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#Wissenverdoppeln

Fast jeder fünfte Deutsche weiß über "Schutz durch Therapie" Bescheid

Seit Jahren versucht die Deutsche Aidshilfe mit der Kampagne #wissenverdoppeln, gefährliche Ignoranz über HIV abzubauen. Laut einer Umfrage gibt es erste Erfolge.


Aidshilfen in ganz Deutschland versuchen, das nach wie vor mäßige Wissen der Bevölkerung über HIV aufzubessern (Bild: Twitter / Fabian u André)

Rund 18 Prozent der Menschen in Deutschland wissen mittlerweile, dass HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar ist. Das ergab eine repräsentative Bevölkerungsumfrage im Auftrag der Deutschen Aidshilfe (DAH) mit über 1.000 telefonisch Befragten im April (PDF). Das Wissen ist unter jungen Menschen etwas größer als unter Älteren: Bei den 16- bis 29-Jährigen wissen 21 Prozent Bescheid, bei den über 60-Jährigen sind es nur 14 Prozent.

Die DAH-Mitmachkampagne #wissenverdoppeln habe damit ihren ersten Meilenstein erreicht, teilte der Dachverband am Montag mit. Denn seit Herbst 2017 habe sich das Wissen bezüglich der Nicht-Übertragbarkeit nahezu verdoppelt. Damals hatten bei einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gerade einmal zehn Prozent der wissenschaftlichen Tatsache zugestimmt.

"Das ist eine großartige Nachricht: Mit vereinten Kräften ist es gelungen, diese erleichternde Information vielen Menschen bekannt zu machen", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban. "Die Aufklärung zur Nicht-Übertragbarkeit von HIV unter Therapie stößt auf großes Interesse. Auf diesen Erfolg bauen wir nun auf: Wir verdoppeln das Wissen, bis alle Bescheid wissen."

Weiterhin Wissenslücken und beängstigende Vorurteile

Während das Wissen zugenommen hat, sind laut der neuen Umfrage Berührungsängste gegenüber Menschen mit HIV etwas zurückgegangen. Der Anteil der Menschen, die kein Geschirr mit HIV-positiven Menschen teilen möchten, ist zum Beispiel von 33 Prozent auf 24 Prozent gesunken.

Die Zahlen zeigen allerdings zugleich nach wie vor massive Wissenslücken, Unsicherheiten und Vorurteile bezüglich HIV. Denn im Alltag gibt es freilich überhaupt kein Übertragungsrisiko – unabhängig von einer Therapie. Trotzdem scheuen 23 Prozent Befragten sogar die gemeinsame Nutzung von Sportgeräten im Fitnessstudio, 21 Prozent möchten nicht dieselbe Toilette nutzen wie Menschen mit HIV. Nur die Hälfte der befragten Menschen (48 Prozent) würden eine HIV-positive Person küssen, die ihnen sympathisch ist.

Unterm Strich möchten drei von zehn Befragten mit dem Thema HIV lieber nicht in Berührung kommen. Und unverändert zu 2017 meint ungefähr die Hälfte der Befragten, dass über Menschen mit HIV im Allgemeinen eher schlecht gesprochen wird.

"Beim Kampf gegen Ignoranz und Diskriminierung bohren wir ein dickes Brett", so Urban. "Dabei gilt es immer wieder zu vermitteln: HIV ist im Alltag sowieso nicht übertragbar, unter Therapie nicht einmal beim Sex. Wir sind auf dem Weg zu einem entspannten Umgang zwischen HIV-positiven und negativen Menschen im Alltag. Nichts anderes als ein ganz selbstverständliches Zusammenleben ist angemessen."

Wissen verdoppeln bedeutet: Ängste verringern

Das Wissen von der Nicht-Übertragbarkeit verringere dabei Ängste vor HIV-positiven Menschen und damit Ablehnung und Diskriminierung. Ein offenes Klima mit immer weniger Angst fördere zugleich Kommunikation über HIV – und erleichtere damit den Schutz sowie den Gang zum HIV-Test. Dieser sei wiederum Voraussetzung für eine Therapie.

Neben der Hauptbotschaft vermittelt die Kampagne #wissenverdoppeln anhand von spannenden Lebensgeschichten außerdem die drastischen Veränderungen der letzten 25 Jahre: Denn Menschen mit HIV können heute alt werden und in jeder Hinsicht leben wie alle anderen. Dieses Wissen trage laut DAH zur Entspannung bei.

Twitter / Aidshilfe_de | Die Deutsche Aidshilfe versucht die Botschaft von #wissenverdoppeln insbesondere über soziale Netzwerken zu verbreiten

Studien beweisen: "Schutz durch Therapie" wirkt

Dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist, beweisen mittlerweile mehrere große Studien (queer.de berichtete). Beobachtet wurden Tausende gemischt HIV-positiv-negative Paare, die Hunderttausende Male auf Kondome verzichteten, ohne dass es zu einer einzigen Übertragung kam.

Die DAH bewertet "Schutz durch Therapie" heutzutage als eine von drei wirksamen Safer-Sex-Methoden. Dazu gehört auch der Dauerbrenner Kondome sowie die HIV-Prophylaxe PrEP, die seit vergangenem Herbst in Deutschland reguläre Kassenleistung ist (queer.de berichtete).

Laut Robert-Koch-Institut gibt es immer weniger HIV-Neuinfektionen in Deutschland: 2018 seien die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 2.400 gesunken (queer.de berichtete). Männer, die Sex mit Männern haben, stellten zwei Drittel der Neuinfektionen. (pm/dk)



#1 PetterAnonym
  • 16.06.2020, 10:49h
  • Das beweist wieder mal, dass Aufklärung wirkt.

    Genau sowas bräuchten wir auch als generellen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie. Das hatte die SPD ja auch mal versprochen, ist dann aber auch da wieder mal vor der Union eingeknickt.
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#2 Micha_XXAnonym
  • 16.06.2020, 11:29h
  • Gute Aktion! :-)
    Aber warum liest da vor dem Plakatdruck nicht einer Korrektur? Sogar das "Deppenapostroph" ist falsch geschrieben! :-)))
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#3 WindheimerAnonym