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Politisches Urteil?

Serebrennikow in Moskau schuldig gesprochen

Der offen schwule Künstler ist ein Kritiker des Putin-Regimes, an dem jetzt offenbar in einem Schauprozess ein Exempel statuiert werden soll.


Der offen schwule Regimekritiker Kirill Serebrennikow muss wohl einige Jahre ins Gefängnis (Bild: Facebook / Kirill Serebrennikow)

Zu Update springen: Gericht verhängt Bewährungsstrafe und Berufsverbot (18:38h)

Ein Moskauer Bezirksgericht hat den Starregisseur Kirill Serebrennikow am Freitag laut der Agentur Interfax in einem umstrittenen Verfahren wegen Veruntreuung von Fördergeldern schuldig gesprochen. Das Verfahren gegen den auch in Deutschland bekannten offen schwulen Künstler gilt als Schauprozess gegen die liberale Kunstszene in Russland.

Das Strafmaß wird im Laufe des Tages verkündet. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gegen den 50-Jährigen beantragt. Ihm war vorgeworfen worden, zwischen 2011 und 2014 umgerechnet 1,8 Millionen Euro staatlicher Fördermittel für ein Theaterprojekt veruntreut zu haben.

Zahlreiche russische Künstler veröffentlichten im Vorfeld der Urteilsverkündung Videos, in denen sie ein ungerechtes Justizsystem beklagten. Viele Schauspieler*innen, Sänger*innen und Kulturschaffende erschienen am Freitag vor dem Gerichtsgebäude in Moskau. Sie empfingen Serebrennikow mit Beifall. Viele trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Free Kirill!", insgesamt seien etwa 400 Menschen dort, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Twitter / MoscowTimes

In einer Videoschalte des Senders Echo Moskwy, der über die Urteilsverkündung live im Internet berichtete, sagte der wegen der schwierigen Lage für die Kultur in Russland ausgewanderte Kunstexperte Marat Gelman, dass sich Serebrennikow Feinde im Kreml gemacht habe. Serebrennikow habe sich aber niemals bereichert, betonte er. Der Theatermacher soll 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro) unterschlagen haben.

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Buchhalterin hatte Serebrennikow belastet

Der Starregisseur übt in seinen Filmen und Theateraufführungen immer wieder auch Gesellschaftskritik. Serebrennikow hatte in seinem Schlusswort am Montag seine Unschuld beteuert und hervorgehoben, dass in dem Verfahren keine Beweise vorgelegt worden seien. Zugleich räumte er ein, dass die Buchhaltung seines Theaters schrecklich organisiert gewesen sei. Er verstehe aber nichts von Buchhaltung und Finanzen, sagte er. Deshalb gebe es Experten dafür. Eine Buchhalterin hatte Serebrennikow belastet. Ihr Fall wird in einem getrennten Verfahren behandelt.

Mit Serebrennikow standen auch seine Kollegen Sofja Apfelbaum und Alexej Malobrodski sowie Juri Itin vor Gericht. Die Ermittlungen gegen das Team liefen seit Sommer 2017. Im vergangenen Jahr kam Russlands bekanntester Filme- und Theatermacher nach mehr als anderthalb Jahren im Hausarrest mit Einschränkungen auf freien Fuß.

Auch Merkel setzte sich für Serebrennikow ein

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie internationale Stars hatten sich für den Filme- und Theatermacher eingesetzt. Serebrennikow leitet in Moskau das populäre Theater Gogol-Zentrum. Er inszenierte aber auch in Berlin, Stuttgart und Hamburg – oft in Abwesenheit, weil er im Hausarrest saß und auch nach seiner Freilassung nicht reisen durfte. Tausende Kulturschaffende in Russland haben einen Unterstützerbrief für Serebrennikow unterzeichnet.

Auch in Deutschland gab es im Internet Solidaritätsbekundungen unter dem Schlagwort #freekirill. Die Schaubühne kündigte eine Protestaktion am Freitagvormittag vor der russischen Botschaft an. Dort solle dem Botschafter eine Petition mit mehr als 55.000 Unterschriften übergeben werden. Auch der deutsche Schauspielstar Lars Eidinger rief zur Demonstration vor der diplomatischen Vertretung auf, die auch von Quarteera, der Organisation russischsprachiger LGBT in Deutschland, unterstützt wurde.

Twitter / dw_russian | Eindrücke von der Soli-Kundgebung am Freitag vor der Russischen Botschaft in Berlin

Die Schaubühne Berlin betonte, dass es Anschuldigungen gebe, "die in dem seit 2017 laufenden Strafprozess in keiner Weise belegt werden konnten". Das Theater sei "fassungslos und empört", dass Serebrennikow mehrere Jahre in einem Gefängnis verbringen solle. (dpa/cw)


 Update  18.38h: Gericht verhängt Bewährungsstrafe und Berufsverbot

Der russische Starregisseur Kirill Serebrennikow bleibt in Freiheit. Ein Bezirksgericht in Moskau verurteilte den 50-Jährigen am Freitag zu drei Jahren Haft – die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt. Es sei nicht nötig, ihn von der Gesellschaft zu isolieren, sagte die Richterin Olessja Mendelejewa am Freitag der Agentur Interfax zufolge.

Sie verhängte aber ein Verbot gegen ihn, weiter als Theaterdirektor zu arbeiten. Zudem sollten er und sein Team die veruntreute Summe von 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro) in die Staatskasse zurückzahlen.

Serebrennikow will das Urteil bekämpfen. Er sei nicht zufrieden mit dem Urteil, sagte er am Freitag der Agentur Interfax zufolge in Moskau, als er den Gerichtssaal verließ. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig, betonte Serebrennikows Verteidiger Dmitri Charitonow. Er wolle dagegen Einspruch einlegen.



#1 56James35Anonym
  • 26.06.2020, 13:33h
  • Kein Urteil : eine VERURTEILUNG.
    Schlimm, wenn man bedenkt, dass vor 2 Tagen Putin den Sieg über den Nationalsozialismus feierte und bald die gleichgeschlechtliche Ehe verbieten wird.
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#2 TragischAnonym
  • 26.06.2020, 22:37h
  • Es ist tragisch, Dass trotz all dieser Vorfälle Russland immer noch viel zu sanft angefasst wird. Hier müsste mehr Härte gezeigt werden, auch weil nicht nur Homosexuelle benachteiligt und verfolgt werden, sondern auch Frauen! Von den vielen anderen Minderheiten ganz zu schweigen
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