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Heimkino

Heimliche Fleischeslust in der Kühlkammer

Vor zehn Jahren bekam "Du sollst nicht lieben" in Cannes reichlich Beifall. Nun läuft die Jerusalemer Lovestory zwischen einem ultra-orthodoxen Familienvater und einem Studenten im Salzgeber-Club.


Szene aus "Du sollst nicht lieben": Aus einer Arbeitsbeziehung zwischen zwei Juden entwickelt sich eine erotische Faszination (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Dieter Oßwald
    25. Juni 2020, 03:37h, noch kein Kommentar

"Ich brauche ihn einfach! Ich war tot – jetzt lebe ich!", so beschreibt Aaron Fleischmann (Zohar Strauss) seine neue Gefühlswelt dem Rabbiner. Der staunt nicht schlecht, schließlich ist Aaron ein angesehener Familienvater in der ultra-orthodoxen Gemeinde von Jerusalem. Und nun diese rigorose Liebeserklärung, die dem jungen Studenten Ezri (Ran Danker) gilt?

Der Zufall hat die beiden zusammengebracht: Nach dem Tod des Vaters übernimmt Aaron die Metzgerei und sucht nach einer Aushilfe für das Geschäft. Da schneit der junge Ezri, vom Regen durchnässt, in den Laden. Nach anfänglichem Zögern gibt der Fleischer dem Studenten den Job, eine schlichte Übernachtungsmöglichkeit im schäbigen Hinterzimmer ist ebenfalls dabei.

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Die intensive Beziehung bleibt nicht unentdeckt


Poster zum Film: "Du sollst nicht lieben" gibt es vom 25. Juni bis 22. Juli 2020 exklusiv auf VoD auf salzgeber.de

Es knistert erstaunlich heftig zwischen dem coolen College Boy und dem religiösen Familienvater. Beim gemeinsamen Ausflug zum nackten Tauchbad knistert das heimliche Verlangen trotz eisiger Wassertemperaturen eifrig weiter. "Warum hat Gott die Lust erschaffen? Für die Läuterung der Seele!", wird Aaron später den Kuss des Studenten verweigern. "Unserer Aufgabe ist es, uns im Zaum zu halten."

Solch hehre Worte sind schnell vergessen, als man sich später im Fleischerladen begegnet und im Kühlraum schließlich die heiße schwule Leidenschaft lodert. Schnell entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen den ungleichen Männern – im homophoben Umfeld der ultra-orthodoxen Gemeinde bleibt diese Liebe nicht lange unentdeckt. "Es gibt Gerüchte", gibt sich des Metzgers Kundschaft geheimnisvoll, drohend fügt man hinzu: "Er ist ein Fluch für die Gerechten!"

Bald fliegen Steine durch die Fensterscheiben, es wird offen mit Boykott gedroht, Plakate an den Hauswänden warnen vor einem "Sünder in der Nachbarschaft", und auch vor körperlichen Übergriffen schrecken die frömmelnden Fundamentalisten nicht zurück. "Wie wollen die Seelen unserer Kinder nicht gefährden", keift ein junger Tora-Schüler. Beim Rabbiner kommt der Hetzer freilich an den Falschen: "Was verstehst du schon von Kindern?", lautet dessen lakonische Antwort.

Dem ständigen Druck und den Feindseligkeiten sieht sich der Student auf Dauer nicht gewachsen. Ezri wird die Stadt verlassen. Aaron wird zu seiner Ehefrau zurückkehren – doch ein souverän gesetztes offenes Ende lässt reichlich Raum für Interpretationen.

Eindrucksvolle Lovestory vor ungewöhnlicher Kulisse

Regisseur Haim Tabakman gelingt mit seinem Kinodebüt "Du darfst nicht lieben", das jetzt nach zehn Jahren im Salzgeber Club als Video on Demand zu sehen ist, eine eindrucksvolle Lovestory vor ungewöhnlicher Kulisse. Atmosphärisch dicht, regelrecht beklemmend schildert er diese klaustrophobische Welt ständiger Gebete, endloser Regeln und permanenter Überwachung. Mit dem überaus ungleichen Liebespaar ergibt sich der dramatische Stoff, aus dem spannende Konflikte gestrickt sind.

"Aaron ist ein verschlossener Mensch, auf seine Art fast fanatisch. Er akzeptiert die Regeln der religiösen Welt, und in seiner Verweigerung, ein Doppelleben zu führen, liegt eine große Stärke", sagt der Filmemacher über seinen Helden. Als Gegenstück tritt dessen Lover auf: "Ezri ist ein 'angry young man', so wie James Dean in '…denn sie wissen nicht, was sie tun'. Schwul sein ist für ihn kein Grund, von seinem Glauben abzulassen. Er handelt klug und religiös in vieler Hinsicht, quasi ein Ein-Mann-Revolutionsmechanismus."

Diesen jungen Wilden gibt der israelische Telenovela-Star Ran Danker, der von den Lesern einer TV-Zeitschrift 2006 und 2007 als "begehrtester Junggeselle des Jahres" gekürt wurde. Den attraktiven Mädchenschwarm, Jahrgang 1983, hat sich dann freilich ein Mann geangelt, wie Danker vor fünf Jahren per Interview seine Fans wissen ließ. Zum Fan-Block zählt allemal sein Regisseur Tabakmann: "Ran wird von der Kamera geliebt. Er ist ein unglaublich intuitiver Schauspieler. Ohne jede Hemmungen – wie Ezri." Für seine Rolle als schwuler Vater mit Adoptionsabsichten in der Serie "Miguel" wurde Danker vor zwei Jahren in Cannes prämiert.

Vimeo / Salzgeber Club | Offizieller Trailer zu "Du sollst nicht lieben" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen

Infos zum Film

Du sollst nicht lieben. Spielfilm. Israel, Frankreich, Deutschland 2009. Regie: Haim Tabakman. Darsteller: Zohar Strauss, Ran Danker, Tzahi Grad, Isaac Sharry. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: hebräische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Salzgeber Club. Vom 25. Juni bis 22. Juli 2020 exklusiv im Salzgeber Club als Video on Demand
Galerie:
Du sollst nicht lieben
8 Bilder