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"Vollwertiges Mitglied der Gesellschaft"
Seltener Nachweis für Intersexualität im 17. Jahrhundert
Im Taufregister von Peterzell entdeckte ein Historiker einen Eintrag vom 3. April 1653, bei dem das Kind zunächst auf den Namen Anna getauft wurde, später aber der Name Hans Jakob nachgetragen wurde.

Der Eintrag von Hans Jacob Epting im Peterzeller Taufregister (Bild: Württembergische Kirchengeschichte online)
- 22. Juni 2020, 03:01h 2 Min.
Uwe Heizmann, Mitarbeiter des Landeskirchlichen Archivs Stuttgart, machte eine historische Entdeckung: Im Taufregister von Peterzell bei Alpirsbach im Schwarzwald fiel ihm ein Eintrag vom 3. April 1653 auf, bei dem das Kind zunächst auf den Namen Anna getauft wurde, später aber der Name Hans Jakob nachgetragen wurde. Wie sich "ettlich tag" nach der Taufe herausgestellt habe, habe bei dem Kind das männliche gegenüber dem weiblichen Geschlecht überwogen, so dass die Änderung nötig geworden sei, heißt es in der Urkunde.
Bei dem Fund handelt es sich um einen seltenen Nachweis für Intergeschlechtlichkeit in einer frühneuzeitlichen Quelle. Wie anhand anderer Quellen in Kirchenarchiv ermittelt werden konnte, wurde Hans Jakob Epting 71 Jahre alt, blieb Zeit seines Lebens unverheiratet, lebte aber als angesehener Bürger im Dorf und führte knapp drei Jahrzehnte die Rechnungen der Kirchengemeinde.
Epting hatte "verantwortungsvolles und angesehenes Amt"
"Mit dem Amt des Heiligenpflegers, also dem Verwalter des Kirchenvermögens, hatte Hans Jacob Epting ein verantwortungsvolles und angesehenes Amt inne", schreibt Heizmann im Blog des Portals Württembergische Kirchengeschichte über seinen sensationellen Fund. Anfeindungen gegen ihn seien den Protokollen des Kirchenkonvents nicht zu entnehmen. Den Taufregistern von Peterzell konnte er entnehmen, dass Epting zwischen 1692 und 1722 bei fünf Familien insgesamt 18 Mal Pate war.
"Aufgrund der Quellenlage kann angenommen werden, dass Hans Jacob Epting ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft war", schlussfolgert Heizmann. Seine Ehelosigkeit sei "nicht zwangsläufig auf seine Intersexualität zurückzuführen". (cw)
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