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Interview

Sven Schelker, haben Sie an schwulen Rollen Geschmack gefunden?

In "Der Kreis" spielte "European Shooting Star" Sven Schelker den jungen Schweizer Travestiekünstler und Aktivisten Röbi Rapp, in "Auerhaus" ist er als schwuler Hippie zu sehen. Wir sprachen mit ihm über Heteros in Homorollen, Nacktauftritte und Ruhm.


Der Theater- und Filmschauspieler Sven Schelker wurde 1989 in Basel geboren (Bild: Promo)
  • Von Dieter Oßwald
    27. Juni 2020, 05:32h, noch kein Kommentar

Sein Kinodebüt gab Sven Schelker, Jahrgang 1989, vor sechs Jahren als Travestiestar mit "Der Kreis". Die wahre Liebesgeschichte des schwulen Paares Röbi Rapp und Ernst Ostertag im Zürich der Nachkriegszeit wurde auf der Berlinale mit dem Teddy Award prämiert und von der der Schweiz in das Oscar-Rennen geschickt.

Sven Schelker wurde als "European Shooting Star" gekürt und erhielt den Schweizer Filmpreis als Bester Darsteller. Die Trophäe holte der Schauspieler erneut in diesem Jahr für das Öko-Epos "Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes", wo er als Schweizer Umwelt-Tarzan im Lendenschurz gemeinsam mit den Ureinwohnern Borneos gegen die Abholzung des Dschungels kämpft. Zuvor legte sich der in Basel geborene Schauspieler neun Kilo Muskelmasse zu, um in "Goliath" einen Bodybuilder zu spielen.

In dem Jugenddrama "Auerhaus" ist Sven Schelker nun als schwuler Kiffer in den Achtzigerjahren zu erleben (queer.de berichtete). Mit dem Schauspieler unterhielt sich Dieter Oßwald.

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Herr Schelker, nach "Der Kreis" spielen Sie in "Auerhaus" schon wieder ein schwule Figur. Ist das Zufall oder sind Sie auf den Geschmack gekommen?

Natürlich hat sich das Tragen von Frauenkleider in "Der Kreis" großartig angefühlt für mich! (lacht) Jeder Art von Verkleidung oder die Aneignung eines anderen Habitus ist unglaublich spannend und macht großen Spaß. Dass ich in "Auerhaus" nun abermals eine schwule Figur spiele, ist purer Zufall. Ich habe es nicht bewusst auf solche Rollen abgesehen, das hat sich einfach so ergeben.


Sven Schelker im Fummel im Film "Der Kreis" (Bild: Edition Salzgeber)


Was sagt der bekennende Hetero-Mann über Kollegen, die ihre sexuelle Orientierung lieber verbergen oder kaschieren?

Es sollte jedem selbst überlassen sein, wie offen er mit seiner sexuellen Orientierung umgehen will oder kann. Für mich hat das Recht auf eine Privatsphäre einen großen Stellenwert.

Was halten Sie von der Forderung, schwule Rollen sollten gefälligst von schwulen Schauspielern gespielt werden?

Warum sollte die sexuelle Orientierung den Ausschlag geben, ob jemand für eine Rolle geeignet ist? Im Theater gehört der Rollentausch zum täglichen Brot auf der Bühne: Frauen schlüpfen in Männerrollen oder umgekehrt. Der Beruf des Schauspielers besteht doch gerade darin, sich in völlig andere Figuren hinein zu versetzen. Möglichst große Schnittmengen mit der eigenen Person sind da nicht nötig. Zumal ich davon überzeugt bin, dass immer eine Schnittmenge besteht.

Für den Bodybuilder in "Goliath" legten Sei neun Kilo Muskelmasse zu. Für den ausgemergelten Öko-Helden Bruno Manser haben Sie heftig abgenommen. Robert de Niro lässt grüßen?

Nein, auch das ist Zufall. Ich suche nicht nach körperlichen Extremen, diese Rollen haben die Veränderung einfach verlangt. Wer wie Bruno Manser sechs Jahre im Dschungel lebt, der hat ganz einfach einen anderen Körper als der bequeme Stadtmensch Sven Schelker.

Gibt es Grenzen, sich zur Schau zur stellen? Wären Nacktauftritte für Sie problemlos?

Ich habe früher gesagt, ich würde nie nackt auf der Bühne stehen, aber das habe ich inzwischen auch schon getan. Momentan habe ich nicht vor, mich vor einer Kamera auszuziehen, so etwas ist ja selten ein expliziter Wunsch eines Spielers oder einer Spielerin. Aber es gibt da kein kategorisches Ausschließen – es kommt einfach darauf an, ob ich mich dabei wohl fühle, es Sinn macht und es nicht einfach darum geht "Und jetzt zeigen wir noch ein Glied".

Was hat Ihnen der Preis "European Shooting Star" gebracht? Für vorige Preisträger wie Daniel Craig war es immerhin eine Stufe auf dem Weg zu James Bond…

Dieser Preis ist unglaublich wertvoll für einen jungen Schauspieler. Ich bekam dadurch eine internationale Agentur, und in der Branche hat dieser Preis eine Reichweite, die mir vorab so gar nicht bewusst gewesen war. Es waren auf jeden Fall drei aufregende Tage auf der Berlinale.


Sven Schelker (li.) als junger Röbi Rapp in "Der Kreis" (Bild: Edition Salzgeber)


"Auerhaus" spielt in den Achtzigerjahren. Hätten Sie gerne damals gelebt? Die gute alte Zeit ganz ohne Handy…

Zwei Wochen dieser legendären Achtzigerjahre habe ich als Baby ja noch miterlebt, insofern war mir das alles gar nicht fremd! (lacht) Diese wunderbaren Kulissen und Kostüme haben sich schon richtig gut angefühlt, um sich auf diese Zeitreise zu begeben. Weil keiner sein Handy am Set dabei hatte, wurde der Dreh zum ziemlich nostalgischen Trip.

Ihr "Auerhaus"-Kollege Damian Hardung hat über 175.000 Follower auf Instagram. Bei Ihnen sieht die Statistik etwas schlichter aus. Sind soziale Medien kein Kick für Sie?

Für mich ist es nicht besonders spannend, mein Leben ständig fotografisch zu dokumentieren. Diese Art von Sprachrohr ist noch nicht so ganz mein Ding.

Welche Rolle spielt der Ruhm für Sie?

Ruhm ist nicht relevant für mich. Klar bekommt man durch größere öffentliche Aufmerksamkeit ein größeres Angebot von Rollen. Aber Ruhm ist für mich nicht die Motivation für diesen Beruf. Ich komme vom Theater und mein größter Kick ist es, zu spielen! Das Blitzlichtgewitter ist mir ziemlich egal, das gehört dann irgendwie dazu.

Was ist die wichtigste Qualität in Ihrem Beruf?

Es ist eine Verbundenheit aus Neugier und Fantasie. Zudem Selbstreflexion und Empathie. All das sollte verpackt werden in eine gute Portion Spiellust.

Ist gutes Aussehen Fluch oder Segen für den Schauspiel-Job?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich glaube nicht, dass ich jemals eine Rolle bekam, nur wegen meines Aussehens. Diese Denkweise fände ich auch falsch. Schließlich ist doch jedes Aussehen außergewöhnlich und höchst individuell. Die inneren Vorgänge sind doch das Interessanteste, sie machen einen Menschen schön – oder eben auch nicht.

Was vermisst der Schweizer in Hamburg?

Man vermisst ein bisschen die sonnigeren Tage. Das Wetter in Basel ist bedeutend besser als in Hamburg. Damit ich kulinarisch kein Heimweh bekommen, habe ich mir bei Besuchen zu Hause immer einen Vorrat vom "Moitié Moitié"-Käsefondue sowie richtige Schweizer Mayonnaise mitgenommen.