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Hamburg

Nach Attacke auf Monika Treut: Prozess gegen S-Bahn-Schubserin gestartet

Ende 2018 schubste eine offenbar psychisch kranke Frau die "Queer Cinema"-Veteranin Monika Treut an einem Bahnhof aufs Gleisbett. Jetzt haben die Jurist*innen das Wort.


Monika Treut ist Nebenklägerin im Verfahren (Bild: Monika Treut, Hyena Films / wikipedia)

  • 17. Juni 2020, 13:42h, noch kein Kommentar

Am Dienstag ist in Hamburg der Prozess gegen eine wahrscheinlich psychisch kranke Frau losgegangen, der vorgeworfen wird, die Filmregisseurin und -produzentin Monika Treut vor 19 Monaten an einer S-Bahn-Station aufs Gleisbett geschubst zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft der 58-jährigen Carmen L. gefährliche Körperverletzung vor.

Der Vorfall hatte sich am 4. November 2018 ereignet: Damals soll die mutmaßliche Täterin Treut ohne Vorankündigung von einem Bahngleis am S-Bahnhof Sternschanze auf das Schienenbett an Gleis 2 gestoßen haben (queer.de berichtete). Die Bundespolizei nahm L. noch vor Ort fest. Versuchter Mord wurde der Beschuldigten nicht zur Last gelegt, da zum Tatzeitpunkt keine S-Bahn eingefahren und damit keine unmittelbare Lebensgefahr bestanden habe.

Bei der Tat erlitt Treut unter anderem einen Riss am Ellenbogen und zog sich einen Beckenbruch zu. Die mutmaßliche Angreiferin ist nach der Tat zunächst in eine geschlossene Nervenklinik eingewiesen worden. Der Prozess muss nun zeigen, ob sie wegen psychischer Einschränkungen vermindert schuldfähig ist.

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"Ich hatte Todesangst"

Im Zeugenstand berichtet die 66-jährige Filmemacherin, die auch als Nebenklägerin auftritt, vom langen Weg der Heilung: "Ich lag im Gleisbett und hatte Todesangst", sagte sie nach Angaben von "Bild". Auf sie habe die Angeklagte "sehr wirr" gewirkt. So habe sie ihr Bein in die Luft geworfen und behauptet, sie sei eine Tänzerin.

L.s Verteidigerin las vor Gericht ein Entschuldigungsschreiben der Angeklagten vor. Demnach habe sie den Vorfall "nicht gewollt". Der Tat sei ein Unfall gewesen.

Treut ist international als Vorreiterin des "New Queer Cinema" bekannt. Besonders einflussreich war ihre Dokumentarfilm "Gendernauts – eine Reise durch das Land der Neuen Geschlechter" aus dem Jahr 1999, der damals mit dem Spezialpreis der Teddy-Jury ausgezeichnet wurde. Auf mehreren anderen Filmfestivals erhielt die 86-minütige Produktion über die genderqueere Szene in San Francisco weitere Preise. 2017 wurde Treut für mit dem Special-Teddy-Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet (queer.de berichtete). (cw)