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Einzelkommentar zu:
AfD empört sich über Kritik an "LGBT-freien Zonen" in Polen


#15 Alexander_FAnonym
  • 25.06.2020, 20:53h
  • Antwort auf #14 von Homonklin_NZ
  • "Das trifft nur bei bestimmten Kategorien psychischer Störungen so zu. Es gibt nämlich wirklich Konditionen, wo die Betroffenen das auch durchschauen und in planendem Handeln diminutiv ausarbeiten, die Störung dann darin liegt, dass ein Mangel an empathischem Vermögen oder sozialer Kompetenz vorliegt."

    Die Störung, auf die du anspielst, nennt sich narzisstische Persönlichkeitsstörung, und es ist durchaus richtig, dass solchen Menschen der Schaden, den sie anrichten, oft schlicht nicht bewusst ist. Eine solche Störung kann bei manchem AfD-Abgeordneten sicher vorliegen, aber sie ist durchaus über Parteigrenzen hinweg verbreitet, da Narzissten von der Politik außergewöhnlich stark angezogen werden, wird sie doch ihrer Geltungs- und Darstellungssucht am ehesten gerecht.

    "Der "klare" Verstand scheint dann irgendwo stecken geblieben zu sein. Das ist die Schwierigkeit, kann man dann annehmen, dass das eine eher primitive Stufe von "klarem" Verstand ist? Denn die müssten in der Selbsthinterfragung ihrer Sichtweisen mit einem wirklich klaren Verstand schnell merken, wo sie auf dem Holzweg sind, und dass sich solche Ansichten in unserer Zeit gar nicht mehr legitim heran argumentieren lassen."

    Ein Mangel an Selbsthinterfragung hat mit der jeweiligen funktionalen Intelligenz und geistigen Fähigkeit eines Einzelnen nichts zu tun. Bereits Margarete Mitscherlich hat in ihrem Klassiker "Die Unfähigkeit, zu trauern" klar herausgestellt, dass mangelnde Selbstkenntnis und -hinterfragung eine enorme Rolle bei der Parteinahme für Mr. Moustache spielten, dass diese aber eben durchaus enorm gebildete, sonst sehr kluge Menschen befiel.
    Außerdem ist eine solche mangelnde Selbsthinterfragung keineswegs eine psychische Krankheit. Ein Mangel sicherlich, aber ein Mangel, an dem nicht wenige leiden, ohne dass sie zwangsläufig seinen Weg in die AfD finden.

    Das Problem bei der Pathologierung bleibt das Gleiche: wir versuchen damit, diese Ansichten zu exteriorisieren, sie als irgendetwas darzustellen, was völlig fremd und quasi wie Dämonen aus einem Portal über uns hereinbreche. Genau dadurch wird man aber nur für sie anfällig, weil man so von ihr nur Zerrbilder bekommt, nicht aber weiß, worin sie tatsächlich bestehen.
    Das beste Beispiel ist der Mannheimer Reichsbürger Xavier Naidoo: einst Posterboy des "Aufstands der Anständigen" ist er nun ein führender Kopf der extremen Rechten, eben weil er den Kampf gegen Rechts als einen Kampf gegen irgendwelche außerirdischen Dämonen führte, ohne selbst zu merken, auf welchen Pfad er sich begab.

    "Nee, das ist bei AfD und ähnlichen Konsorten doch eine bewusste Auswahl, die aber wiederum auf deren Verblendung oder (freiwillig) beschränktem Denken/Weltbild heran reift.
    Ähnlich wie bei den extremen Religioten, die ihr Weltbild nach stark reduziertem Fassungsvermögen ausrichten, und nach einer Art strikter, künstlicher Ästhetik urteilen."

    Wenn die Auswahl bewusst verliefe, wäre sie nicht so vorhersehbar, wie sie ist. Dass vorhersehbarerweise aber gesellschaftlich stigmatisierte Gruppen ihr Ziel ist, liegt darin begründet, dass sie dieses Stigma irgendwo vorher aufgeschnappt haben. Und hier liegt der Hase im Pfeffer: Rassismus, Homophobie u.ä entstehen nicht individuell, sondern gesellschaftlich. Über "wilde Ehen" (in den 80ern noch ein großes Thema) ziehen AfD-Abgeordnete nicht her, weil diese mittlerweise gesellschaftlich völlig akzeptabel sind. Wenn unsereiner Ziel ihrer Tiraden ist, so weil sich die Gesellschaft insgesamt unserer noch nicht so ganz sicher ist.
    Die extreme Rechte ist so immer nur ein Spiegel der Gesamtgesellschaft und ihr Teil, der die in ihr lauernden und rumorenden Ressentiments nur am lautstärksten und heftigsten äußert.
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