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Hollywood-Regisseur

Trauer um Joel Schumacher

Der offen schwule "Batman"-Regisseur ist am Montag im Alter von 80 Jahren in New York gestorben. Im vergangenen Jahr verriet er in einem Interview, dass er mit 10.000 bis 20.000 Männern Sex hatte.


Joel Schumacher führte Regie bei Kassenschlagern insbesondere aus den Achtzigern und Neunzigern, die heute als Klassiker gelten, darunter etwa "St. Elmo's Fire – Die Leidenschaft brennt tief", "The Lost Boys" und "Flatliners – Heute ist ein schöner Tag zum Sterben"

Seinen Höhenflug in Hollywood erlebte Joel Schumacher in den Neunzigerjahren. Michael Douglas spielte für ihn die Rolle eines Amokläufers in Los Angeles in "Falling Down". Er brachte die John-Grisham-Bestseller "Die Jury" und "Der Klient" auf die Leinwand – mit Stars wie Susan Sarandon, Sandra Bullock, Tommy Lee Jones und Matthew McConaughey. "Batman Forever" war ein großer Hit.

Jetzt müssen Kolleg*innen und Fans von Schumacher Abschied nehmen. Der offen schwule Regisseur ist am Montag im Alter von 80 Jahren gestorben. Er starb in New York nach einem einjährigen Kampf gegen den Krebs, wie sein Sprecherteam der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Der gebürtige New Yorker hinterlässt gut zwei Dutzend Filme.

Für "Batman & Robin" entschuldigte er sich später

"Batman Forever" (1995) war ein Kinokassen-Erfolg. Schumachers Vision mit Val Kilmer als Batman und Jim Carrey als überdrehtem Riddler war bunter und schriller als vorherige "Batman"-Verfilmungen. Doch mit "Batman & Robin" folgte 1997 ein Flop. Es gab elf Nominierungen für den Spottpreis "Goldene Himbeere".

Über Niederlagen spricht man in Hollywood ungern, doch Schumacher gab es 2017 zum 20. Jahrestag der Comicverfilmung im Interview mit "Vice" unumwunden zu. "Ich möchte mich bei jedem Fan entschuldigen, der enttäuscht wurde, denn ich denke, das bin ich ihnen schuldig", sagte der Regisseur. "Es wird auf meinem Grabstein stehen, das weiß ich", flachste er.

Drogen, Alkohol und Sex

Schon mit seinem dritten Regieprojekt "St. Elmo's Fire – Die Leidenschaft brennt tief" war Schumacher 1985 in Hollywood aufgefallen. Der Streifen mit den damaligen sogenannten Brat-Pack-Stars (Schauspieler, die häufig zusammen auftraten und auch feierten) Emilio Estevez, Ally Sheedy, Rob Lowe und Demi Moore drehte sich um Drogen- und Liebesprobleme rebellischer Teenager. Der Regisseur bekannte sich damals offen zu seiner früheren Drogen- und Alkoholsucht, die ihm jahrelang zu schaffen machte.

Auch aus seiner Homosexualität macht Schumacher nie ein Geheimnis. "Ich habe mit neun angefangen zu trinken, mit zehn zu rauchen und habe sexuell mit anderen rumgemacht, als ich elf Jahre alt war", erklärte der Regisseur im vergangenen Jahr in einem Interview mit "Vulture" (queer.de berichtete). In seinem Leben habe er mit 10.000 bis 20.000 Männern sexuelle Kontakte gehabt. Diese Zahl sei für einen schwulen Mann nicht außergewöhnlich, meinte Schumacher weiter: "Die meisten schwulen Männer haben viele Partner, weil dies keine 'Nein'-Kultur ist."

Schon als Kind wollte er Regisseur werden

Seine Filmkarriere hatte Schumacher als Kostümbildner begonnen. Unter anderem stattete er Woody Allens Filme "Sleeper" und "Innenleben" aus. Doch schon als Kind habe er den Wunsch gehabt, Regie zu führen, erzählte Schumacher im "Vice"-Interview. Er sei neben einem Kino aufgewachsen und habe Filme gesehen, bevor Fernsehen populär wurde. "Ich liebte Filme und wollte selber Geschichten erzählen."

Nach dem "Batman"-Fiasko an den Kinokassen kehrte der Regisseur zu Independent-Produktionen zurück. In "8MM" (1999) versetzte er Nicolas Cage als Privatdetektiv in die Unterwelt des Hardcore-Pornogeschäfts. Im selben Jahr kam auch sein Film "Makellos" heraus, in dem ein Ex-Polizist (dargestellt von Robert De Niro) lernt, seine transsexuelle Nachbarin (dargestellt von Philip Seymour Hoffman) zu akzeptieren.

Mit Colin Farrell drehte er 2003 "Nicht auflegen". Der Thriller, der hauptsächlich in einer Telefonzelle spielt, war schon nach wenigen Tagen im Kasten. Cate Blanchett trat für das auf wahren Tatsachen beruhende Polit-Drama "Die Journalistin" vor seine Kamera. Seinen letzten Spielfilm drehte Schumacher im Jahr 2011. In dem Verbrecherdrama "Trespass – Auf Leben und Tod" übernahmen Nicolas Cage und Nicole Kidman die Hauptrollen.

Jury-Chef beim Cinepocalypse-Filmfestival 2019

Auch im hohen Alter mischte Schumacher in der Filmszene noch mit. Beim Cinepocalypse-Filmfestival 2019 in Chicago war der Regisseur Vorsitzender der Jury. Eine Woche lang drehte sich alles um Horror, Action und Sci-Fi. Mit "Falling Down" und "Flatliners" zollte das Festival dem Filmemacher Tribut.

Auch wenn Schumacher im vergangenen Jahr offen über die Zahl seiner Sexpartner sprach, nannte er nie Namen. "Ich hatte Sex mit prominenten Leuten, ich hatte Sex mit verheirateten Leuten – aber das werde ich mit ins Grab nehmen", sagte er im "Vulture"-Interview. "Ich habe nie pikante Details ausgeplaudert über jemanden, der so nett war, mit mir ein Bett zu teilen." (cw/dpa)



#1 EngelchenSHProfil
#2 IckeAnonym
  • 23.06.2020, 15:37h
  • Er hatte Batman nie kapiert und das endete mit einem Fiasko und dem tot des Franchise im Kino. Es dauerte Jahre bis Nolan Batman wieder salonfähig machte und aus der Klamaukecke holte. Aber er hatte sein Fehler eingesehen, wenigstens das.
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