Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?36428

Globales Gefälle

Große Unterschiede bei Akzeptanz von Homosexualität

Ärmere und religiöse Länder akzeptieren Homosexualität weit weniger als reichere und weltliche Staaten. Das geht aus einer neuen weltweiten Umfrage hervor. Das Mekka für Schwule und Lesben bleibt Westeuropa, Australien und Kanada.


CSD in Amsterdam: In kaum einen anderen Land haben die Leute so wenig Probleme mit Schwulen und Lesben wie in den Niederlanden (Bild: Eileen / flickr)

Das Pew Research Center hat am Donnerstag seine neue Umfrage zur weltweiten Akzeptanz von Homosexualität veröffentlicht. Das Meinungsforschungsinstitut aus der amerikanischen Hauptstadt Washington untersucht bereits seit 2002, wie sehr sexuelle Minderheiten auf dem Globus in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Das diesjährige Ergebnis lässt hoffen: Die Akzeptanz wächst in den meisten Ländern, noch immer existiert aber ein globales Gefälle ("global divide").

Die Forscher*innen befragten vergangenes Jahr mehr als 38.000 Personen in 34 Ländern auf allen bewohnten Kontinenten. In Deutschland wurden etwa 2.015 zufällig ausgewählte Menschen von Mai bis Juli 2019 per Telefon interviewt.

Das Ergebnis: Am offensten gegenüber Homosexuellen sind westeuropäische Staaten sowie Kanada und Australien. Dahinter liegt eine diverse Gruppe um die USA, Lateinamerika sowie Japan und die Philippinen, die noch relativ tolerant gegenüber sexuellen Minderheiten sind. Sehr moderat ist die Akzeptanz in Osteuropa und Indien, ganz am Ende der Liste liegen Länder in Afrika sowie Indonesien, das bevölkerungsreichste mehrheitlich muslimische Land der Welt.

- Werbung - Video - Abheben und Frankreich und die Welt entdecken

Schweden ganz oben, Nigeria ganz unten

Konkret wurde in den Ländern die gleiche Frage gestellt – nämlich ob Homosexualität von der Gesellschaft akzeptiert werden solle. Das toleranteste Land mit den meisten Ja-Antworten ist demnach Schweden (94 Prozent), gefolgt von den Niederlanden (92 Prozent), Spanien (89 Prozent) sowie Deutschland, Frankreich und Großbritannien (je 86 Prozent). Bestes nichteuropäisches Land ist Kanada (85 Prozent). Am Ende der Skala liegen Indonesien und Tunesien (je neun Prozent) sowie Nigeria (sieben Prozent). Die intolerantesten europäischen Länder sind die Türkei (25 Prozent) sowie Russland und die Ukraine (je 14 Prozent).


In den dunkelgrün eingefärbten Ländern ist die Akzeptanz von Homosexualität am größten. In Ländern ohne Farbe wurde keine Befragung durchgeführt.

Gegenüber der ersten Befragung 2002 hat sich die Akzeptanz in vielen Ländern deutlich erhöht. In Großbritannien schoss sie etwa von 51 auf 86 Prozent in die Höhe, in den USA von 51 auf 72 Prozent und in Kenia immerhin von einem auf 14 Prozent. Deutschland hatte bereits 2002 zu den Ländern mit der höchsten Akzeptanz gehört – die Bundesrepublik verbesserte sich lediglich von 83 auf 86 Prozent.

Weniger Akzeptanz in Griechenland, Tschechien und Russland

Besorgniserregend ist, dass die Akzeptanz seit der letzten Befragung 2013 in einigen mittel- und osteuropäischen Ländern zurückgegangen ist: In Griechenland von 53 auf 48 Prozent, in Tschechien gar von 80 auf 59 Prozent und in Russland von 16 auf 14 Prozent. Dagegen zeigen Länder auf allen anderen Kontinenten einen stetigen Aufwärtstrend.


In den USA fragt das Pew Research Center bereits seit 1994 nach der Akzeptanz – hier zeigte sich ein stetiger Aufwärtstrend, egal ob der Bewohner des Weißen Hauses Demokrat oder Republikaner war

Insgesamt gibt es eine Korrelation zwischen der Höhe des kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukts und der Akzeptanz – das bedeutet, dass reiche Länder Schwule und Lesben eher akzeptieren als arme. Auch Länder, in denen Religion eine größere Rolle spielt, haben in der Regel mehr Probleme mit sexuellen Minderheiten.


Wirtschaftlicher Erfolg und Homo-Akzeptanz gehen Hand in Hand: Die horizontale Linie in dieser Grafik zeigt das Bruttoinlandsprodukt, die vertikale die Akzeptanz von Homosexualität – manche Länder (etwa die Philippinen) sind viel toleranter, als man es von der wirtschaftlichen Leistung erwarten könnte, manche (etwa die USA) sind weniger tolerant

Die Frage der Religion ist auch innerhalb eines Landes von Bedeutung: Diejenigen, die in der Befragung angeben, dass Religion ihnen wichtig ist, sind in der Regel homophober: Am krassesten ist der Unterschied in Israel: Nur 22 Prozent der Befragten, denen Religion wichtig ist, wollen Homosexuelle akzeptieren, aber 62 Prozent derjenigen, denen Religion unwichtig ist. Auch in Tschechien (27 versus 65 Prozent) und Südkorea (13 versus 51 Prozent) gibt es unterschiedliche Ansichten von religiösen und weniger religiösen Menschen. In Deutschland ist dieser Unterschied moderater, aber immer noch messbar (73 versus 91 Prozent).

Dabei spielt es teilweise auch eine Rolle, welcher Religion man angehört. Israelische Menschen muslimischen Glaubens sind etwa viel homophober als Menschen jüdischen Glaubens (17 versus 53 Prozent). In Nigeria sind hingegen Muslim*innen etwas toleranter als Christ*innen, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau (acht versus sechs Prozent).

In zwölf der Länder haben die Meinungsforscher*innen des Pew Research Center auch Unterschiede in der Akzeptanz von Homosexuellen zwischen Frauen und Männern festgestellt – in all diesen Ländern liegt die Akzeptanz beim weiblichen Geschlecht höher, teilweise sogar erheblich. Am größten ist der Unterschied in Südkorea, aber auch in Deutschland haben Frauen (90 Prozent) weniger Probleme mit Homosexuellen als Männer (83 Prozent).



Fans rechtspopulistischer Parteien sind homophober

Innerhalb der Länder zeigt sich laut der Umfrage auch, dass Anhänger*innen rechtpopulistischer oder rechtsradikaler Parteien generell homophober sind als der Rest der Bevölkerung: So wollen etwa in Deutschland nur 74 Prozent der AfD-Fans Homosexuelle akzeptieren, aber 90 Prozent der anderen. Noch größer sind die Unterschiede in Spanien und Tschechien: So wollen nur 68 Prozent der Anhänger*innen der spanischen Partei Vox sexuelle Minderheiten anerkennen – in der Vergleichsgruppe sind es dagegen 94 Prozent. Bei Fans der rechtsextremen tschechischen SPD liegt die Akzeptanzquote bei nur 45 Prozent, bei anderen Tschech*innen aber bei 69 Prozent.



#1 FinnAnonym
  • 25.06.2020, 23:38h
  • Der Schlüssel zu allem ist Bildung. Sie beugt Hass und Fanatismus vor und sorgt für wirtschaftlichen Wohlstand und Unabhängigkeit. Und sie verhindert, dass man sich für dumm verkaufen und bevormunden lässt.

    Deswegen haben Autokraten, religiöse Fanatiker, Homohasser und andere totalitäre Geister ja auch etwas gegen Bildung und versuchen mit aller Macht, Menschen dumm zu halten. Denn dann lassen sie sich viel leichter lenken, unterdrücken, bevormunden und auch leichter ausnehmen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 M SindelarAnonym
  • 26.06.2020, 04:10h
  • Komisch, hätte Thailand weitaus höher eingeschätzt. Bin selber Hetero, mir hat es dort immer gefallen wie deutlich entspannter zu Deutschland viele Menschen mit Katois (Trans) und Schwulen umgegangen sind. Wohlgemerkt ausserhalb der Sextourismuszonen die ich gemieden habe.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 goddamn liberalAnonym
  • 26.06.2020, 09:22h
  • Auffällig, dass die Welt mein Weltbild immer wieder bestätigt. Puh!

    Z. B. zeigt der Vergleich zwischen Südamerika und Afrika, dass es den 'globalen Süden' einfach nicht gibt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 LorenProfil
#5 KerzmanProfil
  • 26.06.2020, 22:42hPrinceton
  • Antwort auf #1 von Finn
  • >>> Der Schlüssel zu allem ist Bildung. <<<

    Einspruch: Bildung allein bringts nicht; Beispiele hochgebildeter homophober, antisemitischer et al. Hetzer gibt es seit eh und je, die Schlimmsten von ihnen betrieben zwischen 1930 und 1945 ihr schändliches Geschäft. Meine These: eine wichtige Charakter-Eigenschaft muß sich zur Bildung hinzufügen, die ich mal >Gutsein< nennen möchte und die neben vielen anderen folgende Komponente beinhaltet: Wohlwollen, Gutherzigkeit, Toleranz und Akzeptanz anderen und deren Lebensformen gegenüber (tut mir leid, klingt etwas hausgebacken, bessere Vokabeln habe ich in meinem online englisch-deutschen Wörterbuch nicht gefunden). Werden Kinder zu diesem >Gutsein< hin nicht frühzeitig domestiziert (wie ich es im Kindergarten in Israel erfahren habe), wird auch ein Höchstbetrag an Bildung nicht ausreichen, kids zu guten Menschen zu formen. Deinen weiteren Ausführungen zur Wichtigkeit von Bildung stimme ich selbstverständlich voll zu.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Alexander_FAnonym
  • 27.06.2020, 15:01h
  • Antwort auf #1 von Finn
  • Falsch, der Schlüssel lautet Säkularisierung. Ein extrem, aber religiös gebildeter Mensch wird immer engstirniger sein als ein ungläubiger Analphabet. Dass Analphabeten leider oft eher auf heilige Männer hereinfallen, steht auf einem anderen Blatte.
  • Antworten » | Direktlink »