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Polen

Duda traf LGBT-Aktivist: Keine Entschuldigung, keine Veränderung des Wahlkampfs

Bartosz Staszewski konfrontierte den Präsidenten mit Bildern junger queerer Menschen, die sich das Leben nahmen. Die Volksverhetzung durch Politik und Medien wird zugleich immer krasser.


Bartosz Staszewski gab nach dem Treffen mit dem Präsidenten Interviews

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat sich am Mittwoch mit dem queeren Aktivisten Bartosz Staszewski zu einem Gespräch getroffen. Der Organisator des CSD in Lublin, der unter anderem durch ein Kunstprojekt mit Ortsschildern zu "LGBT-freien Zonen" weltweit bekannt wurde, hatte den Präsidenten am Montag am Rande eines Wahlkampfauftrittes in Lublin angesprochen. Duda hatte in seiner Rede Papst Johannes Paul II. zitiert, der in der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare eine "Ideologie des Bösen" im Spiel gesehen hatte (queer.de berichtete).

Er habe dem Präsidenten von dem langen Kampf von LGBTI erzählt, von den Ausschreitungen zum CSD in Bialystok oder dem vereitelten Bombenanschlag auf den CSD in Lublin, so Staszewski. Duda habe geantwortet, dass er davon nichts gehört habe. Er sei auch ohne Regung geblieben, als er drei Bilder von jungen Menschen, die sich aus Homo- oder Transphobie das Leben nahmen, gezeigt habe. Dominik, Kasper und Milo seien drei Personen gewesen, keine Ideologie, so Staszewski – am Wochenende hatte der Präsident mit Blick auf diesen als Reaktion auf die Stimmungsmache gegen eine vermeintliche "LGBT-Ideologie" entstandenen Slogan der queeren Bewegung gesagt: "Man versucht uns einzureden, dass das Menschen sind. Aber es ist einfach nur eine Ideologie" (queer.de berichtete).

Prezydent odpowiedzia? na moje wezwanie do spotkania. Trwa?o ponad godzin?. Na samym pocz?tku sprz?tn??em zastaw? ze…

Gepostet von Bart Staszewski am Mittwoch, 17. Juni 2020
Facebook / Bart Staszewski

Laut Staszewski sagte der Präsident bei dem Gespräch ferner, dass er weiter gegen "LGBT-Ideologie" kämpfen werde und dass die Menschen auf den Bildern keine gleichen Rechte, sondern einen Psychologen benötigt hätten. "Schließlich sagte der Präsident, er würde sich nicht für seine Reden über die 'LGBT-Ideologie' entschuldigen, denn dass sei Redefreiheit. Ich beendete das Treffen, knöpfte die Jacke zu und verabschiedete mich ohne Händeschütteln."

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Biedron lehnte Treffen ohne Vorab-Entschuldigung ab

Im Vorfeld hatte es (unter anderem vom Staatsfernsehen ausgenutzte) Debatten gegeben, ob Staszewski den Termin hätte wahrnehmen sollen – zumal der Präsident auch einen schwulen Blogger, der in Berlin lebt und gegen eine "LGBT-Ideologie" anschreibt, eingeladen hatte. Anschließend lobte das Portal queer.pl allerdings, Staszewski habe den Präsidenten mit genau den richtigen Fragen konfrontiert und das Treffen so genutzt, dass es nicht zu einem PR-Erfolg für Duda wurde.

Ein Sprecher des Präsidenten betonte dennoch, dass es ein "konstruktives Gespräch" gewesen sei. Der Präsident halte aber an Positionen seiner in der letzten Woche vorgestellten "Familien-Charta" fest. Darin hatte er sich unter anderem verpflichtet, die Ehe als "Verbindung aus Mann und Frau" zu "schützen" und keine Adoption von Kindern durch gleichgeschlechtliche Paare zuzulassen. Auch verspricht er einen "Schutz von Kindern vor LGBT-Ideologie" und ein "Verbot der Propagierung von LGBT-Ideologie in öffentlichen Institutionen" (queer.de berichtete).


Robert Biedron am Mittwoch vor dem Präsidentenpalast in Warschau. Am Abend trifft er den Amtsinhaber zur TV-Debatte zur Wahl am 28. Juni

Duda hatte auch den schwulen Präsidentschaftsbewerber der Linken, Robert Biedron, eingeladen – und seine Mutter, die am Montag vor dem Amtssitz des Präsidenten gegen Homo- und Transphobie protestiert hatte (queer.de berichtete). Beide hatten die Einladung abgelehnt, solange sich der Präsident nicht vorab entschuldige. Am Mittwoch gab Biedron am gleichen Ort eine Pressekonferenz und begründete seine Absage an den Präsidenten: "Die Verantwortung des Staatsoberhauptes, des Präsidenten in einem demokratischen Staat, besteht darin, die Gleichberechtigung aller zu wahren und seine Aussagen zu mäßigen, eine Sprache zu verwenden, die nicht den braunsten Seiten der polnischen Geschichte ähnelt".

LGBT-"Ideologie" = "Genitalien an öffentlichen Orten"

Derweil nimmt die homofeindliche Rhetorik kein Ende: Adam Bielan, Sprecher von Dudas Wahlstab, sagte in einem Interview, LGBT kämpften nicht für Rechte, sondern "zusätzliche Privilegien", die aber nur Eheleuten vorbehalten sein sollten. Der "LGBT-Ideologie" stünden auch Homosexuelle kritisch gegenüber, so der Europaabgeordnete. "Ihr zufolge sollte man beispielsweise an öffentlichen Orten seine Genitalien zeigen – so sehen Paraden in vielen Ländern aus im Westen." Auf ein solches Bild vor Augen habe sich der Abgeordnete Przemyslaw Czarnek bezogen, als er vor der "Ideologie" warnte, verteidigte Bielan einen weiteren in Kritik stehenden PiS-Politiker.

Czarnek hatte am Samstagabend im polnischen Fernsehen mit folgenden Worten vor einer "LGBT-Ideologie" gewarnt: "Lasst uns Familien gegen diese Art von Korruption, Verderbnis und von absolut unmoralischem Verhalten verteidigen. Wir müssen uns gegen die LGBT-Ideologie verteidigen und aufhören, diesen Idioten zuzuhören, wenn sie über irgendwelche Menschenrechte oder Gleichbehandlung reden. Diese Leute sind nicht gleich mit normalen Leuten und wir werden die Diskussion beenden."

LGBT-"Ideologie" = Sex und Satan

Für Empörung sorgte auch der PiS-Politiker Andrzej Glaz, Vorsteher der Gemeinde Tuszów Narodowy. In einem Brief an Polens Beauftragten für Menschenrechte, Adam Bodnar, verteidigte er eine Gemeinde-Resolution gegen "LGBT-Ideologie": "Ihr Motto ist Freiheit, alles zu tun, was angenehm erscheint und was in den Augen der überwiegenden Mehrheit der Nation ekelhaft ist. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, alles Böse einzuführen."

Die gegenwärtige Welt, die von der LGBT-Ideologie beeinflusst werde, "wurde von Satan, Erotik und Sex besessen", so der Politiker weiter. "Wenn man sich anschaut, was gerade passiert, kann man davon ausgehen, dass die heutige Menschheit einer größeren Bestrafung ausgesetzt sein wird als das, was mit den Menschen von Sodom und Gomorra passiert ist, die verbrannt wurden." Seine Gemeinde werde sich weiter gegen die "Regenbogenpest" stellen.

TVP-Korrespondent: Homosexuelle im KZ waren "Degenerierte" und "Vergewaltiger"

Die übelste Entgleisung der letzten Tage kam aber von einem Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders TVP, der in den letzten Jahren zu einem – auch homofeindlichen – Propagandakanal der Regierung wurde. Nachdem Duda am Sonntag Auschwitz besucht hatte, hatte ihn ein Journalist des Portals Onet.pl bei Twitter daran erinnert, dass die Nazis auch Homosexuelle in das Konzentrationslager brachten. "Die meisten überlebten nicht", so Bartosz Weglarczyk. "Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß glaubte, dass sie getrennt gehalten werden müssten, weil sie Wachen und andere Gefangene mit Homosexualität infizieren könnten."

Twitter / bweglarczyk

Cezary Gmyz, TVP-Korrespondent in Berlin, nutzte diese mahnende Geschichtsstunde bei Twitter für eigene Ausführungen: "Viele Homosexuelle in Konzentrationslagern waren außergewöhnliche Degenerierte und Vergewaltiger. Ich beziehe mich auch auf das Buch von Roman Frister, der sich in 'Selbstporträt mit Narbe' als Opfer einer analen Vergewaltigung in Auschwitz beschreibt." In dem Bemühen, Opfer zu Tätern zu machen, ergänzte er später, ähnlich sei es in Frauenlagern wie in Ravensbrück gewesen: So habe sich die KZ-Überlebende Wanda Póltawska "angewidert" gezeigt von der Jagd nach jungen Mädchen sowohl durch Wachen als auch den Gefangenen. (nb)

 Update  18.6., 14.45h: Schauws stellt Strafanzeige gegen TVP-Korrespondenten

Ulle Schauws, die Sprecherin für Queerpolitik der grünen Bundestagsfraktion, teilte am Donnerstag mit, sie habe "aufgrund eines volkshetzerischen und die Naziverbrechen relativierenden Tweets eine Strafanzeige gegen Herrn Cezary Gmyz, den Korrespondenten des öffentlichen polnischen Fernsehens TVP in Deutschland gestellt". Zudem werde sie an den Verein der Ausländischen Presse in Deutschland appellieren, ihn wegen seiner Äußerung aus dem Verein auszuschließen. "Es gibt Grenzen des Sagbaren", so Schauws.

Wöchentliche Umfrage

» Die Bundesregierung ist in "großer Sorge" um LGBTI-Rechte in Polen. Müsste sie auch mehr tun?
    Ergebnis der Umfrage vom 15.06.2020 bis 22.06.2020


#1 stephan
  • 17.06.2020, 20:24h
  • Die Aussagen und Reaktionen dieses 'Präsidenten' Polens qualifizieren ihn und sein Land hinreichend. Was könnte man da noch hinzufügen? Solche Typen in ihrer Verblendung, Dummheit und ihrer mangenden Empathie mit animalischen Attributen zu belegen, wäre eine Beleidigung für die Tierwelt!
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#2 AutumnProfil
  • 17.06.2020, 21:11hKöln
  • Dieses Treffen hätte er sich sparen können.
    3 Fotos von Menschen, die sich wegen all dem Hass umgebracht haben und diesen Mann interessiert es kein Stück, sagt sogar noch, dass er weiter macht!!

    Was wäre gewesen, wenn es bei den 3 Leuten um Juden oder Schwarze gehandelt hätte?!

    Es muss endlich aufhören, dass dieser Hass gegen uns als etwas weniger schweres betrachtet wird als Hass gegen Juden oder Schwarze, es ist genau das gleiche!!

    Dieser Mann ist einfach nur ein Faschist!
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#3 ElyasAnonym
  • 17.06.2020, 21:14h
  • Eins sieht man aber sehr gut bei sowas ....

    Polen , Ungarn usw.....

    Die EU hat jede Relevanz verloren es ist nur noch ein Bürokratisches Monsters .. Hat nichts mehr mit Werten und Menschenrechte zu tun.
    Es wird dabei zugeschaut wie mehr und mehr Mitglieder in den Faschismus abdriften und nichts wird unternommen.
    Menschenfeindlichkeit und Entmenschlichung wird nicht mal mehr widersprochen.

    EU = Witz
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#4 AutumnProfil
#5 kuesschen11Profil
  • 17.06.2020, 22:46hFrankfurt
  • Zu diesem Geschehen und dem Faschismus in der polnischen Regierung muss die EU Stellung beziehen und Sanktionen gegen diese eiskalten Verbrecher einführen.

    Keine Gelder mehr aus der EU für diese Regierung.

    Ich bin sprachlos über diese Lügen und Wahrheitsverdreher.

    Es sollten gleichgeschlechtliche Paare aus westlichen Ländern Polen zeigen, dass sie glücklich sind und LGBTI in Polen ein Recht haben auf Unversehrtheit und ein Recht auf Liebe.

    Die polnische Regierung sollte vor die oberste Gerichtsbarkeit gestellt und angeklagt werden.

    Und der Papst gehört mit angeklagt am Verbrechen der schweren Diskriminierung. Die gehen alle über Leichen.
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#6 Alexander_FAnonym
  • 17.06.2020, 23:22h
  • Antwort auf #3 von Elyas
  • Man könnte es auch so sehen: die EU hätte am Fall Polen eine Chance, zu beweisen, dass sie mehr als ein bloßer Witz ist. Denn trotz aller Unzulänglichkeiten ist und bleibt sie der Garant für eine der friedlichsten und fortschrittlichsten Epochen, die dieser Kontinent je gesehen hat.

    Aber das Problem ist tatsächlich, dass in der gegenwärtigen EU zu wenig Gegengewicht gegen diese geifernden Hetzer herrscht. Und auf unsere Kanzlerin als Staatschefin des einflussreichsten Landes der EU kann man da leider auch nicht unbedingt zählen.
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#7 DramaQueen24Profil
#8 StreunerAnonym
  • 18.06.2020, 07:06h
  • Was ist denn das immer für eine hirnlose Argumentation... "das ist so, weils so ist", Leute, das ist kindisch.

    Peinlich für Polen!
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#9 kuesschen11Profil
  • 18.06.2020, 07:44hFrankfurt
  • Antwort auf #7 von DramaQueen24
  • 'Der jetzige Papst ist auch nicht besser'
    Volle Zustimmung.

    Der Papst müsste auf die Hetze der polnischen Bischöfe hinweisen und sie abmahnen. Aber die Charta der Grundrechte in der Europäischen Union unterzeichnet ein Vatikanstaat nicht.

    Hetze bleibt Hetze und stellt eine Verletzung der Menschenwürde dar. Das lastet schon seit Jahrhunderten in Religionen.

    Doch wer löst dieses Problem?
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#10 DominikaAnonym
  • 18.06.2020, 10:37h
  • Antwort auf #1 von stephan
  • Sorry for responding in English, but unfortunately I dont speak German. Whats happening in Poland is terryfying. Duda is losing in election polls, but most of Polish people are afraid hes gonna win anyway. He has lots of allies in goverment, such as mayor of Tuszów Narodowy, who said in the letter adressed to Ombudsman (!!!) that he will be against LGBT+, cause its rainbow plague and the world under LGBT+ ideology is possessed by Satan, erotism and sex. Also, a lot of older people are going to vote for Duda. But still, I think its going to be the highest frequency in Polish elections, because the rest of us dont want him to win. Were also afraid that in case of Duda losing, the goverment is going to rig the election. Were afraid of our own goverment, its just sick. Im 21 years old, little anxiety, and crying every day cause Im afraid about our future. And Im not even gay, I cant imagine how theyre feeling right now.
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