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Berlin

Scheibe am Denkmal für verfolgte Homosexuelle erneut zerstört

Ein Fahrradfahrer warf Flaschen gegen die Sichtscheibe des Denkmals und beschädigte sie. Derweil wurde ein mutmaßlicher früherer Angreifer nach einer Fahndung ermittelt.


Die vom dänisch-norwegischen Künstlerduo Elmgreen und Dragset entworfene Stele wird immer wieder zur Zielscheibe von Vandalismus (Bild: Sabine Hauke)

Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Berliner Tiergarten ist erneut beschädigt worden. Das Fenster im Denkmal, durch das ein Film mit einer gleichgeschlechtlichen Liebesszene zu sehen ist, sei seit Sonntagmorgen zerstört, teilte die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit. Die Stiftung, die auch das Homo-Mahnmal betreut, verurteilte in der Mitteilung diese Gewalt gegen das Denkmal sowie jede Form von Homophobie auf das Schärfste.

Die Polizei wurde informiert und ermittelt, so die Stiftung. Dabei würden Aufnahmen der Überwachungskamera ausgewertet. Die Polizei meldete später, ersten Ermittlungen zufolge soll ein Fahrradfahrer kurz vor 8 Uhr zwei Glasflaschen aus einem Mülleimer genommen und diese gegen das Denkmal geworfen haben.


Nachträglich hier eingefügtes Bild: Das Mahnmal einen Tag nach der Tat (Bild: Sebastian Walter / twitter)

Der Verdächtige sei anschließend auf seinem Fahrrad in unbekannte Richtung geflüchtet. Ein Fachkommissariat des polizeilichen Staatsschutzes beim Landeskriminalamt ermittle nun wegen Sachbeschädigung.

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Mutmaßlicher früherer Beschädiger ermittelt

Die Video-Überwachung am Denkmal war im letzten November eingeführt worden (queer.de berichtete). Die von der Straße aus leicht versteckte Stele schräg gegenüber dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas war seit der Errichtung 2008 mehrfach Opfer von Vandalismus geworden. Zwischen Anfang Juni und Anfang September 2019 kam es allerdings zu ganzen sieben Sachbeschädigungen, bei der etwa die Scheibe mit schwarzer Farbe besprüht wurde.

Im Dezember hatte sich der Staatsschutz beim LKA, der für mögliche Hassverbrechen und politische Kriminalität zuständig ist, mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit gewandt: Am 7. Juli hatte ein Zeuge einen verdächtigen Mann mit Spraydose an dem Denkmal fotografiert, den die Polizei als Verdächtigen für alle sieben Beschädigungen suchte (queer.de berichtete). Auf der Webseite der Polizei wurde der Fahndungsaufruf inzwischen durch einen Hinweis ersetzt: "Es konnte ein Täter ermittelt werden." Vor wenigen Tagen war der Fahndungsaufruf noch online gewesen.

Das Denkmal war nach einem Beschluss des Bundestages gebaut und am 27. Mai 2008 der Öffentlichkeit übergeben worden. Bei einem Festakt zum zehnten Jubiläum 2018 hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für Vergebung für das Leid und das spätere Schweigen dazu gebeten (queer.de berichtete). (nb)



#1 Julian SAnonym
  • 15.06.2020, 09:09h
  • Dieses Denkmal war von Anfang an eine Fehlplanung und Fehlkonstruktion:

    1. Wenn es da nur eine kleine Scheibe zum Betrachten des eigentlichen Zwecks gibt, lädt das geradezu zu Vandalismus ein. Denn man muss nur diese eine Schreibe zerstören, zerkratzen oder beschmieren, um den Inhalt unsichtbar zu machen.

    2. Unabhängig von der Vandalismus-Gefahr ist es ein Unding, Homosexualität zu verstecken und wieder mal unsichtbar zu machen, damit nur ja niemand ungewollt mit dem Anblick behelligt wird, sondern das nur für die Leute sichtbar ist, die es auch sehen wollen. Und damit nur ja keine Kinder das sehen können.

    3. Wer von anderen Seiten vorbeigeht, sieht nicht mal, dass dort eine Scheibe ist.

    4. Alleine schon der Name ist ein Unding:
    Wieso gibt es in Berlin ein Denkmal für die ERMORDETEN Juden, für die ERMORDETEN Sinti und Roma, aber nur für VERFOLGTE (!) Homosexuelle? Das klingt so, als seien Homosexuelle in der Nazi-Diktatur zwar verfolgt worden, aber nicht ermordet worden. Dabei sind auch sie in KZs gekommen, mussten Zwangsarbeit bis zum Zusammenbruch leisten, wurden erschossen, gehängt und vergast, wurden Opfer medizinischer Menschenversuche, etc.

    Fazit:
    Dieses Denkmal, das Homosexualität versteckt und unsichtbar macht, das zu Vandalismus einlädt und dessen Name schon Geschichtsklitterei und Verharmlosung von Nazi-Verbrechen ist, sollte am besten durch ein anderes ersetzt werden.
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#2 MeinFreundIstJudeAnonym
  • 15.06.2020, 09:54h
  • Antwort auf #1 von Julian S
  • Einfach mal drüber nachdenken, dass ein Denkmal für Verfolgte impliziert, dass es kein Denkmal für Ermordete ist.
    Wohingegen Verfolgte, nachdem man sie erfolgreich verfolgt hat, durchaus auch ermordet werden können.
    Im Gegensatz zu Menschen jüdische Herkunft war aber das Nichtpraktizieren von Homosexualität oftmals eine Überlebensstrategie - Das Nichtpraktizieren des Jüdischseins war allerdings kein Grund nicht ermordet zu werden.
    Denke, in Anbetracht von Millionen ermordeten Juden tut ein wenig Demut denen gegenüber, die unsäglich gelitten haben, gut!
    Die Tendenz, dass sich Homosexuelle immer wieder mit den Juden vergleichen, finde ich sehr Problematisch.
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#3 IchBinJudeAnonym
#4 zundermxeAnonym
  • 15.06.2020, 13:07h
  • Auf Gräbern (die längst nicht mal alle bekamen) oder bei der Beerdigung fange ich keinen Streit an, möge dies auch noch so berechtigt scheinen.
    Das mag für andere eine komische Moralvorstellung sein. Doch es geht um Gedenken, Andenken, Erinnerung und Ehrung von Leben.

    Wer aus welchem vorgegeben Grund verfolgt, gequält und ermordet wurde, spielt im Ergebnis keine Rolle. Würden wir heute diese Unterschiede weiterhin übernehmen und überbetonen, würden wir die Logik der Täter*innen und Teilen der Zuschauer*innen zumindest indirekt übernehmen und somit auch ungewollt bekräftigten.
    Opfer-Hierarchien basieren in dem Sinne immer auf der Logik der Täter*innen.

    Es ist gut, dass die Videoüberwachung hilft Täter*innen von heute zu ermitteln.
    Verhindern lassen sich Taten leider generell nie.

    Die Gestaltung des Mahnmals lässt sich natürlich von verschiedenen Standpunkten aus werten.
    Entscheidend ist, dass es vorhanden ist!
    Persönlich verstehe ich es so, dass diese Verbrechen wie ein unpassender, gewaltiger Klotz, der nirgends passt, der nicht begreifbar ist oder mit einem Sinn versehen werden kann, den viele lieber nicht sehen wollen, gewesen sind.
    Das kleine Fenster ermöglicht eine Andeutung, den Hauch einer Idee was wen geschehen ist ohne auch nur im Ansatz das, zumeist aus heutiger Sicht anonyme, Ausmaß und die Abscheulichkeit des Geschehenen wiedergegeben zu können.
    Das kann kein Mahnmal der Welt.
    Egal, wo es steht oder wie es aussieht.
    Das ist für mich eine zentrale Aussage im Gedenken.
    Das Geschehene ist im individuellen wie im gesamten Ausmaß nicht fassbar, völlig sinnlos und zutiefst destruktiv gewesen so dass wir es vielleicht ansatzweise erahnen können. Fassen, begreifen und erklären lässt es sich nicht.
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#5 Julian SAnonym
  • 15.06.2020, 13:29h
  • Antwort auf #3 von IchBinJude
  • @ #2 und #3:

    Die einzigen, die hier Menschenleben gegeneinander aufrechnen, indem sie anderen eben dies unterstellen wollen, seid ihr beide.

    Es geht nur darum, dass man bei dem Mahnmal nur von "verfolgten" Homosexuellen redet, obwohl sie genauso ermordet wurden, wie alle anderen Opfer. So als ginge es um Steuersünder, die strafrechtlich verfolgt werden, aber nicht um das was es wirklich war: Mord.

    Ich habe nirgends gesagt, dass ich den Mord an anderen Opfergruppen weniger schlimm finde oder ähnliches.

    Und mehr ist zu diesen bescheuerten Vorwürfen und den durchschaubaren Versuchen, Kritiker mundtot zu machen, nicht zu sagen.
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#6 Julian SAnonym
  • 15.06.2020, 13:41h
  • Antwort auf #4 von zundermxe
  • >>>>> Auf Gräbern (die längst nicht mal alle bekamen) oder bei der Beerdigung fange ich keinen Streit an, möge dies auch noch so berechtigt scheinen.
    [...] Doch es geht um Gedenken, Andenken, Erinnerung und Ehrung von Leben. <<<<<

    Eben.

    Und was ist das für ein Gedenken, wenn man ein Mahnmal hat, das laufend mit Graffitis und mit Nazi-Sprüchen und -Symbolen beschmiert ist, wo ständig die Scheibe zerkratzt oder sonstwie beschmiert ist, etc.

    >>>>> Wer aus welchem vorgegeben Grund verfolgt, gequält und ermordet wurde, spielt im Ergebnis keine Rolle. [...]
    Opfer-Hierarchien basieren in dem Sinne [...] <<<<<

    Genau.

    Aus diesem Grund, war ich auch generell immer ein Gegner davon, verschiedene Mahnmale für verschiedene Opfergruppen zu machen. Die sind alle gemeinsam ermordet worden und viele Opfer gehörten sogar mehreren verfolgten Gruppen an.

    Aber das war ja nicht gewünscht.

    Aber wenn dann auch noch nur bei einer Opfergruppe plötzlich die Morde verschwiegen werden und nur noch von Verfolgung gesprochen wird, so als ginge es um eine strafrechtlicher Verfolgung, dann muss man das kritisieren können. Und das ist auch kein Ausspielen von Opfern gegeneinander, denn die anderen Opfer (denen ich auch angehört hätte, auch wenn ich solche Sachen nicht in Nicknames betone) sind ebenso ermordet worden, was niemand bezweifelt. Es geht nur darum, dass genau das bei einer Opfergruppe wieder mal verschwiegen wird. Genau DAS ist ein Aufstellen von Hierarchien, aber nicht der Hinweis darauf.

    Und jede Art von Relativierung der Naziverbrechen (z.B. indem man Mord nicht beim Namen nennt, sondern es nur als Verfolgung bezeichnet) spuckt auch den nicht-homosexuellen Opfern ins Gesicht. Weil es eben der Versuch ist, Nazi-Greuel irgendwie zu relativieren. Und wer das nur bei einer Opfergruppe macht, macht das bei allen. (Und wie gesagt, finde ich diese Unterteilung in Opfergruppen eh unsinnig, aber das konnte sich ja nicht durchsetzen, nur ein Mahnmal für alle Opfer zu machen, weil deren Leid unteilbar ist und es keine Opfer-Hierarchien geben sollte.)

    Aber wie sagte schon Tucholsky:
    Derjenige, der auf den Dreck hinweist, gilt als viel schlimmer, als derjenige, der den Dreck verursacht.
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#7 IchBinJudeAnonym
  • 15.06.2020, 16:08h
  • Antwort auf #5 von Julian S
  • "durchschaubaren Versuchen, Kritiker mundtot zu machen"

    Niemand macht Sie mundtot. Sie schreiben, was Sie möchten, und ich sage, was ich davon halte.

    Kritik als Redeverbot umdeuten zu wollen, ist wiederum eine Strategie, die von rechtsaußen praktiziert wird. Sie bestätigen damit das Bild, das Sie m. E. hier von sich abgeben.
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#8 WahrheitAnonym
  • 15.06.2020, 19:52h
  • Antwort auf #7 von IchBinJude
  • Sie sollten schon bei der Wahrheit bleiben:

    Sie sind doch derjenige, der hier als erstes anderen "braune Saat" und "rechtsaußen" vorgeworfen hat, nur weil darauf hingewiesen wurde, dass auch Schwule nicht nur verfolgt, sondern ermordet wurden und dass das Denkmal dies verfälscht.

    Wenn das kein Versuch ist, andere mundtot zu machen, was dann?

    Und dann haben andere halt geschrieben, wie sie das sehen.

    Aber eigentlich ist hier auch jedem klar, dass SIE der Rechtsaußen sind, der versucht, hier Unfrieden rein zu bringen. Wird Ihnen aber nicht gelingen. Da haben wir schon andere Versuche, LGBTI zu dividieren, gemeistert.
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#9 Volle ZustimmungAnonym
  • 15.06.2020, 20:17h
  • Antwort auf #1 von Julian S
  • Volle Zustimmung:
    Es ist schon auffällig, wie der gleichgeschlechtliche Kuss im Inneren eines Betonklotzes versteckt wird, damit nur ja niemand damit belästigt wird.

    Selbst ohne die daraus entstehenden Vandalismus-Möglichkeiten ist das nicht gerade ein geeignetes Denkmal, dass die Opfer genauso versteckt, wie sie damals versteckt wurden und auch im Gedenken (z.B. bei den Gedenkfeiern im Bundestag) weiterhin ignoriert werden.
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#10 PerversAnonym
  • 15.06.2020, 20:19h
  • Antwort auf #2 von MeinFreundIstJude
  • "Im Gegensatz zu Menschen jüdische Herkunft war aber das Nichtpraktizieren von Homosexualität oftmals eine Überlebensstrategie"

    Wie pervers ist denn bitte so eine Aussage.

    Zumal es auch inhaltlich falsch ist. Homosexuelle wurden auch verurteilt, wenn sie nicht "in flagranti" erwischt wurden.
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