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USA
Trump erfindet einen HIV-Impfstoff
Laut Präsident Trump arbeiten amerikanische Forscher, die bereits den "Aids-Impfstoff" entwickelt haben, an einem Corona-Heilmittel. Das Problem: Einen derartigen Impfstoff gegen HIV gibt es in der realen Welt nicht.

Präsident Donald Trump nimmt es in seinen öffentlichen Äußerungen oft mit der Wahrheit nicht so genau (Bild: The White House)
- 17. Juni 2020, 08:12h 2 Min.
Präsident Donald Trump hat am Dienstag bei einer Rede vor dem Weißen Haus behauptet, es gebe einen Impfstoff gegen HIV. Damit löste der umstrittene amerikanische Staatschef erneut scharfe Reaktionen in sozialen Netzwerken aus.
Der 74-Jährige behauptete, er verkehre mit "unglaublichen Wissenschaftlern", die an einem Corona-Heilmittel arbeiteten. "Sie haben den Aids-Impfstoff entwickelt", so Trump weiter. Im gewohnten Trump-Jargon fuhr er schließlich fort, offenbar sich selbst korrigierend: "Oder Aids… Und wie Sie wissen, gibt es viele Dinge und viele Firmen sind beteiligt. Aber das Therapeutikum für Aids… Aids war ein Todesurteil und jetzt leben Leute ein Leben mit einer Pille. Das ist eine unglaubliche Sache." Eine offizielle Korrektur für die Falschaussage gab es vom Weißen Haus nicht. Auf Presseanfragen zum Thema – etwa von NBC News – reagierte die US-Regierung nicht.
Aids-Aktivist*innen wiesen Trump schnell darauf hin, dass es noch keinen Impfstoff gegen HIV gebe – und das gegenteilige Äußerungen gefährlich sein könnten. "Nein Trump. Wie immer liegen Sie FALSCH", schrieb etwa Act Up New York auf Twitter. Menschen, die mit HIV lebten, könnten heute ihre Viruslast so stark absenken, dass sie das Virus nicht weitergeben könnten. "Unser Kampf mit der Pharmaindustrie geht weiter, die Monopole auf diese lebensrettenden Medikamente besitzt." Die Ärztevereinigung IAPAC ergänzte: "Bei der öffentlichen Gesundheit können Falschinformationen Konsequenzen haben. Informiert euch über die Fakten und trefft Sicherheitsmaßnahmen (Kondome, PrEP)."
/ actupnyNo Trump. As always you are WRONG.
ACT UP NY (@actupny) June 16, 2020
There is no vaccine for AIDS though we have advancements in treatment where PLHIV can have achieve an undetectable viral load and not transmit (U=U). Our battle continues with pharma holding monopolies on these lifesaving drugs.
/ IAPACIMPORTANT NOTICE: Contrary to Presidents Trump announcement earlier today, there is no approved #HIV or #AIDS vaccine. In public health, disinformation can have consequences. Know the facts and take precautions (condoms, #PrEP). https://t.co/xBSXnZE4CP pic.twitter.com/TlOwdcQUdk
IAPAC (@IAPAC) June 16, 2020
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Viele machten sich auch lustig über die Äußerung Trumps. "Eilmeldung: Trump hat gerade Aids geheilt", schrieb etwa der queere Komiker Randy Rainbow.
/ RandyRainbowBreaking: Trump just cured AIDS
Randy Rainbow (@RandyRainbow) June 16, 2020
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In den USA stecken sich laut offiziellen Zahlen rund 40.000 Menschen pro Jahr mit HIV an. In Deutschland gab es laut dem Robert-Koch-Institut 2018 insgesamt 2.400 HIV-Neuinfektionen (queer.de berichtete).
Weitere Alternativfakten
In dieser Rede nahm es Trump auch mit anderen Fakten nicht so genau. So behauptete er, dass die Vorgängerregierung unter Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joe Biden nicht einmal versucht habe, Probleme bei der Polizei zu bekämpfen. Dabei hatte Trump selbst Reformen der Obama-Regierung rückgängig gemacht.
/ keithboykinTrump says President Obama and Vice President Biden never even tried to fix this during their eight-year period.
Keith Boykin (@keithboykin) June 16, 2020
Obamas task force set 59 proposals for police reform and appointed attorneys general who set up consent decrees with police departments, then undermined by Trump. pic.twitter.com/iS407eRlxf
Die "Washington Post", die alle Reden von Trump analysiert, hat bislang während seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit rund 20.000 irreführende Äußerungen oder schlichte Falschaussagen durch den Präsidenten gezählt. (dk)














