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Gedenkstunde

Ramelow: Rosa Winkel heute Zeichen für "Triumph über Demütigung, Diskriminierung und Tyrannei"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gedachte am Sonntag in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.


Ministerpräsident Bodo Ramelow (vorne rechts) trug zusammen mit anderen Teilnehmden der Gedenkstunde eine Regenbogenfahne (Bild: Staatskanzlei Thüringen / twitter)
  • 29. Juni 2020, 02:21h 12 2 Min.

In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar ist am Sonntag an die Verfolgung von homo­sexuellen Menschen durch die Nationalsozialisten erinnert worden. An der Gedenkstunde beteiligten sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und Justizminister Dirk Adams (Grüne). Ramelow trug zusammen mit anderen eine Regenbogen­fahne. Die Gedenkstunde wurde traditionell von der Aids-Hilfe Weimar und Ostthüringen organisiert.

Nach Schätzungen von Historiker*­innen wurden in der NS-Zeit etwa 10.000 schwule und bisexuelle Männer in Konzentrationslager gebracht, etwa 650 von ihnen nach Buchenwald. Dort waren sie die sogenannten Rosa-Winkel-Häftlinge – so markierten die Nationalsozialisten Homo­sexuelle. Im KZ-Buchenwald wurden sie von den Nazis unter anderem für medizinische Experimente missbraucht. Jeder Dritte von ihnen starb.

"Auch heute noch Verpflichtung, aktiv zu handeln"

Ramelow erklärte: "Wir denken an die homosexuellen Frauen und Männer, die unter der Nazi-Verfolgung litten, an die vielen, die sich in ihrer Verzweiflung das Leben nahmen. Wir gedenken aller Opfer, die geschunden, gefoltert und getötet wurden. Und wir wollen aussprechen, was uns alle eint: dass so etwas nie wieder geschehen darf!"

Auch Rudolf Brazda, der letzte überlebende Rosa-Winkel-Häftling von Buchenwald, habe stets in dem Bewusstsein gelebt, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar und unverhandelbar ist, so Ramelow weiter. "Sein Leben steht beispielhaft für die Verfolgungen, denen Homosexuelle in der Nazi-Zeit ausgesetzt waren, aber auch für den Kampf um ein freies und selbstbestimmtes Leben. Er konnte den von Adolf Hitler entfachten Vernichtungskrieg, die zwölfjährige NS-Diktatur, die Verfolgungsmaschinerie der Nazis überleben, weil er nach eigenen Worten 'immer wieder Glück' hatte, aber auch weil er 'verständnisvoll' war und sah 'was andere an Bösartigkeit in sich tragen'. Worte, mit denen Rudolf Brazda die nachgeborenen Generationen aufrufen will, wachsam zu bleiben gegenüber allem Bösen. Worte, die sich an Menschen richten, für die Freiheit und Demokratie ganz selbstverständlich sind: Freiheit der Meinungsäußerung, Religions- und Gewissensfreiheit, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit. Für Rudolf Brazda, der das Böse erlebt und überlebt hat, waren diese Rechte zeitlebens von unermesslichem Wert."

Der Rosa Winkel sei ein stigmatisierendes Symbol für gesellschaftliche Außenseiter, für jede Form von Anderssein gewesen, sagte Ramelow. "Heute steht er als Zeichen für den Triumph über Demütigung, Diskriminierung und Tyrannei." Das Schicksal der Rosa-Winkel-Häftlinge und die Geschichte von Buchenwald seien auch heute noch Verpflichtung, aktiv zu handeln, um Menschen vor ähnlichen Verbrechen zu bewahren. (cw/pm/dpa)

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#1 FredericAnonym
  • 29.06.2020, 09:29h
  • Also für mich steht der rosa Winkel nicht als Zeichen für den Triumph über Demütigung, Diskriminierung und Tyrannei sondern für die grausamen und widerlichen Verbrechen im 3. Reich.

    Aber dennoch eine schöne Geste von Herrn Ramelow die Schwulen Opfer explizit zu erwähnen. Oft genug, werden diese unter den Teppich des Vergessens gekehrt.
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#2 Taemin
  • 29.06.2020, 09:42h
  • Antwort auf #1 von Frederic
  • Herr Ramelow folgt da offenbar christlicher Tradition, die das Kreuz als Symbol des Sieges über den Tod und nicht als Hinrichtungswerkzeug verstehen will. Ich kann ihm da nicht folgen. Unabhängig davon: Das Leid der verfolgten Schwulen war bekanntermaßen nicht groß genug, um Gegenstand des Gedenkens im Bundestag zu sein; desto schöner, dass man das auf Ebene mancher Länder anders sieht. In RLP hat es solches Gedenken durch Landesregierung und Landtag dieses Jahr auch schon gegeben.
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#3 Homonklin_NZAnonym
  • 29.06.2020, 11:17h
  • ""Heute steht er als Zeichen für den Triumph über Demütigung, Diskriminierung und Tyrannei.""

    Also das finde ich dann doch etwas misslungen, hier eine Art Umwidmung zu versuchen.
    Das wäre so, als wenn man sagt, die Swastika stehe heute für das Überleben und Bestehen der jüdischen Kultur. Ein wenig über das nachzudenken, was man in einer Rede verwenden kann, täte so manchem Politiker wohl ganz gut.
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