kandidatin Andi und Partnerin Helen (Bild: Netflix)

Die sympathische Nettigkeit und das Talent der Kandidat*innen sind allerdings nicht die einzigen Gründe, sich "The Big Flower Fight" anzusehen. Denn ganz allgemein sind Formate wie dieses auch Vorreiter in Sachen LGBTI-Repräsentation (und übrigens generell Diversität). Gerade weil sie nicht fiktionale Figuren, sondern echte Menschen in den Fokus nehmen, gingen Reality-Shows in den vergangenen 20 Jahren oft mit großen Schritten voraus, wenn es darum ging, so genannten Minderheiten eine Bühne und damit dem Publikum Vorbilder zu bieten. Man denke nur an Kandidaten wie Will Young, Adam Lambert oder auch Daniel Küblböck, die in ihren Gesangs-Wettbewerben wochenlang jungen Zuschauer*innen, aber auch deren Eltern die Augen öffneten. Gleiches gilt für trans Kandidatinnen in den Model-Shows von Tyra Banks und Heidi Klum.

Wo damals die gender- oder sexuellen Identitäten nicht selten als Quelle für Drama, womöglich sogar den einen oder anderen Skandal dienten und mit viel Oho und Erklärungen einhergingen, sind die Wohlfühl-Wettbewerbe heute längst weiter. Da sind LBGTI-Kandidat*innen einfach mit ganz großer, unaufgeregter Selbstverständlichkeit präsent, ganz sie selbst – und nicht selten weit vorne unter den Favorit*innen und Sympathieträger*innen.

So wie im Fall von "The Big Flower Fight" etwa die trans Kandidatin Andi, die exzentrischen besten Freunde Henck und Yan, das schwule kanadisch-britische Pärchen Andrew und Ryan oder das rührende Vater-Sohn-Gespann Ralph und Jim. Um nur einige zu nennen, denen man einfach gerne zusieht.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Show



#1 IckeAnonym
  • 15.06.2020, 08:33h
  • Netflix ist wirklich toll, viele schwule Filme und die Serien unterstützen auch die Vielfalt. Elite hat mit Ander und Omar ein extrem süßes Homopaar, in Sense 8 und Pose Transschauspieler und She-Ra ist eine Serie die schon jungen Zuschauern vermittelt dass gleichgeschlechtliche Liebe normal ist. Das Ende der Serie ist wirklich toll und ich hatte nicht damit gerechnet dass sie es tatsächlich so aussprechen und es nicht nur bei Andeutungen bleibt.
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#2 SolanaceaeAnonym
#3 FinnAnonym
  • 15.06.2020, 19:53h
  • Finde ich an sich eine coole Idee, aber die Skulpturen sehen teilweise wirklich gruselig aus...
  • Antworten » | Direktlink »