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Neuer Podcast "Wickert trifft."

Söder freut sich über Ehe für alle: "Liebe ist per se segenswert"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder umgarnt im Gespräch mit Ulrich Wickert Lesben und Schwule – und attackiert die AfD. Die zeitweise Annäherung der CSU an deren Agenda sei ein "schwerer Fehler" gewesen.


Markus Söder ist seit dem 16. März 2018 Ministerpräsident des Freistaats Bayern und seit dem 19. Januar 2019 Vorsitzender der CSU (Bild: Mueller /MSC / wikipedia)

Heute startet Ulrich Wickert seinen eigenen Podcast "Wickert trifft.", der monatlich immer donnerstags auf der Plattform AUDIO NOW abrufbar ist. In dem Format hat er Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft zu Gast. Den Auftakt macht der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der mit Wickert u.a. über die Ehe für alle, "Asyltourismus" und die AfD spricht, gegen die er sich mit klaren Worten positioniert.

Wickert attestiert dem CSU-Parteivorsitzenden, ein "moderner Mensch" zu sein, der für moderne Lebensformen wie die gleichgeschlechtliche Ehe stimme. Dazu bestätigt Söder im Podcast, er "fand es schon immer seltsam, dass der Staat den Menschen vorschreiben will, wie sie zu leben haben. […,] Ob sich jetzt Mann und Frau lieben oder Mann und Mann oder Frau und Frau – die Liebe ist per se segenswert. Da gibt's ja keine Qualifikation dazu. Und das finde ich ehrlich nicht nur rückständig, sondern finde ich auch einfach falsch. Ich kann nicht jemand verurteilen, weil er jemand anders sehr mag oder liebt oder so."

LGBTI-Feindlichkeit gehörte lange zum Markenkern der CSU

Bereits nach seiner Wahl zum CSU-Chef im Januar 2019 war Söder auf Lesben und Schwule zugegangen und hatte damit eine vorsichtige Kehrtwende eingeleitet (queer.de berichtete). Im Landtagswahlkampf 2018 hatte die CSU noch offen mit Homophobie geworben: In einer Werbebroschüre wurden gleichgeschlechtliche Paare beispielsweise indirekt als nicht normal dargestellt. Sich für diese Paare politisch einzusetzen, wurde als Schwächung von heterosexuellen Familien eingeordnet. Außerdem setzten sich die Christsozialen gegen LGBTI-Aufklärungsarbeit an Schulen ein – und diffamierten entsprechende Pläne der Opposition mit dem AfD-Kampfbegriff "Frühsexualisierung" (queer.de berichtete).

In Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern werden sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nicht erwähnt (queer.de berichtete). In den vergangenen Jahren hatten LGBTI-Aktivisten immer wieder mehr Engagement von der bayerischen Staatsregierung gefordert, etwa die Einführung eines Aktionsplans gegen Homo- und Transphobie – sie verwiesen dabei auf entsprechende Initiativen in anderen Bundesländern. 2015 hatte die damalige CSU-Alleinregierung allerdings erklärt, dass es "keine Pläne" und "keine Notwendigkeit" für die Einführung eines derartigen Plans gebe (queer.de berichtete). Im Frühjahr letzten Jahres lehnte die CSU auch einen Queer-Beauftragten ab (queer.de berichtete).

Monatelang hatte die bayerische Staatsregierung zudem damit kokettiert, gegen die vom Bundestag beschlossene Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen. Erst nach Einholung zweier Rechtsgutachten, die einer Klage keine Chance gaben, wurden die Pläne im März 2018 zu den Akten gelegt (queer.de berichtete).

"Wir haben damals eine falsche Strategie gehabt"

Im Podcast mit Ulrich Wickert setzt der CSU-Vorsitzende nun auf Vielfalt und Weltoffenheit. "Es gibt auch ungeschriebene Gesetze, wie man miteinander umgeht: Stil, Anstand, der dahinterstehende Respekt", erklärt Söder auf Wickerts Frage nach den gemeinsamen Werten einer Gesellschaft und nennt den Kampf gegen die AfD als Beispiel: "Durch die bewusste Enttabuisierung, und zwar die dauerhafte, mit dem Ziel sich daran zu gewöhnen alles schlecht zu machen, haben diese Gruppen schon einen Teilerfolg."

Auf Wickerts Einwand, er sei mit rechtspopulistischen Begriffen wie "Asyltourismus" selbst an Grenzen gegangen, gibt sich der Ministerpräsident reumütig: "Ich habe ein Wort verwendet, damals in einer Zeit, wo es falsche Entwicklungen gab", so Söder und bezieht sich auf den Wahlkampf seiner Partei bei der Bayernwahl 2018. "Wir haben damals eine falsche Strategie gehabt. Wir haben falsch agiert […] haben gedacht: Kann man das Phänomen AfD damit bekämpfen, indem man das Sachproblem annimmt?"

Seine innere Kehrtwende habe allerdings schnell stattgefunden, "nach wenigen Tagen, nachdem ich gemerkt habe, dass es Leute verletzen könnte, habe ich ausdrücklich gesagt, ich verwende es nicht mehr." Dazu beigetragen hätte auch das Auftreten der AfD während der rechtsextremen Aufmärsche und Ausschreitungen 2018 in Chemnitz, "als ich das erste Mal Herrn Höcke gesehen habe – wirklich bewusst wahrgenommen – wie er mit einer weißen Rose, missbräuchlich instrumentalisiert durch die Stadt gelaufen ist." Das Symbol der Geschwister Scholl gegen die Nationalsozialisten in München in diesem Zusammenhang zu verwenden, habe er als "empörend und anbiedernd" empfunden und daraus seine Schlüsse gezogen: "Ich glaube, ich zähle heute zu den Schärfsten, die die AfD auch angehen und stellen und sich da nicht wegducken (…) Es fühlt sich nicht nur richtig an, es ist auch rational richtig", so Söder.

"AfD bis aufs Messer bekämpfen"

Auch den Kurs seiner Partei schließt der CSU-Parteivorsitzende in diesen Richtungswechsel mit ein: "Der Fehler, den wir im Jahr 2018 gemacht haben, war, dass wir es zugelassen haben, dass der Eindruck entstand, wir stehen auf der dunklen Seite der Macht und nicht auf der hellen, so würde ich es mal als alter Star-Wars-Fan sagen. Das war ein schwerer Fehler. Den habe ich dann auch ziemlich hart korrigieren müssen."

Auf Wickerts Frage nach seiner heutigen Einschätzung der AfD, legt Söder nach: "Die AfD hat sich weiter dramatisch verändert. Die rechtsradikalen Gruppen übernehmen eher die Oberhand. Auch in Bayern ist es so. Sie sind zwar alle intern zerstritten, aber der Höcke-Flügel ist der dominante Teil. Das ist das wahre Gesicht. Und im Grunde genommen ist die AfD nichts anders mehr als eine NPD. Gefährlicher, weil sie eine andere Wirkungsmacht über das Internet hat. Und wenn man die Art und Weise von Hass und Hetze sieht, die betrieben wird, von Verschwörungstheorien, die gemacht werden und unendlich verbreitet, tragen sie einen ganz großen Anteil dazu bei, ein Volk zu verunsichern und zu spalten. […] Und ich glaube auch ganz fest daran, dass wir die AfD bekämpfen müssen. Und ich glaube auch, dass wir sie richtig bekämpfen müssen, und es ist falsch ist, sie zu unterschätzen. Das es falsch ist, zu glauben, wenn man etwas Ähnliches denkt, vielleicht nur anders sagt im Wort, dass man damit Wähler zurückgewinnt. Das ist falsch. Die AfD hat mal ein Plakat gemacht: 'Strauß hätte die AfD gewählt' – falsch! Strauß hätte sie bis aufs Messer bekämpft. Und das tun wir auch."

Dosierte Einblicke in Söders Privatleben

Der CSU-Politiker gibt im Podcast nicht zuletzt dosiert Einblicke in sein Privatleben und seine Kindheit. So erzählt er, sein Vater habe schon früh erkannt, dass sein handwerkliches Talent dem verbalen untergeordnet sei. "Du hast zwei linke Hände, du kannst nur Pfarrer oder Politiker werden", zitiert Söder seinen Vater, in dessen Maurer-Betrieb er in seiner Jugend aushalf.

Auf die Frage zum Ende des Gesprächs, ob ein Bayer Kanzler in Deutschland werden kann, antwortet Söder: "Bislang jedenfalls hat es nur einer geschafft, nämlich Ludwig Erhard, ein Franke, ein Fürther."Das Gespräch zwischen Ulrich Wickert und Markus Söder in voller Länge (cw/ots)



#1 Ralph
  • 25.06.2020, 13:00h
  • Der Retter der Bienen. Der Sankt Georg im Kampf gegen den Corona-Drachen. Der liberale Konservative. Mit einem Wort: die Alternative zu Merz, Laschet, Röttgen. Mir kann keiner erzählen, dass der nicht Kanzler werden will. - Bemerkenswert ist, dass endlich ein führender Kopf der Union klargestellt hat, dass mit der ewigen Nachtreterei und dem ewigen Hinterhergegifte in Sachen Ehe Schluss sein muss. Auch hier Kontrastprogramm: die ewiggestrige AKK und ihre Nachfolgekandidaten und gegenüber der gescheit gewordene Söder. Jetzt bringt er für jeden potenziellen Wähler außerhalb der CSU bzw. der Union überhaupt was mit: Naturschutz, entschlossenen Kampf gegen das Virus und gesellschaftspolitische Liberalität.
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#2 AndreasKAProfil
  • 25.06.2020, 13:14hKarlsruhe
  • Nachtigall, ick hör dir trapsen.

    Ich gehe mittlerweile jede Wette ein, dass Söder der Kanzlerkandidat der CDU/CSU wird und versteige mich zur Prognose, dass er auch noch die nächste Bundestagswahl gewinnen wird.

    Viel besser kann er sich ja nun nicht darauf vorbereiten: Staatsmännisch, konziliant, bodenständig, bäumeumarmend, krisenmanagend, jetzt offen für Minderheiten - wenn er dann noch seinen eigenen Kreuzerlass für öffentliche Gebäude zurücknimmt, ist der Kreidevorrat zum Fressen final aufgebraucht und das Stimmlein gerät vollendet nachtigallensüß.
    ... wir werden sehen, wie es mit den entsprechenden Taten aussieht, die die Flötentöne suggerieren ...

    Oh Mann, das wird eine lustige Nummer mit dem listigen Lurchen ...
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#3 Seutscher SeppAnonym
  • 25.06.2020, 13:31h
  • Na da schau her. Da hat einer Weichspüler gesoffen, um sich als Kanzlerkandidat hochzusäuseln. Und doch entlarvt Söder sich gleich wieder als genau der Kreuzaufhänger, der er ist.

    Der Staat "segnet" nicht! Der Staat muss gleiche Menschenrechte für alle garantieren.

    Aber ach, damals war Homofeindlichkeit für ihn ja nur eine "falsche Strategie". Nun hat er halt seine Strategie geändert, weil's ihm auf Bundesebene opportun erscheint.
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#4 PascaleAnonym
  • 25.06.2020, 13:34h
  • Ja,ja sind ja auch bald wieder Wahlen. 75 Jahre Diskriminierung auch von der CSU und Jetzt kommt Söder daher und glaubt er kann mit ein paar warmen Worten alles vergessen machen. Nur mal zur Erinnerung die CSU hat 2 mal ein Gutachten in Auftrag gegeben um prüfen zu lassen ob die Klage gegen die " Ehe für alle" vor Gericht Erfolg hat. Beide Gutachten haben ergeben, keine Chance gegen "die Ehe für alle" vor Gericht Recht zu bekommen. Die Gutachten kosteten den Steuerzahler 40.000 Euro. Das schlimme an der Situation ist, daß es GLBTI's gibt die auf das Geschwafel herein fallen und die CSU wählen. Wer soll Söder das glauben, dass sich die CSU Politiker ändern werden.
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#5 N8EngelProfil
  • 25.06.2020, 14:28hWenden
  • Beim lesen des Textes dachte ich nur, das es gerade eine gute Chance gibt: das Selbstbestimmungsgesetz der grünen könnte die CSU ja unterstützen, wenn sie es ernst meinen mit dem Wandel.
    Und bevor jemand den Scheiterhaufen für mich errichtet: Ich kann mir nicht vorstellen, das sowas in Kürze passiert, zumal der Vorschlag von einer Oppositionspartei stammt. Es geht ja schließlich nur darum zu erkennen, das Menschen ein würdevolles Verfahren wünschen.
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#6 TomDarkProfil
  • 25.06.2020, 15:51hHamburg
  • Ein Schlitzohr durch und durch.

    Für den eigenen Vorteil und für seine Profilierung hat er schon oft Standpunkte gewechselt und Charakterschwäche bewiesen. Denke da z.B. an den Streit mit Seehofer vor einigen Jahren.

    Hinter jeder guten Tat steckt, stets auch eine mal mehr, mal weniger große Dosis Eigennutz. =)
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#7 Pink FlamingoAnonym
#8 FredericAnonym
  • 25.06.2020, 20:06h
  • Zum 75. Geburtstag der CDU ist im CDU Gratulationions Video von AKK sogar ein kuschelndes Männerpaar im Bett dabei und 2 Frauen im Hochzeitskleid.

    Happy Birthday @ CDU
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#9 stromboliProfil
  • 25.06.2020, 21:05hberlin
  • Antwort auf #5 von N8Engel
  • ...so eine art neuauflage der situation um "ehe für alle"... ?
    Na dann warten wir auf die letzten sitzungstage vor beginnenden neuwahlen und einer kanzlerin, die sich zwecks eintrag in die geschichtsbücher ( siehe auch "atomausstieg und realpolitik..) verplappert.

    Das duo laschert/spahn vergalopiert sich in ihren tagespolitischen tapsigkeiten. Weit entfernt überhaupt eine perspektive oder gar politische vision/en zu haben.
    Merz wird im kommenden spektagel um "Wirecard als hegdefondfuzzi jegliche glaubwürdigkeid selbst in der cdu verlieren. Und csu wird sich nicht noch einmal "verKohlen lassen.
    So bleibt nach dem abgang des leistungsträger amthor, kein wählbarer aspirant mehr über, der selbst bei völligem mangel an fähigkeit, uns den anschein der kanzleiführungsqualitäten vorgaukeln könnte..
    Söder hingegen wird uns mit der dem bayrischen politvolk anhaftenden wurstigkeit in bierzelt-oktober stimmung versetzen.
    O'zapft is gilt denn für die nächsten christlich dominierten 4-8 bis 16 jahre regierungszeit.
    Zeit für uns, uns auf den politischen winterschlaf vorzubereiten.
    Ein wenig speck haben wir ja schon mit efa -ehefüralle- angesetzt. möger der herr alles zum bestewn richten und über unseren schlaf wachen
    Söder for kanzler!
    make schland great again....
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#10 normanjaProfil
  • 25.06.2020, 22:16hNürnberg
  • Ich schätze mal, das der Maggus von Amatonormativität noch nie was gehört hat...
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