Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36338

Polnischer Wahlkampf

Duda stilisiert sich zum Opfer einer ausländischen Fakenews-Kampagne

Nach seinen harschen Worten gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten versucht es der polnische Präsident mit der typischen Taktik von Rechtspopulisten.


Polens Präsident Andrzej Duda (li.), hier nach der Unterzeichnung eines polnisch-amerikanischen Militärdeals im vergangenen Herbst, macht ähnlich Wahlkampf wie sein großes Vorbild im Weißen Haus (Bild: Executive Office of the President of the United States)

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat nach seinen LGBTI-feindlichen Äußerungen ausländischen Medien am Sonntag via Twitter vorgeworfen, Falschmeldungen zu verbreiten. "Ich glaube an Toleranz gegenüber jeglichen Meinungen, also hören Sie bitte damit auf, Fakenews zu verbreiten", so Duda auf Englisch.

Der 48-Jährige sprach in drei Tweets direkt die angloamerikanischen Zeitungen "Guardian", "New York Times" und "Financial Times" sowie die Nachrichtenagenturen AP und Reuters an. Er warf diesen Medien vor, seine Worte als Teil eines "schmutzigen politischen Spiels" aus dem Zusammenhang gerissen zu haben.

"Ich glaube aufrichtig an Vielfalt und Gleichheit", behauptete der Politiker der rechtspopulistischen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS). Die "Wahrheit" müsse einer "stärkeren Correctness" weichen, so Duda weiter. Er glaube daran, dass "Wahrheiten", wie sie etwa auch von der MeToo-Bewegung geäußert werden, eine "sichere Plattform" haben müssten.

Twitter / AndrzejDuda

Twitter / AndrzejDuda

Twitter / AndrzejDuda

Duda hatte am Samstag bei einem Wahlkampfauftritt im 40 Kilometer von Breslau entfernten Brieg (Brzeg) erklärt, LGBT seien keine Menschen, sondern eine "Ideologie", die zerstörerischer sei als der Kommunismus (queer.de berichtete). Der seit August 2015 amtierende Präsident muss sich am 28. Juni der Wiederwahl stellen.

Die Nachrichtenagentur Reuters stellte am Sonntag in einem Artikel über die Opfer-Haltung des Präsidenten fest, dass Duda nicht erklärt habe, was internationale Medien falsch berichtet haben sollen. Es gibt schließlich Aufzeichnungen von seinem Wahlkampfauftritt.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Duda-Mitarbeiter: LGBT nicht gleichwertig mit "normalen Menschen"

Die Aussagen des Präsidenten waren dabei keine isolierter Ausbruch, sondern Teil einer Kampagne. Duda selbst hatte erst wenige Tage zuvor eine homo- und transfeindliche "Familien-Charta" vorgestellt (queer.de berichtete).

Am Samstagabend erklärte zudem der PiS-Parlamentsabgeordnete Przemysław Czarnek, der auch Mitglied im Stab des Präsidenten ist, in einer Debattensendung des regierungstreuen Staatssenders TVP: "Lasst uns Familien gegen diese Art von Korruption, Verderbnis und von absolut unmoralischem Verhalten verteidigen. Wir müssen uns gegen die LGBT-Ideologie verteidigen und aufhören, diesen Idioten zuzuhören, wenn sie über irgendwelche Menschenrechte oder Gleichbehandlung reden. Diese Leute sind nicht gleich mit normalen Leuten und wir werden die Diskussion beenden."

Twitter / AntoniMaslaka

Wie sein Chef wich auch Czarnek am Sonntag zurück: In drei Twitter-Mitteilungen behauptete er auf Polnisch, dass seine Worte angeblich aus dem Zusammenhang gerissen worden seien.

Twitter / CzarnekP

Das unabhängige Nachrichtenportal oko.press kommentierte zu den Tweets, die Regierung zeige angesichts großer Kritik Panik, dass sie zu weit gegangen sein könnte, weil sie dieses Mal "keine Entschuldigung finden konnte, die Hass gegen LGBT-Menschen rechtfertigen könnte". Vielmehr könnte diese Kampagne unentschlossene Wählerinnen und Wähler in das Lager der Opposition locken. Bei den Parlamentswahlen im letzten Oktober hatte die Regierungspartei PiS mit einer derartigen Kampagne noch die absolute Mehrheit der Sitze erobern können (queer.de berichtete).

Der aussichtsreichste Oppositionskandidat, der konservative Rafał Trzaskowski, ging am Sonntag bei einem Wahlkampfauftritt in Breslau nicht direkt auf Dudas LGBTI-feindliche Äußerungen ein, erklärte aber, dass der Präsident nichts gegen Mobbing und Hass auf Kinder unternehme. Robert Biedroń, der (aussichtlose) offen schwule Präsidentschaftskandidat des Mitte-Links-Bündnisses Lewica, ergänzte, dass sich seit 2003 nichts bei LGBTI-Rechten in Polen getan habe. Er kritisierte dabei auch die Konservativen, die das Thema unter den Teppich gekehrt hätten.

Poland, Estymator poll: Presidental Election Duda (*-ECR): 44% (+1) Trzaskowski (PO-EPP): 28% (+3) Ho?ownia (*): 11%…

Gepostet von Europe Elects am Sonntag, 14. Juni 2020
Facebook / Europe Elects | Duda wird wohl die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 28. Juni deutlich für sich entscheiden – unklar ist, ob der konservative Rafał Trzaskowski bei einer möglichen Stichwahl am 12. Juli Chancen hat, den Rechtspopulisten zu besiegen

Laut der "Rainbow Europe"-Liste 2020 ist Polen das EU-Land, in dem sexuelle und geschlechtliche Minderheiten am wenigsten Rechte haben. Unter 49 europäischen Ländern liegt es auf Rang 42 (queer.de berichtete). (dk)

???? Powiedz to razem z nami ? g?o?no i wyra?nie ? osoby LGBT to nie ideologia, to ludzie! ??Udost?pnij ten…

Gepostet von Kampania Przeciw Homofobii am Sonntag, 14. Juni 2020
Facebook / Kampania Przeciw Homofobii | Die polnische Kampagne gegen Homophobie erinnerte erneut daran: LGBT sind keine Ideologie, sondern Menschen

Wöchentliche Umfrage

» Die Bundesregierung ist in "großer Sorge" um LGBTI-Rechte in Polen. Müsste sie auch mehr tun?
    Ergebnis der Umfrage vom 15.06.2020 bis 22.06.2020


#1 AnimalblackProfil
  • 15.06.2020, 13:21hKöln
  • Haben also die Rechtspopulisten in Polen vom Trumpeltier gelernt:

    Größten Hass verbreiten und obwohl es authentische Aufnahmen dieser Hassausbrüche gibt, werden Berichte darüber als Fake News bezeichnet.

    Hoffentlich sind die polnischen Wähler intelligenter als die Wähler von Trump und durchschauen dieses falsche Spiel.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 KaiJAnonym
  • 15.06.2020, 13:27h
  • Der Wahrheit Grundlage ist starke Correctness und nicht wie Duda Gegenpart zu ihr.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Alexander_FAnonym
  • 15.06.2020, 14:25h
  • *Gähhn* Es ist mal wieder so weit: erst wird gehetzt, und dann geflennt, wenn eine Gegenreaktion kommt. Es ist eben immer das Gleiche mit diesen hassgeifernden Schießbudenfiguren, ob sie nun Duda, Fillon, oder Rowling heißen: im Schattenboxen glänzen sie, aber sobald sie im Ring stehen und zurückgeschlagen wird, sind sie schon in der ersten Runde KO.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Altbekannte TaktikAnonym
  • 15.06.2020, 19:43h
  • Die altbekannte Taktik, um vom eigenen Versagen in inhaltlichen Fragen abzulenken:

    Zuerst hetzt man gegen Minderheiten, um ihnen den schwarzen Peter zuzuschieben. Und wenn diese das dann entlarven, stilisiert man sich als Opfer.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Carsten ACAnonym
  • 15.06.2020, 20:15h
  • Schon interessant, dass die Leute, die die wildesten Märchen über andere erfinden, um selbst daraus Kapital zu schlagen, anderen immer Fakenews vorwerfen.

    Das hat er wohl von Trump gelernt. Wollen wir hoffen, dass die Polen solche manipulativen Tricks eher durchschauen als die Amis.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 DramaQueen24Profil
  • 16.06.2020, 01:01hBerlin
  • Und wieder mal machen sich Täter zum Opfer.
    Sag mal, DU DA: Fällt Dir nicht mal ne neue Platte ein? Die alte ist schon abgenutzt!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 DramaQueen24Profil
  • 16.06.2020, 01:05hBerlin
  • Antwort auf #5 von Carsten AC
  • Die "Amis" durchschauen es schon, doch den rechtslastigen Amerikanern, die von "denen da oben" enttäuscht sind, ist es egal. Und auch den Fundichristen ist es egal, denn er liefert ja in ihrem Sinne (z.B. konservative Richter am SCOTUS, Zurückdrängung von Ausländern, "Stärkung" der US-Wirtschaft durch Abschottung).
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Ralph
  • 16.06.2020, 10:31h
  • "Idioten", "unmoralisch", "irgendwelche Menschenrechte" - deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass Menschenwürde und Grundrechte in Polen nicht gelten.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Ralph
  • 16.06.2020, 11:01h
  • Derzeit läuft hier eine Umfrage zu den Reaktionen des Auslandes auf die Vorgänge in Polen. Zumindest wäre es angebracht, ja geboten, dass in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Schweden, den Niederlanden u.a. der polnische Botschafter einbestellt und von den genannten Ländern im polnischen Außenministerium eine Protestnote übergeben wird. Das erscheint erst mal floskelhaft, ist aber zwischen befreundeten Staaten eine sehr scharfe Reaktion im sonst so zurückhaltenden Diplomatentum.
  • Antworten » | Direktlink »