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CSDs im Corona-Deutschland

Queere Szene zeigt trotz Pandemie Präsenz

Pünktlich zum 51. Jahrestag des Stonewall-Aufstandes gibt es am Wochenende in Berlin einen unabhängig organisierten CSD mit Mundschutz und Abstandsregeln. Die offiziellen CSD-Veranstalter*innen demonstrieren dagegen nur virtuell.


Party-Trucks und hämmernde Bässe wird es wohl dieses Jahr in Berlin nicht geben (Bild: Jörg Kanngießer / wikipedia)

Am Samstag findet in der Bundeshauptstadt eine von der Corona-Krise geprägte Demonstration für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transmenschen statt. "Nur wegen Corona haben nicht auch Homophobie oder Transphobie eine Pause eingelegt", so begründete Nasser El-Ahmad die Veranstaltung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Der 23-jährige Hotelfachmann ist Organisator der Demonstration (queer.de berichtete). Los geht es um 12 Uhr am Nollendorfplatz (Alle Infos auf der Facebook-Veranstaltungsseite).

Anders als in den Vorjahren organisiert nicht etwa der CSD-Verein die Demo – dieser bietet als Alternative in diesem Jahr virtuelle Veranstaltungen rund um den ursprünglich vorgesehenen Termin am 25. Juli an (queer.de berichtete). Der Pride will dazu unter anderem mit Vertretern der Berliner Klubszene ein Konzept erarbeiten. El-Ahmad meldete die CSD-ähnliche Demonstration stattdessen im Alleingang an – einen rein virtuellen CSD hielt er für nicht ausreichend. Denn Anfeindungen fänden schließlich auch nicht nur virtuell statt, sondern auf der Straße. Das Motto lautet "Pride Berlin: Save our Community, Save our Pride".

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Infektionsgefahr so gering wie möglich halten

Anfangs gab es laut El-Ahmad Kritik an der Massendemonstration in Corona-Zeiten. Seine Kundgebung ist für 1.000 Teilnehmende angemeldet – es könne jedoch auch sein, dass weit mehr Menschen kommen, so der 23-Jährige. Gemeinsam mit anderen Aktivist*innen kümmert er sich um ein Hygienekonzept: Dutzende Ordner*innen, Desinfektionsmittel und der dringende Appell zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sollen die Infektionsgefahr so gering wie möglich halten.

"Jetzt gerade erhält die Veranstaltung weit mehr Zuspruch als Gegenwind", erklärte er. El-Ahmad betonte auch, dass die Veranstaltung keine Party werden soll, sondern eine politische Demonstration. Thematisch soll es unter anderem um LGBT-feindliche Politik etwa in Polen oder Russland gehen, auch mit Black Lives Matter wollen sich El-Ahmad und seine Mitorganisator*innen solidarisieren und auf Rassismus aufmerksam machen. In Berlin-Kreuzberg ist zudem eine linksalternative "Anarchist Queer Pride Rally" angekündigt (Motto: "Stonewall was a riot – we will not be quiet").

Die größte Hauptstadt-Demo am Samstag dürften Black Lives Matter sein: Zu der Anti-Rassimus-Kundgebung am Großen Stern sind für 12.30 Uhr 1.500 Teilnehmer*innen bei der Polizei angemeldet. Es ist aber nicht auszuschließen, dass deutlich mehr kommen. Anfang Juni hatten sich auf dem Alexanderplatz wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen Polizisten in den USA 15.000 Menschen versammelt.

Kommenden Monat ist derweil ein weiterer kleiner CSD unabhängig vom "offiziellen" geplant: Quarteera, die Organisation russischsprachiger LGBT in Deutschland, will am 18. Juli den Marzahn Pride abhalten, im Stadtteil mit den meisten russischsprachigen Bewohner*innen. "Unser Ziel ist, Stereotype aufzulösen und Marzahn zu überzeugen, uns ohne wenn und aber zu akzeptieren, damit wir uns nicht nur am Nollendorfplatz, aber auch in der Landsberger Allee sicher und wohl fühlen können", so die Einladung der Gruppe.

Fahrraddemos werden populär

Die LGBTI-Szene will nicht nur in Berlin auf der Straße präsent sein: Der Verein Hamburg Pride kündigte für den 1. August eine CSD-Fahrraddemo an (queer.de berichtete). "Uns ist bewusst, dass mit der aktuellen Situation auch eine besondere Verantwortung einhergeht", erklärte Vereinschef Stefan Mielchen. Wie El-Ahmad betonte aber auch er, dass der CSD und seine Botschaften "auf die Straße, ins Herz unserer Stadt" gehörten. Auch mehrere andere kleinere CSD-Organisator*innen steigen auf den Drahtesel um: An diesem Sonntag sind in Düsseldorf und Essen Fahrrad-Prides geplant. Im niedersächsischen Oldenburg demonstrierten am vergangenen Samstag Hunderte auf dem Rad für LGBTI-Rechte.

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Kundgebungen in kleiner Form gibt es am Wochenende auch in Würzburg, Konstanz und Weimar. In mehreren Städten in NRW sind zudem unangekündigte "Mini-CSDs" durch die together-Jugendprojekte geplant. Unklarheit herrscht noch in der CSD-Stadt Köln – am 11. Oktober soll zwar "im Rahmen des ColognePride eine Demonstration stattfinden". "Die Form der Demonstration wird den Umständen der Corona-Pandemie angepasst sein", heißt es auf der Webseite. Dafür sind in den nächsten Tagen in der Domstadt mehrere unabhängige Demos für LGBTI-Rechte geplant (queer.de berichtete).

München sagte seine große Parade ebenfalls ab, es soll aber eine "Pride Week" vom 4. bis zum 12. Juli geben, in der verschiedene Organisationen stadtweit überschaubarere Veranstaltungen anbieten. In Frankfurt ist ein Online-CSD mit Videos verschiedener Interviews und Künstler geplant. Außerdem soll es am 18. Juli eine Autodemo in der Innenstadt geben.

Der Berliner El-Ahmad bezeichnete die Anwesenheit der Szene auf der Straße als wichtig: "Dass wir rausgehen und schrill sind, uns anziehen, wie wir wollen – das ist nunmal auch eine politische Sache." (AFP/dpa/cw)



#1 DamienAnonym
  • 27.06.2020, 14:23h
  • gerade meldet inforadio (rbb), dass der umzug in Berlin vom veranstalter auf halbem weg aufgelöst wurde, da er in höhe Hackescher Markt die abstandsregeln nicht mehr durchsetzen konnte.
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