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Fußball

Thomas Beattie: "Ich konnte nicht ewig so lügen"

Fünf Jahre nach dem Ende seiner Karriere hat sich der englische Fußballer Thomas Beattie als schwul geoutet. Er ist weltweit erst der zehnte (Ex-)Profispieler, der seine Homosexualität nicht mehr versteckt.


Auf Facebook und Instagram zeigt sich Thomas Beattie am liebsten mit freiem Oberkörper (Bild: Thomas Beattie / facebook)

In einem Beitrag für den US-Sportsender ESPN hat sich der ehemalige Profifußballer Thomas Beattie als schwul geoutet. "Ich konnte nicht ewig so lügen", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Gesprächsprotokoll. "Normalerweise bin ich ein sehr sozialer Mensch, aber ich wurde unsozial, um Situationen zu vermeiden, die mich entlarven konnten", beschreibt der 33-jährige Engländer darin sein jahrelanges Versteckspiel.

Beattie begann seine Karriere im Alter von zehn Jahren in der Jugendmannschaft des Hull FC. Mit 19 Jahren zog er mit einem Stipendium in die USA und spielte College-Fußball, bevor er in Schottland, Norwegen und Kanada auf professioneller Ebene spielte. Zuletzt stand er von 2014 bis 2015 beim Warriors FC in Singapur unter Vertrag.

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Eine schwere Kopfverletzung beendete seine Karriere

Seine Fußballkarriere musste der Engländer nach einer schweren Kopfverletzung beenden, blieb jedoch in Singapur. Seitdem machte er als Model und Unternehmer von sich reden. Im vergangenen Jahr wurde er vom Magazin "Cleo" zu einem der attraktivsten Junggesellen Singapurs gekürt.

"Ich habe viele Seiten, und eine davon ist, dass ich schwul bin", erklärte Beattie nun gegenüber ESPN. Während seiner aktiven Karriere habe er nie an ein Coming-out gedacht, ergänzte er gegenüber dem amerikanischen LGBTI-Magazin "Advocate". "Ich hatte buchstäblich das Gefühl, ich musste mich für eine Seite entscheiden – für die Person, die ich bin, oder für den Sport, den ich schon immer liebte."

Ehemaligen Teamkollegen reagierten "großartig"

Gegenüber Familie und Freunden habe er sich bereits vor drei Monaten geoutet, erklärte Beattie weiter. Auch mit früheren Teamkollegen habe er gesprochen. Die Reaktionen seien "großartig" gewesen: "Sie wissen, dass ich immer noch derselbe bin. Es ist erfrischend, es ihnen zu sagen." Nun sei er an die Öffentlichkeit gegangen, um "Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich es war, mehr Unterstützung zu geben".

Beatties Coming-out ist auch ein wichtiges Signal für die LGBTI-Community in Singapur. In dem südostasiatischen Stadtstaat können homosexuelle Handlungen nach dem Gesetz immer noch mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden. Eine Klage gegen den selten angewandten Paragrafen, der noch aus der britischen Kolonialzeit stammt, war zuletzt im März gescheitert (queer.de berichtete).

Thomas Beattie ist weltweit erst der zehn Profifußballer, der sich als schwul geoutet hat. Die meisten wagten der Schritt erst nach Beendigung ihrer Karriere. Der Anfang machte Justin Fashanu (England, 1990), der 1998 Selbstmord verübte. Es folgten Olivier Rouyer (Frankreich, 2008), Anton Hysén (Schweden, 2011), David Testo (USA 2011), Robbie Rogers (USA, 2013) Thomas Hitzlsperger (Deutschland 2014), Collin Martin (USA 2018), Matt Pacifici (USA, 2019) und Andy Brennan (Australien, 2019). (cw)



#1 Homonklin_NZAnonym
  • 24.06.2020, 09:45h
  • ""Ich hatte buchstäblich das Gefühl, ich musste mich für eine Seite entscheiden für die Person, die ich bin, oder für den Sport, den ich schon immer liebte.""

    Das hat er schon sehr gut auf den Punkt gebracht, das ist dann ein entweder-oder, und wird sich wohl so lange nicht grob ändern, wie das System im Pro-Sport den Druck nicht unterlässt, hetero, dann stehen alle Wege offen, nicht hetero, dann nee danke, der Nächste bitte.

    Um seinen Traum zu verfolgen, lässt man's dann einfach stecken. Die Entscheidung ist nicht so einfach, wie, na dann werde ich eben Eisverkäufer, Zimmermann oder Bankangestellter, pfeif auf Sport. Das stellen sich viele scheints sehr naiv so vor.

    Mit so nem Body kann man(n) sich oberkörperfrei präsentieren! Yummy!
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#2 BefreiungAnonym
  • 24.06.2020, 11:35h
  • "Ich konnte nicht ewig so lügen"

    Genau das ist der Punkt:
    es geht gar nicht darum, was andere darüber denken, sondern es geht in erster Linie darum, was man sich selbst damit antut.

    Wenn man ständig ein Versteckspiel spielt, sich selbst verleugnen muss, bei jeder Äußerung vorsichtig sein muss, immer aufpassen muss wo man mit wem gesehen wird, etc. kann das nicht ohne psychische Narben bleiben. Die ständige Angst vor Enttarnung macht einen unfrei.

    Oft sind die Reaktionen eh viel weniger dramatisch, als man gefürchtet hat. Aber selbst wenn es auch mal negative Reaktionen geben sollte, ist das bei weitem nicht so schlimm, wie diese Selbstverleugnung und was man sich damit selbst antut.

    Nach dem Outing ist man so frei und glücklich, dass einem irgendwelche Schwachmaten nichts mehr anhaben können und dass das an einem abperlt...
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