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Regenbogenfamilien

Bildungsministerin will doch keine Studie zur angeblichen Überlegenheit von Hetero-Eltern

Die homophobe CDU-Politikerin hatte beklagt, dass es keine Studien über den ihrer Meinung nach schädlichen Einfluss von Regenbogenfamilien auf Kinder gebe. Ihre Behauptung mit einer eigenen Studie beweisen will die Ministerin für Bildung und Forschung aber lieber nicht.


Anja Karliczek (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Das Bundesbildungsministerium hat auf eine Anfrage des Grünenabgeordneten Kai Gehring erklärt, keine Langzeitstudie über den von Ministerin Anja Karliczek (CDU) vermuteten negativen Effekt von Regenbogenfamilien auf Kinder zu planen. "Das Bundesministerium für Bildung und Forschung beabsichtigt nicht, entsprechende Studien in Auftrag zu geben", hieß es in der auf den 18. Juni datierten Antwort, die queer.de vorliegt.

Karliczek gilt als homophobstes Mitglied der schwarz-roten Bundesregierung. Die Christdemokratin aus dem münsterländischen Steinfurt haderte mit der Gleichbehandlung von homo- und heterosexuellen Eheleuten und behauptete 2017 als einfache Abgeordnete, dass es "keine Langzeitstudien zu den Auswirkungen auf Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften" gebe. In einem ntv-Interview beharrte sie Ende 2018 auch als Ministerin auf ihren Aussagen und ihrem Wunsch nach einer Langzeitstudie zum Thema (queer.de berichtete).

Der LSVD kritisierte daraufhin, Karliczek ignoriere die große Auswahl an bereits vorliegenden (Langzeit-)Studien, um ihre Vorurteile zu pflegen (queer.de berichtete). Diese Studien haben stets das gleiche Ergebnis: nämlich dass die sexuelle Orientierung der Eltern keinen Einfluss auf das Wohlergehen der Kinder hat. Mehrere Chancen auf Stellungnahme, in der sie diese Studien anerkennt, ließ sie Ende 2018 ungenutzt (queer.de berichtete).

In der Antwort auf Gehrings Frage verwies das Ministerium jetzt auch auf Karliczeks Ausführungen bei einer Fragestunde im Bundestag vom Mai 2019. Damals gab sie schließlich zu, dass es Studien zu Regenbogenfamilien gebe. Die Wissenschaftsministerin wollte sich aber nicht weiter zu ihnen äußern. Zudem behauptete sie wahrheitswidrig, nie die Existenz von Studien bestritten zu haben ("Das habe ich nie in Frage gestellt"). Gleichzeitig lehnte sie es damals auch ab, gezielt zu Homo- und Transfeindlichkeit zu forschen (queer.de berichtete).

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Gehring ist erleichtert, dass es keine "tendenziöse Studie" gibt

"Eine überfällige Nachricht, dass Ministerin Karliczek ihre Idee einer tendenziösen Studie endlich aufgegeben hat", erklärte Gehring am Montag gegenüber queer.de. "Offenbar hat sich auch das Ministerium nach über einem Jahr schlau gemacht, dass es reihenweise wissenschaftliche Studien gibt, die Kindern aus Regenbogenfamilien dasselbe Wohlergehen attestieren wie in traditionellen heterosexuellen Beziehungen. Das Eingeständnis, dass weitere Studien hierzu keinen wissenschaftlichen Mehrwert oder Erkenntnisgewinn brächten, war die einzig logische Konsequenz."


Kai Gehring ist Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule der grünen Bundestagsfraktion (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Gleichzeitig verwies Gehring darauf, dass Regenbogenfamilien schon mit vielen Schwierigkeiten "von Vorurteilen im Alltag bis zu Hürden bei vielen Ämtern" zu kämpfen hätten. "Da brauchen wir keine Bildungsministerin, die mit völlig unhaltbaren Aussagen weitere Verunsicherung bei Eltern und Kindern stiftet", so Gehring. "Regenbogenfamilien verdienen die gleichen Rechte und die volle Unterstützung der Bundesregierung, keine unwissenschaftliche und vorurteilsgeleitete Verächtlichmachung vom Kabinettstisch aus."

Es gebe außerdem noch viel queerpolitischen Handlungsbedarf – etwa die wissenschaftliche Aufarbeitung von LGBTI-Verfolgung oder die Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit, "wenn Rechtsextreme und Wissenschaftsfeinde 'Gender Studies' verächtlich machen". Außerdem erwarte er Widerspruch von der Bundesregierung, "wenn nach Ungarn nun auch Rumänien die Geschlechterforschung verbannen will". (dk)

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#1 FinnAnonym
  • 22.06.2020, 16:22h
  • Ist ja wieder mal typisch für die Union:

    Einfach mal irgendwelche Behauptungen aufstellen, aber dann den Beweis schuldig bleiben.

    Vermutlich hat sie gemerkt, dass das Unsinn ist, was sie da redet und dass wissenschaftlich längst das Gegenteil bewiesen wurde. In zahlreichen Studien.

    Ob so eine Person dann noch ausgerechnet als Bildungsministerin tragbar ist, darf man sich dann aber schon fragen. Zumal das nicht das erste mal ist, dass diese Bildungsministerin sich ahnungslos bei Wissenschaft zeigt.
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#2 ArghAnonym
  • 22.06.2020, 16:26h
  • Ist schon sehr bezeichnend für diese Regierung, daß ausgerechnet die Bildungsministerin offenbar zu den etwas dümmeren Menschen in unserem Land gehört.
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#3 TimonAnonym
  • 22.06.2020, 16:50h
  • Wie lange will die SPD sich noch mit solchen Leuten an den Kabinettstisch setzen und dieser Partei noch Mehrheiten für ihre Politik sichern?!
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#4 Alexander_FAnonym
  • 22.06.2020, 16:51h
  • Interessant, dass diese Leute immer einen Rückzieher machen, wenn man die von ihnen angeführten, "wissenschaftlich fundierten" Tatsachen (bzw. alternative Fakten) einmal wirklich sehen will.
    Das erinnert mich übrigens daran, dass die große Studie, die uns ein gewisser Herr Kutschera versprochen hat, auch immer wieder verschoben wird. Wir können weiterhin gespannt sein.
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#5 SarkastikerAnonym
#6 AutumnProfil
  • 22.06.2020, 18:07hKöln
  • "Karliczek gilt als homophobstes Mitglied der schwarz-roten Bundesregierung."

    Das halte ich für ein Gerücht. Also klar trifft der Satz auch auf sie zu, aber ich erinnere mal an Herrn Seehofer, an Herrn Müller, und vor allem an Frau Merkel selbst!!!!
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#7 Carsten ACAnonym
#8 ungebildetAnonym
  • 22.06.2020, 18:58h
  • Antwort auf #2 von Argh
  • Wenn Merkel eine stramm katholisch"gläubige" Hotelfachfrau aus dem Münsterland mit der Leitung des Bundesbildungsministeriums betraut, brauchen wir uns über das Ergebnis nicht zu wundern.
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#9 Ralph
  • 22.06.2020, 20:00h
  • Karliczek... das ist doch die Komikerin, die die Kritik an der schlechten Internetanbindung ländlicher Gegenden mit der Aussage konterte, man könne nicht jede Milchkanne ans Internet anschließen. Ich denke, dieser Satz wird ewig mit ihr verbunden bleiben, auch wenn sich mal keiner mehr an was anderes von ihr erinnert.
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#10 TobizAnonym
  • 22.06.2020, 21:47h
  • Ich möchte eine Langzeitstudie, in der bewiesen wird, dass eine Bildunsministerin als Mutter einen schlechten EInfluss auf das Kind hat.
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