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"Bewusst provoziert"

Lesbenfeindlicher Übergriff in Berlin

Am Samstag bedrohten junge Männer eine lesbische Aktivistin in Neukölln. LGBTI-Aktivist*innen sehen darin nicht nur einen Dummejungenstreich, sondern den Versuch, lesbische Frauen unsichtbar zu machen.


Ein Infostand der Initiative Rad und Tat e.V. vor Corona-Zeiten (Bild: RuT)

Die lesbische Berliner Initiative Rad und Tat e.V. (RuT) und die Parteiorganisation Die Linke.queer berichten von einem lesbenfeindlichen Übergriff am Samstag in der Bundeshauptstadt. Laut RuT-Chefin Ina Rosenthal sollen ihr drei junge Männer bei einem Dreh in Neukölln Gewalt angedroht haben.

"Eigentlich hatte ich mich gestern darauf gefreut, vor laufender Kamera im Schillerkiez ein Statement abzugeben zu queeren Räumen in der Corona-Zeit und über lesbische Sichtbarkeit. Es sollte alles aber ganz anders kommen", so Rosenthal in einem am Sonntagabend auf Facebook veröffentlichten Video. "Urplötzlich befand ich mich im Mittelpunkt von lesben- und frauenfeindlichen Beschimpfungen. Mir wurde Gewalt angedroht und ich musste erleben, wie es ist, am helllichen Tage angefeindet zu werden."

Die Männer hätten "Scheißlesbe" oder "Ich mach dich platt" gerufen und eine Stunde lang den Dreh blockiert. Die Aktivist*innen hätten drei Mal die Polizei gerufen, "bis diese endlich kam". Bei dem Vorfall habe es sich um einen "bewusst provozierten Angriff" gehandelt, der zum Ziel gehabt habe, lesbische Sichtbarkeit einzuschränken. Rosenthal zeigte sich besonders entsetzt darüber, dass viele Passanten einfach weggeschaut hätten. Daher forderte sie: "Mischt euch ein, wenn ihr Unrecht sieht."

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Aufruf zur Solidarität mit lesbischen Strukturen

Der ebenfalls anwesende Daniel Bache, einer von drei Sprecher*innen von Die Linke.queer, kritisierte am Montag insbesondere die "zögerliche" Reaktion der Polizei. Außerdem sei aus dem Verhalten der Täter hervorgegangen, "dass es sich nicht um einen einfachen Dummejungenstreich handelte". Er beklagte, dass es in letzter Zeit vermehrt zu Angriffen auf die Räume von RuT gekommen sei. "Offen sichtbares, lesbisches Leben stellt für rechtsextreme und extrem konservative Kreise verschiedener kultureller und religiöser Prägung offensichtlich eine besondere Bedrohung dar", so Bache. "Lesbische Strukturen, die ohnehin mit strukturellen Benachteiligungen zu kämpfen haben, verdienen unsere Solidarität und vor allem politische Unterstützung, auch über solche Vorfälle hinaus."

Wir waren am Wochenende in Berlin unterwegs und haben im Rahmen unserer Kampagne "Der Krise gemeinsam die Stirn bieten"…

Gepostet von BAG DIE LINKE.queer am Montag, 29. Juni 2020
Facebook / BAG DIE LINKE.queer | Das Video, für das auch RuT-Chefin Ina Rosenthal vor der Kamera stand

RuT ist laut der Vereins-Homepage 1989 in Neukölln von einer Gruppe älterer und behinderter lesbischer Frauen gegründet worden. Die Initative bietet heute unter anderem Beratung und Nachbarschaftshilfe an. (dk)



#1 KaiJAnonym
  • 29.06.2020, 15:34h
  • Diese offene Tat zeigt, dass Gewalt gegen uns schon längst wieder stärker zu einem Politikum geworden ist. Sie ist hier insbesondere, wie schon immer, gegen die Autonomie von Frauen und allgemein gegen selbstbestimmte Sexualität gerichtet. Gewaltprävention und -ahndung gehören in der Zeit des Rollbacks zuvorderst auf die politische Agenda.
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#2 Homonklin_NZAnonym
  • 30.06.2020, 12:47h
  • Dass Hate-Speech nicht nur ein Problem im WWW ist, müsste lange klar sein.
    Wo sie da mit einem Kamerateam unterwegs ist und niemand zeigt Zivilcourage, das ist schon echt arm.
    Kenne das zwar auch nicht anders, da die meisten Leute keinen Stress oder extra Aufwand wollen, also habe es so in D gekannt. Heute starren die meisten auf ihre Displays, Stöpsel im Ohr, und nehmen nichts mehr wahr. Smombie Nation.

    Ich hoffe, man findet raus, was für eine Männergruppe das war.
    Hat sich viel verändert, seit man Frauen höflich den Vortritt ließ, die Tür öffnete, und freundlich zunickte. Kannte man mal als Benehmen.
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#3 stromboliProfil
  • 30.06.2020, 20:36hberlin
  • Antwort auf #2 von Homonklin_NZ
  • ".. höflich den Vortritt ließ, die Tür öffnete, und freundlich zunickte."

    Man kann es auch anders interpretieren: die auf home und arbeit ständig zurückgesetze frau mal in der öffentlichkeit "präsentieren.
    Der "schwachen" frau das schwere erleichtern.. ( einkaufstüten tragen z.b., muttertag feiern..
    Und last but not least die ansonsten hintenangestellte und beiseitegedrängte mal mit einem lächeln wahrnehmen, sofern diese "unseren erwartungen entsprach...
    So konnte man/n, über alle sonstigen alltäglichen abfälligkeiten hinweg, doch "gentlemen " zu sein.

    Tür öffen und vortritt lassen, machen noch keine wahrnehmung gleicher "augenhöhe " aus, sondern eher das von oben herab, "gnädig" wirken wollen.

    Benehmen in meinen augen ist, einander, geschlechtübergreifend, türen zu öffnen und vortritt zu gewähren; also einfach nicht drängeln.
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